Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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78. Jahrgang Nr. 51 Berlin, 18. Dezember 1914 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bonn eme nt s-Pre» durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vsrorten durch unsere Veririebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 324!. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Vertag: Huciolk Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: versag der „Alltzem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Blosse, Berlin. Tlnhtflt* SfwAel. Von Dr. D. Leim dürfe r, Rabbiner und Prediger ij tlvJU II ♦ jU Hamburg. — Tie Woche. — Das unveränderliche England. Von M. Abel. — Auszeichnungen eines berühmten russischen Ehirurgen über die ruisijchen Ilinverfitäten, die deutschen Barbaren und die Juden. Bvn I. B. Mü nz. - Berthold Auerbach gegen die Engländer. Von Alareus Landau. — Siegfried Laqueur. Von L. G. — Feuilleton: Der neue Christ. Roman von Peter UjvLri. Uebersetzt von Rosa Treneseni. — Russisches. Von Rudolf Pr es der. Der. Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Mhsloivip, Posen, Leipzig. Magdeburg, Frankfurt a. M., Aachen, Wien. — Von Nah und Fern. Ismski. K rieg s b e t r a ch t it 11 g 1914. Bon Dr. D. L e i in d ö r f e r , Rabbiner und Prediger zu Hamburg. nnderbar sind die Wege der Vorsehung. Was in der grauen Vergangenheit der biblischen Zeit in kurzen, lapidaren Worten angedeutet ward im Buche der Bücher, das ist in unserer schicksalsschweren großen Zeit zum großen Teil erfüllt worden. In der Ahnengalerie der gesamten religiösethischen Kulturwelt steht ein bislang wenig beachtetes Bild einer wuchtigen, höchst bedeutsamen Persönlichkeit, der wir heute unsere Würdigung nicht versagen können: Jsmael i b e n A b r a h a m, I j m ael, So h n A b r a h a m s. In der! Genesis, bevor von der Geburtslind Stammtafel Jsäks die Rede ist, beginnt Kapitel 25, 12 mit den Worten: „Ties ist die Geschichte der Nachkommenschaft Jsmaels, des Sohnes Abrahams", und am Schluß von Kapitel 28, 9 wird von der Heirat des Sohnes des israelischen zweiten Patriarchen mit einer Tochter I j maels , des Sohnes A b r a h a m s , berichtet. Abgesehen von der Tradition, wonach das glückliche Greisenalter Abrahams an ein rechtschaffenes Leben Jsmaels, d. h. an seine pietätvolle, dem Stammhause getreue Lebensführung, anknüpft, liest man nicht ohne Rührung von I s m a e i s E r s che inen a n d er Sa h r e seines Vaters anderSeite des Bruders (Kap. 25, 9): „Es begruben ihn Jsak und Jsmael, seine Söhne, in der Höhle Machpela." Jsmaels Namen, seinem Stamm, seinem Wesen und seinem Charakter, auch seinem Besitze und seinen Wohnstätten sind, wenn auch nur flüchtige, so doch kernige Worte und Sätze in der Bibel gewidmet worden. Sie machen uns das tiefe Eindringen in die Psyche jenes in der neuesten Geschichte des Tages eine hervorragende Rolle spielenden Volkes d e s I s l a m s , das sich mit den Völkern D e n t s ch l a n d s und O e st e r - r e i ch - U n gm rns brüderlich verbunden hat, um die „K ämpse Gottes" zu führen gegen eine Welt v o n F e i n d e n der g öttli ch e n G e r ech ti g kei t ans Erden, zur Ausgabe. I s m a et s N a m e ist verknüpft mit dem Gotte s - g ed a u f e n, „I i s ch m a -El" heißt „G o t t h ö r t und wird hören", so oft die Stimme Schmachtender, Leidender zur Höhe dringt, so oft Unterdrückung und Knechtung und Härte in der Menschenwelt Tränen, Seufzer, Klagen und inbrünstige Gebete verursachen und veranlassen, wie es bei Jsmaels Geburt nach Schilderung der Heiligen Schrift (Gen. Ich 2) hieß: „Nenne seinen Flamen, -du heimgesuchte Mutter ohne Heim, Brot und Obdach - Jsmael, d e n n der e w i g e Gott h a t d e i n E l e n d v e r - n o m m e n." I s m a et s S t a m m , der Islam, hat seiner Lehre Mittelpunkt im Gebetknltus gefunden, ihm sind heilige, von alters her geweihte Stätten der Andacht nach seinen festgehaltenen und treu bewahrten Ueberlieferungen Ausgangs¬ und Zentralstätte der Religion. Das urbiblische „Gott hört" ist dort das Wesen des Glaubens, die bewegende Kraft alles religiösen Empfindens und Tuns, und die Höhle Machpela, wo Israels Erzväter bestattet sind, ist einer der allerheiligsten Orte, über welchem sich eine Moschee stolz und erhaben wölbt, der Bekenner des Islams, die sich der vier Patriarchen wie ihres erwählten Propheten Mohammed rühmen: Abraham, Jsmael, Jsak und Jakob. Dieses Volkes Religion hat seit seiner Gründung nicht aufgehört, sich als Religion Abrahams zu nennen, wie I s m a e l als Sohn A b r a h a m s, und das, was unser erster Patriarch als sein T e st a m ent seinem Hause u n d seinen Kindern v e r m acht hat, nämlich Jaassot Zedaka umischpat baarez (Gen. 18, 19), Recht u n d Gerechtigkeit zu vollziehen auf Erden, beseelt auch heute noch die Stämme der Abkömmlinge von Jsmael. Viele Gesetze und Lehren sind im Islam andere als bei den Kulturvölkern des Morgen- und Abendlandes, aber der Glaube an einen Gott, das Festhalten an dem Begriff der Abrahams-Religion und die in unseren Tagen bewiesene Treue zu dem Testamente Abrah ams, an der Seite von Deutschland und Oesterreich-Ungarn als Brudervolk kämpfen zu wollen. Für Recht und Gerechtigkeit auf Erden: dieses erfüllt uns mit hehren b r ü d erlich e n Gef ü h l e n z u I s m aels S p r o s s e n bei aller. Verschiedenheit in Glauben und Sitten, in Lehren und Bräuchen, im Denken und Wollen. Der Stamm Jsmael wird in der Heiligen Schrift als groß und tapfer, als kühn und mutig bezeichnet: Gottes Engel sprach zu Jsmaels Mutter einst: „Ich werde vermehren deine Kinder, und kaum werden sie gezählt werden können" (Gen. 16, 10), und dann (Kap. 21, 13) „zu einer Nation, spricht der Herr, mache ich Jsmael", sodann (Kap. 17, 5, 6) die Verheißung an Abraham, den Vater vieler Völker schäften: „Ich werde dich ausbreiten und dich zu Völkern machen, und Könige sollen von dir