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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-01 · Heft 1 (1.1.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 dm Dank der Geladenen ausgesprochen und seine Worte in ein Hoch auf die Gabriel-Rießer-Loge hatte ausklingen lassen, folgte eine von den Soldaten selbst dargebotene bunte Reihe von deklamatorischen und musikalischen Vorträgen und patriotischen Liedern. Nur allzu schnell flogen die Stunden hin, und zu rasch eilte die Zeit herbei, in der die Mannschaften an die Rückkehr in ihre Quartiere denken mußten. Ein Päckchen echt Thorner Honigkuchen wurde jedem noch als Chanukagabe mit auf den Weg gegeben. — Wie die Gabriel- Rieß er-Loge mit Befriedigung auf die wohlgelungene Veranstaltung zurückblicken kann, so wird auch ihren Gästen die Erinnerung an die schöne Feier gewiß dauernd im Gedächtnis haften. x. Lifsa i. P., 24. Dezember. Es ist auch als ein Zeichen der Zeit anzusehen, daß gegenwärtig in vielen christlichen Kirchen der jetzige Krieg mit dem Kampfe, den einst die Makkabäer geführt haben, verglichen wird. Das ist von ungewöhnlichem Interesse, auch für das Judentum, und ein solcher Vergleich, eine derartige Heranziehung und Beleuchtung von Heldenkämpfen aus der jüdischen Geschichte gewinnt eine ganz besondere Bedeutung im Munde der christlichen Geistlichkeit vor ihren zahlreichen Zuhörern in den Kirchen. So hatte der Erzbischof von Posen, Dr. Likowski, für Sonntag, den 13. Dezember ein feierliches Seelenamt in allen Pfarrkirchen der Diözese Gueseu-Posen angeordnet für diejenigen, die bisher im Kriege gefallen sind, wobei er sich auf die Makkabäer 2, 12, 46 berief, wonach es „ein heiliger und heilsamer Gedanke ist, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden". Ein solches feierliches Seelenamt wurde auch in der hiesigen katholischen Pfarrkirche von dem E h r e n - d o m h e r r u D e k a n P r o p st Ta s ch abgehalten. Dabei verglich er in seiner Ansprache an die äußerst zahlreich versammelte Gemeinde unsere gegenwärtige schwere Kriegszeit mit den großen Kämpfen, welche einst das verhältnismäßig kleine Volk der Juden unter ihrem tapferen Anführer I u d a s M a k k a b ä u s gegen eine lieber macht j von heidnischen Völkern führen mnßte, die es umringten. Judas Makkabäus sei nicht bloß ein tapferer Kriegsheld gewesen, berühmt war er auch durch seine ausgezeichnete große Gottesfurcht. Denn nach den erfochtenen zahlreichen Siegen, in deren Schlachten er viel Volk verloren hatte, ordnete er unter anderem eine Almosensanuulung an und sandte nach dieser 12 000 Drachmen nach Jerusalem, damit dort int Tempel für die in beit Schlachten gebliebenen Krieger ein Opfer verrichtet werde, da nach seinem Glauben es „ein heiliger und heilsamer Gedanke sei, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden befreit werden". Wie ein anderer Judas Maktäbäns habe auch unser g o t t e s f n r ch t i g e r K a i s e r zum inbrünstigen Gebet und zu Opfern für das frevelhaft überfallene Vaterland ausgefordert, das aus dem ihm aufgezwuugenen Kampfe, wie einst das kleine Volk der Juden, siegreich hervorgehen möge. Diese Ansprache : in der Kirche, die am ersten Ehanukatage der Inden stattfand und in altjüdisch-fronnneni Sinne eine „Heiligung des göttlichen Namens" war, konnte nur zur Förderung des Verständnisses für die jüdischen Tugenden der Tapferkeit, des Heldenmutes und des Opfersinnes und zur Beseitigung mancher Vorurteile beitragen. — Breslarr, 24. Dezember. Bei der vor kurzem stattgestmdenen Wahl zur Re p r ä sen t an te n v e v s a nt m I u n g der Synag o ge n g e me i n d c Breslau siegte, wie bereits gemeldet, die gemeinsame Liste des liberalen Vereins der Synagogengemeinde Breslau und des Vereins zur Förderung der Interessen der Syna-! gogengemeinde Breslau. Es wurden gewählt: 1. als Repräsentanten au-f die Dauer von sechs Jahren: Rechtsanwalt Jnstizrat Felix Hirsch borg mit 483 Stimmen, Apotheker Ernst Muhr mit 471 Stimmen, Fabrikbesitzer, Stadtv. Alfred Biel s ch o w s k y j mit 469 Stimmen, Augenarzt Tr. Paul Jungmann mit 456; Stimmen, Bankdirektor Hermann Meidner mit 409 Stimmen, Stadtv. Oberlehrer Professor Tr. Wohlan er mit 406 Stimmen, j Kaufmann und Rentier Hermann Hamburger mit 405 St imj men. 2. Als Stellvertreter auf die Dauer von sechs Jahren: Arzt! un-d Augenarzt Dr. Josef Schl e s i n g er mit 466 Stimmen, Kaut-; mann Martin Fränkel mit 455 Stimmen, Kaufmann Emil! Ephraim mit 452 Stimmen, Primararzt, Geh. Sanitätsrat Tr. Sandberg, mit 451 Stimmen, Kaufmann Josef Kober mit 451 Stimmen, Rechtsanwalt Tr. Rudolf Berschak mit 426 Stimmen, Amtsgerichtsrat Geh. Justizrat Glogauer mit 395 j Stimmen. Als Stellvertreter aus die Tauer von drei Jahren wurden! gewählt: Kaufmann Jacob Blau mit 380 Summen, Kaufmann Leopold Gallo mon mit 378 Stimmen, Bankdirektor Moritz Böhm mit 378 Stimmen, Sanitätsrat Tr. Earl Alexander mit 371 Stimmen. Eingeschriebene Wähler waren- 5164 vorhanden; demnach betrug die Wahlbeteiligung bei insgesamt 491 abgegebenen Stimmzetteln nur zehn Prozent. 22 Güstrow, 24. Dezember. In dem hiesigen Kriegsgefangenenlager befinden sich unter den 10 000 bis 12 000 Gefangenen neben wenigen französischen, englischen und belgischen etwa 300 bis 400 russische Juden. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde hat mit Genehmigung der Kommandantur am Sabbat, den 21. November, den ersten Gottesdienst mH Predigt im Gefangenenlager selbst veranlaßt. Dieser war von der überwiegenden Mehrheit der Gefangenen besucht. Am Tage vorher wurde ein Schrank mit einer Thorarolle, eine Anzahl Gebetbücher und Ritualien in ein zu diesem Zweck zur Verfügung gestelltes leeres Zelt geschasst, und das Stattsinden des Gottesdienstes, so gut es ging, von Zelt zu Zelt bekanntgegeben. Seitdem verrichten eine große Anzahl Nüssen täglich zweimal mit Minjan dort ihren Gottesdienst. Der hiesige Religionslehrer besucht in seelsorgerischer Tätigkeit öfter das Lager. Wegen weiterer Veranstaltungen sind Verhandlungen, die einen Erfolg versprechen, mit der Kommandantur im Gange. J. A. Nürnberg, 24. Dezember. Auf dem Felde der Ehre siel etit hervorragender junger Mann, Herr Leutnant d. N. H e r nt an n Samuel, welcher durch sein tapferes Verhalten zum Offizier befördert und mit dein Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde. Er wurde in Fürth im Waisenhaus erzogen und war später als Kaufmann in der Exportfirma S. D. Zimmer in Fürth tätig. Der Verlust dieses ebenso tüchtigen, wie hochstnn'igen jungen. Mannes erweckte allgemeines tiefstes Bedauern. Der Konunandeur des 14. Jnfanterieregitnents widmete demselben im Namen des Ossizierkorps folgenden Nachruf: „Er war stets der Tapfersten einer und siel am 2 7. November an der Spitze seiner Leute beim Sturm auf ein französisches Erdwerk. Unser Regiment wird ihn nie vergessen." Gez. H., Oberst, Kommandeur des 14. Infanterieregiments. - - Den b a y e r i s ch e n Nt i l i t ä r v e r d i e n st o r d c n dritte r Klasse erhielt: Paul Krackenberger, Leutnant d. R. aus Nürnberg; das Nt i l 11 ü r v e r d i e n st kreuz dritter K l a s s e erhielten Nlax Lorch aus Nürnberg, Einj.-Freiw. Uirteroffizier int 10. Feldartilterieregiment sonne die Unteroffiziere Bing und Regensburger ans Nürnberg vom 8. Feldartillerieregiment. Grsrerrkich-Angarn. Z. Wien, 24. Dezember. Einer der vvrnehniste» und fiihrrnden Geister des Wiener Judentums, Universitätsprosessor Dr, S. Ehrmann, beging am 19. d. M. seinen 60. Geburtstag. Professor Dr. 'Ehrutamt wurde nach Beendigung seiner medizinischen Studien au der Wiener Universität Demonstrator des Hosrntes Brücke, trat int Jahre 1883 in den Dienst des Allgemeinen Krankenhauses, wo er zuerst als Sekundararzt bei den Professoren Jäger mtb Kaposi, später als Assistent cut der Klinik des Hofrats Nemnnnn tätig war. Seit dem Jahre 1900 war er außerordentlicher Professor und seit 1908 wirklicher Professor für Dermatologie an der Wiener Universität und Borstand der Klinik int Allgemeinen Krankenhaus. Der Gelehrte hat eine große Anzahl von fach-wissenschaftlichen Arbeiten verösfentlicht, die seinen Namen auch tut Anslande zu hohem Ansehetr brachten. Sein jüngstes Werk, „Vergleichender diagnostischer Atlas der Hautkrankheiten", ist ein groß angelegtes Werk. Professor Dr. E h r - manu erfreut sich nicht nur tu Fachkreisen, sondern auch in der Gesellschaft besonderer Sympathien. Er ist Großpräsident der österreichischen B.-B.-Logen, Kultnsvorsteher und bekleidet - in mehreren Humanitären Vereinen Ehrenstellen. Aus Anlaß seines 60. Geburtstages erhielt der Gelehrte aus seinem großen Freundeskreise sowie von seilten Kollegen viele Glückwünsche. — Wie der „Egyenlöseg" mikkeilk, erzählt ein Honvedhnsarenobersk in einem Feldpostbrief au seinen Freund folgende Episode: In der Stadt H. begegnete ich dem Präsidenten der dortigen israelitischen Knltusgemeinde, der mir mikteilte, daß der Kommandant der in die Stadt eingebrochenen russischen Truppen, ein General, der Stadt eine Kriegskonkribntion vott 200 000 Kronen anserlegte und dem Kultuspräsidentelt aufkrng, diese Summe innerhalb einer .bestimmten Frist einzuliefern. Das Städtchen war außerstande, diese große Summe anfzubringen, weshalb der russische General damit drohte, die Stadt einäscherli zu lasselt. Gerade zu

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