Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Herrn Lewinski, die Angelegenheit noch einmal der Subventionskommission zur Prüfung vorzulegen, wird abgelehnt, der Vorstandsantrag angenonnnen und damit die letzte Sitzung in diesem Jahre geschlossen. Berlin, 29. Dezember. Bon der L e h r a n st a l t für die Wissenschaft des Indent u m s werden soeben die Prospekte über den dieslointeriaen M o n t a g s v o r l e s u n g s z h k l u s zur Bersendllng gebracht. Nicht ohne innere Ueberwindung sind dieses Mal die Veranstalter an ihre Ausgabe herangetreten. Tenn sie befanden sich in einem gewissen Dilemma. Mit den Montagsvorlesungen lvird ein wohltätiger Zweck verbunden. Würden sich Interessenten genug finden, die der Veranstaltung in erforderlichem Maße Sinn und Verständnis eutgegenbringeu lverden? Andererseits würde es anfs schmerzlichste berührt haben, wenn diese seit dem Bestehen der Lehranstalt regelmäßig durchgeführte, schon geradezu traditionell gewordene und in lveitesten Kreisen sich einer immer wachsenden Wertschätzung erfreuenden Veranstaltung mit einem Male unterblieben wäre. Schließlich behielt doch die Erkenntnis, daß ungeachtet, oder vielmehr gerade in Anbetracht der Schwere der Zeit dem Geiste seine Nahrung nicht vorenthalten werden dürfe, die Oberhand. Bon diesem Gesichtspunkte ans ließ man sich auch bei der Aufstellung des Programms j leiten. Den Zyklus beginnt am 11. Januar Herr Geheimer Regierungsrat Professor Tr. Ludwig Geiger mit einem Vortrag über „Dorothea Mendelssohn". Scheinbar etwas ganz Losgelöstes von dieser Zeit, und doch hat das Thema zahllose Berührungspunkte mit dem Problem unserer Tage. Mendelssohn kam ans dem Ghetto und erschloß ben Juden eine neue Welt. Seine Nachkommen waren die ersten, die in dem modernen Leben sich frei bewegten. Ter Emanzipationsprozeß, der hier begann, ist indessen nicht zll Ende, denn ilnmer noch müssen die Juden um ihre Rechte kämpfen; erst der jetzige Krieg soll den Abschluß bringen und auch die letzten Schranken in der Wertung der Inden als volle Bürger niederreißen. So an der Wende einer Epoche stehend, muß es von besonderem Reize sein, rückblickend den Ausgangspunkt einer Bewegung 31t betrachten, deren günstigen Abschluß man nunmehr erwarten zu dürfen glaubt. In das religiöse Gebiet führt der zweite Bortrag „Anschauungen und Fornren primitiver Völker und ihre Nachwirkungen in höheren Religionen", den der bekannte Berliner Prediger Tr. Joseph Lehmann am 25. Januar halten wird. Eine Steuerung in der Veranstaltungder Montagsvorlesungen bildet die Einschaltung eines Rezitationsabends. Herr Ludwig H a r t a u hatte die Liebenswürdigkeit, seine Mitwirkung hierzu in Aussicht zu stellen und wird am 1. Februar aus dem modernsten aller Bücher, der Bibel, sowie ältere und neuere Dichtungen vortragen. Als vierter Redner wird am 8. Februar- Herr Landtagsabgeordneter Pfarrer Tr. Gottfried Traub über „Krieg und Kultur" sprechen. Ter bekannte Politiker, dessen feinsinnige Stimmungsbetrachtungen während der letzten Kriegsmonate von geradezu wundersamer Wirkung waren, hat hier ein Thema gewählt, das ihm besonders liegt und ohne Zweifel von großer Wirkung sein wird. Ein sehr aktuelles Thema berührt der fünfte Vortrag „Palästina und die Halbinsel Sinai als Kriegsgebiet", den Herr Tr. Alphons Sußuihki am 15. Februar halten lvird. Palästina ist der Sammelplatz des türkischen Heeres, von wo aus es seinen Einfall in Aegypten zu machen und damit England anfs empfindlichste zu treffen versuchen lvill. Aber für Palästina dürfte auch späterhin der Krieg eine vollständige Umwälzung in seiner politischen und wirtschaftlichen Struktur bringen. Alle diese Fragen werden vom Redner, der als Kenner des Orients sich einen Namen gemacht hat, dargelegt werden. Lichtbilder sollen zudem seine Ausführungen beleben und unterstützen. Ten Zyklus schließt daun am 22. Februar Herr Professor I. Hör 0 lv i tz mit seinem Vortrag: „Alte deutsche Denker und die gegenwärtigen Kämpfe für Deutschlands Macht und Ehre". .Mit Rücksicht auf die besonderen Umstände ist beschlossen worden, einen Teil des aus den Montagsvorlesungen zu erzielenden Reinertrages für die vom Krieg Betroffenen zu verwenden. Ein Grund mehr, daß der Veranstaltung das Interesse weitester Kreise entgegengebracht werde. C/*5> Berlin, 29. Dezember. Tie Z i 0 n i st i s ch e Vereinigung für Deutschland hat es sich angelegen sein lassen, sämtlichen Angehörigen ihrer Organisation, die im Felde stehen oder sonstwie militärisch einberufen sind, zum Chanukaseste Liebesgaben zu senden. Es stellte sich bei dieser Gelegenheit heraus, daß schon 1000 Angehörige der zionistischen Organisation einberufen sind. Dem Komitee für die Liebesgaben wurden bei dieser Gelegenheit ferner zweihundert Adressen bedürftiger jüdischer Soldaten, die nicht der Organisation angehören, mitgeteilt, die ebenfalls ohne jede Ausnahme mit Gaben bedacht wurden. Es schlossen sich des weiteren eine Anzahl Gemeinde-Vereine, Shnagogen-Vereine, jüdische Schulen, auswärtige jüdische Gemeinden an, die ihren Angehörigen durch die zionistische Organisation Gaben ins Feld sandten. Insgesamt hat das Komitee 1600 Pakete befördert. Ter Verband der deutschen Juden hat einergroßen Anzahl von Paketen das Feldgebetbuch für die jüdischen Mannschaften des Heeres und die Schrift „Zum Chanukafest 1914, ein Gruß an die jüdischen Soldaten im deutschen Heere" beigelegt. .Im Januar lvird voraussichtlich seitens der Postbehörde wiederum eine Woche zur Beförderung von 5-Kilogramm-Paketen freigegeben werden, und sollen dann die zahlreichen Nachzügler gleichfalls Berücksichtigung finden. Beim Komitee herrscht große Nachfrage nach Adressen bedürftiger jüdischer Soldaten, die regelmäßig mit Gaben bedacht werden sollen. Solche Adressen wie auch Geldspenden nimmt der Vorsitzende des Komitees, Herr Max Wollsteiner, Eharlottenburg, Roscherstraßc 5. jederzeit gern entgegen. §2 Danzig, 24. Dezember. Für die j ü d i s chen S 0 lda te n, die zurzeit in der hiesigen Garnison oder in denhüstigen Lazaretten weilen, veranstaltete am 19. d. M. auf Verlmtassuug von Rabbiner Dr. Kaelter die Borussialoge II. O. V. B. in ihren Räumen« zur Feier der Ehanukasestes einen Festakt und eine Bescherung. Mit Genehmigungder königlichen Kommandantur versammelten sich 71 jüdische Soldaten zur Feier der 'Erinnerung, an bic Makkabäer, Soldaten aller Chargen und Waffengattungen, 31t einem guten Teil Kriegsfreiwillige und solche Krieger, die bereits in der Front gestanden ----- einer von ihnen mit dem Eisernen Kreuz geschmückt. Das weihevolle Anzün«den der Ch-arrukalichter begleitete der Gesang von Oberkan-tor Meisef, lv eitere Gesänge und Deklamationen der Kinder des Kinderhorts der Loge folgten der heiligen Handlung. Sodann hielt Rabbiner Dr. Kaelter die Festrede. In feurigen Worten stellte er die Heldengestalten der Makkabäer in den Rahmen der gegenlvärtigen Zeitlage, um an ihrem Beispiel Opfermut, Gottvertrauen, unerschütterliche Zuversicht auf den Sieg unserer gerechten Sache in seinen Hörern zu wecken. Ein jubelnd aufgenommenes Kaiserhoch schloß seine Rede. Als alter Waffengefährte von 1866 und 1870 hielt dann das älteste Mitglied der Borussialoge Kaufmann I. Levh eine schwungvolle Ansprache a\\ die Kameraden, worauf Offizierstellvertreter Fr. der Borussialoge den herzlichen Dank der jüdischen Krieger aussprach: seine markigen Worte, denen die Wärme des Selbsterlebthabens eine tiefgehende Wirkung sicherte, klangen über frohe und ernste Fronterinnerungeu aus in den Schwur unverbrüchlicher Treue bis in den Tod zum Vaterland und zur Glaubensgemeinschaft. Für die Unterhaltung der Gäste sorgten wohlgelungene künstlerische Darbietungen der Damen Jacobsohn, Jacoby und Krämer sowie des Herren Köster; der Bewirtung hatte sich der Schwesternbund der Borussialoge mit bestem Erfolge angenommen. §2 Thorn, 24. Dezember. Am Sonntag, den 20. d. M., nachmittags, fand hier eine von der G a b r i e l - R i e ß e r - L 0 g e veranstaltete Chanukafeier für die jüdischen Mannschaften der Garnison Thorn statt, zu der etwa 150 Soldaten erschienen waren. In entgegenkommender Weise hatte die Kommandantur ein namentliches Verzeichnis aller hier stehenden jüdischen Mannschaften aufstellen lassen, so daß jeder Soldat eine persönliche Einladung hatte erhalten können. Außerdem war noch durch Kommandanturbefehl auf die Feier aufmerksam gemacht worden. Den Vorstandsdamen der Schwesternloge gehört das Verdienst, die Aula des Gemeindehauses festlich für die Feier hergerichtet und alles aufs vortrefflichste vorbereitet zu haben. Mit dem Vortrag des Niederländischen Dankgebets auf dem Harmonium wurde die Feier eingeleitet. Darauf hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenberg eine Ansprache an die Versammelten, bei der er zunächst die Gäste begrüßte und dann einen Vergleich zwischen den Heldenkämpfen der Makkabäer und dem gegenwärtigen Kriege zog. Nach dem daran sich anschließenden Gesang der Chanukahymne fand die Bewirtung statt. Kurz nach dem Beginn der Tafel erhob sich Herr Justizrat Feilchenseld zum Trinkspruch auf den Kaiser, in den die Versammelten mit einem jubelnden Hoch einstimmten und im Anschluß daran die Nationalhymne gesungen wurde. Nachdem ein zum Heeresdienst eingezogener Bruder der P 0 m 11t e r n 11 i a - L 0 g e in Stettin