Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 dieser Zeit erschienen unsere Truppen. Die Nüssen flohen Huts über Kopf, und allen voran, ans einem Bauernwagei:, flüchtete der General. Der Präsident der Kultusgemeinde verstellte ihm den Weg, streckte den Kutscher mit einem Schuf; nieder und nahm mit Hilfe eines Verwandten den General gefangen. Von Sah mM ffern. Der Vorstand der T o y n b ee h ak le de r B e r l i ne r ^vgen N. £. B. B. veranstaltete am 20. Dezember, am letzten Tage des bhannkafestes, ftir Kinder, denen keine Fdstvsfr-eude zu Hause beschieden ist, eine Channkafeier, an der gegen 400 Kinder teilnahmen. Prediger Dr. L e h m a u n hielt eine Ansprache. Frau Kommerzienrat Stein trug eine Dichtung vor. Die Kinder beteiligten sich mit Gedichten und Liedern. Die Damen des Komitees unter Leitung von Frau- Rabbiner Dr. E s che lba eher belvirteten die Kleinem mit Süßem und erfreuten sie mit allerlei Gaben. Patriotische Lieder schlossen die wohlgelungene Feier. — Am 25. Dezember ist der bekannte, wegen seiner hebräischen Kenntnisse und echtjüdischer Gesinnung allgemein geschätzte Buchdruckereibesitzer, Herr Hirsch Ftzkowski, im Alter von achtzig Jahren verschieden. Tie Beisetzung erfolgte am letzten Montag unter zahlreicher Beteiligung ans dem Friedhof der Gemeinde Adaß Jisroel. Ein großer Kreis von Angehörigen, Bekannten imb Freunden wird dem Entschlafenen ein treues und ehrendes Gedenke!: über das Grab hinaus bewahren. —- Der Charakter als Sanitätsrat ist verliehen worden den Aerzten: Dr. Alfred Hahn, Dr. Salo Wolle n b e r g , Dr. Jul. L o e w e n t h a t, Tr. Isidor I n d a , Dr. Nob. H n r \v i tz . Dr. Gustav Leunhosf, Dr. Mar D ü st e r w ald, Dr. Leopold Byk. Tr. Karl I a c o b y , Dr. Martin K l o p ft o cf, Tr. Alfred M e tz e n b e r g, Dr. Ater H e i - na a n n , Tr. Mar M e n d e l s o h n und Tr. Viktor S ch a l s ch a. Den Charakter als Geheimer Sanitätsrat haben erhalten: die Sanitätsräte Dr. Paul M eher, Tr. Ernst L a n ge r , Dr. Wilh. L u bl i n s k i und Dr. Eugen A r e n d t. — Geh. Negierungsrat Professor Dr. Karl L i e b e r m a n n , der langjährige Vertreter der Chemie an der Technischen Hochschule und an der Universität der erst vor wenigen Tagen zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt wurde, ist am 28. Dezember vormittags an den Folgen einer Influenza und Lungenentzündung im Alter von 72 Jahren gestorben. — Aus Lissa i. P. wird uns geschrieben: Ter „Israelitische Jungf r a n e n v e r e i n „ D e b o r a h " veranstaltete am 17. Dezember seine diesjährige Chanukafeier in der Aula der jüdischen Volksschule. Fräulein Herrn st a dt begrüßte die erschienenen Gäste, worauf nach einem Prolog der Chanukakeuchter feierlich entzündet wurde. Dann hielt Nabbiner Dr. Gelles einen Vortrag über „Die Frau in der Bibel". Nach mehreren musikalischen Darbietungen von einzelnen Mitgliedern schloß die Feier. Dr. Karl Melchior, Syndikus und Generalbevollmächtigter der Firma M. M. Marburg u. Co. m Hamburg, ist für die Zeit, während welcher er infolge einer Verletzung nicht felddienstfähig ist, zur Verfügung des Neichsamts des Innern gestellt worden. —- Es dürfte weitere Kreise interessieren, daß bei den Erneuerungswahlen' zur Münchener Stadtvertretung, welche Mitte Dezember stattfanden, der einzige Kandidat der Antisemiten unterleg.?!: ist. Bon jetzt ab ist daher die Münchener Stadtverwaltung „antisemitenreiu". — Bei der Wahl zur Verwaltung der Israelitischen Knltusgemeind'e in Fürth i. B. sind gewählt worden: 1. Als Mitglied des größeren Verwaltungsausschusses: Sigmund F re u d e n r eich, Simon B r u ck n: a n n , Heinrich S ch l o ß , Justizrat Sigfried W e r t h e i m e r , Max L a n g; 2. als Ersatzmänner: Moritz N e u - b u r g e r , Dr. Jacob F r a n k, Signumd M o r g e n t h a u , Jsak Schwab und Joseph Sahlmann. — Die Städelsche Galerie in Frankfurt a. M. hat das Geuüilde „Schloarzlvaldlandschaft" des noch jungen jüdischen Frankfurter Mnlers Heinrich Gottselig erworben. --- Konunerzienrat Simon Bamberger, Seniorchef der Firma Bam.- berger, Leroi u. Co. in Frankfurt a. M., erhielt von: Großherzog voll Hessen das Ritterkreuz erster Klasse des Sr de ns Stern von Brabant. - - Dr. L. S. O r n st e i i: , Lektor an der Universität in Groningen, ist zum ordentlichen Professor der Physik an der Universität in Utrecht ernannt. Aus Wien wird gemeldet: Der Kaiser hat dem Landsturmoberarzt Dr. Hugo Glaser dein: Festungskvmmaudo Przemysl das goldene Verdienstkreuz mit der Krone cm: Bande der Tapserkeitsmedaill-e in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde verliehen. Dr. Hugo Glaser, seit vielen Jahren Mitglied der Redaktion des „Neuen Wiener Tagblatts", ist als Landstnrmoberarzt in Przemysl eingerückt, wo er als Adjutant des dortigel: Sanitätschefs tätig ist und bereits die zweite Belagerung der Festung miterlebt. — Der Wiener Psychiater Professor Dr. Lothar Frankl, Ritter von Hochwart, Abteilungsvorsteher an der Poliklinik in Wien, ein Sohn des berühmten Dichters Ludwig Aug. Frankl, ist im Alter von 52 Jahren gestorben. Er veröffentlichte mehrere Arbeiten über nervöse Erkrankungen, unter anderen auch über „Die nervöse!: Erkrankungen der Tabakraucher". — Aus Budapest wird geschrieben: Gelegentlich der Znsammenschreibnng der hier wohnenden Untertanen der? feindlichen Staate:: hat der Landesausschnß der nngarfändifche:: Zionisten eine Eingabe an den Minister des Innern: gerichtet in: Interesse der in Ungarn weilenden russischen Juden. Die Eingabe führt ans, daß die hier lebenden russischen Inden aus ihrer Heimat geflohen sind, daß sie mit uns fühlen, unsere!: Sieg wollen und von Herzen herbeiwünschem Der Minister wird gebeten, die eventuellen Resortionsmaßnahmen nicht auf die 'russischen Juden anszudehnen, da sich darüber die Nüssen nur freuen würden. — Die Hairptstadt der Bukowina, Ezernowitz, hat eine Gesamtbevölkerung von 68 000 Einwohnern, lvovon 42 Prozent Juden sind. Die Juden von Ezernowitz stammen meistenteils ans Polen und Rumänien, nur ein kleiner Bruchteil stammt aus den:. Innern Rußlands. Ezernowitz hat auch eine spauiolische Geineinde. Obwohl die jüdische Gemeinde Ezernowitz nicht besonders reich ist, besitzt sie manche Synagogen und Institute. In vergangenen Zeiten war Czernowitz der Sitz einer berühmten hebräischen Druckerei. — Ter rumänische Konsul in Odessa hat die Nachricht erhalten, daß der Eintritt nach Rumänien für die ausländischen Juden gesperrt ist. Eine Ausnahme macht u:an nur mit Aersten. Der rumänische Konsul in Odessa hat das Paßvisieren für russische Juden, die sich in Handelsangelegenheiten nach Rnnräniei: begeben wollten, eingestellt. — Das Pariser Organ der russischen Sozialisten „Golos" erhält ein Telegramm, daß der Warschauer Dumaabgeordnete Jagiello (Arbeiterpartei), der als Reservist der russischen Arnree angehört, in die österreichische Gefangenschaft gerate!: ist. Die Wahl Jagiellos hat seinerzeit zu einer Entflammung des Antiseinitismus in Polen geführt, da Jagiello mit Hilfe jüdischer Stimmen gegen den polnisch-nationalen Kandidaten gewählt wurde. - In London wurde zur L i n d e r u n g de r K r i e g s n o t d e r Juden in Polen ein Fonds gebildet: der bekannte Finanzier R o t h s ch i l d hat l000 Pfund Sterling gezeichnet. — Dem „Berliner Tageblatt" wird ans Kristiania berichtet: Aus Moskau wird von: 26. Dezember gemeldet: Die Zarenfamilie besuchte gestern mehrere Hospitäler und die Militürschulen. Im Kreml empfing der Zar mehrere T e p u t a t i o n e n , darunter auch die der j ü d i s ch e n G e m e i n d e n uüt den: Rabbiner von Moskau an der Spitze, die dem Zarei: 15 000 Rubel zum Besten der russische!: Soldaten überreichte. Der Zar nahm das Geschenk an, dankte der: Gebern und unterhielt sich längere Zeit mit den: Nabbiner. Abends reiste der Zar an die Front, lvährend die Zarin sich mit den: Thronfolger und den Prinzessinnen nach Zarskoje Selo begab. — Ans Konstantinopel wird berichtet: Der Sultan hat der Gattin des amerikanische!: Botschafters Morgenthau der: Großkordon des Chefakatordens und dei: drei Töchter!: des Botschafters, Madame Foix, Mme. Werthein: und Fräulein Ruth Morgenthau,*' denselben Orden zweiter Klasse verliehe!:. Diese hohe Auszeichnung erfolgte in Anerkennung der hohen Verdienste, welche die Familie des Botschafters sich um die Unterstützung und Ansspeisung von Schulkinder!: in den ärmsten Vierteln von Konstantinopel erworben hat. Seit mehreren Monate!: schon werden siebzig Schulkinder aus Kosten der Frau des Botschafters Morgenthau täglich vollständig verpflegt. Anläßlich ihrer hohe!: Ansz-ei-chnung beschloß Mure. Morgenthau, die Ansspeisung von lVeite reu dreißig Schulkindern auf sich zu nehineu, so daß die Zahl ihrer Schützlinge nunmehr hundert beträgt. Bekannt ist-, daß Fräulein Ruth Mor>genthau ii: den von ihr geschaffenen Tagesheimen äls frei-, willige Lehrerin in hochherziger Weise wirkt. - Die Herren S. K a P l a n s k y - K a P l a n und Tr. B. E P st e i n von: Hauptbureau des Jüdischen Nationalsonds sind in New Dork eingetroffen, u:n in: Interesse des Nationalsonds eine Propagandatournee in den Bereinigten Staaten zu u!:ter::ehn:en. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.