Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-01-01 · Heft 1 (1.1.1915) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 1 (1.1.1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229177-3229179--70997-3284215
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

12 „Sind dünne Balken teurer?" „Nicht doch. Im Gegenteil, sic sind billiger, viel billiger, mindestens um fünfundzwanzig Prozent." „Na, sehen Sie — lächelte Littauer. -- Die Wissenschaft kennt keine unlösbaren Probleme. Also schassen Sie ein Gerippe von feiner Konstruktion an. Ihr Salär, Herr Ingenieur, soll mit fünfundzwanzig Prozent gebessert werden." Die Sache war in Ordnung. Die fieberhafte Tätigkeit tat Littauer sehr wohl. In Letöce konnte er sich nur selten aufhalten, and fern von dort dachte er wenig an die heimischen Unannehmlichkeiten. Wenn ihm hier und da manches Verdrießliche in den Sinn kam, vertiefte er sich gleich in seine Pläne und Rechnungen, und dann vergaß er bald die Eseleien von Letöce. Denn jetzt, da sich sein erster Zorn gelegt hatte, bezeichnete er die erbitterten Scharnrützel und Plänkeleien als Eseleien. Er >var nicht imstande, jemandem nachhaltig zu grollen und konnte auch nicht ungerecht sein. Er fing an, den gegen ihn gerichteten Haß zu begreifen und ganz natürlich zu finden. Mit vollem Rechte durften die Juden sich durch sein Vorgehen verletzt fühlen. Ob es ihm tvvhl jemals gelingen werde, die Juden zu versöhnen? So oft ihn seine inneren Angelegenheiten beschäftigten, stellte er sich diese Frage. Er empfand eine Leere in seinem Leben, seitdem die alte Religion daraus ausgeschaltet wurde. Ihm fehlte das närrische Gitl und das Zelt-Fredele, denen er Wohltaten erweisen konnte, und es fehlte Samuel Spitz, der ihm Wohltaten erwies. Gewiß waren auch diese böse auf ihn, auch diese betrachteten ihn als ihren Feind, das taten doch auch die Schuljungen. Seitdent er vor Gutlohns Hanse das Kreuz errichtet hatte, wurde er in der ganzen Umgebung von Letöce für den wildesten Antisemiten gehalten. Wie könnte er ein Antisemit sein? Er wollte sich nur nichts gefallen lassen. Das aber kennzeichnete den Juden in ihm. Am ineiste» verdroß ihn, daß all dies die armen Leute büßen inußten. Es >var Littaners ehrliche Absicht gewesen, daß von dein reichlichen Nutzen des Baues manches den Juden zukvmmen sollte. Von Juden wollte er das Material zuführen lassen, Juden als Lagerverwalter, Arbeitsaufseher anstellen. Auch gedachte er kleine Konsortien zu gründen und einzelne Gruppenarbeiten diesen als Subunternehmen zu überlassen. Natürlich tourde aus diesen schönen Plänen gar nichts. Die Juden hatten sich von ihm schroff abgewendet, sogar die armen Juden. So wurde die Kluft, die zwischen ihm und seinen ehemaligen Glaubensbrüdern entstanden war, immer breiter. Nur ein Gotteswunder konnte dieselbe überbrücken. Eines Tages glaubte er, das Wunder wäre geschehen. Der Deputierte des Kreises war gestorben und man mußte an die Wahl eines netten Abgeordneten denken. Könnte er in jene Kluft ein paar starke Pfeiler bauen, die sich aus dem felsensestcn Vertrauen des Volkes zusammenfügten, dann könnte auch jene Brücke gebaut werden. Ohne Zögern begab er sich nach Letöce und eilte dann zu Sonngotts. Er hatte mit Sonngott eine lange und vertrauliche Unterredung, und als sie im Einvernehmen waren, benutzte Littauer den nächsten Zug, um in die Hauptstadt zu fahren. Er hatte dort an verschiedenen Orten zu tun. Im Minisleritim, im Lloydklnb, an der Börse, im Gebäude der Ersten Vaterländischen Sparkasse, int Abgeordnetenhaus, auf dem politischen Korso, kurz überall, wo man die einzelnen Zipfel des Mandats fassen kann. Als er alles vorbereitet hatte, suchte er seinen Sohn auf. Er ließ Gaston kaum soviel Zeit, um sich nach den Fernweilenden zu erkundigen. „Packe deine Reisetasche", drängte er ungeduldig. „In einer halben Stunde müssen wir wegfahren." „Auch ich?" „Selbstverständlich. Rasch, Gaston, rasch, sonst versäumen wir den Zug." „Sage mir wenigstens, wohin wir reisen." „Wohin? Nun, nach Hanse. Du wirst als Abgeordnetenkandidat auftreten." Gaston setzte sich. „Es ist eine große Ehre," sprach er mit stillem Lächeln, „doch ich trage kein Verlangen danach." „Du mußt es, Gaston, du mußt es." „Bedaure, mein Vater, aber jetzt geht es wirklich nicht. Schau', ich stecke bis an den Hals in Arbeit. Bevor ich dieses Buch nicht vollendet habe, weiche ich keinen Schritt aus der Hauptstadt." „Du schreibst ein Buch?" „Ja, über die Rassen. Weißt du, ich befasse mich schon längst mit der Frage des Ursprungs und der Entwickeltmg der Rassen. Jetzt bringe ich es zu Papier." (Forts, folgt.) Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Der Fahnenträger. Roman von Georg Engel. Erstes bis fünftes Tausend. Grethlein u. Eo., G. rn. b. H., Leipzig. Hebräische Rhythmik. Die Gesetze des altteftamentlict>en Versand Strophenbaues. Kritisch dargestellt von Eduard König, Dr. lith., semit., Phil., theol., ordentlicher Universitätsprosessor und Geheimrat in Bonn. Halle a. d. Saale, Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. 1914. Monumenta Hebraica Monumenta Talmudica. Unter Mitwirkung zahlreicher Mitarbeiter: Professor Dr. Karl Al brecht, Oldenburg i. Gr.; Dr. Salomon Funk, Boskowitz; Professor Dr. Rivard Schlögl, Wien. Fünfter Band: Geschichte. 1. Teil: Griechen und Römer. Bearbeitet von Samuel Krauß. Zweites Heft 1. Zweites Heft II. Orionverlag, Gesellschaft m. b. H., Wien und Leipzig. 1914. Der Josephtatraktat Ros Hassana in vokalisiertem Text. Mit sprachlichen textlichen Bemerkungen von Lic. Paul Liebig, Gymnasiallehrer in Gotha. Preis 0,50 Mark. Bonn, A. Marcus und E. Webers Verlag 1914. Die Seelenhygiene des Maimonides. Auszug aus dem 3. Kapitel des diätetischen Sendschreibens des Maimonides an den Sultan Al lnalik Alafdhal (ca. 1198). Zum ersten Male nach seiner Oxforder arabischen und Münchener hebräischen Handschrift, herausgegeben, übersetzt uiib kritisch beleuchtet von Rabbiner Dr. Kroner, Oberdorf- Bopsingen. Stuttgarter Ausstellung der Gesundheitspflege. Sommer 1914, Frankfurt a. M., Verlag von I. Kauffmann. Zur Geschichte der jüdischen Ritualbäder in Württemberg. Anläßlich der Ausstellung für Gesundheitspflege. Stuttgart 1914. Von Rabbiner Dr. Kroner, Oberdorf-Bopsingen. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann. Die reine Wahrheit über die Ursachen des europäischen Weltkrieges! Jeder Deutschlesende und Deutschsprechende in Amerika muß in diesen Tagen diese Broschüre lesen! Für den gesamten Inhalt verantwortlich Albert A. Strauß. 104 West 89th Street, New Jork City. Sole Edition Price 25 Cents. The absolute Truth in Regard to the Causes of the European World War. Every Educated and Neutral Citizen of the United States should read this Pamphlet! Copyright by Albert A. Strauss, Responsible for the complete contents: Albert Strauss, 32 Union Square, New York City. Der Krieg. — Eine Schicksalsstunde des jüdischen Volkes. Von Wlad. W. Kaplnn-Kogan. Mit einer Karte des jüdischen Ansiedelungsrayons in Rußland. Bonn 1915. A. Marcus und E. Webers Verlag.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.