Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Hausfriedensbruchs belegt; von der Anklage der Körperverletzung wurden, aber beide wegen Mangels an genügenden Beweisen freigesprochen. In der Urteilsbegründung bezeichnete der Vorsitzende die Vorgänge als skandalös und des Deutschtums unwürdig. Er bedauerte, daß dem als Zeuge geladenen Goldmann so arg mitgespielt wurde und daß die Polizei nicht rechtzeitig eingriff. I. A. Nürnberg, 3. Dezember. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt: Herr Hugo Gutmann, Artillerie-Leutnant der Reserve, zurzeit Adjutant im bayerischen Neserve-Jnfanterie- Regiment Nr. 16, Mitinhaber der bekannten Bureauartikelfirma S. Gutmann. Der Genannte wurde bereits früher mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse und dem Militärverdienstorden mit Schwertern 4. Klasse ausgezeichnet. Das E i s e r n e K r e u z 2. Klasse erhielt: Julius Herbert Lax, Unteroffizier im daher. 14. Jnf.-Regt., Sohn des prakt. Arztes Dr. Lax in Zirndorf bei Nürnberg. Den M i l t t ä r v e r d i e n st o r d e n 4. Klasse erhielten: Hauptmann d. L. und Rechtsanwalt Dr. Albert Kann; Stabsarzt Dr. Ludwig Obermeier- Nürnberg. §2 Frankfurt a. M., 3. Dezember. Eine schöne und würdige Chanukafeier veranstaltete die Verwaltung des Krankenhauses der israelitischen Gemeinde, in welchem bekanntlich weit über 100 Ver- . wundete aller Konfessionen verpflegt werden, für die dort befindlichen jüdischen Soldaten. Am ersten Abend des Festes, um 8 Uhr, fanden sich die Festteilnehmer im Sitzungssaal ein. Neben den Mitgliedern des Pflegamtes waren auch der Vorsitzende dcr israelitischen Gemeinde, Herr Justizrat Dr. Blau, sowie Herr Rabbiner Dr. N o b e l erschienen. Nach dem üblichen Anzünden der Lichter durch Herrn Ver-! lvaltungsinispektor Ähre n s wurde von allen Anwesenden die Fest- I Hymne freudig angestimmt. Dann nahm Herr Rabbiner Dr. Nobel - das Wort zu seinem geistvollen' Vortrag, in welchem er sich über "die! Geschichte des Chanukafestes, insbesondere über den Gegensatz zwischen! dem entarteten Heidentum/ und der sittlichen Weltanschauung dps! Judentums, verbreitete, welch letztere in dem Sieg des Rechtes gipfelt,! desselben Rechtes, für das auch wir in diesem Weltkrieg einstehen. Nach! einigen Psalmrezitationen schloß der geschätzte Redner mit einem tief- , empfundenen Kriegsgebet. Nun kam die Fröhlichkeit zu ihrem Recht. j Die Verwaltung hatte es an nichts fehlen lassen; da gab es zu trinken, i zu rauchen und zu naschen. Lieder zur Laute und andere hübsche! Darbietungen trugen dazu bei, die Ehanukastimmung zu erhöhen. > Jeder Soldat erhielt eine schöne Erinnerungsgabe und dazu noch einen! Teller mit Obst, Nüssen, Konfekt u. dgl. Zum Schluß stattete! einer der Verwundeten im Namen aller Kameraden den innigsten Tank! ab für die ihnen bereitete wohlgelungene Feier. Er sprach allen aus ' der Seele, als er dabei auch die ausgezeichnete Verpflegung rühmend! hervorhob und für sich und seine Kameraden das Versprechen gab, der! Verwaltung, den Aerzten, Schwestern und Helferinnen ein dankbares! Andenken zu bewahren und die ihnen hier erzeigte Liebe mit Treue gegen das Vaterland zu lohnen. Es war schon spät am Abend, als die schöne Feier beendet war. Stuttgart, 3. Dezember. Aus den: Rechellschaftsbericht des Vereins israelitischer Lehrer und Vorsänger in Württemberg für 1914/15 ist zu entnehmen, daß sieben Mitglieder unter den Waffen stehen, davon fünf an der Front, einer davon ist gefallen. Ihre Vertretung erfolgt auf Anordnung der israelitischen Oberkirchenbehörde durch Nachbarkottegen. Zwei Mitglieder (Kahn-Laudenbach und Dernheim-Niederstetten) sind im Berichtsjahre gestorben. Die Einnahmen des Vereins betrugen 6373,75 Mark, die Ausgaben 6414,30 Mark, das Vermögen 80 000 Mark. Stratzbrrrg, 3. Dezember. Dem Beispiel der Protestanten und Katholiken folgend, hat sich hier auch ein jüdischer Kriegsfürsorgeausschuß für die Reichslande unter.dein Vorsitz des hiesigen Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil gebildet, der Spenden für die durch den Krieg geschädigten jüdischen Elsaß-Lothringer sammeln und einen Teil derselben der dortigen interkonfessionellen Kriegshilfe zuweisen will. Unter den in Elsaß-Lothringen durch den Krieg Geschädigten befindet sich natürlich auch eine Reihe unserer Glaubensgenossen, bei denen augenblickliche Hilfe dringend not tut. Eine Anzahl ist als Geiseln nach Frankreich verschleppt worden. Eine noch größere Zahl hat unter dem Zwange der Kriegsnotwendigkeit Haus und Hof verlassen müssen und sieht sich, eigenen Vermögens bar, auf Unterstützung aus öffentlichen und privaten Mitteln angewiesen. Bei anderen ist Hab und Gut unmittelbar durch den Krieg vernichtet worden. Die im Sperr- und Operationsgebiet erlassenen Vorschriften, durch die der Verkehr von Ort zu Ort verboten ist, haben eine Anzahl Gewerbetreibender, wie Hausierer, Makler und ähnliche Berufe, der Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, beraubt. In zahlreichen Fällen stehen die Erwerber und männlichen Mitglieder im Felde, und Verdienstmöglichkeit ist für die Zurückgebliebenen nicht gegeben. So sieht gerade der kommende Winter viele Hunderte unserer Glaubensgenossen in Elsaß-Lothringen in der drückendsten Notlage. Es ist eine Ehrenpflicht derjenigen, die nicht unmittelbar unter ber Not des Krieges zu leiden haben, ihren bedrängten Glaubensgenossen zu Hilfe zu kommen. Gesterreich-Angarn. K. Wien, 3. Dezember. Im befreiten Galizien wurde, wie die „Union" vor einigen Wochen berichtete, mit einem Schlage die Jndenfrage in den Mittelpunkt der Erörterungen gestellt. Ter Streit nahm nach den polnischen Blättern seinen Ausgangspunkt von Tarnow. Dort war ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung evakuiert worden und hatte die Geschäfte gesperrt. Der Reichsratsabgeordnete und Bürgermeister Dr. Tertile war zurückgeblieben und besorgte, soweit es eben ging, die Geschäfte der Stadt. Um die geschlossenen Läden angeblich vor der Plünderung der Russen zu bewahren, ließ er sie öffnen und die Waren durch von der Stadt bestellte Sachwalter verkaufen. Ein großer Teil dieser Geschäfte ging auf andere Kreise über, und die nach dem siegreichen Vormarsch der verbündeten Heere nach Galizien heimgekehrten Juden sahen sich der Tatsache einer nie bestandenen Konkurrenz gegenüber. In Tarnow machten sie dein Dr. Tertile noch dazu den Vorwurf, daß die von der Stadt eingesetzten Sachwalter die Warenlager tief unter dem Werte verkauft halten. Dr. Tertile hat auf diese Vorgänge hin sein Amt niedergelegt und eine Untersuchung gegen sich beantragt. In der Zwischenzeit wurde von der Regierunug der Vorstand der jüdischen Kulturgemeinde Dr. Münz mit der Führung'der Geschäfte der Stadt betraut. Ähnliche Vorfälle werden aus allen anderen Orten gemeldet, in welche die jüdischen Flüchtlinge wieder zurückgekehrt sind. — Das Amtsblatt der „Wiener Zeitung" veröffentlichte folgende Kundmachung: Die Weiterverbreitung und postamtliche Beförderung der Ansichtskarte mit dein Zeichen „S. M. P. Krakow", die eine Verspottung jüdischer Soldaten darstellt, ist verboten. Budapest, 3. Dezember. Von den Inden in Saloniki, das jetzt wieder in aller Munde ist, entwirft die hier erscheinende „Allgemeine Jüdische Zeitung" folgende Schilderung: Ein eigenartiges Bild bietet Saloniki mn Freitagabend und -am Sonnabend. Saloniki ist eine Stadt der Juden, die hier mehr als drei Fünftel der (über 100 000 Seelen zählenden) Bevölkerung bilden, während die Griechen nicht mehr als ein Fünftel ansmachen; die Juden geben also der Stadt das Gepräge. Am Freitagabend, wenn die Sterne am Himmel aufleuchten, wandern die Juden in ihre Bethäuser, deren Zahl in die Dutzende geht und die doch nicht genügen, so daß auch in den Privathäusern und selbst unter freiem Himmel Gottesdienst abgehalten wird. In den Wohnungen und aus den offenen Terrassen sieht man die Sabbatlampen brennen, die Hausleute um weißgedeckte Tische in festlicher Kleidung sitzen und hört sie jubelnd Lieder singen zu Ehren der Sabbatbraut, zum Lobe Jerusalems. Am Sonnallend entwickelt sich in den -engen Gassen ein Fstertagsleben. Alle Geschäfte sind geschlossen, alle Räder stehen still, alle Arbeit ruht, denn jeder Kutscher, jeder Lastträger ist Jude. Auch der Verkehr im Hafen liegt am Sonnabend still. Man sieht am Meeresstrand und in den Straßen nur Spaziergänger. Diese Juden von Saloniki sind ein Geschlecht von großen Männern und schönen Frauen, und wenn sie in ihren prunkenden orientalischen Gewändern erscheinen, könnte man sich, nach dem alten Palästina versetzt glauben. Die Umgangssprache der meisten Saloniker Juden ist die spaniolische. Sehr viele sind wohlhabend, einige ungeheuer reich, wie die Familien Modiano, Morpurgo, Bensosson, Sias, Allatini. Von Modiano sagt man in Saloniki, daß er so viele Millionen habe, als ein Mensch Zähne in einem gesunden Gebiß. Von Allatini rühmt man besonders seine Wohltätigkeitsstiftungen, auf die er Millionen verwendet. Sein Name ist auch in Europa bekannt geworden, als seine Villa als Gefängnis für den entthronten türkischen Sultan Abdul-Hamid eingerichtet wurde. Tiefe Villa liegt in einein Garten am Meere, von hohen Mauern umschlossen. —- Eine Gemeinde in der Gemeinde bilden in Saloniki die Anhänger der Sekte des Sabbatai Zewi. An Zahl 2000, leben sie, als Ueberläufer und