Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1915)
- Date
- 1915-12-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, IO. Dezember 1915 . t :■ . - ..... . ... . ——— ” “ Der Gemeindevott. %tflage zur „Allgemeinen Leitung drK IudratumK". Lorrrlpondm?rn und Aachrichten. LkutschlanL. $$$ Berlin, 7. Dezember. In der Neuen Synagoge veranstaltete der Vorstand der jüdischen Gemeinde am Sonntag, den 5. d. M., anläßlich der diamantenen Hochzeit des Ehepaares M o r i tz und Bertha Manheim er eine erhebende Feier. Schon lange vor Beginn war das festlich geschmückte Gotteshaus' von einem erlesenen Publikum gefüllt. Manbemerkte unter anderen Bürgermeister Dr. Ne icke, Stadtverordnetenvorsteher M i ch el e t und Cassel, einen Vertreter vom Polizeipräsidium, Vertreter der Heimatsgemeinde des Jubilars, bekannte Professoren, Gelehrte, Rabbiner und Schriftsteller, sowie noch viele andere Persönlichkeiten der offiziellen Berliner Behörden und Wohltiitigkeitseinrichtungen. Auch der Vorstand und das Ztepräsentantenkollegium sowie die übrigen Ehrenbeamten der jüdischen Gemeinde waren vollzählig erschienen. Der eigentlichen Festseier in der Synagoge ging ein Begrüßungsakt im Trausaal durch den Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn Kommerzienrat E i s n e r , und den Vorsitzenden des Repräfentantentollegiums, Herrn Direktor Tr. Minden, voraus, nach dessen Beendigung die Türen zum Gotteshaus geöffnet wurden. Während der Festzng durch das Mittelschiff der Synagoge zum Altarraum schritt, ertönte unter der bewährten Leitung des Dirigenten Alb. K e l t e r m a n n der nnrkungsvolte Chor aus Judas Maceabäns (mit unterlegtem Text von Arnold B u d w i g). Nachdem das Jubelpaar auf blumenumrankten Stühlen Platz genommen hatte, sang Oberkantor Klein das „Boruch habo" (in der Kellermannschen Komposition) mit viel Innigkeit und Empfindung. Sodann folgte die Festpredigt des Rabbiners Dr. Weiße, der in warm empfundenen Worten die Wohltätigkeit und das reine Menschentum des Jubelpaares feierte, das, für sich anspruchslos, stets nur für andere zu sorgen bemüht war. sieben vielen Wohlfahrtseinrichtungen für speziell jüdische Zwecke habe das Jubelpaar auch für humanitäre Bestrebungen Andersgläubiger gewirkt und große Opfer gebracht. Aber auch geistige Interessen habe Moritz Manheimer vertreten, der in seiner Lebensgefährtin stets eine verständnisvolle Teilnehmerin gefunden habe. Den Kalt des Gemüts wollte der Jubilar auch in geistiger Münze umprügen. So schuf er an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums die Tolerauzstiftung, und ihm sei auch die Errichtung des Moses- Ntendelssohn-Denkmals zn danken, jenes großen Philosophen, in dessen Geiste der Jubilar stets gelebt und gewirkt hat als begeisterter Jude und treuer Deutscher. Im weiteren Verlause der Rede bemerkte Tr. Weiße, daß Manheimer von all?n Parteien bei den Repräsentantenwahlen als Kandidat ausgestellt worden sei. da man ihn allgemein schätze und verehre. Mit de nt Segensspruch schloß die Predigt. Nun ertönte vom Synagogenchor ergreifend schön der Gesang der Engel ans „Elias", worauf der Rabbiner im Auftrag Seiner Majestät des Kaisers die goldene Ehemedaille uni der Zahl 60 überreichte und die innigsten Wünsche für den Lebensabend des Jubelpaares aussprach. Mit dem machtvollen Psalm 150 von Lewandowski schloß die Feier, die allen, die ihr beiwohnen konnten, unvergeßlich bleiben wird. 22 Berlin, 7. Dezember. Im Schwesternheim des Vereins f ü x j ü d i s ch e K ranken pslegeri n n e n, Berlin, Exerzierstraße 11b, fand am 21. v. M. die Telegiertenversammlnng des „Deutschen Verbandes jüdischer Krankenpslegerinnenvereine" statt, bei welcher 38 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands anwesend waren. Ter Vorstand des- Krankenhauses der jüdischen Gemeinde war durch Herrn Kommerzienrat Netter und Herrn Justizrat O b e r n e ck vertreten. Der Vorsitzende, Herr Gewerberat P l o t k e , gedachte zuerst der um die Gründung des Verbandes und die Entwicklung des jüdischen Schwesternstandes hochverdienten verstorbenen Herren Louis Sachs (Berlin) und Simon Kirchheim (Frankfurt a. M.). Zur Beratung kamen die durch das Neichsgesetz vom 7. September 1915 erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Schwesterntracht und andere durch die Kriegslage hervorgerusene Fragen. Der Bericht ergab eine sehr hohe Beteiligung der Schwestern der 14 Verbandsvereine an der Kriegsarbeit in Reserve-, Feldlazaretten und Lazarettzügen. Ein großer Teil der im Kriegsdienst tätigen Schwestern ist mit der Roten-Kreuz-Medaille ausgezeichnet worden. An die Beratung schloß sich eine Besichtigung des neuen Krankenhauses der jüdischen Gemeinde unter Führung des Herrn Professor Strauß. 2/D Berlin, 7. Dezember. Am letzten Sonntag fand, wie alljährlich, in der Toynbeehalle eine große Kinder-Chanuka- Feier statt, an der fast fünfhundert Kinder teilnahinen. Mit Rücksicht auf die Kriegszeit waren vor allem Kinder ausgewühlt, deren Ernährer im Felde sind, und solche, deren Familien besonders unter der Kriegsnot zu leiden haben. Durch die reichlichen Spenden einiger Gönner und Gönnerinnen konnten die Kinder auch reicher mit Gaben bedacht werden. Prediger Dr. Lehmann eröffnest die Feier mit einer Ansprache. Frau Johanna Meyer las Märchen vor. Fräulein Ellen B rode und Fräulein Betty G i n z b u r g deklamierten. Dann folgte die Bewirtung. Die jungen Künstler Weißgerber erfreuten die Kleinen durch schöne Musik. — Am Abend vorher fand eine Verteilung von Büchern an die Erwachsenen statt. Eine edle Gönnerin hatte zweihundert Exemplare der Schrift Geigers: „Die deutschen Inden und der Krieg" zur Verteilung an Männer und zweihundert zeitgemäße belletristische Gaben für die Frauen zur Verfügung gestellt. <3D Berlin, 7. Dezember. Der „I ü d i s ch e Frauenbund" (Vorsitzende Berta Pappe uh ei m, Frankfurt a. M., Schriftleitung Frau Henriette May, Berlin-Wilmersdorf, Gieselerstraße 16) hielt seine 21. Vorstandssttznna, die dritte Kriegssitzung, ab, die erfreulicherlveise von allein mit Ausnahme von zwei Dorstandsnutgliedern wahrgenonnnen loerden konnte. Ans der reichen Tagesordnung haben sich nach langen Erörterungen folgende gefaßte Beschlüsse ergeben-. 1. bewußte Erziehung der Frauen und Mädchen für jüdische soziale Arbeit und die Bundesintevessen; 2. Antrag Frau Helene Meyer, einen „Bund erwerbender Frauen" zu gründen, der nach 4 Punkten erörtert und beschlossen wurde: a) es besteht die Notwendigkeit einer Organisation der erlverbenden jüdischen Frauen, weil die jüdischen Arbeiterinnen in anderen Organisationen vielfach nicht 31t ihrem Recht kommen und weil sie eine gemeinsame Vertretung nach außen brauchen, d) die Organisation ist nötig, mit die Undiszipliniertheit der jüdischen Arbeiterinnen selbst zu überwinden, c) die Organisation fördert die Hebung des Standesbelvnßtseins der arbeitenden Frau gegenüber der unterstützten Frau, ck) die Organisation lvird den erlverbenden jüdischen Frauen jeder religiösen Richtung gerecht loerden: 3. Anregung, Gefängnisse und Krankenhäuser zu besuchen; 4. Sammlung Frauendank. Die Sammlung wird allmählich Planmäßig in den einzelnen Städten ausgenommen. Der Jüdische Frauenbund lvird jeorts in den einzelnen Sammlungen mitgehen und hat seine Vertretungen in den Provinzial- und Landesaitsschüssen; 5. die Frauenarbeit in Polen ist zurzeit abgelehnt worden: 6. der Vorstand des Jüdischen Frauenbundes übernimmt die synagogale Einrichtung einer bedürftigen ostpreußischen Gemeinde loiederherzustellen; 7. die Beamtinnenbrosche ist bei der Schriftleitnng erhältlich: sie kann den Beamtinnen der angeschlossenen Vereine übergeben und muß bei Aufgabe du Stelle zurückgegeben loerden. Berlin, 7. Dezember. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielten: Offizierstellvertreter Rechtsanwalt Dr. jnr. Georg Sali e r, der kurz daraus zum Leutnant befördert wurde; Unteroffizier W. B e r nha r d; Stabs- und Abteilnngsarzt Dr. Ernst Ster n e r; Dr. Hugo W 0 l f r a nt, Arzt tu einem Etappenlazarett: Kriegssreilvitliger Unteroffizier Georg Ma a ß; Füsilier Alfred S im 011 s 0 h tt; H. E. B e j a ch, Arzt in einem Feldlazarett; Feldnnterarzt Fritz Litt a n e r; stud. Phil. James S 0 k 0 l 0 w s k i; Vizesteuermann d. R. O P P e n h e i m e r; Regimentsarzt Dr. Max 9t 0 t h; Offizierstellvertreter Zahnarzt Slnd 0 wsky; Einjähriger Gefreiter Albert L e v i n t h a l; Feldunterarzt Herbert L i c P 11t a n n; Unteroffizier Albert B r a s ch; Kriegsfreiwilliger Alfons Joachim; Gardepionier Georg Wolf; Curt Gottlob, Sohn des Herrn S. Gottlob; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Felix Bergmann; Reservist Georg Frendenberg; Unteroffizier Hans D 0 m n a u e r : Motorbootsofsizier Robert B e r n h e i m; Unteroffizier Walter Wolsf; Dr. August Koppel, Generalsekretär des Vereins Berliner Kattsleute und Industrieller; Hugo B ach a rach, M