Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1915)
- Date
- 1915-12-03
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 und den militärischen Abordnungen die MMieder des Gemeindevorstandes, die Repräsentanteir, der Borstand der „Neuen Dammtor- Synagoge" und Delegierte vieler anderer Institutionen erschienen. Die Mitglieder des Jugendbundes mit ihrem Vorstand waren, soweit sie nicht im Felde stehen, vollzählig anwesend. Unter Tr-auerweisen der Militärkapelle wurde der Sarg, den nur das dem Toten verliehene Eiserne Kreuz schmückte, zur Halle gebracht. Dort hielt Herr-Rabbiner D r. Loewenthal die Trauerrede. Anknüpfend an das Bibelwort: „Und siehe wir banden Garben auf dem Felde, da erhob sich meine Garbe und ringsum stellten sich neue Garbenbunde lind beugten sich vor meiner Garbe" (Genesis Kap. 37 B. 7), entwickelte der Geistliche ein getreues Lebensbild des Verblichenen, der auf allen Gebieten seiner Tätigkeit ein treuer Arbeiter war, der zum Wohl seiner Familie, feiner Freunde segenbringende Garben band. Der Trauerredner führte weiter aus: Mit echt deutscher Begeisterung folgte er dem Rufe -des Kaisers, um für sein so vielgeliebtes Vaterland zu kämpfen, m vielen Schlachten Zeichnete er sich durch Mut und Tapferkeit aus, die von seinen Vorgesetzten und Regimentskameraden so lehrend und neidlos anerkannt wurden: er erhielt das Eiserne Kreuz und wurde zum Offizier befördert. Er starb den Heldentod, und mit dein Patriarchen rufen wir hier au seiner Bahre ans: „Du bist der Auserwählte deiner Brüder. Dein Name, dein Heldentum gereicht ganz Israel zum Segen." — Im Namen des Jugendbundes sprach Herr Dr. Nie ge r herzliche Abschiedsworte. Er sprach dem Toten den Dank aus für seine segensvolle Tätigkeit im Jngendbnn.de. Er war -ein echter deutscher Jude, dessen Heldenmut unsere Lästerer znm Schweigen bringen must. Sein Leben und auch sein heldenhafter Tod werde der Jugend der Hamburger Gemeinde für unvergängliche Zeiten ein leuchtendes Vorbild sein und sein Andenken im Jngendbund stets unvergessen bleiben. Dumpfer Tronunelwirbel ertönte, die Rogimentskapelle spielte „Ich halb einen Kameraden", und der Sarg wurde unter Vorantritt der Ehrenkompagnie, des Rabbiners und der Gemeindevorsteher zur Gruft getragen; gleich nach den Verwandten folgten General v. Roehl und die Offiziere, denen sich ein unabsehbarer Zug bis zur Grabstätte anschloß. Tie Mitglieder des Jugendbundes bildeten auf dem Friedhof Spalier. Nach Gebet und Segen des Rabbiners widmete ein Leutnant des Masurischen Regiments 146, der zur Trauerseier nach hier gekommen war, dem Regimentskameraden ein ergreifendes, ehrendes Abschiedswort. Seine Exzellenz General v. Roehl nahm den Helm ab und gab dem wackeren Krieger die letzte Ehrung, indem er drei Schaufeln Erde in das frische Grab warf, die übrigen Leidtragenden folgten, und schnell bedeckte sich der Grabhügel. Hierauf gab die Abordnung der 75er die dreimalige Ehrensalve ab, und die Trailerseier hatte ihr Ende erreicht. Dr. Bertram Ascher, der Stolz und die Zierde der Jugend unserer Gemeinde, ruht nun auf dem für die gefalleilen Krieger gefchasseiien Ehrenfelde unseres Friedhofes. Friede seiner Asche! J. A. Nürnberg, 26. November. Das Eiserne Kreuz erhielten: Walter F r e u d e n t h a l, Offizierstellvertreter im Bayerischen 14. Infanterier.egiment, Sohn des Gemeinderabbiners Herrn Dr. Mar Freudenthal, Fabrikbesitzer Ludwig K i r s ch b a n in , OssizierstellvertreLer im 1. (y heva i :l ege r regi ment, Rechtspraktikant Franz Berg m a n n , Offizierstellvertreter im 13. Reserve-Jllfanterieregiment, Jakob P a p p e u h e t m e r , Offizierstellvertreter im 14. Infanterieregiment, Sohn der Kaufmannswitwe Sophie Pappenheimer, Assistenzarzt Dr. Fritz G o l d s ch m i d t, Sohli der Fabrikbesitzerswitwe Johanna Goldschmidt, Paul Bernstein, Artillerieleutnant der Reserve, Nürnberg; Justin Thannhunser, im 1. Bayerischen Jägerbataillon, Sohn des Kunsthändlers Tannhauser, München. Den M i l i t ä r v e r d i e n st o r d e n 4. Klasse erhielten: Oberarzt Dr. Kronheimer, Ehirllrg in einem Feldlazarett, Pionierleutnant Diplomingenieur Otto Rietz g er, Sohn des Kommerzienrats und Mitglieds des Gemeindevorstandes Ludwig Metzger, Nürnberg. L2 Frankfurt a. M., 26. November. In der am 16. d. M. stattgefundenen ordentlichen Mitgliederversammlung des B e reins für j ü d i s ch e K r a n k e n p f l e g e r i n n e n zi: Frankfurt a. M. (E. B.) erstattete der Vorsitzende den Geschäftsbericht für das die Zeit vom 1. Oktober 1914 bis 30. September 1915 umfassende Geschäftsjahr. Danach betrug am 30. September 1915 die Zahl der Schwestern 51, die der Lehrschwestern 17. Diese 68Pflegekrüfte waren fast sämtlich im Dienst der Verwundetenpflege tätig. 4 Olwrschwester'n, 15 Schivestern und 17 Lehrschwestern versahen den Pflegedienst im hiesigen Krankenhaus der israelitischen Gemeinde, in dein etwa 120 Berivllndete ulitergebracht sind. Im eigenen nenerbnuten Schvesternhalls unterhalt der Bereill seit Kriegsbeginn ein Lazarett mit 50 Betten, in dein bis 30. Dezember d. I. 236 verwundete Offiziere und Mannschaften mit insgesamt 15 658 Berpflegungstagen verpflegt ivorden siild. Jii dksem Lazarett ivaren dauernd 4 bis 5 Schwesteril beschäftigt. Weitere 6 Schivestern befanden sich im Festungslazarett XXIII) in Straßbnrg, dessen Oberin eine Schwester des Vereins ist. Aiisterdeni arbeiteten in Kriegslaza- Tcttc-u zuerst in Westflandern, später in Rußland 6 bziv. 5 Schivestern des Vereins. Alts der Etappe Tiedeuhosen ivareii tvährend einer Reihe voii Monaten 2 Schivestern beschäftigt. Im Frankfurter Lazarettzug?. 1, zu dessen Ausrüstung und Betrieb dem Verein von ungenannter Seite 30 000 Riark zur Verfügung gestellt ivorden sind, ivaren zuerst 2, spater 1 Schwester des Vereins dauernd tätig. Vorübergehend beschäftigt ivaren mehrere Schivestern im städtischen Krankenhans-Ost (darunter eine als Oberin) fvivie gleichfalls mehrere Schivestern im inzwischen aufgelösten Lazarett im Hotel Kysfhäuser (davon eine als Oberin). Schivestern des Vereins versehen den Oberinnettdienst in folgenden Anstalten: Israelitisckges Krankenl)atts in Hannover, Minka v. Gvldschinidt-Rothschildsche Stisttutg und Gnmpertzsches Siechenhnns, hier, Israelitischer Asylverein, Aachen, Friedrich-Luisen-Hospiz in Bad Dnrrheim, Genesungsheim der Kann-Stist tviig in Oberstedten i. T., Kinderhans der iveiblichen Fürsorge, hier. Die drei erstgenannten beherbergen zurzeit ausgedehnte Lazarette. Der Betrieb im Israelitischen Krankenhaus in Straß bürg, in dem Schivestern ilnseres Vereins seit einer Reihe von Iah reit den gesamten Pftegedienst versehen, ist wegen der ungünstigen Znreiseverhältuisse der Festung Straßburg seit dem Monat Oktober d. I. zeitiveise eingestellt. Der Verein konnte durch die freigebige Gesinnung einiger seiner Freunde der Medizinalabteiluiig des Kriegsministerinms zehn Antvmobilanhänger für Verivnndetentransport zur Verfügung stellen, wofür der Betrag lunt 16 000 Mark ansgewendet iourde. Dem Verein standen ferner von befreundeter Seite gestiftete Liebesgaben sowie größere Beträge zur Beschaffung von solchen zur Verfügung. Die Verteilung an der Front, hauptsächlich aber au Kriegs- und Feldlazarette erfolgte durch die Leitung des Frankfurter Lazarettznges P. 1, durch den Herrn Delegierten des Kriegslazaretts Nr. 126, in dein die Feldschivestern tätig sind, sowie durch Feldrabbiner Dr. Rosenack. Von den Kriegsschwestern des Vereins wurden elf mit der Roteil-Krenz-Medaille ausgezeichnet. 22 Karlsruhe, 26. November. Eine beachtenswerte Bereicherung hat die Literatur der hebräischen liturgischen Gesänge durch Kompositionen von P a u l M a y e r (Sohn des Geheimen Oberregiernngsrats Dr. . Mayer) erfahren. Dieselben sind zum Teil in der Synagoge der hiesigen Gemeinde mit gutem Erfolg eingeführt worden, wozu Kantor Metzger mit seinem prächtigen lyrischen Tenor nicht wenig beigeträgen hat. Der Tertinhalt der Gesänge ist schön ausgedrückt, die melodische Linie überall gewahrt; sie bringt ohne äußere Effekthascherei wuchtige Steigerungen. Die Ausführbarkeit ist int ganzen leicht: eine einfache harmonische Begleitung der Solostellen, zum Teil einstimmige Ehöre, die ein treffliches Material zur Einführung des Gemeindegesanges abgeben könnten. Nur einige größere Stücke, z. B. Psalm 117 und 118, ein Borch'n für Feiertage, stellen an den Ehor einige Anforderungen. Gesterrrich-Angarn. Z. Prag, 26. November. Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand am 14. d. M. von der Rleyselsyuagoge ans das Leichenbegängnis des Herrn Moritz Lauer, Obmanns des Vorstandes der Meiselsynagoge und ehemaligen Gesellschafters und Mitbegründers der Firma Bl. Lauer u. Strauß, statt. Der Sarg war vor dem Altar inmitten eines Hains ans erotischen Pflanzen anfgebahrt. Nach Absingtlng von Psalmen durch den Tentpelchor und Obertäntor Breun i g widmete Feldprediger Professor Dr. Kisch dem Verblichenen innige Worte des Gedenkens, worauf die Leiche i in den vierspännigen Galaleichenwaaen gehoben wurde. Der nn-! posante Kondukt setzte sich sodann zum Straschniher Friedhof in Bewegung, wo die Beisetzung erfolgte. In der Trauerschar sah man Großindustrielle, Fabrikanten, Bankdirektoren, Käitflente, Abordnungen aller Prager Humanitären Vereine und viele andere Trauer-! gaste.