Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1915)
- Date
- 1915-12-03
- Page
- Seite 587 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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587 - scheint, sehr bemerkenswerte Fingerzeige. Ganz vortrefflich ist L. Baecks Abhandlung „Der alte Widerspruch gegen die Haggada", von außerordentlicher Gelehrsamkeit erfüllt und doch so glänzend und annmtig geschrieben, daß auch der Laie sie wie mit reicher Belehrung, so mit dem größten Vergnügen liest. Das ganze Werk ist eine schöne Festgabe dankbarer Schüler für den trefflichen Meister, . L. G. •& — Magda, Königin von Saba. Ein episches Gedicht in zehn Gesängen. Von Rudolf Schiff. Rach den in französischer Uebersetzung von Hugues le Roux veröffentlichten authentischen Dokumenten, die als heilige Schriften des äthiopischen Volkes verehrt werden. Leipzig, Verlag und Druck von Oswald Mutze, 1914. Wer sich aus der Bibel oder aus der manchem geläufigeren Oper „Die Königin von Saba" ein Bild dieser sagenumwobenen Frau gestaltet, der wird bei der Lesung dieses Epos recht verwundert sein. Die Verwunderung legt sich indessen, wenn man bedenkt, daß mall es hier nicht mit einer Paraphrase der Bibel oder einer früheren Dichtung, sondern daß inan es mit der Uebersetzung. eines äthiopischen Werkes zu tun hat. Ich vermag nicht zu urteilen, ob der deutsche Bearbeiter, der nach der Unterschrift der recht eigenartigen poetischen Vorbetrachtung in Paris lebte oder lebt, das Original wirklich treu lviedergegeben hat. Der Inhalt ist kurz folgender: Aus dem Umgang des Königs Salomo (und zwar in der letzten Rächt des längeren Besuches der Königin bei dem König) ist ein Sohn hervorgegangen, der den eigentümlichen Namen Bai ne Lechem führt, was nach der Erklärung dieser aus dem Aethiopischeu stammenden Worte: Sohn des Weisen bedeuten soll. Dieser Baine Lechem kommt nn Aufträge seiner Mutter zu seinem Vater Salomo, wird von diesem als Sohn anerkannt und zum. König geweiht, vergilt aber die ihm zuteil gewordene außerordentlich freundliche Aufnahme mit der schnöden undankbaren Tat, daß er die Bundeslade aus Jerusalem entführt. Er behält sie trotz der Verfolgung Salomos, der nach anfänglichem Jörne sich beruhigen läßt, und wird von seiner Mutter und dem Volke zum Könige von Aethiopien ernannt. Der nunmehrige Oberpriester Azareas — ein aus Jerusalem dem König mitgegebener Jüngling — hält dabei eine Rede, in der er die Aethiopier ermahnt, an Stelle Israels die Buudeslade zu Hütern Diese Rede gipfelt in den Strophen: Hütet euch jedoch zu wähnen, Daß ihr Gottes auserrvühltes ' Volk auf ewig bleiben werdet. Tatenlos, in Lässigkeit. Wachsam stets müßt ihr beharren In der Obhut der Gesetze, Nicht zum Scheine, sondern wahrhaft Und im Herzen sie verehren. Wisset, daß er zu gerecht ist Und barmherzig unser Gott, Daß er nicht auch andre Völker Neben eurem lieben könnte, Und wenn ihr im Laus der Zeiten Abfallt von den hohen Lehren, Die der Menschheit Heil bedeuten, Euer Untergang erfolgt. Darum wachet, wahret, hütet Und mit täglich neuem Eifer Euren Schatz, die Bundeslade, Die in en/gem Licht euch leuchtet. Und gleich eurem Heiligtume Werdet selbst ihr eine Leuchte Allen andren Erdenvölkern, Gott zum Ruhme, euch zum Heil! Die vorstehenden Strophen mögen als Probe der eigentümlichen Ausdrucksweife des Uebersetzers dienen. Diese Verse sind wohl noch die besten, viele andere sind in einem noch weniger einwandssreien Deutsch geschrieben. Der Gedanke mag ja als ein der Weltbedeutung der jüdischen Religion entsprechender manchem willkommen sein, der wirklichen Geschichte entspricht freilich die seltsame Erfindung nicht. Immerhin erregte die gutgemeinte Dichtung einiges Interesse. Als Kuriosum mag erwähnt seiu, daß die Königin dem Könige als besonders wertvolle Gabe aus Arabien Kaffee mitbringt. L. G. * A - B - C - F ü h r e r u n d Rat g e b e r f ü r K it r g ä st e d e s Köni gk i che u Bades Oe y n h a u s e n. NUt einem Geleitwort von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Albert En len bürg. Bäder- Verlag, Bad Oeynhausen, 1915. „Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt" schwankt das Charakterbild so manches Badeortes in der Geschichte. Das läßt sich von dem berühmten Kurorte Oeynhausen nicht sagen. Sein Ruf ist ein gefestigter, und. bei gewissen Lei de-n steht dieser Badeort einzig in seiner Art da. In seinem Geleitwort zu dem A-B-C-Führer für das „Nervenbad" Oeynhausen weist Geheimrat Prof. Tr. Eulenburg daraus hin, daß fast ein halbes Jahrhundert verflossen ist, seitdem der verdienstvolle, auch als Dichter und Kunstkritiker (unter anderem als Dante-Uebersetzer) bekannte Oeynhauseuer Badearzt Julius Braun in seinem weitverbreiteten „Systematischen Lehrbuch der Balneotherapie" die Welt mit den unvergleichlichen Heilschätzen der töhlensäurere'chen Thermnlsoleu Oeynhausens zuerst vertraut gemacht hat. Gerade der reiche Kohlensäuregehalt ist es, der diesen Solbädern seine unschätzbaren Wirkungen ans Blutgefäße und Nervensystem verleiht. Er weist ferner darauf hin, daß der draußen tobende Weltkrieg au das schöne, in stiller Friedensabaeschiedenbeit liegende Oeynhausen Zweifellos gewaltige neue Aufgaben heranbringen wird. Es wird in vielen Tausenden von Fällen die Wunden, die das erbitterte Ringen der Nationen auf den Schlachtfeldern geschlagen hat, zu mildern und zu heilen Mitwirken — wie es nt langer Friedenszeit die kaum minder schweren und zahlreichen Wunden des unerbittlich geführten, nervenzerrüttenden Lebenskampfes in segensvoller Weise auszugteichen bemüht war. Seinem Wunsche, daß das vorliegende Büchlein, welches in Praktischer Weise, in alphabetischer Anordnung des Stoffes, mit den Heilquellen Oeynhausens und allen den für Genesung und Wohlbefinden seiner Kurgäste geschaffenen Einrichtungen bekannt und vertraut macht, diesen segensreichen Heilquellen aus den Scharen der Wunden und Invaliden der Kriegswie der Friedenskämpfer neue Anhänger und dankbare Verehrer zu werben mithelfen nröge, können wir uns nur anschließen. Sauitätsrat Tr. S ch e r b e I. Unseren Glaubensgenossen ist die Pension Spiro, Kaiserstraße 6, Oeynhausen, zu empfehlen, die unter Aufsicht des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser steht und Sommer ttitb Winter geöffnet ist. Herr Spiro ist der Verfasser des oben besprochenen A-B-C- Führers. * — C o r r e s p o n d o n c e S c li o o 1 f o r R o 1 i g’ i o u s S c h o o 1 Teachcrs. Conducted by the Jewish Chautauqua Society. Methods of Teaching. 1. B i b 1 i c a 1 H i s t o r y. J u n i o r G r a d e. By Edward N. Calisch, Pli. D. — Philadelphia, Pennsylvania 1914. — 2. Pedagogy Applied t o R e 1 i g i o u s Instruction. By David E. Weglein A. M. Philadelphia, Pennsylvania 1915. In der Nummer 15 dieser Zeitung (vom 15. April 1915) sind bereits zwei Bücher aus dieser vortrefflichen amerikanischen Sammlung angezeigt worden. Zwei weitere sind nunmehr der Redaktion zugegangen. Das eine beschäftigt sich mit der methodischen Darlegung der Geschichte Moses und Josuas, während das andere eine systematische Unterrichtslehre geben will, eine Anwendung der allgemeinen pädagogischen Gesetze auf das Gebiet des jüdischen Religionsunterrichts unter besonderer Betonung des psychologischen Moments. Bon sachlichen Gesichtspunkten aus sollen auch diese beiden Erscheinungen.nicht besprochen werden, und es sei auf die bei der Anzeige der früheren Bände hierfür angeführten Gründe verwiesen. Hervorgehoben sei aber bei der ersten Arbeit die mustergültige Stoffverteilung und die Kunst, knappe und lebendige Darstellung mit völliger Erschöpfung des Stoffes zu verbinden. Das andere Bündchen beweist ein außerordentliches Geschick des Verfasser?, schwierige psychologische Fragen der Erziehungslehre in einem schlichten, jedermann verständlichen Gewände zu behandeln. Die praktische und methodische Seite ist freilich nicht in demselben Maße berücksichtigt. Nochmals sei an dieser Stelle der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß das amerikanische Beispiel, das geradezu unseren Neid