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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-03 · Heft 49 (3.12.1915) · p. Seite 585

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 49 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
Seite 585 (sequence 9)
Language
German
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588 Das Buch, wir gaben's euch — euch unsre Bibel! Kein ander Volk bracht' euch das Gotteswort. Das Zehngebot in eurer Kinderfibel, Euch Völkern allen wahrten wir den Hort! Weil ernst und treu wir Moses Lehre lebten, Drum sprachen wir den Folterqualen Hohn. Die Ahnen einst im Feuer nicht erbebten: Bleib stark und stolz, du, meines Volkes Sohn! Als einst der Syrer unser Land vernichtet, Geschändet hat des Tempels Heiligtum, Da ward durch Heldenhand der Feind gerichtet. Und ewig glänzt der Makkabäer Ruhm. Und wie es einst geschehn in jenen Tagen, Droht nun der Feind dem heil'gen Vaterland! Gleich jenen Helden kühn den Kampf wir wagen Und schlagen unfern Feind mit starker Hand. Bald sehen wir des Friedens Fahnen fliegen; Bald wieder Eintracht schirmt der Völker Heil. Wir Juden helfen treu den Feind besiegen. Und gleiches Bruderrecht wird endlich uns zuteil. Ob streng die Welt auch unsre Mängel richte. Um unser Haupt jetzt Haß und Neid noch glüht: „Doch in der völkerwägenden Geschichte Rein, unvermischet unser Zwölsstamm blüht!" Chanuka 1915. un wieder wird das Fest verkündet, Das Makkabäermut besingt, Im Hymnus „Schirm und Schutz" erklingt. Und Lichtlein werden angezündet. Der Ahnen würdig sind die Söhne, Die sich dem Vaterlande weih'n. Aus Feindeshand es jetzt befrei'n. Das Vaterland, das schöne. Leih' Schirm und Schutz in Sturm und Graus Den Tapsern, die erst zieh'n nach Haus, Wenn Frieden wird gekündet. Schmückt dann ihr Haupt der Lorbeerkranz, Am Weihefest, im Siegesglanz, Hell Freudenkerzen zündet! N. Cohn. Chanuka 1915. oldaten zogen auf der Straße hin, Die Tritte dröhnten auf dem harten Grunde. Nach Kampf und Sieg nur stand ihr ganzer Sinn, Dacht' keiner wohl an seine Schicksalsstunde. Es dämmerte bereits um Strauch und Baum, Am Straßenrande leiser Nebel schwebte. Sie sangen froh im Chore manches Lied Vom Vaterland und andre deutsche Weisen. Jetzt klang's: Wer weiß, ob man sich wiedersieht. Und nun: Wem Gott will rechte Gunst erweisen. Ein Neuer war's, ihm war noch recht beklommen, Erst kürzlich war er fern vom Heimatstrand Mit andern an . die Front hinausgekommen. Nun hört er noch das fromme Segenswort, Das ihm sein Vater sagt beim Abschiednehmen; Nun sieht im Geist er vor sich fort und fort Sein greises Mütterlein in Leid und Grämen. Er war ihr jüngster Sohn, ihr Benjamin, Wie liebten ihn die beiden, guten Alten. Mit tausend Wünschen ließen sie ihn ziehn Fürs Vaterland. Gott möge ihn erhalten! Und heut war Chanuka, zum erstenmal Könnt' er die trauten Lichtlein nicht mehr zünden, Bei ihrer winz'gen Kerzen mildem Strahl Des Ew'gen Ruhm und Güte zu verkünden. O schönes Fest, die Träne will hervor, Er scheucht sie fort, sie darf ihn nicht entmannen. Und hebt den Blick zum Firmament empor: Da glänzt ein Sternlein über jenen Tannen. Der Jüngling meint, es sei sein Weihfestlicht, Daß Gott ihm selbst will die Menauroh zünden. Und fühlt, wie stolzer Mut und Zuversicht Und Hoffnung in sein Herz zurück sich finden. „Ja", spricht er, „wie zur Makkabäer Zeit Sei unser Fels und Hort in blut'gem Ringen, Hilf uns zum Siege Streite unfern Streit. Daß wir den Feind, den mächtigen, bezwingen! Und steht in alter Pracht das Heiligtum, DaS Vaterland, und hat den Frieden wieder. Dann brennen Werhfestlichter wir zum Rühm, Und dir zur Ehre tönen Jubellieder!" Jenny Bergmann. harrt aus! er Syrer brach ein in Kanaan. Um Judas Volk zu vernichten. Er wollte dem blöden Götzenwahn Dort seine Altäre errichten. Doch Jakobs Enkel griffen zur Wehr Und retteten Heimat und Freiheit und Ehr'. Ihr Mut war vom Glauben getragen: Harrt aus! — Durch Gott wird es tagen. Drum schreckte sie nicht die Ueberzahl Der feindlichen Waffen und Heere. Sie trugen schweigend die Not und die Oual Und standen wie Felsen im Meere. Wild sauste und brauste heran wohl die Flut; Doch die Enkel Hasmonais, sie trotzten voll Mut, Es bannte die Hoffnung ihr Zagen: Harrt aus! — Durch Gott wird es tagen. Im Kampf war vergessen der Bruderzwist, Der -Haß und der Neid der Parteien, Und herrlich erwuchs in der Zeiten Frist Als Sühnung ein mildes Verzeihen. Und eins geworden in Leid und in Streit, Ward wieder der Tempel dem Frieden geweiht. Nun wandelt in Dank sich das Klagen; Denn gnädig ließ Gott es uns tagen. Und als der Versöhnung Erinnerungsmal Soll heute uns Chanuka mahnen: Gedenkt bei der Lichter mild leuchtendem Strahl Der Heldentaten der Ahnen. Auch euch ries zum Kampfe das Vaterland. So dienet ihm freudig mit Herz und mit Hand. Vom Geiste Makkabis getragen. Harrt aus, und mit Gott wird es tagen! So harret, Hasmonais Enkel, auch ihr Den Tagen des Friedens entgegen! Kühn schwingt ihr die Waffen für Deutschlands Panier,

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