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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-03 · Heft 49 (3.12.1915) · p. Seite 580

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 49 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
Seite 580 (sequence 4)
Language
German
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T -580 Polly hat -den Wunsch ausgesprochen, sich der Gesellschaft anzuschließen und sich zur Mifsionärin ausbilden zu lassen. Der Staatsanwalt erklärte, daß ihm der Ausdruck seiner Gedanken unzweifelhaft die Rüge gewisser geistlicher Autoritäten zuziehen würde, daß er diese aber zu überleben hoffe. Er halte es für eine unverantwortliche Zudringlichkeit, wenn sich eine Person in die religiösen Angelegenheiten einer anderen mische. Wenn die Menschen ihr eigenes Leben nach den Lehren ihrer eigenen Religion leiten würden, so hätten sie übergenug Beschäftigung. — Das Verdikt der Jury lautete: Tod aus natürlichen Ursachen." Kl. hl. Moritz und Lrrthg Manheimrr. er bekannte Philanthrop, Herr Moritz M a n h e i m e r in Berlin, feiert am 2. Dezember mit seiner Gattin Bertha das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Vor 60 Jahren, am 2. Dezember 1855, wurde, wie Herr Direktor Dr. Georg Minden festgestellt hat, das jugendliche Paar in dem Tempel der Reformgemeinde durch Samuel H o l d h e i m für seinen Lebensbund eingesegnet, der ein so langer und für das Paar selbst sowie sür die Unzähligen, die ihm nahestehen, ein glückspendender geworden ist. Das Jubelpaar begeht seinen Ehrentag trotz des hohen Alters, in dem beide stehen, in körperlicher Gesundheit und geistiger Frische. Es ist schon einmal in diesen Blättern von dem großartigen Wirken desHerrn Mannheimer in der Verwaltung der hiesigen jüdischen Gemeinde, von den hochherzigen Spenden für die mannigfachsten Anstalten der Gemeinde, der Stadt und vieler anderer Städte die Rede gewesen. (Jahrgang 1910, Nr. 31, S. 363 bis 364.) Wiederholt haben wir ferner von der Begründung der Mendelssohn-Toleranz-Stiftung an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, von der damit zusammenhängenden Errichtung eines Mendelssohn- Lehrstuhls an derselben Anstalt, von den Preisausschreiben gesprochen, die durch neue großartige Spenden des Genannten möglich geworden sind. Gerade in den letzteren Stiftungen spricht sich der humane Geist des Mannes aus, der mit seiner gleichgesinnten Gattin das seltene Fest der diamantenen Hochzeit begeht. Denn sie wollen beide nicht bloß der augenblicklichen Not steuern, nicht bloß in den von ihnen begründeten Anstalten das materielle Elend späterer Generationen mildern, den Lebensabend vieler Armen erleichtern und verschönern, sondern sie wollen zur Verbreitung humanen Geistes und edler Gesinnung sür die Zukunft wirken. Im Namen und im Geiste Moses Mendelssohns soll der Gedanke der Toleranz, der Duldung unter allen Menschen verbreitet werden: Schriftsteller jeden Bekenntnisses sollen aufgemuntert werden, für diese Ideen zu wirken. Scheint auch die schwere Zeit, die wir durchleben, durchaus nicht angetan, solche Ideale zu verwirklichen, so hoffen wir alle, mit dem greisen Paare in Herz und Gesinnung verwandt, auf eine friedliche, bessere Zeit, in der die Schwerter ruhen und die Friedenswerke geübt werden. Der Name Moritz Manheimers ist mit dieser großartigen, gerade in der trübsten Epoche stärkenden und erfrischenden Hoffnung fest verknüpft. Unser und vieler Tausender Glückwunsch an das Jubelpaar, dessen Bild wir unseren Lesern vorführen, geht 'dahin, daß ein gnädiges Geschick ihnen vergönnen möge, den Abschluß dieser fürchterlichen Epoche, den glorreichen Frieden, zu erleben und sich noch lange Zeit der Segnungen der Friedenszeit zu erfreuen und die Wirkungen ihrer großartigen humanitären Bemühungen mitzuerleben. Das wäre der schönste Lohn für diese beiden bevorzugten Menschen, die ihr ganzes langes Erdendasein hindurch nicht für sich lebten, sondern für das Wohl anderer ihre Mittel verwendeten und ihre Kräfte übten. L>. G. Kölnisch, Jiddisch oder Deutsch? Von Hochschuldozent Dr. Jul. Hirsch, Köln. it Recht betont Professor Dr. Philippson in seinen beiden Artikeln zur Sprachenfrage im okkupierten Rußland, daß auch das liberale Judentum sich eingehender mit der Ostjudenfrage befassen muß, die sür die deutschen Juden so Plötzlich zum dringlichen Gegenwartsproblem geworden ist. Philippson tritt mit großem Nachdruck für völlige Assimilation der Ostjuden an ihre Umwelt ein, vor allem auch in der Sprache. Nicht mehr „Jiddisch" soll die offizielle Sprache, ihre Schulsprache und diejenige ihres öffentlichen Lebens sein, auch nicht Deutsch, sondern Polnisch, Litauisch, Masurisch, Russisch. Der Grund: Der Jude soll sich kulturell und wirtschaftlich möglichst wenig von seiner Umwelt unterscheiden, damit er nicht dem Antisemitismus täglich neue Nahrung gebe. Die deutsche Verwaltung in Polen hat vorerst entschieden, daß Deutsch die Unterrichtssprache in jüdischen Schulen sein wird. Wir glauben, daß sie damit aus der Sache heraus das Rechte getroffen hat, daß damit auch gerade unseren jüdischliberalen Interessen am besten entsprochen wird. Es wird sich nämlich beweisen lassen: 1. daß die Forderung einer „Assimilation" im Osten gar nicht ernstlich erhoben werden kann; 2. daß der Versuch einer sprachlichen und kulturellen Assimilation an das Slawentum die deutschen Interessen schädigen, überdies l 3. den Ostjuden nichts nutzen, dem Interesse des Gesamtk judentums aber schädlich sein würde. ,c 1. Die Begründung Philippsons lautet: „Die polnischen 3 und litauischen Juden besitzen durchaus nicht die Kraft, um 1 in Zukunft, wenn die Polen erst die innere Regierung ihres s Moritz und Bertha Manheimer

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