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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-26 · Heft 48 (26.11.1915) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 48 (26.11.1915)
Date
1915-11-26
Page
Seite 570 (sequence 6)
Language
German
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570 Menschen- und Nächstenliebe aufgegangen, bis er, zu Tode getroffen, rasch dahin gesunken ist. Er ist in den Sielen gestorben. Was er uns Juden war? Vor allein die personifizierte Güte, die Inkarnation des weichen, jüdischen Herzens, des überquellenden Mitleids und der unverdrossenen Hilfsbereitschaft. Darin erblickte er die vornehmlichste Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft, und so war ihm die Judengemeinde alles, die Hebung ihrer Wohlfahrt und ihres Ansehens seine Lebens¬ und Liebesaufgabe katexochen, der er sich mit seinem ganzen Fühlen und Denken hingab, für die er sich restlos weihte, für die er wirkte und strebte, bis seine edle Seele den letzten Atem ausgehaucht hat. Kultus und Ritus waren ihm als Präsidenten des Bethausvorstandes auvertraut; die Pflege des Unterrichtes fand in ihm als Vertreter der Gemeinde im Landesschulrat einen getreuen Sachwalter, und das unerschöpfliche Ressort der Armenpflege sah in ihm den Grvßalmosenier, dessen offene Hand nie versagte, sobald es hieß, hier Bedrängnis zu bannen, dort Not zu lindern und Tränen zu trocknen; wenn es galt, verschämte, gesunkene Existenzen zu stützen, einem schwachen Greise, einem betagten Mütterchen das Nuheplätzchen der Versorgung zu sichern, dem Kranken und Liechen eine Statte der Genesung zu überweisen. Die Tür zu ihm stand nicht stille, für jeden hatte er ein gütiges Wort, eine aufmunternde Gebärde, sein Rat und seine Förderung ward allen schönen und edlen Zwecken zuteil; er war ein wahrer Vater der Armen und Bedrängten; leutselig und von bescheidenstem Gehaben, das sich über nichts und niemanden überhob. Indessen darin erschöpft sich seine Würdigung nicht; auch in den übrigen weiten Bezirken der der Gemeinde obliegenden praktischen Aufgaben gab cs keine wichtige, gleichermaßen spirituelle oder materielle Frage, mit der er nicht unmittelbar sich besaßt, keine, deren Behandlung nicht den Stempel seiner verständnisinnigen Einsicht getragen hätte. In der glücklichen Harmonie, welche die oberste Leitung der Kultusgemeinde erfüllt, war seine Persönliche Note, seine vornehme Art und versöhnliche Gesinnrmg der Oberton, gegen den jede schroffere oder schärfere Dissonanz verhallen mußte. Mit zarter, ivvhlivollender Enipfindsamkeit hat er manchen Zwiespalt geglättet, manche Unstimmigkeit beschwichtigt; Freundschaft und Friede waren seine Leitsterne für die Entwicklung und das Leben des großen jüdischen Gemeinwesens. Nun ist dieses reiche, sonnige Leben verrauscht; die Saite des Hellen Wohlklanges, der seinem ganzen Wesen eignete, ist gesprungen; das Herz, das so lebhaft für alles Jüdische gepocht hat, ist erstarrt; der Mund, der so freundlich gelächelt hat, aber für die Gerechtsame der Geineinde und der jüdischen Bürger so beredt und entschieden einzustehen wußte, ist für immer stille geworden. Es ist ein Unglückstag der Gemeinde, an dem ihre Vorsteher und Angehörige an der Bahre dieses Mannes stehen müssen. des seltenen, hochherzigen und allverehrten Menschen, dem alle Welt gut sein mußte, wie er aller Welt gut und zugetan war. So wie wir aber heute mit wundem Gemüte und zuckenden Lippen seinen Heimgang beklagen, so werden noch späte Geschlechter dieses begnadete Leben eines Vollmenschen und Volljuden, der unserer Weltgemeinde in führender Stellung sein Relief geliehen und ihr sein Bestes gegeben hat, als Muster ehren! Manchen von uns aber mag bewegt die bange Frage beschleichen: Werden wir an seinem Platze jemals wieder seinesgleichen sehen? Die üeilchlolen und die fettarmen Tage. Von Fanny Cohn. er zweite Kriegswinter bringt eine in die Wirtschaftssphäre der Hausfrau tiefeinschneidende Verordnung: zwei fleischlose Tage und zwei Tage in der Woche, an denen kein Fett zu haben sein wird. Darunter wird die jüdische Hausfrau noch mehr als die Frau der anderen Konfessionen leiden. Fett ist Wärmeerzeugung, und Fleisch bietet in geradezu idealer Zusammensetzung die Nährstoffe, welche unser Körper benötigt. Gingen wir dem Sommer anstatt der winterlichen Jahreszeit entgegen, dann machte sich die neue Maßregel in geringerem Grade fühlbar. Im Sommer sind Vegetabilien nicht nur gesünder als andauernder Fleischgenuß, sondern auch bevorzugt vor animalischer Kost. Anders im Winter. Fleisch spendet Wohlgefühl, Wärme, Kraft und Sättigung von längerer Dauer als bei jedem anderen Nährungsstoff. Geruchs- und Geschmacksnerven sind günstig beeinflußt. Eine kräftige Fleischbrühe, ein guter Braten hüllen das ganze Haus in eine wohlige Atmosphäre. Die Bereitung einer Fleischmahlzeit nimmt weit weniger Mühe und Zeit in Anspruch als die jeder anderen Speisegattung. Jede erfahrene Hausfrau weiß, daß sich eine Fleischmahlzeit auch weit billiger stellt als eine sogenannte milchige. Wir haben allerdings im Fisch einen fast vollwertigen Ersatz für Fleischnahrung. Doch läßt sich nicht gut mehr als einmal in der Woche ein Fischtag einschieben. Gründe: Der Fisch stellt sich bei den jetzigen Preisen zu hoch; er braucht zu seiner Zubereitung Fett, Würzen. Zu oft gegessen, lehnt sich der Magen — namentlich bei Seefisch — dagegen ans. Fleisch kann man ein-, auch zweimal täglich genießen, ohne daß Ueberdruß eintritt. Kann man den Fisch einmal geräuchert, dann gebraten und ferner etwa in Gelee auf den Tisch bringen, dann schmeckt auch einfach gekochter Fisch mitunter zur Abwechselung gut; und man darf ein Fischgericht für Mittag, geräuchert, wie Sprotten, Bücklinge, Makrelen, auch noch abends vorsetzen. Klippfisch, Schellfisch, Steinbutt, Rotzunge sowie Kabeljau werden ja auch nicht viel teurer werden, da Höchstpreise in Sicht sind. Dr. Gustav Bohn. 6’. Wcifzmann, A'Vl,

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