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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-19 · Heft 47 (19.11.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 47 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 wurde durch Sammlung und Verpackung von Liebesgaben Zeitgemäß gefeiert. — Glogau, 12. November. Am letzten Sonntag wurde auf dem hiesigen jüdischen Friedhofe die -aus dem Grabe bei Ludwiuow exhmnierte Leiche des im Mai d. I. gefallenen Arthirr S ch w eitze r unter militärischen Ehren zur ewigen Ruhe gebettet. Tie große Trauerversammlung legte Zeugnis ab von der Liebe und Verehrung, die Schweitzer trotz seiner Jugend allseitig genossen hat. Zn Hünpten des Sarges standen die drei Chargierten der Hasmonaea - Berlin mit ihrem Banner. Nach der Rede des Rabbiners Dr. L u ca s sprach Referendar Siegbert Stein-Berlin, der Bundesbruder und Kriegskamerad Schweitzers war und an dessen Seite Schweitzer siel, inr Namen des K. I. V. tiefergreifende Worte treuer Freundschaft. — Leipzig, 12. November. Inr Mittelpunkt der jüngst im Blauen Saal des Kristallpalastes .abgehaltenen M i tg l i e d e r v e r s n m m - Iitng der Israelitischen Religionsgemeiude stand neben der Erledigung einiger.geschäftlicher Angelegenheiten ein Bortrag des Zahnarztes Ehr mann über „Jüdisches Gemeindeleben". In historischer Darlegung entwickelte der Redner den mit festen Normen allsgestatteten Begriff der jüdischen Gemeinde, die eine in der Regelung ihrer internen Angelegenheit vollständig autonome Religionsgemeinschaft darstellt. Ihre theoretischen Grundlagen, die in dem jüdischen Religionsgesetz dargelegt sind, umfassen alle Aufgaben, deren Erfüllung dem einzelnen nicht möglich ist. Durch genaue Festlegung der Gemeindeverfassung, die über die Leitung und Verwaltung der Gemeinde sowie über die Rechte und Pflichten der Mitglieder der Religionsgelneinschast bis ins einzelne Bestimmungen enthält, wird eine verschiedene Allsfassung des israelitischen Grundgesetzes vermieden und das Prinzip eines einheitlichen Gemeindelebens gesichert. Das Tätigkeitsbereich der Gemeinde umfaßt gesetzlich sestgelegte Einrichtungen, die als die Grundpfeiler des jüdischen Kodex grundlegende Pflichten sowohl für die Gemeinde als allch für jedes einzelne Glied der Religionsgemeinschaft darstellen. Der in den gesetzlichen Grundlagen des Judentums zum Allsdruck gebrachte Aufgabenkreis erstreckt sich auf Unterweisung, Gottesdienst lind Pflege der Wohltätigkeit. Jnl Anschluß an eine eillgehellde Erörterung dieser Hauptpflichten der jüdischell Gemeinde schilderte der Vortragende die verschiedenen Wandlungen, die in ihrer Stellllllg zum Staate die israelitische Religionsgemeinschaft in den einzelnen Phasen geschichtlicher Entwicklung durchmachen mußte, und fmit ferner auf die mannigfachen Probleme zll sprechen, deren Lösung die jeweiligen Zeitverhältnisse erforderten. Mit einem Ausblick auf das Wesen des jüdischen Gemeindebegriffes in Sachsen, wo die Autonomie der Gemeinde nach den Forderungen des jüdischen Gesetzes anerkannt ist und sich der Einfluß des Staates lediglich aus die Reg-elmlg der äußeren Form beschränkt, schloß der Redner seine interessanten Allsführungen, denen lebhafter Beifall gezollt wurde. J. A. Nürnberg, 12. November. Aus einem Feldpostbrief aus dem Osten wurden nlir nachfolgende Mitteilungen zur Verfügung gestellt: „Am 29. September konnte unsere Infanterie infolge der starken feindlichen Stellungen nicht vorwärtskommen, und dreifacher Sturm wurde vom Feinde abgeschlagen. Unsere Artillerie konnte llicht richtig zum Schuß kommen, da die Beobachtungsstelle in unserem Schützengraben nicht mehr bestehen formte, da jedesmal, wenn nlan sich auch nur mit dem Kopfe zeigte, feindliche Scharfschützen ein nlörderisches Feuer auf uns äbgäben. Die feindliche Artillerie schoß wütend auf uns und zerstörte jedesmal unsere Telephondrähte, so daß wir immer von der Batterie äbgeschnitten waren. Es war llicht daran zu denken, die Drähte Zll flicken, da ein Her-auskriechen ans dem Graben der sichere Tod gewesen wäre. Nun war guter Rat teuer, da es immer brenzlicher wurde und alle Anzeichen darauf deuteten, daß der Feind bald zum Sturm ansetzen würde; nun hieß es schleunigst handeln! Ich schlich mich zurück in bell nahen Wald mld suchte nach einer anderen Beobachtungsstelle, die ich auch nach langem Suchen fand, und zwar war es mir möglich, rnich auf gefahrvollen Umwegen an die rechte Flanke des feindlichen Schützengrabens heranzuschleichen. Ich war 80 Meter vom Feinde weg und konnte von meiner neuen Beobachtungsstelle einen feindlichen Jnfanteriestab einsehen, einen Major und sechs Offiziere, die ich sofort mit Granaten beschoß und verheerende Wirkung erzielte. Dann lenkte ich das Feuer auf die Gräben und hatte auch dort ganz vorzügliche Wirkung, lmd der Sturm des Feindes kam dadurch überhaupt llicht zum Ausbruch. Ich wurde viel belobt von den Offizieren und sogleich zur Besörderung. zlml Leutnant vorgeschlagen." Der Schreiber dieses Brieses, Bizewachtmeister Iosep h R e g e n s b u r ge r , Sohn der Witwe Cäcilie Regensburger, der bereits das Eiserne Kreuz besitzt, wurde wegen hervorragender Tapferkeit und Umsicht im Gefechte zum Lmtnnilt im preußischen Reserveartillerieregiment Nr. 65 am 28. Oktober befördert. — Stuttgart, 12. November. Am 31. Oktober fand hier die Bestattung des infolge seiner auf deill östlichen Kriegsschallplatz erhalteneu schweren Verwundung verstorbenen Leutnants der Reserve im Feldartillerieregiment Nr. 116 Hugo Gutmann aixf dem Pragsriedhof statt. Außer den Angehörigen waren viele Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde erschienen, ferner waren Regimentskameraden des Verstorbenen, Offiziere, eine Reihe verwundeter Soldaten anwesend. Die Leichenparade stellte das Infanterieregiment Nr. 119. In der israelitischen Kapelle, wo der mit Helm und Degen geschmückte Sarg anfgebahrt war, fand mati sich zn einer gottesdienstlichen Feier zusammen, die Bezirksrabbiner Dr. S t ö ß e l vornahm. Dann wurde der Sarg von acht Unteroffizieren des 2. Ersatzbataillons des Feldartillerieregimeuts 65 unter den Klängen eines von der Garnisonsmusik geblasenen Trauermarsches durch den Friedhof nach dem Krematoriillll getragen. Rach dem Gesang des Liedes „Es ist bestimmt in Gottes Rat" durch das Kromersche Doppelquartett hielt Rechtsallwalt L ö lv e nsr c i n eine Gedenkrede, in der er den Verstorbenen als edlen Menschen und begeisterten Soldaten feierte. Es wurden hierauf Kränze uiedergelegt von Hauptmann Freiherrn v. Barnbühl er im Namen des Feldartillerieregimeuts Nr. 116 und von Leutnant Haar mann im Namen des Ofsizierkorps der 2. Ersatzäbteilnng des Feldartillerieregiments Nr. 65; auch der Bursche des Verstorbenen, Artillerist H o r it b erger , legte eineil Kranz am Sarge seines Herrn nieder. Es wurdell dann drei Ehrensalven abgegeben, und das Doppelquartetl sang, während der Sarg sich senkte, „Frieden über dein Grab" von Schüttkh. Grstkrrnch-Angarn. v. W. Wien, 12. November. Nach dem schweren, unersetzlichen Verlust, den die Wiener Knltnsgemeinde vor wenigen Wochen durch den Heimgang des unvergeßlichen ersten Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohu erlitten, hat sie min wieder den Tod eines wackeren und arbeitsfrendigen Mitgliedes des Vorstands- und Bertreterkvllegiums zu betrauern. Kaiserlicher Rat Adolf Schramek ist Dienstag, den 2. November, nach kurzem Leiden im 71. Jahre seines ganz der Arbeit mld dem Wohle der Menschheit gelvidmeten Lebens gestorben. Mitten aus der Arbeit heraus, voll seinem Schreibtische weg hat ihn der tl'ickische Sensenmann geholt und allzufrüh einen edlen, guten Menschen hinweggerafst. Er war ein wohlwollender Freund und gütiger Helfer und Berater der Armen und Notleidendell, der nicht nur von dem reichen Anteil an irdischem Gut, das er durch eigene Schafseilskraft erworben, reichlich und hochherzig gab, sondern auch überall mithalf und mittat, wo Gutes und Edles zn fördern war, und so werden weite Kreise seinen Heimgang tief beklagen. Geleitet von echtjndischem Empfinden und wahrhaft frommem Sinne, hielt der Verblichene, getreu der Väter Sitte, es als seine Pflicht, für Thora, Awodäh und Gemiluth chassodim mit ganzer Kraft einzutreten, und trotz der großen Lasten, die ihm sein hoch-angesehenes und weltausgedehntes Geschäftshaus auflud, hat er nach diesen drei Richtungen im Kultus- und Bethansvorstande, in der Armenanstalt und in vielen anderen gemeinnützigen und Humanitären Körperschaften und Bereinigungen Jahrzehnte hindurch eifrig und arbeitsfreudig gewirkt und geschaffen. Mit besonderer Liebe und Hingebung widmete sich aber kaiserlicher Rat Adolf Schramek dem Bethansvereine „Am Bolkert", den er durch seine zielbewußte Leitung und große persönliche Opfer von ganz bescheidenen Anfängen zu allgemeiner Anerkennung und Bedeutung führte, und mit hoher Freude erfüllte es ihn, als es ihm gelungen war, anläßlich des 80. Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers an Stelle des kleinen Bereiushanses den imposanten Kaiser-Frauz-Josef- Hnldignngstempel zu erbauen und dessen Einweihung in Anwesenheit hoher Persönlichkeiten und der offiziellen Vertreter der Wiener Judenschaft festlich zn begehen. Dieser Moment war die Krönung eines langjährigen, intensiven und aufopferungsvollen Strebens und Wirkens, und die großen Verdienste, die sich der Verblichene hier erworben, werden ihm in den Annalen des Vereins ewige Erinnerung und Dankbarkeit sichern. Aber nicht nur ans dem begrenzten konfessio-

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