Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1915)
- Date
- 1915-11-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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* 4 netten Gebiete, sondern auch für die große Allgemeinheit entfaltete kaiserlicher Rat Adolf Schrämet eine vielseitige gemeinnützige Tätigkeit, und in letzter Zeit insbesondere als Kassierer des Zweigvereins für das Note Kreuz im zweiten Bezirke, wo er zur Gründung und Errichtung des Spitales unermüdlich und werktätig beitrug. So erwarb sich der Verblichene durch seinen lauteren Charakter und durch seine stete Hilfsbereitschaft überall Wertschätzung und Anerkennung, lind allgemeine Teilnahme wendet sich seiner Familie, der tiefgebeugten Gattin und den trauernden Kindern zu, die in dem erhebenden Bewußtsein Trost finden mögen, daß der Heimgegangene durch seinen inhaltsreichen und frommen Lebenswandel ein ehrendes Andenken zurückläßt. Von Aah und ssrrn. — Ter verstorbene Stadtrat H e r m a n n I a c o b y hat der Stadt Berlin 200000 Mark hinterlassen, aus deren Zinsenertrag Erholungsznschüsse und besondere Beihilfen an mittlere und untere Magistratsbcamte gezahlt werden sollen. Tie Entscheidung über eingehende Anträge liegt in den Händen des Oberbürgermeisters. — Herr Ernst Wallach, welcher dem Vorstand einer Reihe von Wohltätigkeitsgesellschaften sowie dem Vorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischere Glaubens angehört, ist zum Stadtverordnet e n Don Berlin gewählt. — Stadtverordneter Tr. med. Jsaac hat bis jetzt 372000 Mark in Gold gesammelt und bei der Neichsbank abgeliefert. Ter Charlottenburger Arzt Tr. Engen Borchard, zurzeit.ans dem Balkant riegsschallplatz, ist znm Oberstabsarzt befördert worden. - Der regierellde Fürst zu Lippe hat Professor Atarcell Salzer für seine Tätigkeit im Felde mit dein Kriegsverdienstkreuz am Bande für Kriegsteilnehmer ausgezeichnet. — Mittelschultehrer M oritz Friedlaender hat am 8. November vor dem Provinzialschulkollegiuru in Danzig unter dem Borsitz des Geheimen Provinzialschulrats und Negierungsrats Tr. Kolbe das Nektorexamen bestanden. — Am 8. d. 9Jf. ist Herr Lehrer T. M a n n h e i in in Graudenz von 90 Prozent der abgegebenen Stimmen der Wähler der III. Abteilung zum Stadtverordneten auf 0 Jahre gewählt worden. Dies dürfte wohl der erste unb einzige Fall sein, wo einem jüdischen Gemeindebeamten ein solches Amt übertragen ist. -- Aus Posen wird uns geschrieben: Am vergangenen Sonnabend fand im Tempel der Brüdergemeinde die Vereidigung der nenei »gezogenen Landsturmleute statt. Ein großer Teil der Gemeinde wohnte dem Akte bei. Herr Gemeinderabbiner Professor Tr. Bloch hielt die Ansprache und betonte in seiner Rede die Bedeutsamkeit des Soldateneides und ermahnte die Mannschaften zur Trane imi> zu in Gehorsam gegen den obersten Kriegsherrn. Bor und nach der Feierlichkeit trug der Synagogenchor die diesbezüglichen Gesänge vor. Herr Saras oh n in Hamburg, Rappstraße 17, der früher viele Jahrzehnte als Kantor der jüdischen Gemeinde in Stettin segensreich gewirkt hat, begeht am 2. Dezember, dem ersten Channkatag, seinen 70. Geburtstag. - Herr H c i n r i ch Fabisch , der zweite Vorsitzende des Allgemeinen deutschen Kantorenverbandes, weiteren Kreisen auch durch verschiedene Kompositionen bekannt, feierte am 15. November sein 25jähriges Jubiläum als Kantor und Lehrer der jüdischen Gemeinde zu Göttinnen. -- Tie israelitische Knltnsgemeinde München begeht im kommenden Frühjahr das hundertjährige Jubiläum. Sie wurde 1M0 gegründet, nachdem ihre Gründung durch das Jndenedikt von 1K13 ermöglicht war. Für das Jubiläum werden schon jetzt Vorbereitungen getroffen. Es werden hierzu einige Festschriften erscheinen, da München eine alte israelitische Niederlassung mit wechselreicher Geschichte ist. --- Die Kinder der verstorbenen Frau Betth L o e b in New sjork haben der Kriegsfürsorge in Mannheim 10 000 Mark zugewendet. Frau Betty Loeb geb. Callenberg, eine Mannheimerin, war verehelicht mit Salomon Loeb, dem Gründer der Firma Kuhn, Loeb n. Co. in New Port. - Aus Frankfurt wird geschrieben: Die Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums wird ans zahlreichen Gefangenenlagern fortgesetzt aufsdrü.glichste um Ueberweisung von Ritualien, besonders von Tefilin, Talesim, Gebetbüchern und Chnmoschim, gebeten. Es wird im religiösen Interesse gebeten, alle entbehrlichen Ritualien zu dem obengenannten Zwecke dem Bureau der Freien Bereinigung zu übersenden. Die bisher angesammelten Vorräte find vollkommen erschöpft. - Die Agudas-Jisroel- Jugendorganisation (Sitz Frankfurt a. Nt., Tiergarten 8), die seit einer Reihe von Monaten an jüdische Soldaten im Felde, Garnison und Lazarett allwöchentlich kostenlos einen Sabbatgruß versendet, hat eine beachtenswerte Neuerung getroffen. Der. Sabbatbrief enthält neben einer Betrachtung des jeweiligen Wochenabschuittes eine Uebersicht über die Geschehnisse in der jüdischen Welt. Soldaten, die diesen Sabbatbrief wünschen, senden ihre Adresse an die A. I. I. O. — Die Sammlung unter beit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde urid der Israelitischen Religionsgesellschaft in Straßburg (Elf.) zur Bestreitung der Kosten der rituellen Beköstigung der jüdischen Soldaten am Neujahrsfest und vor und nach dem Versöhnungstage hat mehr als 4000 Mark ergeben. Die Verpflegung der Mannschaften (es waren über 300) erfolgte in den Speisehäusern und einer Pension. — Dem Arzte der Wiener Nettungsgesellschaft Tr. Oskar Wagner, der seit Kriegsbeginn als Regimentsarzt eingerückt und Kommandant eines permanenten Krankenznges ist, wurde für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung im Kriege das goldene Verdienstkreuz' mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. — Aus Sofia wird gemeldet: Hiesige Blätter erinnern an ein Wort des bulgarischen Ministerpräsidenten Karawelow aus der Zeit des serbischbulgarischen Krieges 1886—1886: „Bulgarien wird es nie vergessen, daß die bulgarischen Juden in den Tagen der höchsten Gefahr patriotischen Opfermut bewiesen haben. Die Juden haben sich als treue Bürger gezeigt, das dankbare Bulgarien erkennt sie dafür in den Tagen des Glückes und Triumphes als bulgarische Bürger an. Ihr seid Bulgaren geworden, weil sich das Blut eurer Söhne mit dem Blute unserer Kinder auf dem Schlachtselde vermischt hat. Das auf diese Weise vergossene Blut ist das Bindemittel." — Ans Athen wird gemeldet, daß die griechische Regierung sich gegenwärtig mit der Frage beschäftigt, die Snloniker Juden zum Militärdienst heranznziehen. Die Iirden von Neu-Griechenland waren bisher vom Militärdienst befreit. Indessen soll dieses Privileg nach griechischen Meldungen nur provisorischen Charakters sein. Die hellenische Regierung hat angeblich schon beschlossen, die Juden binnen kurzem zu den Waffen zu berufen. Sie werden zum Hilfsdienst verwendet werden, und schon jetzt erhalten sie keine Auslandspässe mehr. -- Der König von I t a l i e n ernannte Eommendatore Felice T e d e s ch i zum Offizier des St. Maurus- und Lazarus- Ordens. eine Würde, durch die man .Setter des Königs" ward. Der Ausgezeichnete, ein Jude, ist seit 1908 Präsident des Metallsyndikats von Turin. .Ans Warschau wird gemeldet: Der Generalgmlvernenr v. Bes eler hat folgende Verordnung erlassen: Es ist darüber Klage geführt worden, daß die jüdische Bevölkerung an einigen Orten gezwungen werde, an ihren Sonn- und Feiertagen die Geschäfte auch für Privatpersonen zu öffnen. Der jüdischen Bevölkerung darf ihre Religionsübnng, wie in der Gemeinschaft vorgeschrieben, nicht beengt werden, soweit es die Kriegsnotwendigkeiten zulasten. — Ferner wird aus Warschau berichtet: Das A m e r ik an i s ch - I ü d i s ch e Hilfskomitee hat durch die Regierung der Vereinigten Staaten bei deren hiesigem Konsul anfragen lassen, welche Unterstützung für die hiesigen jüdischen Heimlosen -erforderlich sei. Ter Konsul hat sich an das Hilfskomitee bei der hiesigen jüdischen Gemeinde gewandt und folgendes festgestellt: Bon beit rund 100 000 jüdischen Heimlosen sind rund 80 000 in ihre Wohnorte zurückgekehrt. Um wirksame Hilfe zu leisten, sei vorläufig eine Summe von einer Million Rubel notwendig. — Die Konstautinopeler „Aurore" bringt folgende Aeußerung eines hohen kommandierenden Offiziers der Dardancllenfront über die dort kämpfenden jüdischen Soldaten: „Unsere jüdischen Brüder vergießen ihr Blut an der Seite ihrer türkischen Genossen mit einem alles Lob übersteigenden Patriotismus. Wir können sie nur rühmen ob ihrer Treue und ihrer aufrichtigen Anhänglichkeit an dem heiligen Boden des Vaterlandes. Sie erfüllen ihre Pflicht mit der größten Gewissenhaftigkeit und Genauigkeit. Jeder gute Muselmann hegt für unsere jüdischen Brüder Liebe und Freundschaft und hat volle Anerkennung für ihre Vaterlandsliebe." Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x I u u g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Masse.