Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1915)
- Date
- 1915-11-12
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 zu den Aufgaben des Gemeiuschaftsheims über. Er sprach von der j Verbundenheit oller gegen olle und der Verpflichtung oller für olle, den leitenden Gedanken, die im Gemeiuschaftsheim zur Geltung kommen: on dieser Stätte gebe es keinen Unterschied des Standes, der Bildung und des Besitzes; hier seien olle Menschen, die in Wort und Tot Zeugnis oblegen von dem Gotteshauch, der sie ins Dasein ries, gleich; on dieser Stätte sollen Wissenschaft und Religion, Dichtung und ftunft zu Worte kommen und hinführen zu den beseligenden Höhen edler Menschlichkeit; dos Bewußtsein der Verpflichtung oller gegen olle ober halte von dem Gemeinschaftsheim jedes Prunken mit Wissen und Besitz fern; was hier gespendet werde, werde in der Absicht gespendet, doß ein Strahl und ein Hauch von dem, was die Seele erfülle und bedrücke, auch in die Deelen der ondcren solle: freudig werde hier gegeben und freudig solle empfangen werden, so werde eine jede Gabe in gleicher Weise geadelt, von dein, der sie spende, und dem, der sie empfange. Wenn dos Gemeinschoftsheim in solchem Geiste arbeite, dann sei bei aller Wehmut, die uns erfülle, doch auch die heilige Freude an unserem Wirken berechtigt. Auf diese mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgten mnsikolisch-detlonlotorische Darbietungen der Domen Elisabeth und Selmo Gramer, Frankfurt, Irmgard Strauß und A h l f e l d e r, die bei der Zuhörerschaft den wohlverdienten Beifall fanden. sk. Leipzig, 5. November. Dos Landgericht Stuttgart Hot am 2. Juni 1915 den Viehhändler Wolf Gutmann in Eonnstatt wegen Störung eines israelitischen Gottesdienstes lReligionsveraehen noch 8 167 des Strafgesetzbuchs) zu zwei Togen Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte führte mit seiner jüdischen .Heimatgemeinde seit vielen Jahren einen Kampf über die Art der Lüftung der Ortssynagoge. Do in derselben keine Bentilationsonloge vorhanden war, geschah die Lufterneuernng nur durch Qesfnen der Fenster. Gutmonn, der gegen Zugluft sehr empfindlich ist, behauptete daher immer, an seinem Platz ziehe es, und bedrängte zahlreiche Behörden mit immer wiederkehrenden Eingaben, in denen er kategorisch verlangte, doß während des Gottesdienstes die Fenster in der Eonnstotter Synagoge nicht geöffnet werden dürften. Einen weniger der Zugluft ausgesetzten neuen Platz, den ihm das Kirchenvorsteheramt onbot, lehnte er ob. Daraufhin wurde ihm bewilligt, daß das Fenster hinter seinem Platz stets geschlossen bleiben sollte. Damit gab er sich nicht zufrieden: vielmehr pflegte er auch während des Gottesdienstes, wenn irgendein anderes Fenster geöffnet war, dasselbe rücksichtslos zu schließen. Gor zu arg trieb er es schließlich am Bersöhuungstage, der im Jahre 1914 auf Mittwoch, den 30. September, fiel. Zur Zeit des Schlußgebets hatte der Synagogendiener in Gutmanns Abwesenheit wegen der im Baume herrschenden dumpfen Luft ein Fenster geöffnet, dos von Gutmonns Platz weit entfernt war, damit frische Lust einströmen konnte. Als (Autmonn eintrot, lief er sogleich wütend nach dem offenen Fenster hin und schlug es derart geräuschvoll zu, daß bei den Betern Aufregung inib Unruhe entstand. Als der Synogogendiener ihn deshalb wegen seines unwürdigen Benehmens zur Rede stellte, begann Gutmann so laut zu schimpfen, daß durch den Lärm und die Unordnung der Gottesdienst zeitweilig gestört wurde. Gutmonn war sich dessen auch bewußt. Nachdem man fein ungehöriges Treiben lange geduldet hotte, verlor mnn jetzt die Geduld und ließ ihn gerichtlich zur Rechenschaft ziehen. Gutmanns Revision wurde jetzt vom R e i ch s g e r i ch t am 1. November 1915 auf Antrag des Reichsanwalts als unbegründet verworfen: Tie Absicht der Störung wird vom Gesetz nicht gefordert. Es genügt das hier auch erwiesene bewußt, also vorsätzlich, ordnungswidrige Benehmen des Angeklagten. J. A. Nürnberg, 5. November. Dos Eiserne Kreuz erhielten in N ü r n b e r g : Rudolf Golds ch m i d t, Gefreiter int 14. daherisch.m Infanterieregiment, Sohn des Herrn Isaak Goldschmidt. Albert Müller, Artillerieunteroffizier, Sohn des Hopfenhäudlers Daniel Müller. Benno Löwen stein, Vizefeldwebel im 10. Reserveiufauterieregilnent. Die gleiche Auszeichnung erhielten in F ü r t h : Unteroffizier Fritz B ü ch endo che r i. Fa. Sieginund Büchenbocher u. Go. Fabrikbesitzer Moritz K uPfe r, Leutnant d. R. beim Korps-Brückeutrain des 1. bayerischen Reserve-Armeekorps. S o n st i g e A u s z e i ch n u n g e u erhielten: Vizefeldwebel Benno Lölven stein beim 10. R escrveiufanterieregiment die! silberne lvurtkeinbergische Tapferteitsmedaille, nachdem er schon vorher int Herbst dos Eiserne Kreuz und das Militärverdienstkreuz 3. Klasse bekam. Dr. Willy Hahn, Rendant in einem Lazorettzua, Sohn des Justizrots Heinr. Hahn, das bayerische Kriegsverdienstkreuz für freiwillige Krankenpflege. Walter E r l a n ge r , .Offizierstellvertreter beim Train, dos bayerische Militärverdienstkreuz 2. Klasse mit Krone und Schwertern. Sal. G r ü ne b o u m , Zugführer im 1-3. österreichischen Jnfanterieregilneut, Sohn des Schuhmachers und Kultusougestellten Jsaac Grünebaum, die österreichische silberne Tapferkeitsmedaille. Friedrich Wallen st e i n e r, Unteroffizier im bayerischen 6. Feldart i ücr icregiment, die württembergische Militärver dien st medaille für Tapferkeit und Treue. Eugen Gärtner, Gefreiter d. R. im sächsischen Reserveiusanterieregiment 102, Rabbinatskalididat und Religiollslehrer in Dresden, Sohn des Herrn Abr. Gärtner in Nürnberg, die sächsische Friedrichi-August-Miedaille. Leo G e i ß e n b e r g e r alis Nürnberg die Dienstauszeichnung für sreiwüllige Krankenpflege. Jos. H e s s e l b e r g e r , Amtsrichter in Nürnberg, Hauptmanu der Landwehrkavallerie, den Militärverdienstvrdeu 4. Klasse mit Krone und Schwertern. Jos. H esselberger, Hopfenhäudler aus Nürnberg, Leutnant d. L. im 7. bayerischen Ehevalllegerregimont, den Ncilitärverdienstordeu 4. Klasse mit Krone und Schwertern. <V5> Köln, 5. November. 9Ctn Freitag, den 29. v. M., kurz vor Beginn des Sabbats, wurde zur ewigen Sabbatruhe gebracht der vortreffliche Mann, um den in großem Kreise getrauert und geklagt wird: Herr Bruno H e i d e n h e i m; er starb nach schwerem Leiden im 70. Lebensjahre. Ein unübersehbarer Leichenzug gab dem Heimgegangenen das Geleit zur letzten Ruhestätte. Bor dem Zuge gingen die Kinder des Waisenhauses, dessen langjähriges Kuratorinmsmitglied der Berstorbeue war. Das Vorstands- und Neprüsentantenkollegium, Vertreter zahlreicher Wohltätigkeitsaustalteu, eine große Schar von Verwandten, Freunden und Bekannten folgten. Auf dem Friedhofe hielt Rabbiner Dr. F rank die Grabrede. Es wurde das Leben des Heimgegangenen nach allen Richtungen der weltumfassenden, nützlichen und erfolgreichen Tätigkeit gezeichnet. Ein Sohn eines hochgeschätztere Priesters in Israel, des Rabbiners und Professors Dr. Heidenheim in Sondershausen, erhielt er eine vorzügliche Erziehung und kam irr seirrem 16. Lebensjahre nach Köln, um als 24jühriger ein eigenes Geschäft hier zu gründen, das anfänglich klein war, aber durch Fleiß und Energie zu einer bedeutenden, >irr der Gegenwart allerseits geschätzten Firma sich entwickelt hat. Sein Familienhaus war ihm eine Stätte ungetrübten Glückes, und drei Söhne und zwei Töchter, Schwiegertöchter, Schwiegersöhne und 13 Enkel erhöhten und erweiterten das glückliche Familienleben. Ganz besonders hat der Heimgegangene neben der Erfüllung seiner Berufs- und häuslichen Pflichten sich dauernde Verdienste um die Synagogengemeinde Köln und viele nützliche Vereine erworben. Zunächst war er stellvertretender Vorsitzender des Vorstandskollegiums der Synagogengemeinde, Mitglied des Vorstandes der Ehewro-Smichas Tallim, Mitglied des Kuratoriums des Waisenhauses, Mitglied des Vorstandes des Gefängnis- Vereins, des Vereins für Obdachlose, endlich Mitglied des Ansschusses des Provinzialverbandes rheinischer Synagogengenreinden, und in allen diesen Vertretungen wirkte er überaus erfolgreich. Besonders als Vorstandsmitglied war er unentbehrlich, Liebe zur Gemeinde und warmes Interesse für das Judentum zeichneten ihn aus. Ebenso war seine Mitarbeit im Waisenhause, wo chm seine würdige Gattin als Ehrendame der Anstalt zur Seite stand, zum Segen für alle Pfleglinge. Der Verstorbene betrachtete die Ehrenämter als Pflichtämter, nickst um für sich Ehren heimzutragen, sondern um anderen zu nutzen und zu helfen. Menschenfreundlich und wohltätig im hohen Grade, war er nicht minder von einem warmen patriotischen Sinn beseelt; eine Soldatenfamilie durfte man ihn und seine Angehörigen nennen, denn er hatte im Jahre 1870/71 dem Vaterlande treu gedient; seine beiden Söhne dienen in der Gegenwart mit Auszeichnung, und zwei feiner Enkel stehen in Reih und Glied, um ihre junge Lebenskraft in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Sein schönes, pflichttreues, menschenfreundliches Schaffen und Wirken, ein Segen für die Familie, die Gemeinde und Nebenmenschen, wird unvergeßlich bleiben bei Mit- und Nachwelt. — Am vergangenen Sabbat, Abschnitt „Chaje Sora", ergriff in der Schrifterklärung Rabbiner Dr. Frank nochmals die Gelegenheit, um das segensreiche Wirken des am Tage vorher zur letzten Ruhe gebrachten Vorstandsmitgliedes Bruno Heideuheim in anerkennenden Worten hervorzuheben. War es doch an erster Stelle die