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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-12 · Heft 46 (12.11.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 46 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 46 Berlin, 12. November 1915 Der Gemeindevote. Stellage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". Sorrrlpouvknsm und Nachrichten. DeotschlsnL. T/D Berlin, 9. November. Die Freie Organisation der Alliance Israelite Universelle hat in ihrer Tagung am. 7. d. M. einstimmig folgende N e s o - l 11 t i o n gefaßt: Die heute versammelten Mitglieder des Zentralkomitees und der Freien Organisation der A. I. N. haben mit Entrüstung festgestellt, daß der Sekretär der A. I. U. unter Mißbrauch ihres Namens den Aufruf verbreitet hat, den das Zentrallonsistorimn der Israeliten Frankreichs an die Inden der neutralen Länder versandt hat und der von dm schwersten Angriffen gegen unser Vaterland erfüllt ist. Wir erheben den schärfsten Widerspruch dagegen, daß der Sekretär der A. I. II. — entgegen ihrer Satzung und unter völliger Verkennung ihrer Aufgabe als reine Wohltätigkeitsorganisation — die ihr als solcher obliegende Neutralität verlebt hat. Wir worden die maßgebende Stelle zur Rechenschaft neben und erwarten, daß düs Zentralkomitee das Verfahren seines Sekretärs mißbilligen und uns volle Genugtuung gewähren wird. Solanae das nicht geschehen, sind unsere Beziehungen zur A. I. U. gelöst. L? Berlin, 9. November. Das jüdische V o l k s b i l d u n g s - und Unterhaltungsheim (Tohnbee-Halle), das während des vergangenen Kriegsjähres seine Kräfte und Mittel zur Unterhaltung einer großen Kriegsspeiseanstalt aufgewendet hat, in der an -bedürftige Männer und Frauen ohne Unterschied der Konfession über 100 000 Portionen ausgeteilt wurden, soll in diesem Mnter wieder seiner eigentlichen Bestimmung zugeführl werden. Es sollen vorläufig an zwei Abenden (Mittwoch und Sonnabend) und. falls genügendes Interessevorhanden ist. auch au anderen Abenden wieder volkstümliche, belehrende Vorträae aus allen Wissensgebieten gehalten werden, denen sich musikalische und deklamatorische Vorträae. die dem Ernste und der Stimmung der Zeit Rechnung tragen. anMieß^n. Beginn ist auf den 20. November, "bendK 9 Ubr, feüae^etzt. Am 5. Dezember soll wieder eine Clwnukaieier stattfinden für Kinder bedürftiger Familien, insbesondere solcher, deren Ernährer im Felde stellen. T/D Berlin. 9. November. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland veröffentlicht einen Ausruf, in dem sie um Spenden für Liebesgaben bittet, die anläßlich des Ellanukasestes an die im Felde stehenden jüdischen Soldaten gesandt werden sollen, deren Adressen der Zionistischen Vereinigung bekannt sind oder aufaegeben werden. Einsendervon mindestens 3 Mark sollen auch eine Karte mit ihrer Adresse beileaen dürfen, um dadurch von den Empfängern der Spenden einen schriftlichen Dank erhalten m können. Der Gedanke, den indischen Soldaten, insbesondere solchen, die von Hause aus keine Gaben erhalten, anläßlich des Ellanukafestes durch eine grnß^üaiae Aktion Sendungen nikowmen zu lassen, verdient sicherlich allgemeine Anerkennung und Unterstützung. Me Korresvonden'"n und Geldsendungen sind an Herrn Mar Moll stein er. Cbarlotteubm-n. Rasch-erstrakre 5. und Pakete an die Zionistische Vereinigung, Berlin W, Sächsische Straße 8. zu richten. — Berlin 9. November. In der letzten Sitzung der berliner M e d i i n i.s che n G e se l l sch a ft Zeigte Professor Dr. Han^ K a b n '"neu einfachen Avvarat rur Wiederbelebung Scheintoter. d->n Professor Meltzer in New Bork konstruiert bat. Er gebt von dem Nrin^iv aus. >^as bei der Narkose angewendet wird, die narkotischen Mittel in die Luftröhre unmittelbar einzusützren. Da dies aber iür Laienhände zu schwierig ist. führt Meltzer das Robr nur in den Schlund und führt durch einen Blasebalg Lust hinein, die von dort in die Lunge dringt. Durch Drehen eines Ventils kann in der Atempause die verbrauchte Lust aus dem Rohr entweichen. Meltzer bat mehrere solcher Avvarate. die nach Versuchen von Hans Kolm und Professor Loewv den nötigen Druck ausweisen, der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt. Die Praris wird ergeben, ob die Apparate rbei den Gasvergiftungen oder Verschüttungen im Schützengraben sich bewähren. Auch beim Wundstarrkrampf, bei dem Atemlähmungen im Verlaufe der Krankheit oder durch die von Meltzer anaegebene Magnestinnbebandlung — die Kocher in Bern als wichtigste Behandlungsmethode bei dieser Krankheit bezeichnet hat — auftreten können, hat sich der Apparat bewährt. — Königshütte, 5. November. Am28. v.M. verschied mich schwerem Leiden der Kaufmann und Stadtverordnete Herr Bernhard Lomnitz. Voller Trauer beklagt die Synagogengemeinde in ihrem Nachruf das Ableben dieses vortrefflichen, gottesfürchtigen und königstreuen Mannes, der durch 15 Jahre dem Vorstände als Mitglied, zuletzt als Stellvertreter des Vorsitzenden, angehörte. In allen Zweigen der Verwaltung und in allen Vereinen der Gemeinde betätigte er sich eisrigst und erfolgreich. Die gärtnerische Ausgestaltung unseres Friedhofes war sein eigenstes Werk. An der Erneuerung der Synagoge hatte er hervorragendsten Anteil. Sein Name wird immer ehrenvoll in der Gemeinde genannt werden. W. Posen, 5. November. Eine sehr zahlreich besuchte Seelengedenkfeier für die Heimgegangenen Stifter und Wohltäter der seit 55 Jahren hier bestehenden R i t s ch e - F l a t a u s ch e n Waisenm ä d ch e n e r z i e h u n g s a n st a l t fand in dem vor sieben Jahren neuerbauten Hause am Goethepark statt. Der Saal war mit Blumen und Topfpflanzen geschmückt; an den Wänden hingen die Bilder der Gründer und Wohltäter des Instituts. Zuerst wurde das Mincha? gebet verrichtet, dann Psalm 103, 15—17 durch den Chor vorgetragen. Darauf folgte das Gebet eines Waisenmädchens; hieran schloß sich die Verlesung der Namen der Heimgegangenen Wohltäter der Anstalt, wobei der Vorsitzende, Herr Manasse Werner, den Dank anssprach für die ungeteilte Anerkennung der Leistungen seitens der Mitglieder, die trotz der sturmbewegten Zeit mit reichen Spenden bei Freud und Leid die Anstalt bedacht haben, so daß der Vorstand beschließen konnte, Anträge zur Aufnahme von Waisen, deren Väter auf dem Felde der Ehre sich dem Vaterlande geopfert haben, möglichst weitgehend zu berücksichtigen. Mit großer Innigkeit wurde „Ruhen in Frieden alle Seelen" von Schubert vom Chordirigenten der Synagoge A, Herrn Seeligmann, vorgetragen. Es reihten sich dann an: El mole rachamirn,Olenu, die Psalmen 23 und 121, Kaddisch und Schlußgesang. Die Chorgesänge wurden unter Leitung des Chordirigenten der Synagoge 6, Herrn Berggruen, zu Gehör gebracht. Am Harmonium, das von der Firma Berthold Neum a n n freundlichst zur Verfügung gestellt wurde, wirkte Herr Lehrer Barthel. Die Gäste besichtigten, dann die Räume der Anstalt. — Im Jahre 1914 fanden 23 Mädchen, meist aus der Stadt und Provinz Posen, Aufnahme. Die Einnahme und Ausgabe balancierten mit 22 220,10 Mark. An Spenden kamen 4246,55 Mark ein. Die Mitglieder bei träge beliefen sich auf 4846,50 Mark. Dem Vorstände gehören an: die Damen Frau Justizrat Anna Asch, Frau Sophie Berlak, Frau Else Ephraim, Frau Cäcilie Herzog, Frau Geh. Kommerzienrat Jenny K a n t o r o w i c z; die Herren Dr. C o - bliner, Rechtsanwalt Dr. Haase, Wolfs Jas sch Emil Jeremias, Geh. Kommerzienrat Nazary Kantorowicz, Stadtrat Dr. Orgler, Manasse Wern e r, Vorsitzender; die Ehrenmitglieder: Frau Julie Lißner. Berlin, und Herr Dr. Leschnitzer in Charlottenburg. M. Hamburg, 5. November. Zur Eröffnung des Israelitischen G e m e i n s cha s t s h e i m s war der weite Saal des Logenheims bis auf den letzten Platz gefüllt. Herr Syndikus Dr. Nathan ergriff das Wort zur Eröffnungsrede und führte folgendes aus: Mit geteilten Empfindungen nehme der Vorstand des Gemeinschaftsheims seine Arbeit wieder auf, voller Freude, da er sich des Segens bewußt sei, der von der Arbeit des Gemeinschastsheims ausgehe, aber auch voll Ergriffenheit und Wehmut, da er des Krieges und der Wunden, die dieser auch unserem Land und unserem Volk geschlagen habe, gedenke. Der Redner erinnerte dann an die Helden, die auf dem Felde der Ehre für das Vaterland gefallen und denen alle Dankbarkeit und Ehrerbietung bewahren müßten: Dankbarkeit, da sie für uns, und Ehrerbietung, da sie für eine heilige Idee in den Tod gegangen seien. Mit besonders rühmenden Worten feierte -er dann einen tapferen und edlen Jüngling, der wegen seiner hervorragenden Tapferkeit zum Eisernen Kreuz erster Klasse vorgeschlagen war, als ihn die tödliche Kugel traf, in dem die bewährte Führerin des Gemeinschaftsheims einen geliebten Sohn beklage. Von dem Gelöbnis, all den jugendlichen Helden ein getreues Gedenken zu bewahren, leitete der Redner

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