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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-12 · Heft 46 (12.11.1915) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 46 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
Seite 549 (sequence 9)
Language
German
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--549 Hauptbeschäftigung besteht hier im Religionsunterrichte, den ich an den verschiedenen Mittelschulen erteile. Meine Predigten, -die sich des ungeteilten Beifalls der Gemeinde erfreuen, sind einfach, schlicht, herzlich, aber frei von jedem hohlen Pathos und jeder schauspielerischen Mache. Mir ist der stilvolle Ausdruck eines tiefen Gedankens mehr wert als die glänzendste leere Phrase. In Sachen des Glaubens bin ich ein strenger Positivist und als solcher jeder Bibelkritik abgeneigt. Meine wissenschaftlichen Arbeiten, die nicht sehr zahlreich sind, weil ich sie meinem schweren, arbeitsvollen Amte abringen mußte, tragen das Gepräge der Vielseitigkeit und der peinlichsten Gründlichkeit. Sie sind, so weit sie bisher gedruckt worden sind, dreifacher, voneinander völlig verschiedener Art. 1. Streng wissenschaftliche Vorträge über nichtjüdische Themen, in christlichen Kreisen vor höheren Beamten und namentlich Gymnasiallehrern gehalten, sowohl in Groß-Strehlitz als hier in Augsburg im historischen Vereine von Schwaben und Neuburg. Dahin gehören: a) eine „Geschichte von Paris", während der Belagerung 1870 in der „Breslauer Zeitung" erschienen; i>) „Der Humanismus in Augsburg"; e) „Der Schwabenspiegel", beide in der Beilage der hiesigen „Abendzeitung"; d) „Geiler von Kaisersberg", „Ein Augsburger Mystiker im 13. Jahrhundert" (David von Augsburg), beide in der Beilage der hiesigen „Postzeitung"; e) „Ein Augsburger Philosoph" (Brücker) und f) „Ein Augsburger Bischof im Zeitalter der Reformation" (Christoph von Stadion), beide in der Beilage der „Münchener Allgemeinen Zeitung" erschienen. 2. Populärwissenschaftliche Vorträge über jüdische Themen, hier in Augsburg und in München in gebildeten jüdischen Kreisen gehalten und in der „Zeitung des Judentums" veröffentlicht. Dahin gehören: a) „Sinai und Olymp", eine Parallele zwischen dem Judentum und Hellenentum; b) „Die Juden im Schatten der Alhambra", eine Skizze der Geschichte der Juden in Spanien; c) „Die Juden am Fuße des Kapitols", eine Skizze der Geschichte der Juden in Rom, und d) „Humanismus und Humanität", eine Gedankenharmonie des Judentums und des klassischen Altertums. 3. Streng wissenschaftliche Abhandlungen über jüdischdeutsche und jüdisch-französische sowie jüdisch-italienische Geschichte und Literatur und verschiedene Arbeiten über die jüdische Literatur überhaupt. Dahin gehören: a) Eine Untersuchung eines handschriftlichen Werkes, betitelt pipnrt “12D, (abgedruckt im „Magazin für jüdische Geschichte und Literatur", Jahrgang I); b) „Die jüdischen Gelehrten von Orleans" (das.); c) „Die Söhne des R. Jehuda b. Samuel Chassid" (das.); d) „Isaak b. Malki Zedak aus Siponto und seine süditalienischen Zeitgenossen" (das. II); e) „Jehuda Sir Leon aus Paris" (das. IV bis V); f) „Das , handschriftliche Werk Astufol, Analekten" (das. X); g) „Abraham b. Isaak aus Narbonne, ein literarhistorischer Versuch" (abgedruckt in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums", Jahrgang XVII); h) „Aaron Hakohen und sein Ritualwerk Orchol Chajim" (das. XVIII); i) „Isaak b. Mose Or Sarua aus Wien" (das. XX); k) „Abraham b. David aus Pasquieres, ein literarhistorischer Versuch" (das. XXII bis XXIII); I) „Meir b. Simon und seine- Schrift Milchemeth Mizwa" (das. XXX); in) „Zur Geschichte der Juden in Arles" (das. XXVII bis XXIX, XXXI); u) „Elieser b. Joel Halevi, ein literarhistorischer Versuch" (das. XXXIV bis XXXV); o) „Notice sur Abba Mari de Lunel“ („Revue des etudes juives“ IX), Etüde sur Simson ben Abraham de Sens (das. VI bis VII). Mein Hauptwerk ist: „Gallia judaica“, dictionnaire geographique de la France, traduit par M. Bloch, publication de la socidtö des etudes juives. Paris 1897. X. und 766 Seiten Groß-Oktav. Dieses Werk, das Produkt langjähriger, eingehender Forschungen, umfaßt in gedrängtester Kürze eine quellenmäßige Darstellung der jüdisch-französischen Geschichte und Literatur. Solche Autoren, die bereits anderweitig behandelt worden sind, werden unter Hinweis auf die über sie erschienenen Monographien nur kurz berührt. Das Werk, nur für Gelehrte geschrieben, ist ein gründliches Quellenbuch, das vermöge seiner gewissenhaften Untersuchungen der weiteren wissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiete wichtige Dienste leisten kann. Es enthält die Grundsteine zu einer Geschichte der Juden in Frankreich. In einer Besprechung meines Werkes in der „Revue" XXXIV, p. 136findet sich der folgende Saß: „M. Gross, par ce dictionnaire, fait penser ä Zunz.“ Dieser Satz, das höchste Lob, das mir gespendet wurde, ist nur in dem einen Punkte wahr, daß ich, ein simpler Arbeiter, in den Fußtapfen des großen Meisters wandelte, der in seiner nie ermüdenden Gründlichkeit in den Fluten der jüdischen Wissenschaft mühsam die Goldkörner suchte, welche von anderen zu den großen Barren geschmolzen wurden, aus denen sie die herrlichen glänzenden Gebilde der jüdischen Wissenschaft gestalteten. Meine Vielseitigkeit ist mein Vorzug, aber auch mein Fehler, der mich verhindert, Großes zu schaffen. Ich zersplitterte dadurch, daß ich mich in verschiedenen Wissenszweigen, auch außerhalb des Judentums, versuchte, meine Kräfte. Ich hätte auf dem eingeschlagenen Wege bleiben sollen. Kaum, daß ich die „Gallia" vollendet hatte, unternahm ich auf Verlangen der bayerischen Rabbiner die Abfassung eines umfassenden Lehrbuches der israelitischen Religion für die oberen Klassen der Mittelschulen. Dieses Buch wird im Laufe dieses Winters dem Drucke übergeben werden. Ich arbeite daran mit Leib und Seele, um der jüdischen Jugend eine Quelle zu erschließen, ans der sie echte Religiosität und die Liebe zum angestammten Glauben der Väter schöpfen foll. Mein Wahlspruch ist der Satz, mit dem ich die Vorrede zu meiner „Gallia" geschlossen habe: In magnis et voluisse sat est.“ Max Lilimthal (1815 - 1882). Z u m h u n d e r t st e u Geburtstag seiner G e b u r t. Von G o t t h n r b D e u t s ch. as amerikanische Israel hat eine eigenartige Entwicklung durchgemacht. Graetz steht ihm unsympathisch gegenüber. In verächtlichem Tone spricht er von „den verfließenden Gemeinden"'), die sich von einem Prediger Holdheimscher Richtung auf die Bahn radikaler Reformen drängen ließen. Schechter hat von allem Anfang an, als er nach Amerika kam, „catliolic Israel" (das universelle Israel) dem landläufigen Begriff des amerikanischen Israel gegenübergestellt. Der wahre Historiker kennt, wie der wahre Naturforscher, nur Tatsachen, die er zu verzeichnen und zu erklären hat, gleichviel ob sie ihm sympathisch sind oder nicht. Das amerikanische Judentum ist nun eine Tatsache, und wenn es wirklich ein illegitimes Kind der sinaitischen Offenbarung sein sollte, so wissen wir zum mindesten aus Beaumarchais' „Figaro", daß auch illegitime Kinder mitunter physisch und intellektuell gedeihen. -Dieses amerikanische Judentum, das von keinem staatlichen Zwange eingeengt war und an keiner Traditionskette zu schleppen hatte, hat sich in dogmatischer und ritueller Beziehung freier entwickelt als seine europäische Schwester und einen gewissen Typus herausgebildet, der im Dogma besonders die Preisgabe des Glaubens an den persönlichen Messias und an Israels nationale Wiederaufrichtung sowie an die Auferstehung des Leibes proklamierte und im Ritus die Einschränkung der hebräischen Sprache im Gottesdienste und die h Volkstümliche Geschichte, III» S. 737.

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