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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-12 · Heft 46 (12.11.1915) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 46 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
Seite 546 (sequence 6)
Language
German
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546 Lin MM non Heines Mutter. Von Ludwig Geige r. er bekannte Heine-Forscher Professor Friedr. Hirth in Wien hat in „Westermanns Monatsheften", 59. Jahrg., S. 384 bis 388, einen Aufsatz unter dem Titel „Unbekannte Bildnisse Heinrich Heines und seiner Mutter" veröffentlicht. Ter Aufsatz ist durch drei Bilder illustriert, von denen zwei Heine, das dritte die Mutter Heines darstellt. Auch die beiden ersteren würden für unsere Leser von großem Interesse sein, da sie beide den älteren Heine vorsühren (1842 bis 1816) und da gerade in diesen ans den höheren Jahren stammenden Bildern nicht nur der leidende Gesichtsautzdruck, sondern der jüdische Typus weit stärker hervortritt als in den Jugendpvrträts. Wir bringen hier mit besonderer Erlaubnis des Verfassers jenes Aufsatzes und des Verlegers der Zeitschrift das Bild der Mutter Heines. Hirth sagt darüber: „Das Bild der Mutter- Heinrich Heines ist das einzige, das von ihr erhalten geblieben ist. Es ist gegenwärtig im Besitz des Herrn Grafen Gustav Sizzo-Noris in London, eines Urenkels Betty Heines (Heines jüngster Bruder- Gustav hatte u. a. eine Tochter Marie, die sich mit dem Grafen Sizzo - Noris verheiratete; aus dieser Ehe stammt Graf Gustav Sizzo-Noris). Das Bild Betty Heines entstand ein Jahr nach dem Tode ihres Sohnes. Gustav Heine wollte ein Bildnis seiner Mutter besitzen und ließ es von einem Hamburger Künstler, dessen Name leider nicht festzustellen ist, ansertigen. Es ist bedauerlich, daß Heinrich Heine dieses ausgezeichnete Bild seiner Mutter niemals sah. Er hätte von ihm vielleicht eine Schilderung entworfen, die sich der berühmten des Bildes seiner Großmutter väterlicherseits — in den Memoiren — würdig angeschlossen hätte." Ich widerstehe nur ungern der Versuchung, dem Bilde der merkwürdigen Frau eine Biographie anzufügen; eine solche aber ist in allen Lebensbeschreibungen Heines zu finden und kann daher von unseren Lesern leicht dort nachgelesen werden. Hier mag nur die kurze Bemerkung genügen, daß, wenn auch die Einwirkung der Mutter auf den Sohn vielleicht nicht so stark war wie bei anderen deutschen Dichtern, die Liebe und Verehrung, die der Sohn seiner Mutter weihte, eine ganz außerordentliche zu nennen ist. Die Sehnsucht zu ihr ertönt aus unzähligen Gedichten und Stellen seiner Werke; die Briefe an die Genannte, die uns erhalten sind, bezeugen eine rührende, kindliche Pietät. Um sie zu sehen, wagte er, der Verfemte, in den 40er Jahren eine Reise nach Deutschland, die bei seinem schwankenden Gesundheitszustände und bei den Verfolgungen, denen er ausgesetzt war, keineswegs ungefährlich war. Es ist geradezu ergreifend, wie er, während seiner tödlichen Krankheit die Mutter durch Scherze zu beruhigen, die alte Frau über sein schweres Leiden hinwegzutäuschen, ihr nur von Frohsinn und Wohlbefinden vorzuplaudern versteht. Will man Heine lieb gewinnen, so muß man sein Verhältnis zur Mutter betrachten es ist ein wahrhaft entzückendes Zeugnis von innigstem Kindessinn und erquickender Liebe. Das goldene Doktorjubiläum Hermann Eohens. n der Wohnung des Geheimen Regierungsrats Professor » Dr. Cohen wurde am Mittwoch, den 27. Oktober, das goldene Doktorjubiläum des greisen Gelehrten gefeiert. Verwandte und Freunde hatten es sich nicht nehmei lassen, das stille Gelehrtenheim mit Blumen zu schmücken unl ihn durch mannigfache Gaben zu erfreuen. Viele seine: Freunde und Schüler waren aus der Nähe und Ferne herbei geeilt. Notabilitäten der Berliner jüdischen Gemeinde warei persönlich erschienen. Briefe uni Telegramme drückten die Teil nähme weiterer Kreise aus: de Herr Kultusminister, der Rekto der Universität Marburg und de Dekan der dortigen philosophischer Fakultät hatten ihren Glückwunse! gesandt. Auch durch mannigfache An sprachen wurde der Jubilar geehrt die Kant-Gesellschaft feierte bei großen Kant-Forscher; das Kuratv rium der Lehranstalt der Wissen schüft des Judentums und ein per sönlicher Freund und Fachgenoss Cohens, sein langjähriger Kolleg Paul Natorp, verherrlichten ihi durch Ansprachen. Im Namen dc- Kuratoriums (auch die Dozentei der Lehranstalt sowie manch: Schüler und Schülerinnen waren erschienen) ergriff ich das Wort Wenn ich gegen meine sonstig. Gewohnheit hier meine Rede folgei lasse, so tue ich es nur, um dami auch weiteren Kreisen gegenüber die Verehrung zu bekunden, die ein: hervorragende Körperschaft für der Gelehrten hegt, und den Zusammen Hang auszudrücken, in dem sie siel mit ihm vereint fühlt. Meine An spräche, die ich aus dein Gedächtnis niederschreibe, hatte ungefähr folgenden Wortlaut: „Hochgeehrter Herr Jubilar! Das Kuratorium der Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums, in dessen Namen nach besonderem Aufträge des Herrn Vorsitzenden ich spreche, will Ihren Ehrentag nicht Vorübergeher lassen, ohne Ihnen den herzlichsten Glückwunsch auszusprechen Ich fühle mich nicht berufen, die großen Verdienste zu würdigen die Sie sich um Ihr spezielles Gebiet, die Philosophie, erworben haben, in dem Sie anerkannter Meister sind. Wohl aber dar! ich mich mit so vielen der Lorbeeren freuen, die Sie gepflücki haben, und stolz verkünden, daß Sie uns angehören. Ich spreche es gern aus, daß das Kuratorium, dessen Mitglied Sie sei: langen Jahren sind, es immer als eine besondere Ehre betrachte: hat, Sie als den Ihrigen bezeichnen zu dürfen, als ein Mitglied das nicht bloß seine Rechte kannte, sondern seine Pflichten in trefflichster Weise erfüllte. Denn Sie haben in den vielen Jahren, da Sie in Marburg weilten, nicht etwa bloß gelegentlich Ihres Ferienaufenthalts in Berlin ab und zu unseren Letty -^eine. von einem unbekannten lltciler (etwa 1837). (Aus „Westernianus Monatsheften", Heft 705.) mm

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