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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-05 · Heft 45 (5.11.1915) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 45 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
Seite 537 (sequence 9)
Language
German
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537 mzu geführt, „die Nahrungsmittel zu verbessern", den Ertrag > >er deutschen Landwirtschaft zu steigern. Zur Lösung dieser großen Frage mit den Mitteln meines Laboratoriums einön i Zeitvag zu liefern, ist mein Ziel."! Aus der Antwort des Herrn Geh. Rats Planck, des Sekre-? ärs der physikalisch-mathematischen Klasse, möge der Schluß uer Platz finden, der so lautet: „Gewiß ist die Natur in ihren Hervorbringungen, besonders j ms Zahlen und Quantitäten betrifft, oft von einer schier unlaublichen, alle Fassungskraft übersteigenden Fülle und Verchwendung. Aber wendet man seinen Blick nur einmal auf j ie Mannigfaltigkeit der Formen, welche die chemische Struk- >>rlehre und Konfigurationslehre in letzter Zeit erschlossen hat, j md vergleicht sie mit den wirklich vorkommenden Stoffen, so! raunt man andererseits wieder über die Beschränktheit der statur, welche aus der Unzahl der Kombinationen, die der forschende Nenschengeist als möglich erkennen nun, nur eine ganz winzige Auswahl trifft und auch auf weit ausinanderliegenden Gebieten immer vieder mit den nämlichen Mitteln arbeitet. Sie selber haben zu dieser Erkenntnis nicht wenig beigetvagen. \n Ihren Studien über das Chlorohyll haben Sie den Nachweis geliefert, daß das Chlorophyll in nehr als 200 verschiedenen Pflanen das gleiche ist, und in reueren Arbeiten, die bereits unsere Sitzungsberichte schmücken, konnten Sie zeigen, daß bei so verschiedenartig gefärbten Blumen und beeren, wie es Rosen, Kornblumen, Heidelbeeren sind, doch überall der nämliche Farbstoff wirkt. So ist Ihnen schon mancher neue überraschende Einblick in den b ökonomischen wie rationellen Betrieb der Natur gelungen, und wenn ich weiter Ihrer Untersuchungen über die Struktur der zyklischen Kohlenwasserstoffe, gekrönt durch die Synthese der Alkaloide der Atropin- und. Kokaingruppe, gedenke, so darf man das Wort Ihres Lehrers, v. Bacher, von dem Verhältnis des Forschers zur Natur gewiß mit gutem 'stecht dahin erweitern, daß Sie gezeigt haben, wie man an der Aatur so lange geduldig und bescheiden horcht, bis man die Kunst erlauscht, ihr zu kommandieren." Die lchwarsrn Spanier. Von Arturo Bab. wischen den Ureinwohnern Amerikas und den Kreolen, den reinblütigen Nachkommen der ersten romanischen Einwanderer, steht in den Steppen und Bergen der argentinischen Republik der Gaucho, ein Mischling beider, nicht nur der Rasse nach, sondern auch gemäß seinen Sitten, Gebräuchen und Anschauungen. Es ist dies jedoch nicht so zu verstehen, als wenn man die Bewohner der La-Plata- Staaten neben den Immigranten jüngeren Datums in drei getrennte Kasten teilen könnte. Es existieren vielmehr zwischen dem VollUutindianer und dem sogenannten Porteno^)- Kreolen, die, in der Hauptstadt geboren, am reinsten den südspanischen Typus bewahrt haben, alle nur erdenklichen Abstufungen und Uebergänge. Der eigentliche Gaucho hat jedoch lA bis Vi Jndianerblut, ist stets Bewohner des freien Landes, fast stets beritten und war bis vor kurzem ein richtiger Nomade. Selten fügt er sich in die immer tiefer ins Innere fortschreitende Kultur, zieht sich vielmehr grollend vor ihr zurück, ohne dieselbe jedoch völlig entbehren zu können. Er befindet sich daher am häufigsten am Grenzgebiet zwischen Wildnis nnd Ackerbau, just dort, wo die ersten jüdischen Kolonien, die alle auf jungfräulichem Boden entstanden, gegründet wurden. Der erste Eindruck, den diese jiddischen Einwanderer von den Gauchos hatten, war erklärlicherweise der des Schreckens, zumal bei der Landung in Buenos Aires törichte nnd müßige Menschen ihnen von deren Wildheit die schauerlichsten Geschichten erzählt hatten. Das Aeußere dieser Mestizen, der verwilderte Bart, das braune Gesicht und das haarscharfe, lange Messer im Gürtel, schienen diese Mitteilungen zu bestätigen. Man nannte sie mit Verdrehung ihres einheimischen Namens „Gautsch" oder in Anbetracht, daß sie Spanisch sprachen und kupferbraunes Antlitz hatten, „schwarze Spanier". In einigen jüdischen Siedlungen tauchte auch die Bezeichnung „Pundek" für diese Steppensöhne auf, das ein aramäisches, im Talmud vorkommendes Wort sein soll und so viel wie „Wanderer, Nomade" bedeutet. Am liebsten hätten sich die Kolonisten völlig vor ihnen abgeschlossen, doch war dies schlechterdings nicht möglich. Zunächst war es den Gauchos natürlich unbenommen, auf den die Siedlungen durchkreuzenden Straßen hin und her zu wandern, und wenn der eine oder der andere von ihnen beschloß, auf einem damals meist noch nicht eingezäunten Stück Land sich allein oder mit seiner Familie niederzulassen, so war Reb Jankel oder Reb Boruch selten Manns genug, ihn daran zu verhindern. Wandte man sich an die hohe Polizei, deren Mitglieder sich auf dem Lande meist selbst aus den Mestizen rekrutierten, so syinpathisierte dieselbe meist mehr mit dem „paysano", dem „Landsmann", wie mit dem „gringo"2), dem „Fremden", so daß es oft wochenlang dauerte, bis der Eindringling herauskomplimentiert worden war. Außerdem war namentlich in der ersten Zeit, wo die junge Generation sich noch nicht an die neue Umgebung gewöhnt hatte, ein „Pundek" zum Einfangen des Viehs und zum Schlachten unentbehrlich, und wer sollte die jungen Pferde zähmen, wenn nicht ein „schwarzer Spanier". Und wenn die Ernte heranh Porteno, wie man die Kinder der Stadt Buenos Aires nennt, hängt mit dem Worte „Puerto" (Hafen) zusammen. h Gringo ist ein Fremder im wegwerfenden Sinne; ein Amerikanismus, den die eigentliche spanische Sprache nicht kennt. Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. R. willstätter.

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