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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-22 · Heft 43 (22.10.1915) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 43 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Berlin, 19. Oktober. Die Trauerfeier für Professor Dr. Wilhelm Sklarek fand am 14. d. M. auf dem alten jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Berliner Handwerkervercin, dessen Ehrenmitglied der Entschlafene war, zahlreiche Mitglieder der Physiologischen Gesellschaft zu Berlin und die Deutsche Physikalische Gesellschaft gaben ihm das Ehrengeleit. Professor Dr. Zuntz, Professor Duveau, Professor L e v h , Geheimrat Friedländer, Professor Bernhard Meyer-Braunschweig und mehrere Militärärzte wohnten der Trauerfeier bei. In warm empfundenen Worten entwarf der Prediger der Jüdischen Resormgenleinde, Dr. Lehmann, ein äußerst zutreffendes Bild von dem Wesen und dem segensreichen Wirken des Verstorbenen, dem es zeitlebens als ein Herzensbedürfnis gegolten, von seinem Wissen und Können seinen Mitmenschen nach Kräften mitzuteilen, ohne nach Lohn und Ehren zu fragen. Ein schöner Gesang erösfnete und schloß die eindrucksvolle Feier, der die Beisetzung im Familienerbbegrabnis folgte. H. Jastrow, 15. Oktober. Die hiesige Tabaksirma H. E. S i m o n stellt über hundert Jahre K o w n o e r Schnupftabak her. Dieser Umstand war die Veranlassung dazu, daß die Firma gleich nach dem Fall von Kowno an den siegreichn Eroberer der Festung, General Litzmann, eine Sendung Kownoer Schnupftabak mit folgender Widmung sandte: „Großvater, Vater und Sohn fabrizieren seit hundert Jahren schon, vorahnend Kownoer Tabak, drum sende ich davon etliche Pack dem Helden, der Kowno deutsch gemacht." Darauf ist folgende Antwort eingetroffen: „Generalkommando vierzig— Hat Ihre freundliche Spende — An siegreicher Tage Ende — Probiert und fand sehr würzig. — Da kam ein mächtiges Niesen, — Zweitausend Gefangene erbost — Niesen ein russisches Prost. — Wir haben den Tabak gepriesen, — Wir siegten und sind also heiter; — Wenn Kowno längst hinter uns liegt, — Der Kownoer lange nicht versiegt, — W i r u i e s e n beharrlich u n d w e i t e r. — Besten Dank und Gruß für das Generalkommando: Litzmann. — Ter Brief ist von dem Heerführer persönlich geschrieben. W. Posen, 15. Oktober. Im 72. Lebensjahre verschied die verwitwete Frau Lewy geb. Koppe. Die Verewigte stand in großem Ausehen und war durch ihr bescheidenes Wesen bei allen sehr beliebt. Bon Jugend auf an Frömmigkeit gewöhnt, übte sie diese Tugend bis in ihr spätes Lebensalter. Ein großer Bekanntenkreis und auch Gemeindemitglieder aus Pudewitz, wo die Verewigte früher gelebt, erwiesen ihr die letzte Ehre. Herr Gemeinderabbiner Dr. Frei mann schilderte das Schaffen und Wirken dieser ehrbaren Frau und sprach den Hinterbliebenen Trost zu. Auch der Vorsteher Herr Kr ahnaus Pudewitz rief der Heimgegangenen ehrende Worte des Gedenkens nach. — Breslau, 15. Oktober. Die jetzt wieder geöffnete Toynbee - halle hat sich nunmehr ein neues Ziel gestellt. In ihren Räumen sollen die Verwundeten, die in Breslau ihrer Genesung harren, an jedem Nachmittage von 3—7 Uhr Erholung und Erfrischung bei Speise imb Trank, bei Spiel, guter Lektüre und allerlei Unterhaltung finden. Der neuen Ausgabe galt eine eindrucksvolle Feier, der auch Vertreter des Rabbinats, der Repräsentautenversammlung unb vieler Gesellschaften und Wohltätigkeitsvereine beiwohnten, während die Spitzen der städtischen Behörden, Oberbürgermeister M a t t i n g und Bürgermeister Dr. T r e n t i n , ihre Glückwünsche für das Gedeihen des guten Werkes brieflich gesandt hatten. Die Feier wurde eröffnet und geschlossen durch weihevolle Gesänge, die Oberkantor Ce rin i, begleitet von seiner Gattin, zu Gehör brachte. Dann nahm der Vorsitzende, Augenarzt Dr. Joseph Schlesinger, das Wort zu einer Ansprache, in der er einen Rückblick auf die bisherigen Erfolge der Toynbeehalle warf und das neue Ziel hervorhob, das sie sich nun gestellt habe. Dr. S i m o n s o h n brachte mH warmen Worten den Dank des Rabbinats dar für das Streben nach solch edlen sozialen Zielen, das seinen Lohn.in sich selbst trägt, in der Bereicherung, die von einem guten Werke ausgeht. Sanitätsrat Dr. Reich sprach als Vertreter der Repräsentantenversammlung und des Liberalen Vereins der Synagogengemeinde. Direktor Fabian überbrachte die Wünsche der Lessing-Loge, und ihn: schloß sich Rechtsanwalt Dr. Pe iser als Vertreter der zweiten Brüdergesellschaft zugleich Im Namen aller anderen Ehrengäste an. Den Dank des Vorstandes der Toynbeehalle sprach zuletzt Herr Fischer aus. — Hamburg, 15. Oktober. Auf eine Eingabe an das Generalkommando des 9. Armeekorps betr. die Abhaltung von Militärgott esdi en sten für Samstag nachmittag im M i ncke r h a l b j ah r 1915/16 teilt das Generalkommando folgendes mit: „Infolge des an das Stellvertretende Generalkommando des 9. Armeekorps gerichteten Schreibens vom C. d. M. sind den Truppenteilen in Altona, Hamburg und Wandsbek die Gebetszeiten für das jetzt begonnene Winterhalbjahr bekanntgegeben worden. Soweit es der Dienst gestattet, wird den jüdischen Mannschaften Gelegenheit gegeben, an den Gottesdiensten teilzunehrnen." Es ist nunmehr auf Grund dieser Verfügung eine Zusammenstellung der GebetzeHen für die Militärgottesdienste in der Synagoge Rutschbahn 11 im Winterhalbjahr 1915/16 ausgearbeitet und öffentlich bekanntgegeben worden. „Israelit." — Hannover, 15. Oktober. Wie in anderen Landesteilen, so hat.sich auch in der Provinz Hannover eine Organisation zur Fürsorge für die Kriegsbeschädigten gebildet, deren Zweck es ist, sich der Kriegsteilnehmer anzunehmen, welche aus den Kämpfen schwere Beschädigungen an ihrem Körper dauernd davongetragen haben. Alle religiösen Gemeinschaften sind darin vertreten, die jüdische durch den Landrabbiner zu Hannover. Die Landrabbiner der Provinz Hannover weisen die Gemeinden, ihre Vertreter, Lehrer und Beamten auf diese Organisation hin und legen ihnen warm ans Herz, sie zu fördern. Die durch sie geschaffene Fürsorge soll ergänzen und vervollständigen, was bisher für unsere tapferen Krieger an fürsorglicher Tätigkeit geschehen ist. Sie will vor allem den Kriegsbeschädigten nach der erlangten Arbeitsfähigkeit auch die A r b e i t s m ö g l i ch k e i t schaffen. Sie sollen nicht zu Mitleid, erweckenden Gestalten, zu schwer gedrückten Almosenenrpfängern herabsinken, sondern aufrechte und frohe Männer bleiben. Es ist mit Sicherheit zu erhoffen, daß alle jüdischen Organe dieses im edelsten Sinne des Wortes vaterländische Werk nach Kräften unterstützen werden. 22 Dortmund, 15. Oktober. Der Vorstand des Vereins „Israelitisches Altersheim in Westfalen" versendet soeben folgenden beachtenswerten Aufruf: Im Berichte über das verflossene Vereinsjahr haben wir mitgeteilt, daß der Vereinsvorstand beschlossen habe, dem Andenken der int gegenwärtigen Kriege gefallenen Glaubensgenossen, für deren Gedächtnis eine Jahrzeitstiftung errichtet werde, in der Anstaltssynagoge eine besondere Ehrentafel zu widmen. Die Ausführung dieses Beschlusses hat die Errichtung einer größeren Zahl von Jahrzeitstiftungen zur Voraussetzung; einige solcher Stiftungen sind bereits errichtet. Hiernach erlauben wir uns, an alle Gemeindevorstände, Lehrer und Vorsteher von israelitischen Wohltätigkeitseinrichtungen, insbesondere an unsere Vertrauensmänner die sehr ergebene Bitte zu richten, in geeigneten Fällen -die Hinterbliebenen der Krieger, welche für das Vaterland ihr Leben dahingegeben haben, auf unsere Jahrzeiteinrichtung hinzuweisen unb ihnen die Stiftung eines dauernden Gedächtnisses, mit der ja gleichzeitig die Erreichung eines wohltätigen Zweckes verfolgt wird, freundlich aus Herz zu legen. Die Stiftung erfordert eine einmalige Spende von dreihundert Mark, doch sind wir bereit, diesen Satz bei minderbemittelten Familien nach dem in der Hauptversammlung vom 5. September gefaßten Beschluß zu ermäßigen. Für jede Bemühung im Sinne .unseres Beschlusses sind wir herzlich dankbar. Der Gesamtvorstand: Justizrat Dr. Kem pell i ch, Vorsitzender; M. Liebenfeld, stellvertretender Vorsitzender; Jac. Wolf.f, Schriftführer. F. K. Nürnberg, 17. Oktober. Unter sehr zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen der Einwohnerschaft fand am 15. d. M. im Krematorium des Westfriedhofes die Feuerbestattung des verstorbenen Kommerzienrats B e r t h o l d Bing statt. Alle Körperschaften und Vereine, denen der Verlebte angehört hatte, waren durch Wordnungen vertreten. Wir bemerkten unter anderen Herrn Oberbürgermeister Dr. Geßler, Herrn Hofrat Bürgermeister Bräutigam, Ver. treter der Zivil- und Militärbehörden sowie der städtischen Beamten. Herr Rabbiner Dr. Frendenthal hielt die Trauerrede. Er rühmte vor allem den rastlosen Fleiß des Token im Dienste aller gemeindlichen und vaterländischen Aufgaben, schilderte dann sein häusliches Glück, seine Tätigkeit für Mutter und Geschwister, seinen Frohsinn im Kreise seiner Kinder und Enkel, seine edlen Charaktereigenschaften und pries endlich seine Erfolge im Dienste seiner Partei, des Magistratskollegiums, der Handelskammer, des Eisenbahnrates und der sonstigen Zahlreichen Vereinigungen auf den: Gebiete des Handels, der Industrie, der Politik und der Wohltätigkeit, denen er angehörte. Besonders feierte ihn der Redner als Muster für die Möglichkeit, feste Glaubensüberzeugung und Vaterlandsliebe miteinander zu verbinden.

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