Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- Seite 513 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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518 icht sehr erfreuliche Verwunderung hält an, wenn man eine Ueberhrist wie die folgende steht: „Die'Ovalittz und man fragt ch verwundert, was ein Aussatz „Zum Sprachenstreit in Palästina" nt unserem Thema zu tun hat. Auch der Titel eines anderen Abschnitts: Ludenarien", läßt etwas ganz -anderes erwarten, als man wirklich npfängt; der Abschnitt handelt nicht etwa über jüdische G-esänge, som?rn enthält ein paar Aphorismen darüber, wie die Juden behandelt -erden und behandelt werden müßten. Das Ganze macht den Eindruck \m Sammlung von Aufsätzen, die im Grunde nicht zusmnmcn-?hören, sondern unter einem unpassenden Titel als Ganzes zusammen» ^schweißt worden sind. Der Versasser ist ein bekannter Zionist, doch mcht er von seinem Zionismus nur mäßigen Gebrauchs Allerdings -scheint es mir sehr eigentümlich, wenn er S. 11, Anmerkung, 7gt: „Die Zionisten streben danach, das Neuhebräische, das in den?tzten Jahrzehnten wieder z-u einer lebenden Sprache geworden ist, ltmählich wieder zur jüdischen Einheitssprache zu machen, aber einstoeilen rangiert die deutsche Sprache auch bei ihnen noch an weitaus erster Stelle", und sich, och zum Schluß zu dem Satze ersteigt: „So wenig bedeutete er Kampf für das Hebräische ine Gegnerschaft gegen das deutsche." Das ist ein Fechterunststückchen, das ich nicht mit-, uachen kann. Alan will das Hebräische, muß sich aber notgedrunen einstweilen mit dem Deut-, chen behelfen, und das soll nun eine Gegnerschaft gegen das deutsche bedeuten. Sehr interssant ist die Zusammenstellung er Juden im Auslande, die sich m Deutschen verständigen könuni. Der Verfasser nennt diese ^uden mit dem sehr unschönen iAiorte „Deutschsprachlich" und onnnt dann bei seiner Zu samm entellrlng zu dem Schluß, daß unter wn 14 340 000 Juden, die in allen /ändern der Welt existieren, 2 930 000 Deutsch reden. Auch ies ist, wenn ich mich nicht äusche, ein Blender, denn die -ache ist doch so aufzusassen, daß ne letztgenannte Zahl nicht Deutsch, sondern Jiddisch redet,- also vielleicht (aber eben nur vielleicht) den Deutschredenden versteht; von einem wirklich Deutschreden dieser mehr als Zwölf Millionen kann füglich nicht die liebe sein. Am begierigsten war ich auf das Kapitel „Möglichkeiten gemeinsamer Arbeit", aber auch gier wurde ich gründlich enttäuscht. Denn auch in ihm wird :«er eigentliche Gegenstand kaum besprochen, sondern nur der Wunsch geäußert, man wöge Juden als Konsularbeamte einstellen. Das ganze Büchlein gibt zwar einige interessante Materialien, aber streift den bedeutsamen Gegenstand mehr, als daß es ihn ordnungsmäßig behandelt. Es wird daher seinem Titel keineswegs gerecht. Zlocistis Reden3) sind ein willkommener Beitrag. Die erste, cm* uiüpsend an 5. Buch Moses, Kapitel 25, Vers 17—19, wendet den Sieg lber Amalek sehr stimmungsgemäß auf neuere schwere Ereignisse an; Mc zweite, am Wochen fest gehalten, gibt ein Bekenntnis treuer deutck)er Gesinnung. Wir unterschreiben mit Freuden den Satz: „Dieses Gelöbnis und diese Tatsache gründen sich nicht zuletzt auf dem Bewußtsein innerer Gemeinschaft und seelischer Uebereinstimmung. Wir sprechen nicht nur deutsch, wir denken und empfinden auch deutsch. Wir sind an unserem Teil Entdecker, Förderer, Träger und Schützer Zwei vaterländische Reden: 1. Die Befreiung Ostpreußens im Lichte der Bibel. 2. „Dein Volk ist mein Volk." - Von Rabbiner Dr. I. Zlocisti, Vr.-Stargard. 1915. M. Poppelauer, Berlin. deutscher Kultur in allen ihren materiellen wie geistigen Erscheinungen. Wenn das Tiefste, was eines Menschen Seele bewegt und mit den Nebenmenschen verbindet, der Glaube ist, so dürfen wir schließlich auch bekennen: Dein Gott ist mein Gott!" Die beiden folgenden Schriften beziehen sich mittelbar auf Juden. Eduard Sachaus, der jugendfrische Siebziger, dem wir bei dieser Gelegenheit auch unseren herzlichsten Glückwunsch zum Erreichen der biblischen Altersgrenze abstatten und von dem wir noch manche trefflichen Leistungeil erhoffen, beschenkt uns mit einer kurzen Darstellung über das asiatische Reich der Türkei. Seine Wünsche für dieses Land sind die folgenden: 1. Eine kraftvolle gesetzliche Regierung, 2. Schaffung von Verkehrsmitteln, Eisenbahnen und Landstraßen, 3. Erweiterung des Schulunterrichts, 4. Toleranz, 5. Umsiedlung, so daß nicht mehr verschiedene Völker auf einen Raum zusammengepreßt sind. Die Fragen, die der gelehrte Verfasser beantworten null, werden von ihm folgendermaßen formuliert: „Wird die asiatische Türkei dieser Strömung der Weltgeschichte einen kräftigen Damm entgegensetzen können? Enthalten diese Länder die Quellen materieller Macht, welche das Ringen für die Erhaltung der eigenen Unabhängigkeit erfordert, und welcher Art sind ihre Bewvhn-er?" Eine ganz bestimmte Antwort wird zwar nicht erteilt, aber als Hoffnung wird ausgesprochen, daß „das osmanische Reich geläutert und gehärtet in dem Feuer einer unerhörten Kriegsperiode, zu neuer Kraft und Größe emporsteigen wird, als ein Hort seiner Freunde und ein Schrecken seiner Feinde". Das Ganze ist ungemein lichtvoll, klar, mit großer Liebe für das Land, aber ohne jede Voreingenommenheit geschrieben. Es liest sich vortrefflich, und nur begleiten mit einer nicht gewöhnlichen Teilnahme den Versasser auf seinen Wegen, die -er so anmutig zu schildern weiß. Eine andere Schrift, die sich mit Galizien beschäftigt^), behandelt die Juden gar nicht. Es ist im Grunde nur ein historischer . Ueberblick über Galizien >vm 11. bis 18. Jahrhundert, den wir, da er zu seiner Beurteilung Spezialstudien verlangt, hier nicht zu kritisieren vermögen. Nur selten werden Streiflichter auf die Gegenwart geworfen. Was der Versasser zeigen will, geht § einigermaßen aus dem Schlußsätze hervor, der so lautet: „Diese! Reihe von Tatsachen dürfte wohl ausreichen, um die Unhaltj barkeit der rusfischerseits Oesterreich gemachten Vorwürfe nach-! zuweisen wegen der Schaffung der ukrainischen Idee- und der! Pläne der Monarchie, unter Mithilfe dieser Idee Rußland zu untergraben, seine Provinzen zu annektieren und dergleichen. Wenn ein solcher Gedanke wirklich vorhanden wäre, wenn Galizien dementsprechend eingerichtet, die nationalkulturelle und politisch-ökonomische Entwicklung der Ukrainer während der letztem: zwei Menschenalter frei, entsprechend beurteilt und unterstützt gewesen wäre — nur mit der Hälfte der. österreichischerseits für Albanien aufgewandten Kosten und nur 4) Deutsche Orientücherei. Herausgegeben von Ernst Jäckh, IH. Geheimrat Dr. Sachau: Vom asiatischen Reich der Türkei. 1915. Verlag Gustav Kniepenheuer, Weimar. 5) Weltkultur und Weltpolitik. Oesterreichische Folge 1. Stephan Tomaschiwskhi: Die weltpolitische Bedeutung Galiziens. Verlag F. Bruckmann A.-G., München, 1915. Dr. Alfred Friedmann. Zu dem vorstehenden Artikel. Aufnahme der Firma Rudolf Diihrkoop. X