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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-22 · Heft 43 (22.10.1915) · p. Seite 511

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 43 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
Seite 511 (sequence 7)
Language
German
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511 Hiervon setze ich die Vorsteher der Anstalten in Kenntnis zur ^achachtung. Für den Chef des Bezirks: Ingenieur (Unterschrift). Beamter für besondere Aufträge: (Unterschrift.)" Geflissentlich hat die Vierverbandspresse den Anschein zu erwecken gesucht, als ob das amtliche Rußland geneigt wäre, feine judenseindliche Politik zu mildern, und in ihren Finanznöten hat die russische Regierung selbst diese Auffassung eifrig unterstützt. Der obenstehende Geheimerlaß zeigt deutlich, daß noch bis in den Juli hinein die Unterdrnckungspolitik gegen die Juden von oben her eifrig betrieben wurde. Und daran dürste sich auch jetzt noch nichts geändert haben. Der Unterschied gegen früher ist höchstens der, daß früher die Maßnahmen offen, jetzt aber aus leichtverständlichen Gründen durch Geh.eimbefehle allgeordnet werden. Georg Gslland. er Kunsthistoriker Professor Dr. Georg Galland, der am 8. September, erst 58 Jahre alt, einem Herzschlag erlegen ist, entstammte einer angesehenen jüdischen Familie Posens, die die alten Traditionen des Judentums stets treu bewahrt hat. Bereits in den Knabenjahren offenbarte sich in ihm das Streben nach idealen künstlerischen Zielen. Nach kurzem Studium der Architektur auf der ehemaligen Berliner Bauakademie wandte er sich in den Jahren 1877 bis 1881 auf der Berliner Universität ausschließlich der Kunstgeschichte zu. Kaum zwei Jahre nach Beendigung seines Studiums wurde ihm an der Technischen Hochschule in Hannover der Lehrstuhl der Kunstgeschichte eingeräumt. Diese schnelle Berufung verdankte er mehreren verdienstvollen Arbeiten, die seinen Namen in der wissenschaftlichen Welt schnell bekanntmachten. Es seien hier besonders die Abhandlungen über „Holländische Architektur und Plastik des 16. und 17. Jahrhunderts" und über „Hannovers Holzarchitektur und Grabdenkmäler" hervorgehoben. Die allgemeine Anerkennung dieser Werke veranlaßten ihn, von nun an die bildende Kunst der älteren Holländer zu seinem Speziälstudium zu machen, das er durch wiederholten längeren Aufenthalt an den Kunststätten Hollands vertiefte. Nach Uebevsiedlung an die Technische Hochschule Charlottenburgs entstanden die Werke über „Holländische und brandenburgische Kultur und Kunst des 17. Jahrhunderts" und über „Die Beziehungen hohenzollernscher Kurfürsten zur niederländischen Kunst und Technik". Einige Jahre darauf wurde ihm der Professortitel verliehen und das ordentliche Lehramt für Kunstgeschichte an der Königlichen Berliner Kunstakademie übertragen, das er bis zu seinem Tode innegehabt hat. Galland war ein begeisterter Verehrer der Kunst der Alten und ein entschiedener Anhänger der idealen Bestrebungen der Gegenwart. Seine Lehre in Wort und Schrift zeugte von feinstem Kunstverständnis und lebendiger Darstellungsgabe. Durch die von ihm in den Jahren 1895 bis 1905 begründete und herausgegebene Kunstzeitschrift „Die Kunsthalle" griff er kritisch in die Kunstereignisse des Tages ein und übte einen wirksamen Einfluß auf die Entwickelung begabter kunstkritischer und ausübender Talente. Führende Künstler der idealen Richtung, wie Hermann Prell, Anton v. Werner u. a,, deren Werke er auch in wertvollen Monographien behandelt hat, "schätzten diesen Einfluß in hohem Maße. Gällitnds kunstkritische Studien während seiner zehnjährigen publizistischen Tätigkeit sind in dem Werke „Nationale Kunst" vereinigt; sie bieten einen historischen lieberblick über die künstlerischen Leistungen des Jahrzehnts in Deutschland. Auf dem Gebietender holländischen und märkischen Kunst und Kultur hat Galland Grundlegendes geschaffen, das dauernden Wert behalten wird. | Wilhelm Sklsrek. | Professor Dr. Wilhelm Sklarek, der am 9. Oktober 1915 gestorben ist, wurde geboren am 22. September 1836 zu Raschkow in Posen. Er besuchte das Gymnasium in Ostrowo, studierte von 1854 bis 1858 in Berlin Medizin und machte im physiologischen Institute von Dubois-Reymond wissenschaftliche Arbeiten. Er promovierte 1858 und war erst in Krossen und Eckenhagen, dann in Berlin als Arzt tätig. Die Feldzüge von 1864 und 1866 machte er als Assistenzarzt der Reserve, den siebziger Krieg als Stabsarzt der Landwehr mit. Lange Zeit war er zweiter Vorsitzender des Berliner Handwerkervereins und wurde später zum Ehrenmitgliede ernannt. Vorträge von ihm wurden unter dem Titel „Die Gesundheitslehre" veröffentlicht. Er begründete im Jahre 1868 die Wochenschrift „Der Naturforscher" und, als er von der Redaktion zurücktrat, „Die naturwissenschaftliche Rundschau", die er bis zum Jahre 1912 leitete. Im Jahre 1899 erhielt er den Professortitel und wurde mit den Vorarbeiten für den Katalog der naturwissenschaftlichen Literatur betraut. Sklarek war zweimal verheiratet, beidemal mit den Töchtern des berühmten A. Bernstein. Aus den beiden Ehen sind mehrere Kinder hervorgegangen, an deren gesunder Entwicklung sich rer Vater erfreuen durfte. Durch seine Verwandtschaft und Beziehungen mit dem Genannten, dom gefeierten Naturforscher, Publizisten und Bibelkritiker, der in der Entwicklung des modernen Judentums eine sehr hervorragende Stellung einnahm, erlangte Sklarek lebendiges Interesse an jüdischen Dingen, nahm aber seiner ganzen Natur nach, die nicht zu öffentlicher Betätigung neigte, an religiösen Fragen keinen praktischen Anteil. Doch blieb er seinem väterlichen Glauben stets treu ergeben. Er war ein schlichter, einfacher Mensch, ein wahrhaftes Vorbild eines stillen, emsigen Gelehrten. Fast täglich, so lange ihm die körperlichen Kräfte verblieben, machte er den weiten Weg zur Königlichen Bibliothek, wo er stundenlang exzerpierte, für seine Zeitschriften und andere Arbeiten sammelte und eifrig tätig war. Wie oft habe ich ihn dort gesehen und mich an seinem stets gleichbleibenden, freundlichen Wesen erfreut. Gerade in unserer Zeit, wo tüchtige Menschen und ältere Leute gern Ehrerbietung fordern und Anerkennung heischen, kann er als leuchtendes Vorbild rührenden Fleißes, ununterbrochener Tätigkeit, wahrhafter Bescheidenheit und stiller Selbstentsagung betrachtet werden. L. G. Prof. Dr. Wilhelm Sklarek gestorben am 9. Oktober J9J5. gpiMi ***■* <**•:£

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