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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-22 · Heft 43 (22.10.1915) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 43 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
Seite 509 (sequence 5)
Language
German
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% 509 -- impft es heute für fein Dasein, für seine Freiheit wie für ie der ihm verbündeten Vötker. Israeliten der neutralen Länder, könnt ihr ohne Schmerz : nö ohne Angst die Verminderung einer moralischen Macht mit nschauen, deren Wohltaten ihr genossen habt? Denn bekanntch wird dem Frankreich des 18. Jahrhunderts die Zerstörung er durch dunkle Jahrhunderte errichteten und erhaltenen chranken verdankt. Seinem Beispiel folgend, unter dem tratst seines Geistes, haben die übrigen Völker allmählich den nden Menschen- und Bürgerrechte gewährt. Die internationalen Gesetze verhindern euch, an seiner Vereidigung teilzunehmen; aber die ihm schuldige Dankbarkeit oingt euch, die Wahrheit über den Ursprung und den Charakter wses furchtbaren Krieges zu verbreiten, den böswilligen Lägen! widersprechen und die Verletzung des Kriegsrechts offen zu rkünden, begangen von einem Gegner, bei dem die Macht klein das Recht schafft und bestimmt. Erinnert euch an das, was dem Judentum das Jahr 1870 bracht hat. Das siegreiche Deutschland beanspruchte eine ehre des Hasses und der Wildheit an die Stelle der von der anzösischen Revolution verbreiteten Lehre der Emanzipation nd der Brüderlichkeit zu setzen; seine Universitäten arbeiteten ne Rassentheorie aus, die zum Antisemitismus sührte; der eutsche, der sich als den einzigen Arier betrachtete, wollte die einheit dieser Rasse durchaus bewahren ■ und den Juden als > neu Eindringling um jeden Preis von allen Rechten ausstießen. Von seiner Geburtstätte aus verbreitete sich der Antinitismus über die Welt, und wenn er auch im Westen unterg, so gelang es ihm, im Osten Platz zu greifen. Aber sichere uzeichen lassen eine neue Zeit ahnen; der Sieg der großen 'estinächte, die mit Rußland zur Verteidigung des Rechtes ver- ' ut sind, wird nicht ermangeln, die Emanzipation unserer rüder in Rußland zu vollenden. Die französische Revolution hat die Juden des Westens be- ' eit; der Sieg der Verbündeten wird die Juden des übrigen i nropas befreien. Es wäre Wahnsinn, deren Emanzipation i n dem glücklicherweise unmöglichen Siege der verbündeten Mächte der Unterdrückung, des antisemitischen Pangermanis-!»s und des preußischen Militarismus zu erwarten." In dieser Erklärung ist fast alles erlogen. Man kann aller-; ngs nicht in Abrede stellen, daß Frankreich, wenn auch nicht - 5 erstes Land (man denke an England), aber doch ziemlich ' äh, den Juden die Freiheit gewährte. Man kann auch nicht ignen, daß der Antisemitismus von Deutschland seinen Ausilg nahm. Aber der Hinweis aus Rußland ist lügnerisch und 1 e Bemerkungen über die Entstehungen des Krieges bedeuten > ie arge Verdrehung der Wahrheit. Schämt sich das Kon- 1 ivrium nicht, angesichts der Tatsachen, die es so gut kennt i e wir, Rußland als den Juden günstig gesinnt darzustellen, t sselbe Rußland, das während des Krieges trotz der mehr als 0 000 Juden, die unter russischen Fahnen kämpfen, die ärgsten 1 'groine veranstaltete, das die jüdischen Zeitungen verbietet, nur, um Geld zu erhalten, Versprechungen macht, die 1 gleich wieder zurücknimmt und niemals in die Tat umzusetzen!> ischlossen ist. Was aber ferner das Konsistorium von der Entstehung des v ieges sagt, ist eine dreiste Verdrehung der Wahrheit. Velbers die Worte über „das friedliche Frankreich", das Land,!' s feit 40 Jahren nur den Rachegedanken nährt und hegt, die k nüung gegen das „angreifende" Deutschland, das doch nur h zwingen, um seine Existenz zu verteidigen, zu den B assen griff. Und wenn nun gar unsere Propheten angerusen werden ü. Krön- und Blutzeugen für Frankreich, so ist ein solcher Anruf eine solche schlimme Entheiligung dessen, was allen Juden teuer ist, daß man in der Tat nicht begreift, wie eine Gemeinschaft, die doch aus denkenden Menschen bestehen sollte, derartiges zu sagen und zu schreiben sich erkühnen konnte. Um dieses unerhörte Verfahren zu begreifen, muß man eben erwägen, daß die französischen Juden in ihrer Verzweiflung, in ihrer Erkenntnis, daß ihr Land den Sieg nicht erlangen kann, in dem Bewußtsein, daß sie unwiderbringliche Verluste erlitten haben, ja, vor der Vernichtung ihres ganzen Landes stehen, zu allen, selbst zu unerlaubten Mitteln greifen. Aber noch hat die Lüge kein Land gerettet und der endgültige „unmögliche Sieg der Deutschen", von dem die Franzosen sprechen, ist vielleicht näher, als das französische Konsistorium glaubt. * In betreff dieser Erklärung sendet uns die Freie Organisation der Alliance Jsraölite Universelle eine Auseinandersetzung, in der sie zunächst dartut, daß die Erklärung nicht von der Hauptgesellschaft in Paris geschrieben ist. Dann fährt sie fort: Angesichts anderer Zeitungsineldungen, die von einer Versendung des Ausrufs durch das Alliancebureau zu berichten wissen, wollen wir bei dieser Gelegenheit daraus Hinweisen, daß besonders durch folgende Tatsache die Legende von der Beteiligung der Alliance Jsraölite Universelle an politischen Bestrebungen gefördert zu sein scheint: Es ist uns seit langer Zeit bekannt, daß das neutrale Ausland mit Propagandaschristen für die Sache des Vierverbandes durch eine Pariser Vereinigung überschwemmt wird, die sich „L'Alliance Fran^aise" nennt. Diese „Alliance" ist ein französischer Sprachverein, der für die Interessen Frankreichs im Orient tätig ist. Jetzt, seit Ausbruch des Krieges, versendet er alle 14 Tage seine mit Hetzartikeln gegen die Zentralinächte ausgesüllten Broschüren in Zehntausenden von Exemplaren und in allen europäischen Sprachen in das neutrale Ausland. Die Folge davon war, daß uns zahlreiche Beschwerden zugingen. Erst nachdem man die betreffende Broschüre aus der Schweiz beschaffte, klärte sich das Mißverständnis aus. Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß es sich auch im vorliegenden Fall um jenen Sprachverein handelt, der sich mit leicht durchsichtiger Absicht „Alliance Franhaise" nennt. In den B e r i ch t e n d es F eld r ab b i n e r s Dr. B a e ck, die in dem „Gemeindeblatt der jüdischen Gemeinde Berlin" am 8. Oktober veröffentlicht werden, wird ausführlich von den an den hohen Feiertagen veranstalteten gottesdienstlichen Uebungen Mitteilung gemacht. Hier mag es genügen, aus diesen so überaus anziehenden Berichten eine allgemeine Stimmungen beleuchtende Ausführung wiederzugeben. Sie lautet: Das za Ende gehende religiöse Jahr bezeichnet für die jüdischen Feldgeistlichen ein Jahr ihrer Tätigkeit. Den Rabbinern, die hu westlichen Kriegsgebiete tätig sind, ist es möglich geworden, regelmäßige Zusammenkünfte abzuhalten, in denen die Erfahrungen und die Fragen der Scelsvrge besprochen wurden. Es konnte so eine gewisse Einheitlichkeit in dem Dienste, der jeden vor ganz neue Aufgabeir gestellt hatte, erzielt werden. So sehr, begreiflicherweise, jede Individualität ihren eigenen Weg sucht, so ist doch in allem Wesentlichen stets die Ilebereinstimmung leicht erreicht worden. Im Mittelpunkte der feierlichen Stunden des Dienstes steht hier iunner die Predigt. Die abgelaufeneu Monate haben über sie manches gelehrt und neu bestätigt und zu den eigenen Beobachtungen und Urteilen treten hierfür auch die anderer hinzu. Den von mir abgehaltenen Gottesdiensten wohnten öfter auch evangelische und katholische Feldgeistliche bei, und im Anschluß daran konnten auch mit

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