Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- Seite 507 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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; iigtöfen oder gesellschaftlichen Gründen in der Mitte von Schülern gleichen Glaubens eine -Gymnasial- oder Realschuli ldung erwerbenzu lassen. Welch praktischer Gesichtspunkt i fite die Erfüllung dieses Wunsches hindern? Es wäre schade, nenn die Gründung einer höheren Schule aus den Händen k r Gemeinde in -die einer bestimmten religiösen Richtung! 'ergehen würde. Daß durch die Eröffnung eines solchen > ginnasiums oder Realgymnasiums auch viele jüdische Lehri äste zur Verwertung ihrer Kenntnisse gelangen würden, i äre sicherlich kein Nachteil. Mit der Einrichtung einer solchen > 'Heren jüdischen Schule, wie sie anderswo schon bestehen, wird - dem allgemeinen Prinzip der konfessionellen Schule noch ' iiic Stellung genommen. Für die Verbreitung der Kenntnis des Judentums hat die i ineinde durch die Einrichtung und Vergrößerung der jüdi- - icn Bibliothek Großes geleistet. In vielen Dingen sind die i nrichtungen geradezu vorbildlich. Allein mit Rücksicht auf i re Lage dient die Bibliothek nur denen, die von selbst bereits > ,t Interesse an ihrer Ausbildung durch gute Lektüre haben. « rstrebenswert wäre es, daß die Bibliothek auch anderen ' reisen dadurch leichter zugänglich wäre, daß Heinere Zweig-! bliotheken eröffnet würden. So könnten vielleicht versuchs- : eise die in der Pestalozzistraße noch freien Räume für diesen weck verwendet werden. Der Leserkreis würde sich zweifel- . s vermehren. Auch könnten allmählich im Anschluß an . piragogen oder Schulen Leseräume eingerichtet werden. Durch das „Gemeindeblatt" wird das Interesse für die . uzelnen Fragen in der Gemeinde auch in ihnen sonst fremde ' reise getragen. Der Anreiz des Unentgeltlichen freilich hat > ir die erste Zeit gewirkt. Unter Umständen ließe sich das iatt in gewisser Hinsicht ändern. Der Erbauung dienende , rtikel könnten von den allgemeinen Mtteilungen mehr ge- : ennt werden. Die den Deckel einnehmenden Trauungs-, l insegnnngs- und Beerdigungsanzeigen würden auch auf ge- - ennterem Raume, in kleinerer Schrift ihren Zweck erreichen, chließlich wäre eine Einteilung denkbar, die es ermöglichte, k n nicht allgemein interessierenden Teil nur denen zugänglich machen, die es beantragen. V. Die Fürsorge der Gemeinde für die Armen wird von i;ier nachahmenswerten Verwaltung geleitet. Das einzige, i as vielleicht manche mit Bedauern empfinden könnten, ist, i ili die Wohltätigkeit oft ihren persönlichen Charakter verliert, ei der modernen Entwicklung ist das aber nicht zu vermeiden. Dagegen lassensich die Anregungen, die wegen der Bechnung der Gemeindesteuer von vielen Seiten gemacht wern, nicht ohne weiteres abweisen. Eine größere Jndividuali- > rung der Steuer, wie Stadt und Gemeinde sie kennt, wäre : ir gerecht. Die Befürchtung, daß große Steuerzahler einer , höhten Besteuerung durch Austritt zu entgehen versuchen : erden, ist übertrieben. Es kämen nur vereinzelte Personen in ktracht. Ihretwegen brauchte man von einer Reform der lenerberechnung nicht abzusehen. Nicht alle hier aufgeführten Wünsche werden sich in abseh- Urer Zeit erfüllen. Manches wird nur Anregung bleiben. 1 5 wäre aber schon viel erreicht, wenn die hier geäußerten 1 edanken zu weiteren Betrachtungen Anlaß gäben. Sie Woche. Berlin, den 10. Oktober 1915. er Krieg geht weiter. Die Franzosen setzen ihre Angriffe noch immer fort, wenn auch nicht mehr mit der- ' lben Wucht wie früher, aber mit allen möglichen Ans engungen; der Widerstand der unvergleichlichen deutschen Truppen ermattet nicht. Die Verluste auf beiden Seiten sind sehr groß; aber die deutsche Mauer ist keineswegs erschüttert und kann hoffentlich nicht erschüttert werden. Am Balkan-Kampfplatz ist es verhältnismäßig ruhig. Es sah bisher so aus, als ob Italien, obgleich es schon durch die verwandtschaftlichen Beziehungen des Königshauses zu Montenegro ein sehr großes Interesse an den Balkanangelegenheiten hat, in den dortigen Krieg nicht eingreifen würde; in den letzten Tagen ist die Wahrscheinlichkeit größer geworden, daß auch italienische Truppen an den Balkankämpfen teilnehmen werden. Allerdings macht sich in Italien eine starke Ernüchterung geltend, da der Siegeslauf nicht in erträumter Schnelligkeit angetreten werden konnte und die furchtbaren Verluste sowie das beständige Verweilen der Truppen auf italienischem Gebiete die laut auspvsaunte Befreiung der zu erlösenden Provinzen in nebelhafte Ferne gerückt hat. In Frankreich hat der Minister des Auswärtigen Delcassö seinen Abschied erbeten und erhalten. Daß in der Politik dieses Landes sich dadurch Aenderungen vollziehen, ist unwahrscheinlich. Der verabschiedete Minister hat seinem Lande einen Dienst dadurch erweisen wollen, daß er dem Balkannnternehmen widersprach. Vielleicht aber war dieser Widerspruch nur ein schlaues Manöver, um seinen Rückzug zu motivieren. Uebrigens soll Herr Delcassö krank und durch die Verurteilung seines Sohnes, der in Deutschland gefangen ist und wegen Widersetzlichkeit eine längere Gefängnisstrafe zudiktiert erhalten hat, sehr gebeugt sein. Einen sehr schlechten Dienst hat der Minister seinem Lande dadurch erwiesen, daß er im September mit England einen Vertrag geschlossen hat, der Frankreich an einem Sonderfrieden hindert, es vielmehr verpflichtet, den Krieg fortzuführen, bis England die Beendigung desselben wünscht und gestattet. Auf dem Balkan entwickeln sich die Dinge weiter. Nach Belgrad haben die deutschen Truppen die Festung Semendria genommen und sind weiter im siegreichen Vorrücken. Bulgarien hat Serbien den Krieg erklärt und seine Truppen (man spricht von 60 000 Mann) sind, nachdem die Serben bulgarische Grenzdörfer belästigt hatten, auch ihrerseits in Serbien eingefallen. Dagegen hört man von dem Vorgehen der in Saloniki vereinigtengroßen englisch-französischen Streitkräfte noch nicht viel. Zunächst scheinen sie sich nur häuslich einzurichten und haben die von ihnen bezogenen Gast- und Landhäuser auf sechs Monate im voraus bezahlt, eine Tatsache, die darauf schließen läßt, daß sie nicht willens sind, so bald diesen Unterschlupf zu verlassen. Da die Eisenbahnen in Serbien nur eingleisig sind, da ferner die nach Nisch führende Linie zum' Teil besetzt oder mindestens von den Bulgaren stark bedrängt wird, so dürsten sich überhaupt dem Transport größerer Massen, wenn er wirklich vor sich gehen soll, größere Schwierigkeiten in den Weg stellen. Ob und inwieweit dieser Durchzug der Truppen der Westmächte von Griechenland gestattet oder gar begünstigt wird, ist bisher zweifelhaft. Tatsache ist nur, daß Griechenland den Hilferuf Serbiens nicht erhört, sondern ausdrücklich erklärt hat, daß, da es zur Hilfe nur verpflichtet sei, wenn Bulgarien allein angreife, der Angriff Bulgariens an der Seite der Zentralmächte ihm keinen Anlaß gäbe, das früher mit Serbien geschlossene Bündnis in Kraft treten zu lassen. Freilich muß es einstweilen als fraglich angesehen werden, ob Griechenland diese Neutralität wahren kann, ob nicht vielmehr die Drohungen, insbesondere von seiten Englands, und die in Saloniki versammelten Truppen Griechenland zu einer anderen Handlungsweise zwingen. R u m ä n i e n hält sich bisher völlig neutral und hat selbst das Ansinnen, eine bewaffnete Neutralität durchzusührm,