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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-15 · Heft 42 (15.10.1915) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 42 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
Seite 501 (sequence 9)
Language
German
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501 In den Mitteilungen der Korrespondenten von Zunz, besonders der Hamburger, kommt über Heine wenig vor. In ben Briefen von M. Jsler, dem bekannten Bibliothekar und Historiker, wird Heine überhaupt nicht erwähnt. In denen Emauuel Wöhlwills, des späteren Leiters der Schule in Seesen, befinden sich nur wenige Notizen. Die eine (übrigens schon von mir in der „Zeitschrift zur Geschichte der Juden in Deutschland" Bd. 5, S. 264, abgedruckt) verdient eine Hervorhebung. Sie ist vom 26. April 1830 datiert und lautet so: „Heine, der neulich bei mir und sehr begierig war, was man dort über ihn und Gumpellino spricht, läßt grüßen." Endlich sagt Ludivig Markus, von dem oben schon die Rede war (die Stelle ist gleichfalls a. a. O. bereits abgedruckt), November 1839: „Heine sagt mir Herr Munk, nähert sich den Juden wieder." Mehr als über den persönlichen Verkehr und über die Korrespondenz beider Männer läßt sich über die Art sagen,!vie Heine über Zunz in den Briefen an andere gesprochen hat. Dagegen ist ein Urteil von Zunz über Heines Schriften bisher nicht bekannt. Zunächst muß hervorgehoben werden, daß Heine in seinen Briefen an Berliner Freunde Moser und Lehmann von 1823 bis 1829 Zunz zu wiederholten Malen grüßen läßt. Außer diesen Grüßen aber finden sich in den genannten Briefen und in denen an Wohlwill und andere wichtige Stellen, die im solgenden abgedruckt sein mögen. So heißt es am 1. April >823: „Zunz hat die Chinesen noch nicht gesehen... Ich »rag ihn gilt leiden, und es schmerzt mich bitterlich, wenn ich sehe, wie dieser herrliche Mensch so sehr verkannt wird wegen seines schroffen, abstoßenden Aeußeren. Ich erwarte viel von seinen nächstens erscheinenden Predigten; freilich keine Erbauung und sanftmütiges Seelenpflaster, aber etwas viel Besseres, eine Aufregung der Kraft. Eben an letzterer fehlt es in Israel." 18. Juni 1823: „Die Doktorin Zunz hat mir mit tränenden Augen geklagt, daß man ihren Mann ebenfalls zur Idee inachen wollte, und daß sie dadurch all seine Kraft und Saft verlöre." 9. Januar 1824: „Grüße mir Zunz vielmal; ich habe urich über seine Beförderung herzlichst gefreut. Entschuldige mich, daß ich ihm noch nicht geschrieben, ich will ihm bald von Göttingen aus schreiben. Du darfst ihm versichern, daß es nicht meine Faulheit ist, was mich am Schreiben hindert, sondern »rein armer Kopf." 25. Juni 1824: „Benjamin v. Tudela, der jetzt auf ineinem Tisch herumreist, läßt Dich herzlichst grüßen. Er wünscht, daß ihn Zunz mal bearbeite und mit Uebersetzung herausgebe." 20. Juli 1824 . (Schilderung eines Traums): „Zunz en Escarpins trug die in roten Maroquin eingebundene Zeitschrift; die Doktorin Zunz lief nebenher als Marketenderin, ein Füßchen Jontedtigen Branntwein auf dein Rücken." 25. Oktober 1824: „Da Zunz kein Formelmensch ist, fo kann ich einen besonderen Brief sparen, indem ich dir mitteile, was dn ihm sagen sollst. Dieses besteht noch darin, 1. daß ich ihn liebe, 2. daß ich ihn schätze, 3. daß ich wünsche, er hätte die Güte, mir anzuweisen, wo ich gute Notizen finde über die Familie der Abarbanels (auch Abravanels genannt)." - Dieser Aufforderung hat Zunz, wie oben erwähnt ist, ents Prochen- Oktober 1825: „Grüße mir Zunz und seine Frau. Ich lasse ihm danken, daß er meinein Bruder Freundlichkeiten erzeigt. Derselbe hat mir viel neue Zunz-Witze erzählt." Während alle diese Stellen sich in den Briefen von Heine finden, dem größeren Publikum also erst nach dein Tode des Schriftstellers bekanntgeworden sind, hat Heine einmal auch öffentlich über Zunz gesprochen. Das geschah in der merkivürdigen Biographie des Ludwig Marcus, eines der Mitglieder des oben erwähnten Bereins für Kultur und Wissen- I schaft. Heine gibt bei der Gelegenheit eine Charakteristik des j Vereins, und dann kommt die folgende Stelle: „Die ganze Ausbeute jenes Vereins besteht in einigen historischen Arbeiten, in Geschichtsforschungen, worunter namentlich die Abhandlungen des Dr. Zunz über die spanischen Juden im Mittelalter zu den Merkwürdigkeiten der höheren Kritik gezählt werden müssen. Wie dürfte ich von jenem Vereine reden, ohne dieses vortrefflichen Zunz' zu erivähnen, der in einer schwankenden Uebergangsperiode immer die unerschütterlichste Unwandelbarkeit offenbarte und trotz feines Scharfsinns, seiner Skepsis, seiner Gelehrsamkeit dennoch treu blieb dem selbstgegebenen Worte, der großmütigen Grille seiner Seele, Mann der Rede und der Tat, hat er geschaffen und gewirkt, wo andere träumten und mutlos hinsanken." Diese Stelle hat Zunz gewiß früh kennengelernt. In dem schon mehrmals erwähnten „Buch Zunz" findet sich in dem großen Verzeichnis der Schriften, in denen über Zuuz etwas zu finden ist, auch das folgende: „H. Heine, „Augsburger Allgemeine Zeitung", 1844, 2. Mai, Nr. 123, S. 980; Vermischte Schriften 1854, Band I, S, 301 und folgende." Diese Notizen beziehen sich aus den Aufsatz über Ludwig Marcus, der in der Tat zuerst in der „Allgemeinen Zeitung" erschien und dann in den „Vermischten Schriften" abgedruckt wurde. Es war dem kranken Heine gewiß eine große Genugtuung, das; er diese Bezeugung des alten Freundschaftslnmdes dem Freunde, der ihn in Paris besuchte, überreichen konnte. Aber auch für Zunz, der trotz aller Bescheidenheit ein starkes Selbstbewußtsein besaß, war es gewiß eine stolze Freude, in dieser Weise, wie es durch Heine geschah, dem großen deutschen Publikum vorgeführt zu werden. Denn sicherlich haben sehr viele Leser der „Allgemeinen Zeitung" und der „Vermischten Schriften" durch diese Darstellung zuerst von dein hochbedeutenden Manne gehört, welcher der Menge unbekannt ivar, von uns aber mit Stolz als der unsrige bezeichnet und als Begründer der Wissenschaft des Judentums geehrt und gepriesen wird. Lin kran?ölilchrr Milaloge über die „deutschen Greuel". Von Prozessor Dr. Eoldschmidt, Kattowitz. nt Dezember 1870 sprach in Paris „inmitten des \ eisernen Ringes, den die Heere Deutschlands um uns bilden", der berühmte Romanist Gaston Paris in einer Vorlesung über „Das Rolaudslied und die französische Rationalität" folgende Worte: „Ich vertrete uneingeschränkt und ohne Vorbehalt die Lehre, daß die Wissenschaft als einziges Ziel die Wahrheit anerkennen soll, ohne irgend darum besorgt zu sein, daß diese Wahrheit in der Praxis gute oder schlimme, bedauerliche oder erfreuliche Folgen haben kann. Wer aus patriotischer, religiöser oder auch moralischer Rücksicht in den Tatsachen, die Objekte seiner Forschung sind, oder in den Folgern mg en, die er zieht, sich die kleinste Verheimlichung, die leichteste Veränderung gestattet, der ist nicht würdig, seinen Platz zu haben in dem großen Laboratorium, m welchem Ehrlichkeit ein viel unerläßlicherer Rechtstitel ist als Geschicklichkeit." Also sprach Gaston Paris, der seit 1003 nicht mehr unter den Lebenden weilt. Seinen Lehrstuhl am College de France, der altberü-hmten Pariser Hochschule, nimmt jetzt Joseph Bodier ein, der den Fachgenossen durch.seine gelehrten Forschungen wohlbekannt ist, sich aber auch bemüht hat, die Er- -gebnisse seiner Forschungen, insbesondere über die Tristanfrage, in volkstümlicher Form weiteren Kreisen zu übermitteln. Er hat nun das Wort in diesem Kriege ergriffen, wie sein Vorgänger in dem vorigen, und zwar in einer Flugschrift, die den Titel führt: „Les crimes allemands cTapres des

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