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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-15 · Heft 42 (15.10.1915) · p. Seite 500

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 42 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
Seite 500 (sequence 8)
Language
German
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5Ö0 tzemrttudien. Von ß ii b in t g Geiger. VIII. Heine uni Leopold Zunz. eine lernte den großen Gelehrten Leopold Zunz wahrscheinlich 1822 kennen. Er trat dem von Zunz und anderen 1819 „gegründeten" Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden I bei. Er beteiligte sich indessen an den Arbeiten für den Verein ebensowenig als an der Werbetätigkeit für ihn. muß aber Zunz Persönlich damals recht nahe gekommen sein, so daß dieser über ihn sagte: „Unser H. Heine, der in einem Finger mehr Geist und Sinn hat als alle aufgeklärten Minjonim Hamburgs." Beide Männer haben dann bei Heines zweitem Aufenthalt in Berlin im Jahre 1824 weiter traulich verkehrt. Auch 1829 bei Heines drittem Besuche in Berlin setzten sich die freundschaftlichen Beziehungen fort. Näheres über diesen Verkehr läßt sich leider nicht mitteilen, da in dem „Buche Zunz" (einer Art Tagebuch) Heines Name in jener Zeit nicht vorkommt: nur gelegentliche Anspielungen in Heines Briefen an andere weisen darauf hin. daß Heine über Zunz' sarkastische Art ebenso unterrichtet war wie über seinen Humor, so daß er gelegentlich von den Zunz-Witzen jener Zeit andeutend spricht und seine Freude ansspricht, wenn er neue Zunz-Witze erfährt. Heine ist bekanntlich nach 1829 nicht wieder in Berlin gewesen, Zunz nur einmal in Paris, wo Heine seit 1831 dauernd lebte, lieber diesen Besuch spricht Heine nicht. Von Zunz' Berichten läßt sich nur folgendes mitteilen: Im Zunz-Archiv findet sich ein gedrucktes Blatt: Vermischte Schriften von Heinrich Heine. Erster Band. Hamburg. Hofmann u. Campe. 1854. Auf der Rückseite von Zunz' Hand: „Von H. Heine selbst empfangen, als ich ihn im Juni 1855 das letzte Mal gesehen." lieber diesen Besuch existiert, soviel ich weiß, weder ein weiteres Zeugnis von Zunz noch irgendeine Notiz Heines. Wohl aber gibt es eine Schilderung dieses Besuches, die Adelheid Zunz, die treue Begleiterin ihres Gatten, die von Heine geschätzt wurde, an ihre Freundin Frau Tr. Julie Ehrenberg geb. Fischet gerichtet hat. Er ist mir von dem Sohne der Adressatin, Herrn Professor Tr. Richard Ehrenberg in Rostock, frenndlichst zur Verfügung gestellt worden, und ich darf ihn hier folgen lassen. Die Schilderung vom 31. Juli 1855, der Bemerkungen über Alexander Fischet, dem Bruder der Frau Tr. Ehrenberg, vvrangehen, lautet folgendermaßen: „In Paris war Alexander auch. Aber einen Leidenden hat er nicht gesehen, der sieben Jahre schon sein Lager nicht verlassen konnte: Heine, den Dulder, der, wie er uns erkannte, einen Jubelruf ausstieß. „Sie sind die einzigen, die mir aus jener glücklichen Zeit geblieben!" seufzte er. indem er uns die einzigen beweglichen Glieder, seine Hände, überließ. Und wir saßen lange an seinem Bette, das von übereinandergelegten Matratzen auf ebener Erde gemacht war, und ich sah mir sein so vergeistigtes schönes Gesicht an. mit langgestrichenem Barte, der sich anschmiegte, als wenn er darum trauere. Die Erinnerungen, die Gegenwart, preßten mir die Kehle zusammen: er sah nicht, daß mir die Tropfen aus den Augen sielen, denn seine Augen sind geschlossen, und nur einmal 9 lieber diesen Verein >vird später »ochmals ausführlicher zu handeln fein. Tie Darstellung A. Strodtmanns in seinem „Leben Heines", die einzige beachtenswerte, die wir besitzen, beruht im wesentlichen auf gedrucktem Material sowie auf Briefen von Zunz an Moser und Wohlwill. Ob Ttrodtmann von Zunz mündliche Ansklärungen oder schriftliches Material erhalten hat. wird von ihm nicht gesagt. 5in Zunz-Archiv findet sich eine ganze Reihe von Protokollbüchern und anderen Quelle», die noch der Erschließung harren. zog er mit dem Finger das rechte Augenlid in die Höhe, als er uns ansehen wollte. „Zunz hat auch Haar gelassen," meinte er. „Sonst noch, wie er war. Zunz und der Apoll von Belvedere ändern sich nicht." Zunz sagte darauf: „Apoll von Miesvedere", was Heine sehr amüsierte, so daß er es uns noch beim zweitenmal wiederholte. Es ward ein Gemisch von Schmerz und Frohsinn in meiner Seele rege gemacht, als ich ihn trübe, hoffnungslos klagen hörte und dann wieder die ewig beißende, witzige Laune durchbrach, daß wir im Chorus lachen mutzten. Beim zweiten Besuch fanden wir ihn noch leidender. „Sie kommen doch wieder?" sagte er. Wir verneinten nicht, obgleich es unmöglich war; er merkte es auch und gab mir den Teil seines letzten Buches, in dem von Zunz die Rede ist." Der Zunz-Witz „Apoll von Miesvedere" war bekannt. Sonst ist der Bericht durchaus neu. Er muß höchst willkommen geheißen werden, wenn er auch leider die eigentliche Unterhaltung, die gewiß von beiden Seiten Witz- und geistsprühenwar, verschweigt. Der „Teil seines letzten Buches", von dem Frau Zunz am Ende ihres Briefes spricht, ist der oben erwähnte erste Teil der Vermischten Schriften, Hamburg 1854. Leider kann man diese mageren Notizen über den persönlichen Verkehr beider Männer nicht durch Mitteilungen über einen reichen Briefwechsel ergänzen. Briefe von Zunz an Heine sind bisher nicht bekannt, müssen aber geschrieben worden sein. Von einem solchen Schreiben spricht Heine ganausdrücklich, und bei der sorgfältigen Art, wie Zunz seine Korrespondenz besorgte, ist wohl anzunehmen, daß er mindestens zwei der drei gleich zu erwähnenden Briefe Heines beantwortet hat. Auch Zunz selbst bezeugt, daß er einmal an Heine geschrieben habe. In dem „Buch Zunz", Seite 44, heißt es: „Jahr 1825, Juni. Auf eine Anfrage des Dr. Jur. H. Heine in Göttingen, Antwort betreffend Nachrichten über die Familie Abravanels. Dreißig Jahre fpäter besuche ich ihn in den elysäischen Feldern." Von einem anderen Briese Zunz' berichtet Heine an Moser 5. oder 6. November 1823: „Zunz' Brief habe ich jus' einen Monat später erhalten, als er datiert ist." Die drei angedeuteten Briefe Heines, deren Original sich soweit ich unterrichtet bin, nicht im Zunz-Archiv befinden sind in der noch immer vollständigsten Sammlung der Brief, Heines von G. Karpeles (Heines Werke, Band 8, Seite 388 ff. 486, 561) gedruckt. Der erste ist vom 27. Juni 1823. Er enthält ein mitunter recht abfälliges Urteil über den ersten Band der „Zeitschris für die Wissenschaft des Judentums" lobt Zunz' Aussatz übe: Raschi, bittet den Adressaten, auf die Besserung des Stil-: seiner Mitarbeiter hinzuwirken, und deutet an, daß er eine, Aufsatz „Die Naturseite der Zeitschrift" zu schreiben gedenke den er natürlich niemals geschrieben hat. Der zweite Brief aus Hamburg, Mai 1826, übersendet de: ersten Teil der „Reisebilder" mit witzigen und freundlichei Worten und kündet an, daß der „Rabbi von Bacherach" in zweiten Teil der „Reisebilder" erscheinen solle. Der dritte Brief während des dritten Aufenthalts Heine in Berlin am 22. März 1829 geschrieben, meldet dem Freund daß Heine mit dem Baron v. Cotta über ein Werk von Zun : gesprochen habe, deutet die Art des Gespräches an, forder Zunz auf, zu Cotta zu gehen, und versichert den Freund seine beständigen Anteilnahme. Karpeles macht zu diesem Brief die Anmerkung, das zu schreibende Werk seien die „Gottes dienstlicheu Vorträge der Juden" gewesen. Das ist jede»: ein Irrtum, denn Zunz berichtet in dem „Buche Zunz", 4. Mär : 1829: „Ich hatte die Absicht, eine Einleitung in die Wissen schuft des Judentums zu schreiben, H. Heine führt mich bei Cotta ein."

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