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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-08 · Heft 41 (8.10.1915) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 41 (8.10.1915)
Date
1915-10-08
Page
Seite 485 (sequence 5)
Language
German
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485 schändet unsvor der ganzen zivilisierten Welt, schändet uns vor! unseren eigenen Bundesgenossen. Diese Maßnahmen find nicht nur ungesetzlich und grauenhaft, sondern auch im höchsten Grade verhängnisvoll für das Land." * Die Duma lehnte die Dringlichkeit des Antrages mit einer ait§ dem Zentrum und der Rechten gebildeten Majorität ab. In einer zweiten Abstinunung beschloß die Duma jedoch, nach einer energischen Intervention des Abgeordneten Tscheidfe, die Debatte über die eingebrachte Interpellation in spätestens zwei Wochen auf die Tagesordnung zu setzen. Man hat ja leider keine Hoffnung, daß die leitenden russischen Kreise trotz dieser Anklagen, von denen Europa widerhallt, und von denen auch die mit Rußland verbündeten Mächte mit tiefem Abscheu reden, sich bekehren und zu einem menschlichen Verfahren stimmen lassen. Aber wir dürfen nicht aufhören, die Barbaren in wahrem Lichte zu zeigen. Auch hier wird hoffentlich der Tag der Abrechnung einmal kommen. * Nun hat schon der 15. Monat des ungeheuren Weltbrandes begonnen. So vieles Entsetzen er hervorgerufen, so Ungeheures an Opfern und Geld er auch uns zugemutet hat — bisher können wir mit Stolz auf unsere Erfolge blicken. Der deutsche Boden ist, wenn man von einem kleinen Teile des Elsaß absieht — verschwindend klein gegenüber den Tausenden von Kilometern, die unsere Truppen in Belgien, Frankreich und Rußland besetzt haben —, von Feinden frei. Die Zahl der deutschen Gefallenen, Verwundeten und Gefangenen, wenn auch natürlich ungeheuer groß (denn es sind schon beinahe 150 Verlustlisten veröffentlicht worden), ist doch verschwindend klein gegen die Zahl bei unseren verbündeten Gegnern. Deutschlands Finanzkraft hat sich bei der dritten Kriegsanleihe, die über 12 Milliarden ergeben hat, glänzend bewährt. Die Heldentaten unserer Truppen, ihre Ausdauer, ihre Mannszucht, ihre Bescheidenheit im Siege und ihr Aushalten bei kleineren Mißerfolgen sind staunenerregend, über jedes Lob erhaben. Wir sind nicht gewohnt, nach unseren Triumphen in Prahlerei zu verfallen, aber ebensowenig gewillt, jeden Vorstoß der Gegner als ein furchtbares Unglück anzusehen. Wie wir von Anbeginn des Krieges die Notwendigkeit des Aushaltens und Durchhaltens erkannten, so sind wir weiter überzeugt, daß es uns gelingen wird, nicht bloß den mächtigen Feinden in Ost und West zu widerstehen, sondern schließlich den Sieg zu erringen und zu einem ehrenvollen Frieden zu gelangen, der uns eine gesicherte Stellung in Europa, freie Bewegung auf dem Meere und die Wiedererlangung unseres Besitzes in fernen Ländern verschafft. Wir haben nie nach Weltherrschaft gestrebt, haben nie verlangt, anderen Nationen Gesetze auszuerlegen, aber wir fordern freie Entwicklung für uns und eine Stellung in der Welt, die unserer Größe und unserer Macht entspricht und eine gesicherte Entwickelung in der Zukunft verbürgt. Saloman kslilchrr. sZu seinem 70. Geburtstage.) u den mannigfachen Forderungen, die das Judentum an seine Bekenner stellt, gehört auch die, Männer von Wissen und Kenntnis zu achten und zu ehren und keine sich bietende Gelegenheit vorübergehen zu lassen, ohne die ihnen gebührende Achtung und Ehrung durch irgendeinen Beweis dankbarer Anerkennung zum kräftigen Ausdruck zu bringen. Der berühmte Mischnahlehrer Akiba ben Joseph, der auf jeden Buchstaben und jedes Wort der Thora achtete und sie in geistvoller Weise evklärte, deutete den Vers: „Du sollst den Ewigen, deinen Gott, fürchten" dahin: „Du sollst von deiner Liebe zu Gott und deiner Ehrfurcht vor ihm auch dadurch Zeugnis ablegen, daß du diejenigen, die seinem großen Werke: der sittlichen Vervollkommnung und dem geistigen Fortschritt der Menschheit dienen, besonders ehrest und liebest." Wie wunderlich sind doch manche Menschen — lautet ein anderer Ausspruch —, die sich wohl vor dem Buche der Lehre, nicht aber vor deren Trägern, den Gelehrten, ehrfurchtsvoll verbeugen. (Makkot, 22 b.) Israel als-,LLN Dl? „Volk des Buches" hat es schon frühzeitig empfunden, daß die wahre Achtung vor der Wissenschaft sich einzig und allein in der Achtung ihrer Hüter und Pfleger kundtut. Mit der Heiligsprechung des Buches der Bücher, das der Menschheit, wie unsere schwerernste Zeit es beweist, wohl für ewige Zeiten eine nie versagende Duelle der Belehrung, des Trostes und der Erbauung bleiben wird, hat Israel auch seine Bewunderung und Verehrung für diejenigen ausgesprochen, die, von dem in diesem Buche sich immer von neuem offenbarenden göttlichen Geist beseelt, ihr Leben, Schaffen und Wirken in den Dienst des Unendlichen stellen, der die Welt trägt und hält. Zum Ruhme Israels sei es darum ausgesprochen: es hat das Wort „Kabod ha Thora" nicht vergeblich geprägt, es auch nie einseitig aufgesatzt. Es verstand und versteht auch heute darunter nicht nur, wie es in deutscher Uebertragung lauten würde, die „Ehre der Lehre", sondern auch die der Gelehrten, der Männer der Wissenschaft im weitesten Sinne, die der Menschheit zum Nutzen und der Welt zum Segen leben und wirken. Von diesem Gedanken lasse ich mich, wie so oft schon, wenn es galt, einer um das Judentum, die Wissenschaft oder humanitäre Bestrebungen verdienten Persönlichkeit ehrend zu gedenken, auch beim Niederschreiben dieser Zeilen leiten, die einem der j Wissenschaft lebenden und der Menschheit dienenden Sohn des j jüdischen Stammes: dem in weiten Kreisen bekannten und geschätzten ersten Vorsitzenden des Geschäftsführenden Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Professor Dr. S a l o m o n K a l i s ch e r, zu seinem Ehrentage unsere Glückwünsche übermitteln sollen. Salomon Kalischer, am 8. Oktober 1845 zu Thorn geboren, entstammt einer rühmlichst bekannten Gelehrtenfamilie. Sein Vater, Louis mit Vornamen, war ein im Orte sehr Prof. Dr. S. Balischer. "*h:;

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