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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-17 · Heft 38 (17.9.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 38 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3!)ielt die Leichenrede und entrollte ein getreues Bild des Dahin- Mangerien. — CzemPi n. Die verwitwete Frau Marie Silberstein geb. Machol beklagt den Verlust ihres Sohnes Julius L i l b e r st e i n. Er starb den Heldentod fürs Vaterland im M. Lebensjahre. Sein braver Charakter und sein stets angenehmes Wesen sichern ihm für alle Zeit ein liebevolles Gedenken. H. Pudewitz, 8. September. Am 5. d. M. fand unter Beteili- ]img auch auswärtiger Gaste die E i n w e i h u n g der Synagoge statt. Nachmittags 4 Uhr wurden die Thorarollen aus der Wohnung des Herrn Sallh Mendel, der seit Jahren ein Zimmer eines Hauses als Betlokal der Gemeinde zur Verfügung stellte, mter einer Chuppe und Begleitung auch seitens der n-icht- ■ ü di scheu Bevölkerung nach der neuen Synagoge getragen. Sort angelangt, übergab Herr K r a y n, der Vorsteher der Gemeinde. mit Worten des Dankes an die Erbauer, Spender und nach er Begrüßung aller Anwesenden Herrn Rabbiner Dr. Wreschi e r, Samter, den Schlüssel zur Synagoge. Unter Gesang wurden me Thorarollen in das Aron hakodesch getragen. Alsdann entrindete Herr Rabbiner Dr. Wreschner das Ner tomid und erunerte in einer Ansprache an die Bedeutung der heiligen Lampe, 's ach der Beendigung des Kaisergebets bestieg Herr Rabbiner rr. Wreschner die Kanzel und legte seiner Predigt die Worte des Ridrasch zugrunde: „Abraham nannte das Gotteshaus „Har" —!?erg, Jizchok „Sode" nn Feld, Jakob „Bajis" — Haus." An der Hand üefes Midrasch erläilterte der Redner die Bestimmung des Gottesmuses als Ort der Erhebung, wo sich die Besucher zur Höhe der teligion emporschwingen sollen. Anderseits soll die Synagoge das menschliche Tätigkeits seid, welcher Art auch der Beruf des einzelnen m, weihen, daß er ehrlich, aufrichtig im Geschäft sei, und nicht Zucht soll das Familien haus durch das Gotteshaus die echt jüdische Meitze empfangen. — Mit Dank an die opferbereite Gemeinde und lle, die dieses Werk gefördert, schloß die Rede. Liegnitz, 12. September. Der langjährige Vorsitzende des ynagogengemeindevorstandes, Herr Ludwig Danziger, der 5 Jahre im Ehrendienst der Gemeinde tätig war, ist aus Gesundeitsrücksichten veranlaßt gewesen, sein Amt niederzulegen. Der Vorstand und die Nepräsentantenversammlung haben in Anrkennung der großen Verdienste, die er sich ilm die Gemeinde erworben hat, beschlossenihn zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Das arüber ausgefertigte, von dem Maler Herrn Neppe künstlerisch u.sgeführte Diplom wurde Herrn Danziger am 6. d. M. durch ine Deputation überreicht. Möge unserem verehrten Gemeindeitesten, der auch für allgemeine Interessen jederzeit ein warmes mrz und eine offene Hand hatte, noch ein gesegneter Lebensabend eschieden sein. V. Neustettin, 12. September. Im Alter von nahezu 80 Jahren arb hier der erste Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr!i. Freundli eh. Zirka 25 Jahre war der Verstorbene in der 'erwaltung der Synagogengemeinde tätig, davon die letzten dreizehn ahre als Vorsitzender des Vorstandes. Die eindrucksvolle Leichenier in der Synagoge, der auch der Magistrat und die Stadtmrordneten vollzählig beiwohnten, gab Zeugnis von der allgemeinen erehrung und Wertschätzung, deren sich der Verblichene in allen reisen der Bevölkerung erfreute. Sein Andenken wird in der rmeinde Neustettin stets in Ehren gehalten werden. Seesen a. H., 12. September. Am 6. d. M. fand an der hiesigen acobson-Schule (berechtigte Realschule und Realprogymnasium mit rziehungsanstalt) die Schlußprüsung unter dem Vorsitz des Herzog- Yen Kommissars, Herrn Oberschülrat Prof. Dr. B e ck u r t s aus Braun- Ylveig, statt. Von 11 Prüflingen haben 10 dieselbe mit Erfolg beenden und sich damit die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen 'lilitärdienst bzw. die Reife für die Obersekunda einer Vollanstalt worben. Die Namen derselben sind: Bauckhage (wird Käufern), Domoratzki (Kfm.), Hoffmeister (Militärbeamter), > e g e n e r (Postbeamter), Z ü ch n e r (Ingenieur), D o c t o r (Kfm.), oldschmidt (Kfm.), Günther (Kfm.), Köppelmann Landwirt), Seckel (Kfm.). Hanan, 8. September. Ein erhebendes Zeichen der Toleranz nd des friedlichen Zusammenlebens der Einwohner verschiedener Konfession des Dorfes Niedergründau bei Hanau bildete die Trauer- -u)r für den auf dem Felde der Ehre gefallenen. Kriegsteilnehmer akob Grüne bäum. Unter feierlichem Glockengeläute fanden sich am Sonntag, den 29. August, um 2 Uhr im Saale der Gastwirtschaft des Herrn E m m e l die Dorfbewohner fast vollzählig ein, während auch viele Freunde der leidtragenden Familie aus der Umgegend erschienen waren. Die Schulkinder erösfneten die lvürdige Feier mit einem Liede. Ten Mittelpunkt der Gedächtnisfeier bildete die von Pfarrer Schilling gehaltene, vom Herzen kommende und zu Herzen gehende Rede, die alle Anwesenden zu Tränen rührte. Der Redner wies in sinniger Weise darauf hin, daß es den betrübten Eltern als besonderer Trost gelten könnte, daß. ihr Sohn gerade am geheiligten Sabbat zur ewigen Ruhe eingegangen ist. Im weiteren Verlause seiner Ausführungen gedachte der Herr- Pfarrer des Heldentodes des jungen Mitbürgers, dem, geliebt und geachtet von seinen Vorgesetzten und Kameraden, dauernd ein ehrendes Gedenken aller Dorfeinwohner bewahrt bleiben wird. Bad Dürrheim, 8. September. Die Verwaltung für das F r i e d r i ch - L u i s e n - H o s p i z in Bad Dürrheim gibt bekannt: Seit der Wiedereröffnung ist das Friedrich-Luisen-Hospiz in den Monaten Juli und August bis aus den letzten Platz besetzt gewesen. Auch im September wird dies nahezu der Fall sein. Da in den Jahren 1912 und 1913 die Herbst- und Winterkuren in unserem Hospiz sich ebenfalls vorzüglich bewährt haben, ist, während sie im vorigen Jahre wegen des Krieges ausgesetzt worden sind, von uns beabsichtigt, sie in den kommenden Herbst- und Wintermouateu für Kinder und erwachsene Personen weiblichen Geschlechts wieder dnrchzuführen. Sie sind angezeigt bei Blutarmen, Nervenschwachen, widerstandsfähigen Rheumatikern, bei Erkrankungen der Atmuugsorgane und der Knochen sowie besonders bei Rekonvaleszenten. In dem kürzlich erschienenen Jahresbericht des Badischen Frauenvereins für 1914 ist hinsichtlich des demselben unterstehenden Kindersolbades in Dürrheim bemerkt, daß ausweislich der Gewichtstabellen die durchschnittlich größten Gewichtszunahmen bis zu 7 Kilogramm fast alle hi die Wintermonate fielen, was ein sicherer Beweis dafür sei, daß Winterkuren ganz besonders nützlich und zuträglich sind. Es ist dringend erwünscht, daß Anmeldungen für die Herbst- und Winterkuren möglichst bald erfolgen. Sie sind unmittelbar an die Oberin des Friedrich-Luisen-Hospizes in Bad Dürrheim zu richten. Srlgien. Brüssel, 8. September. „Du stehst vor deur Einigen, deinem Gotte." Diesen Saß aus dem Thora-Abschnitte des letzten Sabbats hatte der Militärseelsorger Nabbiner Dr. Jaulus aus Aachen seiner im Mittelpunkte des Militärgottesdienstes in Brüssel stehenden Predigt zugrunde gelegt. Der Gottesdienst selbst wurde von den deutschen Behörden, insbesondere der deutschen Kommandantur, in dankenswerter Weise unterstützt. Er wurde im Parolebefehl angekündigt, so daß alle jüdischen Mannschaften und Offiziere vom Dienst befreit werden mußten; er wurde ferner von den Wolffschen Depeschen allgezeigt, die jeder Beamte in Brüssel täglich Zweimal erhält. Weiter wurde für den Gottesdienst die Kapelle des Landsturmbataillons Sondershausen zur Verfügung gestellt. Die aufgewendete Mühe lohnte sich. Die Synagoge war gefüllt mit jüdischen Soldaten, Beamten und Ossizieren. Die deutsche Kolonie jüdischen Glaubens nahm ebenfalls regsten Anteil. Unmittelbar anschließend an den herkömmlichen. Gottesdienst wurde das Lied „Wir treten zum Beten" gemeinschaftlich. gesungen. Es folgte die Verlesung des 27. Psalm. Dann hielt Herr Rabbiner Dr. Jaulus seine tiefempfundene Predigt, in der er das oben angeführte Wort in Beziehung brachte zu dem abgelaufenen und dem neu begonnenen Kriegsjahr und dem bevorstehenden Jahreswechsel. An den Priestersegen schloß sich das Gebet für Kaiser, Reich und Volk. Das gemeinsam gesungene Lied „Ich Hab' mich ergeben" und der Kaddisch für die gefallenen Kameraden beschlossen die eindrucksvolle Feier. Es ist anerkennenswert, daß auch den jüdischen Soldaten Gelegenheit zum Gottesdienst geboten wird; um so dankbarer sind sie, als eine solche Feier, die nur in unregelmäßigen Abständen stattfinden kann, veranstaltet wird. Dank insbesondere Herrn Nabbiner Dr. Jaulus aus Aachen, der sich selbstlos den Mühen unterzogen hat, um sich in den Dienst der guten Sache zu stellen: Befriedigung des religiösen Bedürfnisses einerseits, tiefe geistige Anregung andererseits. Das Bedürfnis für die Abhaltung solcher Gottesdienste erhellt wohl am besten aus der Besucherzahl; es waren etwa 200 jüdische Militärpersonen anwesend. Kriegsfreiwilliger Dipl.-Jng. Alfred Plaut beim Verwaltungsches bei dem Generalgoüverneur in Belgien.

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