Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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werden. Auf die ersten beiden Anleihen sind rund 13 600 Millionen Mark gezahlt worden, und dieses Kapital wurde in Belvegung gesetzt, ohne daß der geringste Zwang ausgeübt wurde. Es versteht sich nun ganz von selbst, daß die Ueberschnsfe des Bolksvermögens auf Zinsen uni} Arbeitsvertrag nicht erschöpft sein können, weil ja die Kapitalserneuerung unausgesetzt vor sich geht. Es sammelt sich also immer neues Geld an, das Unterkunft sucht; und da es keine bessere Anlage gibt als die fünfprozentige Reichsanleihe, so findet jede Emission bei ihrem Erscheinen eine schlagfertige Kapitalreserve vor. An die vaterländischen Pflichten des Volkes zu appellieren, sollte sich angesichts des materiellen Nutzens, den der Ankauf von Kriegsanleihe gewährt, erübrigen. Die Zukunft der deutschen Wirtschaft, die Größe des Reiches, das Ansehen der Station in der Welt hängen vom Erfolg des Krieges ab. Das Geld gehört zu den Waffen, mit denen nur siegen. Wer zur Geldrüstung des Reiches beiträgt, sorgt für den eigenen Besitz; denn jedes Privatvermögen wurzelt in der Fincmzkraft und im Kredit des Reiches. Wer die Kriegsanleihe zeichnet, steigert den Ertrag seines eigenen Sparkapitals und kräftigt das Ansehen und die Macht des Reiches, auf dem die Sicherheit der Schuldverschreibungen ruht. Wer möchte es verantworten, eine solche Gelegenheit, dein Reich und sich zu dienen, ungenutzt vorübergehen zu lassen! Berlin, 14. September. Eine Trauerfeier für den Redakteur des „Kladderadatsch", Amtsgerichtsrat a. T. Max F r i e d l ä n d e r, versammelte am 7. d. M. einen größeren Kreis von Schriftstellern und Redakteuren in der Kapelle des jüdischen Friedhofes in Weißensee. Unter ihnen befand sich auch Hermann Suderman-n. Der Verein Berliner Presse war durch mehrere Mitglieder vertreten. Gesang leitete die Feier ein. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Gedächtnisrede. Dann sprachen am Sarge noch der Verleger Rudolf H o f m a n n, Schriftsteller Eugen Zabel und Redakteur Paul W a r n ck e. Ein Schlußaesang beendete die Feier, worauf die Beisetzung erfolgte. - Mar Friedlünder war von Hause aus Jurist, trat aber schon früh dem „Kladderadatsch" näher und hat sich in diesem Blatte besonders auf dem Gebiete politischer Satire viele Jahre lang bewährt. Jetzt im Kriege nahm seine Feder einen besonderen Schwung. Er schrieb nach den besten Mustern des von ihm redigierten Witzblattes gegen Deutschlands Feinde viele Gedichte, die von dem Geist der Zeit reich erfüllt waren. Bis noch vor ganz kurzer Zeit las man diese Zeugnisse seiner kräftigen VersfHilft. Friedländer war in Ratibor geboren und hat ein Alter von GL' Jahren erreicht. =- Berlin, 14. September. Den schweren Vorwurf, daß sich zwei angesehene Kaufleute vom Militärdienst g e d r ü ck t hätten, mußte der Berliner Kaufmann Johannes Krüger mit einer empfindlichen Gefängnisstrafe büßen. Wegen Urkundenfälschung und Beleidigung hatte sich der schon,anfangs der sechziger Jahre stehende Aii geklagte vor der Berliner Ferien skr askammer des Landgerichts I zu verantworten. Krüger gehört zu jenen Leuten, die, vielleicht aus ganz guten Motiven heraus, an jeden geradegehenden und scheinbar gesunden Menschen die Frage richten, weshalb er noch nicht im Schützengraben sei. Wie manche andere Lento war auch der Angeklagte der eigentümlichen Ansicht, daß jeder Mann, der nicht zu den Fahnen einberufenist, sich nur durch Anwendung irgendrvelcher unlauterer Mittel vom Militärdienst befreit haben könne. "V'cn dieser Ansicht ist offenbar der Angeklagte auch ausgegangen, als er sich folgende Handlung zuschulden kommen ließ, die ihm die jetzige Anklage einbrachte: Er richtete an das Bezirkskommando ein mit dem Namen Schröder unterzeichnetes Schreiben, in dem er die Kauflente Süßkind und Meyer beschuldigte, Drückeberger zu sein. Der eine der Kauflente hat gedient, ist aber wegen Krankheit entlassen worden, während der andere als nur garnisondienstfähig noch nicht einberufen worden ist. Der Staatsanwalt betonte, daß jene Schwätzer, die sofort dabei wären, von Drückebergerei zu sprechen. Vertrauen zu der Militärbehörde haben sollten. Die Behörde kenne ihre Leute, so daß es unmöglich sei, sich zu drücken. Da es sich um eine der schwersten Beschuldigungen in der gegen - loärtigen Zeit handele, beantragte der Staatsanwalt neun Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Kuhn machte als mildernd geltend, daß der Angeklagte aus rein patriotischen Motiven gehandelt habe. Das Gericht bezeichnete ebenfalls jene Beschuldigung als äußerst schwer und verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten Gefängnis. Berlin, 14. September. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Offizierstellvertreter Fritz Oren stei n, Sohn des Geheimen Kommerzienrats B. Orenstein; Abtei ln ngsarzt bei einem Reservefeldartillerieregiment Dr. med. et Phil. L. Pincussohn; Assistenzarzt Dr. Bruno Stein; Unteroffizier Arthur Friedl ä n der; firmiernngssoldat Julius H i r sch f e id; Unteroffizier Heinrich Wolfsoh n; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Bernhard Lichtenstein, Stabs- und Regimentsveterinär Dr. Max Wolfram, Sohn des Herrn K. Wolfram, Bötzowstraße 5; Bataillonsarzt Dr. med. Willy Hirsch lass; Offizierstellvertreter Fritz Kahn; Feldarzt Dr. Phil, et med. Werner Lipschitz; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Siegfried Lichten stein; -Feldzahnarzt Siegfried D o b r i n; Bntaillonsarzt Dr. Max F a b i a n; Unteroffizier Dr. Ernst Altmann; Unteroffizier cand. Phil. B. Krakauer; Unteroffizier F c i b e l f o h n; Nervenarzt Dr. Georg H eins i u s und Bankbeamter Leo H e i n - f ins, Söhne des Kaufmanns Alex Hei-nstus; Osfizierstellvertreter Fritz W a l l a ch, Groß-Berlin. Die gleiche Auszeichnung erhielten: Tr. Edelstein, Bonn, leitender Arzt eines Lazaretts in Galizien; Unteroffizier Rechtsanwalt Heinrich Julius Cohn, Breslau; die beiden Söhne des Rabbiners Dr. R o s e n t h a l, Breslau, Dr. med. Theodor Rose n t h a l und Dr. med. Felix Rosenthal, die als Kriegsfreiwillige Bataillonsärzte im Felde stehen; Feldarzt Dr. med. Neu fließ, Breslau; Oberarzt Dr. Siegfried Rosenstrauß, Wiesbaden; Vizefeldwebel Leopold Feist, Unteroffizier Dr. Wilhelm Cohn st ädt, Kriegsfreiwilliger Offizierstellvertreter Dr. Edgar Salin, Frankfurt a. M.; Unteroffizier Andreas Grumbach, Mannheim; Veterinär Dr. Siegmund Katz, Gießen; Gefreiter Adolf Lautenberg, Freienwalde a. O.; Unteroffizier Arthur F l ö r s h e t nie x , Höchst t. O.; Oberapotheker Adolf Sock, Hannover; Gefreiter Gustav Meyer, Limburg; Vizewachtmeister Cesar B lecher, Hamburg; Vizewachtmeister John Fintels, Altona-Bahren seid; Unteroffizier Paul Wolf, Aachen; Stabsarzt Dr. Jakob Löwen stein, Mosbach; Offizierstellvertreter Kurt F r ö h l i ch und Unteroffizier Max F r ö h l ich, Gleiwitz. W. Aus der Provinz Posen, im September. G n e s e n. In der letzten Stadtverordnetensttzung wurden 1000 Mark für die Drucklegung der „Geschichte der Stadt Griefen" bewilligt. Der Verfasser des Werkes ist der Archivrat Herr Dr. War sch a u er in Danzig, früher in Posen. — Schroda. In der unlängst abgehaltenen Stadtverordnetenversammlung wurde an Stelle des verstorbenen Kaufmanns Isidor Barn ch der Rentier Herr Jakob Bernstein als Mitglied der Verwaltungsdeputation der städtischen Höheren Schule gewählt. — Mitten in seiner aufopferungsvollen Tätigkeit starb am 18. August auf dem Felde der Ehre an den Folgen einer schweren Verwundung im 37. Lebensjahre der Bataillonsarzt, Feldarzt! Dr. Max Littauer aus Charlottenburg, Ritter des Eisernen Kreuzes. Seine vielen Freunde auch in der Provinz Posen gedenken in tiefem Schmerze des Dahingegangenen. Herr Hauptmann Kulke, in Vertretung des verwundeten Kommandeurs vom Landwehr-Fußartillerie-Bataillon Nr. 6, widmet dem Verstorbenen folgenden Nachruf: Das Bataillon verliert in dem Dahingeschiedenen einen durch sein ruhiges, vornehmes Wesen beliebten Kameraden und stets hilfsbereiten Arzt. Obwohl er erst seit Mitte Juni d. I. beim Bataillon tätig war, hat Dr. Littauer es verstanden, sich in der kurzen Zeit die Hochachtirng und Liebe aller, Vorgesetzten, Kameraden und Untergebenen, zu erwerben. Tieferschüttert stehen wir am Grabe des gefallenen Helden, dessen Andenken bei uns stets in Ehren gehalten werden wird. Er ruhe sanft fern von feinen Lieben! — Deutschen. Hier verschied nach kurzem schweren Leiden der Kaufmann Meyer Lewy im 74. Lebensjahre. Durch den Tod dieses edlen Mannes hat unsere Shnagogengemeinde einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene war zwanzig Jahre hindurch Vorsitzender des Repräsentantenkollegiums und verwaltete dieses Amt in treuester Pflichterfi'lllung und mit größer Hingabe. Ein unabsehbarer Zug begleitete die Niche zu Grabe. Herr Rabbiner Dr. Silberberg- Posen schilderte mit beredeten Worten das Schaffen und Wirken des edlen Mannes. — Koste n. Nach längerem Leiden starb am Herzschlage Herr Aron Fr ei mann. Derselbe hat sich durch seinen biederen Charakter ein ehrendes Andenken bei allen gesichert. Die Leiche wurde nach Posen übergeführt und dort auf dem israelitischen Friedhofe beigesetzt. Herr Gemeinderabbiner Professor Dr. Bloch