Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- Seite 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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450 seine Zurwahlstellung zum Reserveoffizier. Auf dieses Gesuch bekam er einen Fragebogen zugesandt, den er sogleich aussüllte. Aber es gingen viele Monate darüber hin, ehe er über sein Gesuch etwas hörte. Im August 1908 wurde er von dem Bezirkskvmmandv ersucht, gelegentlich einmal bei der Offiziersabteilung, und zwar bei dem vertretenden Oberstleutnant sich zu melden. Dieser Herr empfing ihn, als er der Aufforderung nachkam, in sehr höflicher und konzilianter Weise; er erklärte, er habe vvn seinem Vorgänger das Gesuch ganz unerledigt bekommen, und er fragte ihn, ob er noch ein Interesse daran hätte, zur Wahl gestellt zu werden. Als er dies bejahte, wurde ihm die weitere Mitteilung, daß nunmehr sofort die Angelegenheit in die Wege geleitet werden würde. Er wurde dann aufgefordert, im September an den Offiziersgesellschaften teilzunehmen. Das hat er getan. Auf seine Erkundigungen ist ihm mitgeteilt worden, daß er allgemein gefallen habe, daß nichts gegen ihn vorliege. Aber nach einiger Zeit nahm ein Vorstandsmitglied der Offiziersgesellschaft - seiner Versicherung nach lediglich aus freiem Antrieb und persönlichem Interesse, ohne jeden Auftrag von irgendwelcher Seite —- mit ihm über seine Angelegenheit Rücksprache und erklärte ihm, er habe doch den Eindruck gewonnen, als ob er lvegen seines Glaubens bei der vvrzunehmenden Wahl möglicherweise abgelehnt werden könne, und er empfehle ihm deshalb, sein Gesuch zurückzuziehen. Er hat das nicht getan, und die Wirkung war, daß am > l. Januar dieses Jahres ihm die Mitteilung zuging, daß er nicht gewählt worden sei. An diesem Falle ist die Militärbehörde nicht schuld; es ist der Geist, der hier aus dem Osfizierkorps gesprochen hat, und gegen diesen Geist machen wir Front und müssen wir Front machen, hoffentlich in völliger Uebereinstimmnng auch mit der Militärverwaltung, ans Gerechtigkeit und zur Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte der jüdischen Staatsbürger." Der Zentralverein hatte schon am 4. März deswegen beim sächsischen Kriegsminister Vorstellung erhoben und hat unter dem _'<s. April folgenden Bescheid erhalten: „Acif das Schreiben vom 4. März 1909 teilt das Kriegsministerium mit, daß nach Prüfung der Verhältnisse der Beschwerde über die Verzögerung der Znrivahlstellnng des Vizefeldwebels der Reserve Mühlfelder eine Berechtigung nicht abgesprvchen werden kann. Ter Kommandierende Herr General ist veranlaßt worden, die Wahl für ungültig zu erklären und eine neue Wahl anzuordnen." Tie Neuwahl wurde auf den I I. Mai >909 anberaumt und hatte zum Ergebnis, daß ivie das Bezirlslvmmando Chemnitz wörtlich mitgeteilt hat — „von 87 anwesenden Offizieren 86 Herren Tr. Mühlfelder als nicht geeignet zum Offizier des Beurlaubtenstandes gehalten haben." So ist denn der Mann mit der Cvndmte „nicht geeignet zum Offizier des Benrlanbtenstandes" nur als Offizierstellvertreter iu den Krieg gezogen, um nach wenigen Tagen schon als Erster seiner Kompagnie durch eine bravouröse Heldentat das Eiserne Kreuz sich zu verdienen. Er achtete nicht seiner Verwundung und machte auch weiter Dienst. Befördert wurde er Vi,. Dr. Mühlfelder gefallen am z. März 19\5. trotzdem nicht, obschon er zweimal zur Beförderung eingegeben worden war. Hier das Urteil seines Hauptmannes, der an unseren treubewährten Freund Herrn Hermann Großmanu in Chemnitz unter dem 7. März dieses Jahres, nach den Heldentod des Gefallenen, unter anderem schrieb: „Mich selbst berührt M.s -Schicksal außerordentlich nahe. Jcl, hatte ihn als Richter in Chemnitz als tüchtigen, vornehmen Anwalt schätzen gelernt, und ex war mir, seit September meis mein einziger Kompagnieosfizier, als Offizier und Kamera-' lieb geworden. Er hatte sich auch durch seine Tüchtigkeit uni> seine ruhige, ungemein taktvolle Art, die ihn stets auszeichnetc. die Zuneigung und Wertschätzung aller Offiziere des Re giments erworben. Ich weiß, wie manche bittere Stunde eihm bereitet hat, daß er nicht Leutnant geworden war. Zn Beginn des Feldzuges lagen die Schwierigkeiten beim Bezirks kommando Chemnitz, später ergaben fic't Hindernisse innerhalb des Offizierkorp:• selbst. Seit einer Reihe von Wochen wa: ich' mit dem Bataillonsführer Hauplmann Burmann (leider am 28. Februv gefallen) an der Arbeit, die Schwierm keiten aus dem Wege zu räumen uni M.s Beförderung noch durchgusetzen.-Die letzten schweren Wochen, die das Reg ment zu überstehen hatte, hatten leide: die Frage nicht fördern können. Ti Gründe lagen, wie Sie mir glauben wei den, nicht in M.s Person. Er ist zu jede: Zeit dienstlich wie außerdienstlich al Offizier und gleichgestellter Kamerad bc handelt und geachtet worden." Die Schwierigkeiten und Hindernisse von denen in dem angeführten Schreibedie Rede ist, waren nach den schriftlichen und mündlichen Auslassungen des ach! so Frühvollendeten rein konfessionelle Art. Der Arme hat sie endlich über Wunden; er ruht auf dem Soldaten friedhof in Ripont inmitten seiner Schick salsgenossen- „Das Schicksal setzt dei Hobel an und hobelt alle gleich." Di deutsche Judenheit wird nach diesen, männermordenden Krieg ihr gute Recht zu fordern haben und für ihr tapferen Söhne, die mit solch glühendc Vaterlandsliebe und solch grenzen loser Hingebung für Deutschlands Ehr bluten, die volle Anerkennung zu erringen wissen. Uns, den Tieftrauernden, aber bleibt nur da alte Wort im Horaz: Oeeickit! occidit! Spes omnis et fort ti na nostri Nominis! Lrirgstasung des Khemilchen SabbineroerbÄNdes. Köln, den 11. Juli 1915. ^ast ein Jahr nach Ausbruch des Krieges traten die Rabbiner de Westprovinzen zu ihrer Konferenz an gewohnter Stätte zu sanunen; und das große Erlebnis beherrschte die gesamte Tagung Zahlreich waren die Mitglieder erschienen; es waren die Rabbnie. DDr. Caro (Köln), Cohn (Bonn), David (Bochum), Eschelbacher (Düsse! darf), Galliner (Gelsenkirchen), Jacob (Dortmund), Kronheim (Düsset dorf), Lazarus (Essen), Levi (Krefeld), Neumark (Duisburg), Norden (Elberfeld), Rosenthal (Köln), Samuel (Essen), Scheftelowitz (Köln- Ehrenmitglied Tr. Auerbach sowie Grabowski (Barmen) und Jaules