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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-17 · Heft 38 (17.9.1915) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 38 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
Seite 449 (sequence 5)
Language
German
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AJ 449 quer n der selben kichen m sie »e hat ehren Sind nmen lecken Züden i der i auch Zeit. deutnicht alles aischst. In e Re- Aus- , daß it, zu > ver- Maßmittuircn fe er- Dank- Jätern ^rntec ent- Verer. Duma g der lässiglionen Mit n als Ausnenste crätcr aus durch gens- Zwe d vor nmen. führt, hwurviebel'- lichter Berit beechtmssischen Leute sucht die Panikstimmung Zu erhöhen und die Volkseidenschasten auf die Juden zu lenken. Es kam zu allgemeinen .'lusschreitungen gegen die zahlreichen Juden. Diese wurden vom i>öbel, unter dem sich auch eine Anzahl Soldaten befand, -angegriffen und schwer mißhandelt. Die Polizei, die hier in bester Der-- nndung mit dein „Schwarzen Hundert" steht, sieht tatenlos dem nüften Treiben der entfesselten Menge zu. Zahlreiche Geschüstsuiuser wurden geplündert und eingeäschert. * Im Gegensatz zu diesen Verfolgungen und Greueln macht sie russische Regierung schüchterne Versuche einzulenken. Diese versuche sind wirklich sehr schüchtern, nur durch den Druck >er Niederlagen hervorgerufen und werden keineswegs entchieden durchgeführt. Charakteristisch hierfür ist die hier ^gedruckte Notiz der „Frankfurter Zeitung": Nt i l d e r u n g d c x Ghetto g e s e tz e. Wir gaben kürzlich eine Meldung der Agentur Havas wieder, oonach der russische Ministerrat den Juden den Aufenthalt in allen -tädten Rußlands mit Ausnahme der beiden Hauptstädte und der ibrigen Residenzstädte erlaubt hat. Nach der französischen Agentur ollte diese Bewilligung „bis zur vollständigen Durchsicht aller die ülden betreffenden Gesetze" in Kraft bleiben, nach den uns vorliegenden russischen Blättern aber gilt sie nur „bis zunr Erlaß besonderer Kstimurungen", d. h. bis es dem Ministerrat einfallen wird, sie nieder rückgängig zu machen. Aus den Verhandlungen des Ministerates, die zu diesem Beschlüsse führten, geht hervor, daß sich die »cinisters über den angesichts des gewaltigen Stromes jüdischer Flüchtinge aus dem Kriegsgebiet einzuschlagenden Weg nicht klar waren. Ran öffnete ihnen zuerst die Gouvernements Pensa, Tambow und öoronesch, aber diese kleine Erweiterung des Ansiedlungsghettos rellte sich bald als ganz unzureichend Heralls. Die dortigen Behörden niesen ohne weiteres die Juden nach den weiter östlich gelegenen, 'isher den Juden verschlossenen Gouvernements aus, so daß tatächlich die bisherige Judengesetzgebung, lvie der Atinister des Innern rklürte, schon durch die Ereignisse aufgehoben ist; an eine Rückbeförderung der Juden in das Anstedlungsgebiet aber ist gar nicht \u denken, da der größte Teil davon voll den verbündeten Truppen 'esetzt ist. Gegen eine gründliche Umgestaltung der Judengesetz- ,ebung machten sich im Ministerrat so starke Bedenken geltend, daß uan nur den vorläufig gültigen Beschluß fassen konnte. An eine Änderung der russischen Judenpolitik, lvie sie die Agentur Havas Prem Publikum glauben machen möchte, ist daher noch nicht zu senken. Sie wird bestätigt und erläutert durch die Mitteilung der Neuen Freien Presse". Aus Kopenhagen wird gemeldet: Der Beschluß des Ministerates, den Juden in Rußland beschränkte Freizügigkeit zu ernähren, ist nicht als Entgegenkommen der Regierung egenüber den Juden aufzufassen, sondern lediglich unter m Drucke der Notwendigkeit zustande gekommen. Bekanntlich :t der größte Teil der Gebiete, die bisher den Jllden als Wohnbezirke llgewiesen waren, entweder bereits in österreichisch-ungarischem ud deutschenr Besitz oder von den Heeren der Verbündeten bedroht. * Schließlich wird folgende Nachricht verbreitet: Französische Liga für die russischen Juden. Genf, 5. September. Um der traurigen Lage der Juden in Rußland ein Ende zu beeiten, wurde nach einer Mitteilung der „Huumnitv" in Paris eine "iga zum Schutz der unterdrückten Juden" gegründet. Die Liga ärd zunächst der Oesfentlichkeit genaue Berichte über die Lage der irden liefern und sodann den Kampf aufnehmen für die Gleichheit er Juden vor dem Gesetz in allen Ländern. Die Liga lvill zu diesem .weck eine periodische Propagandaschrift herausgeben. Es ist erfreulich — aber es war wirklich hohe Zeit dazu, aß das freie Frankreich, das gesetzlich wenigstens keinen Unterschied zwischen Juden und andersgläubigen Franzosen U'imt, der Greuel gedenkt, die in dem verbündeten Rußland geschehen und diese abzustellen sucht. Freilich hätten solche Versuche gleich nach Ausbruch des Krieges erfolgen müssen, damit die ungeheuerlichen Bluttaten vermieden worden wären. Das unerhörte Elend, das wider die Juden herausbeschworen worden ist, wäre dann nicht erfolgt. Wenige Tage, nachdem dieses Blatt in. die Hände der Leser kommt, zieht der Versöhnungstag ein. Er sei allen denen, die zu Hause bleiben mußten, und denen, die im Felde stehen, ein Tag der Sammlung und der Erhebung. Versöhnung mit den Gegnern wird dieser Tag freilich nicht bringen — vielmehr kann es leicht geschehen, daß an diesem höchsten Festtage Juden der verschiedensten Heere gegeneinander kämpfen müssen —, aber er bringe allen die weihevolle Stimmung des ernsten Tages und festige in allen das Bewußtsein, sich der heiligen Pflichten zu erinnern, die jeder Jude erfüllen muß gegen seine Religion, gegen seine Brüder, gegen sein Vaterland. Wohl noch selten wurde in der ganzen Welt an diesem Tage so inbrünstig für Frieden, Leben und Ruhe gesteht. Möge dieses Flehen in absehbarer Zeit von einem gnädigen Geschick erfüllt werden! ikechtsanwalt Sr. £m MühlkrMrr Chemnitz. Ein Blatt liebevoller Erinnerung. Von Rabbiner Dr. Emanuel Schwartz, Prag. 01 m 1’ im Alter von nur 35 Jahren, ist der Edle -4'V bei Nipont gefallen. Er war der würdige Sohn seines Vaters, des vor acht Jahren verstorbenen Rabbiners Dr. Jakob Mühlfelder in Chemnitz. Ein junger Anwalt noch, stand er in hohem Ansehen bei allen, die den Vollgehalt seiner Persönlichkeit kannten und ihm das Schicksal ihrer Rechtssache wegen seines gediegenen Fachwissens, seines unbestechlichen Gerechtigkeitssinnes, seiner ruhevollen Vornehmheit, seines außerordentlichen Zartempfindens und seinen Taktgefühls gern und willig anvertrauten. Ein Bild edler Männlichkeit, bvt er das Muster und Beispiel rührender Bescheidenheit. Aengstlich mied er alle Wege der Eitelkeit und Nichtigkeit und zog sich scheu und schüchtern auf sich selbst zurück: das still gewordene Elternhaus bildete fortan seine Welt. Nur wenn es galt, dem Judentum zu dienen, stellte er sich in Reih und Glied mit den Gleichgesinnten und Mitstrebenden. Er wirkte im Vorstand der Ortsgruppe des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und gehörte der Verwaltung der Chewra Kaddischa an. Ueberall tat er seine Arbeit voll und ganz, erfüllte er seine freiwillig übernommenen Pflichten treu und redlich. Nur wenn die Ehre des von ihm über alles geliebten Judentums es erheischte, duldete er es — und auch da mit innerem Widerstreben —, daß sein guter Name in die breite Oesfentlichkeit getragen wurde, so in die Reichstagssitzung vom 19. März 1909. Dort sprach damals der Abgeordnete Kopsch über die Zurücksetzungen jüdischer Einjähriger aus konfessionellen Motiven und äußerte sich unter anderem wörtlich: „Einen Beweis, daß die Militärbehörde nicht allein verantwortlich gemacht werden kann, sondern daß es der ganze Geist des Offizierkvrps ist, der zu Rechtsverletzungen und zum Zuwiderhandeln gegen Erlasse des Kaisers führt, liefert ein Fall ans Chemnitz, wo gegen einen Dr. Mühlfelder vorgegangen worden ist. Dieser Fall ist so charakteristisch, daß ich mir erlaube, aus dem Schreiben des Dr. Mühlfelder, eines angesehenen Rechtsanwalts zu Chemnitz, einiges mitzuteilen. Dr. Mühlfelder diente beim 104. Regiment „Kronprinz" in Chemnitz. Er beantragte Weihnachten 1907 beim Bezirkskommando Chemnitz

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