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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-08 · Heft 37 (8.9.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 37 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Vaterlandsliebe, die Gerechtigkeit und die Menschlichkeit zu seinen besten Idealen erkoren, und diesen Idealen sei er unverbrüchlich treu geblieben bis ans Ende. Ferner Pries ihn der Geistliche als einen festen und treuen Förderer aller der Wohltätigkeitsbestrebungen, deren sich die Synagogengemeinde befleißige, und auch als einen Förderer des religiösen Lebens, das dort gepflegt loerde. Er schilderte das innige Familienleben im Freundschen Hause und sagte, daß es ein patriarchalisches Haus gewesen sei. Als ein Gottgesegneter sei der vortreffliche Mann durchs Leben gegangen, als ein Gottgesegneter «ei er gestorben-. Er habe einen so sanften und friedensvollen Tod gefunden, wie er nur wenigen Sterblichen beschieden sei. „Es ist bestimmt in Gottes Rat", sang der Tranerchor. Dann wurde der Sarg Zur Gruft getragen und beigesetzt. Er ruht dort neben seiner Lebensgefährtin, die ihm in den ewigen Frieden vorangegangen ist. M. Hamburg, 3. September. Anläßlich der großen deutschen Siege in Polen und der dadurch herbeigeführten Befreiung unserer Glaubensbrüder vom Joch der russischen Geloaltherrschaft fand iu der Gemeindeshnagoge am Boruplatz ein Tankgottesdienst statt. Das festlich erleuchtete Gotteshaus war von einer großen Schar andächtiger Hörer dicht gefüllt. Herr Oberrabbiner Tr. Spitzer legte seiner Predigt das Bibelwort: „Wenn du Zu Felde Ziehst gegen deine Feinde, gibt der Ewige, dein Gott, den Feind in deine Hand und du nimmst reine Streiter Zn Gefangenen" Zugrunde und sagte: Dieses Wort der heiligen Schrift ist an uns nun wahr geworden. Auch nur waren gezwungen, gegen Zahlreiche mächtige Feinde ins Feld zu Ziehen. Einen Feind hat Gott bereits in unsere Hände gegeben. Ehernen Schrittes geht im Osten das Gericht Gottes der Entscheidung entgegen, so unaufhaltsam, so übermächtig, so schnell, daß die Erwartung mehr und mehr Raum gewinnt, sie müsse bald endgültig fallen. Die stärksten Festungen fallen nnt unglaublicher Schnelligkeit. Wir danken aus tiefem Herzen den Helden draußen, den Führern und Kämpfern, bcn -Velden, die bis zum Tode ausharren, und denen, die von Kampf Zn Kampf eilen, ohne Zu ermatten — und wir loben und Preisen den fern der Heerscharen, der mit mt§ ist, der unserem Volk hilft, der vorerst den einen Feind in unsere Hände gibt und dessen Hochmut, der längstens bis Ende März in Berlin sein wollte, endgültig gebrochen — wir loben und Preisen den Herrn der Heerscharen, der uns befreien ließ „des Feindes Gefangene", die Millionen unserer Brüder, die seit Jahrhunderten unter dem Truck der unmenschlichen Barbarei schmachten, der die ältesten Ghettomanern, die allen Einflüssen der Kultur Trotz boten, die jedem Ansturm der elementarsten Gebote der Gerechtigkeit den hartnäckigsten Widerstand entgegensetzten, durch die Wucht unserer Schläge Zertrümmerte. Wir Hoffell mtb beten Zum Herrn der Heerscharen, daß diesen glänzenden Siegen über den einen Feind weitere Erfolge über die anderen Feinde folgen, daß wir auch ihrer in Bälde Herr werden, sie besiegen und zu einem baldigen glorreichen Frieden gelangen. — Leipzig, 3. September. Die Leipziger Messe ist bekanntlich der Feutralhandelsplatz für den europäischen Rauchwarenhandel. Tie große Beteiligung des jüdischen kaufmännischen Elements einerseits, der Nutzen, der Delltschkand durch die Messe, deren Anziehungskraft 'ich auch im Kriege bewährt hat, erloächst, anderseits werden iu Rußland als höchst bedauerliche, tilnlichst Zll beseitigende Mißstände empfunden. So hat sich kürzlich die Jrbiter Stadtverwaltung mit der ailf dem Kongreß der Vertreter des Börsenhandels, der Industrie \nb der Landwirtschaft angeregten Frage wegen Verlegung der alliährllch in Leipzig stattfindenden Rauchwarenmesse nach. Rußland beschäftigt. Die Stadt Jrbit kann sich zu dieser Frage nicht gleichgültig stellen, heißt es in dem Berichte des Stadtamtes an die Stndtdluna, da es für die Stadt und die Jrbiter Messe von größter Bedeutung ist, wohin die Leipziger Rauchwarenmesse verlegt wird. Der „Pravit. Wjestnik" schreibt dazu: Die Jrbiter Messe besteht schon sei! wehr als 250 Jahren und dient als Mittelpunkt des Handelsausrausches zwischen Rllßland und Sibirien. Schon das langjährige Bestehen der Messe mit so bedeutenden Umsätzen beweist, daß sie, ungeachtet einiger in der letzten Zeit für sie ungünstig sich gestaltender Verhältnisse, wie zum Beispiel das Fehlen einer Eisenbahnverbindung dis nach Jrbit, den lebendigen Beweis für die Notwendigkeit ihres Bestehens in sich trage. Außerdem erscheint die Jrbiter Messe auch noch als die wichtigste und alleinige Ausstellung der sibirischen Rauchwaren. Wegen ihrer Bedeutung im Rauchwarenhandel hat die Konferenz der Ranchwarenhändler ans der Messe 1914 den Wunsch ausgesprochen, daß hier eine Versteigerung der Rauchwaren veranstaltet loerde, und nud) das Messekomitee hat einstimmig einen dahingehenden Antrag unterstützt. In der letzten Zeit hat bereits der Einkauf von Rauchwaren aus der Messe unmittelbar für London und New Port stattgefunden, und derartige Geschäfte werden mit jedem Jahre Zunehmen, während früher fast alle Rauchwaren nach Leipzig gingen und von dort erst nach den anderen ausländischen Märkten versandt wurden, darunter auch nach Großbritannien. Daher ist es zur Unterstützung der Jrbiter Rauchwaremuesse und des Rauchwaren- Handels in Sibirien notwendig, daß seitens der Regierung Maßnahmen getroffen werden, um künftig Käufer für die Rauchwaren aus den mit Rußland befreundeten Staaten wie Großbritannien, Amerika u.sw. hernnZuziehen, aus diese Weise die Eröffnung der ausländischen Märkte in größerem Maßstab herbeizuführen ohne die bisherigen deutschen Vermittler und damit der Krisis im Rauchwarenhandel Sibiriens vorzubeugen, welche infolge des Fehlens der großen deutschen Aufkäufer auf der Messe eintreten fümxte. Die Jrbiter Stadtverwaltung hat nun im Hinblick darauf, daß 1. iu der allernächsten Zeit nach Fertigstellung der Tawdin-Eisenbahn, deren Bau seiner Vollendung entaegengeht und wodurch Jrbit iu das Retz der russischen Eisenbahnen ausgenommen wird, die Jrbiter Messe in bedeutend bessere Lage versetzt werde, 2. daß die von der Stadtverwaltung angeregte Eröffnung einer Nauchwarenversteigernng für die Zeit der Messe in Jrbit nach eingelaufenen Nachrichten der Verwirklichung entgegengehe, 3. daß durch Eröffnung einer solchen Versteigerung auf der Jrbiter Messe und Heranziehung von Käufern der Rauchwaren aus den Rußland befreundeten Ländern der russische Ranchwarenhandel von dem Einfluß der Leipziger Messe befreit loerde, zumal diese die Hauptmenae der Rauchwaren aus Rußland bezogen habe, beschlossen, bei den zuständigen Behörden die Schaffung eines internationalen Rauch-Warenmarktes in Rllßland, imb zwar in der Stadt Jrbit an Stelle von Leipzig anznregen. Angesichts der außerordentlichen Wichtigkeit der Sache wurden dem Stadthaupt von Jrbit die weitgehendsten Bollmachten für die -Führung der Sache von den betreffenden Handelsstellen sowie anderen Anstalten und Behörden ansgestellt. — Mit Recht bemerkt hierzu die „Rheinisch-Westfälische Zeitung", daß trotz der rosigen Znkunstsaussichten der Jrbiter Stadtverwaltung Leipzig nach dem Kriege mehr noch als vorher Haupthandelsplatz auch der russischen Rauchwaren sein wird. 4. A. Nürnberg, 1. September. Am 29. v. Ai. feierte der Privatier Salomo n Ran hier mit seiner Gattin das seltene Fest der d i a m a n t e n e n H o ch zeit. Der Jubilar, welcher jahrzehntelang an allen jüdischen Wohlfahrtseinrichtnngen an leitender Stelle unermüdlich tätig war, erfreut sich hier des größten Ansehens in den weitesten Kreisen. Er war viele Jahre erster Vorsitzender des „Israelitischen Wohltätigkeitsvereins für Hilfe in Erkrankungs- und Sterbefällen", welcher Verein den Genannten bei seinem Rücktritt zum Ehrenvorsitzenden ernannte. Ferner hat Snlomon Rau den „Verein für Krankenhilfe" begründet und geleitet sowie viele Jahre das Amt als Schatzmeister der „Alliance Jsraelite" bekleidet. Der Festtag brachte dem vortrefflicheu Manne eine große Anzahl von Ehrungen. Herr Justizrat Dr. Held brachte die Glückwünsche der Gemeindeverwaltung, Herr Rabbiner Dr. Freu den thal die des „Vereins für Krankenhilfe", Herr Kohlmann die Glückwünsche des „Israelitischen Wohltätigkeitsvereins". Möge dem um das Judentum und dessen Wohltätigkeitseinrichtnngen treu bewährten Manne im Verein nnt seiner Gattin noch ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden fern. D. J. Gunzenhausen, 3. September. Der Londoner „Jewish- Ehronicle"" veröffentlicht aus dem Brief eines englischen Majors Rathbene an seinen Bruder folgende Stelle: „Ich war 24 Stunden lang im Schützengraben mit einer Stunde Ruhepause. Wir singen einen deutschen Offizier, Leutnant Max Selter, von einem bayerischen Infanterieregiment. Er und zirka 50 Dlamx griffen uns mit Handbomben an und der Offizier wurde mit dem Bajonett getötet. Ich half ihn mit unseren eigen Mannschaften begraben. Er war ein Jude, so daß ich den Gottesdienst durch den Kaplan ändern ließ. Vielleicht werden seine Angehörigen sich freuen, dies zu hören und Du kannst den „Jewish-Ehronicle" und die „Jewish-Wortd" ersuchen, es zu erwähnen, damit jene davon in Kenntnis gesetzt werden. Er war ein tollkühner Bursche, und meine Leute konnten nicht umhin, seinen Versuchen, uns zu bombardieren, Bewunderung zu zollen." —

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