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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-08 · Heft 37 (8.9.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 37 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 8. September 1915 79. Jahrgang (^0111^^^09 Betlase zur „Allgemeinen Tettung deß Judentums. Die dritte Lriesssnleihel Die dritte Kriegsanleihe, deren Bedingungen soeben bekanntgegeben werden, unterscheidet sich von der ersten und zweiten Kriegsanleihe wesentlich dadurch, daß keine Schatzanweisungen, sondern nur Reichsanleihe ausgegeben wird. Diese ist seitens des Reichs wieder bis 1924 unkündbar, zu 5% verzinslich und wird zum Kurse von 99, für Schuldbuchizeichnungen zu 98,80 aufgelegt. Der Zinsenlauf beginnt am 1. April 1916. Fünf Prozent Stückzinsen bis dahiu werden bei der Zahlung zugunsten des Zeichners verrechnet. Die Zinsscheine sind am 1. April.und 1. Oktober jeden Jahres, der erste Zinsschein am 1. Oktober 1916 fällig. Auch diese Anleihe wird ohne Begrenzung ausgegeben, und es können daher alle Zeichner auf volle Zuteilung der gezeichneten Beträge rechnen. Tie Zeichnungsfrist beginnt am 4. und endet am 22. September. Die Zeichnungen können wieder bei allen den Zeichnungs- und Bermitttungsstellen angebracht werden, die bei der zweiten Kriegsanleihe tätig waren (Neichsbank und alle ihre Zweiganstalten, sämtliche deutsche Banken und Bankiers, öffentliche Sparkassen und ihre Verbünde, Lebensversicherungsgesellschaften und Kreditgenossenschaften). Die Post nimmt diesmal Zeichnungen nicht nur an den kleinen Orten, sondern überall am Schalter entgegen. Zahlungen können vom 30. September an jederzeit geleistet werden. Es müssen gezahlt werden: 30 % am 18. Oktober, 20 % „ 24. November, 25 % „ 22. Dezember 1915 und die letzten 25 % „ 22. Januar 1916. Die Bestimmung, wonach die Zeichnungen von 1000 Mark und darunter bis zum ersten Einzahlungstermin voll bezahlt werden müssen, ist weg ge fallen; auch den kleinen Zeichnern sind diesmal Teilzahlungen in runden, durch 100 teilbaren Beträgen gestattet; die Zahlung braucht erst geleistet zu werden, wenn die Summe der fällig werdenden Teilbeträge wenigstens 100 Mark beträgt. Aus die Zeichnungen bei der Post ist zum 18. Oktober Bollzahlung zu leisten. Die im Umlauf befindlichen unverzinslichen Schatzanweisungen des Reichs lverden unter entsprechender Diskontverrechnung in Zahlung genommen. Um den bei allen Vermittlungsstellen gleichzeitig hervorgetretenen Klagen über die langsame Lieferung der Stücke bei der zweiten Kriegsanleihe zu begegnen, werden diesmal wieder Zwischenscheine, aber nur zu den Stücken von 1000 Mark und mehr und nur auf Antrag ausgegeben. Auch für die kleinen Stücke Zlvischenscheiue auszugeben, ist nicht möglich, da die dadurch entstehende Arbeit nicht bewältigt werden könnte. Die kleinen Stücke werden aber zuerst gedruckt werden und voraussichtlich im Januar zur -Ausgabe gelangen. &&& Berlin) 6. September. Unter den vielen Leiden und Opfern-, die der Weltkrieg einem großen Teil der Menschheit gebracht hat und noch täglich bringt, nehmen diejenigen, welche die Armen des Heiligen Landes betreffen, wohl die erste Stelle ein. Sie sind auch in normalen Zeiten auf die Hilfe des Auslandes angewiesen, die aber sofort bei Ausbruch des Krieges durch den unterbrochenen Verkehr völlig aushörte. Die Notlage, die dadurch geschaffen wurde, hat geradzu die Bedeutung einer Katastrophe, die alles zu zerstören droht, was die heilige Menschenliebe der gesamten jüdischen Diaspora seit vielen Jahren dort geschaffen hat. Die deuffche Judenheit hat ohne Unterschied der Parteien angesichts dieses Massenelends es als ihre Pflicht erkannt, nicht stillzustehen beim drohenden Untergang dieser Aermsten der Armen. Die deutschen Palüstinatage haben durch ihre rege Beteiligung und den schönen dadurch erzielten Erfolg in herzerhebender Weise ihre nicht ermüdende Opserwilligkeit aufs neue bewährt. Ein soeben erschienener Rechenschaftsbericht der D e u t s ch -hol l ä n d r s ch e n Palästinaverwaltung bringt darüber hochinteressante Mitteilungen. Es ist ihr trotz der Schwierigkeit der Verkehrsverhältnisse in der Berichtszeit bis gegen Ende Mai gelungen, die ansehnliche Smnme von 250 000 Mark durch Vermittelung des Kaiserlich Deutschen Generalkonsuls in Jerusalem soloie durch den Botschafter der Vereinigten Staaten in Koustantiuopel und durch die Deutsche Bank in Berlin in einzelnen Raten und Zeitabständen ihrer Bestimmung Zuzuführen. Sie hat damit ihre eigenen Schicken sowie ihre sehr segensreich wirkenden hygienischen und wirtschaftlichen Institutionen unterstützt und so ermöglicht, daß sie ihren Betrieb nicht einstellen mußten. Sie hat außerdem, um der dringendsten Not abzuhelfen, Verteilungen von Mehl und Brot an tausende Familien, die Speisung armer Schulkinder und die Errichtung, von Notküchen in die Hand genommen, in denen schon heute über dreitausend Personen täglich gespeist werden, soloie den Witwen und Waisen, Greisen und Greisinnen ihre besondere Fiirsorge zu gewandt. Für die Kranken hat sie durch Bezahlung von Armenärzten und Verteilung von Medikamenten gesorgt und sich die materielle Unterstützung kleiner Kaufleute und Handwerker durch Gewährung von zinsfreien Tortehen auch für den Bau billiger Wohnungen in überaus wirksamer Weise angelegen sein lassen. Die Fürsorge der Verwaltung erstreckte sich auch auf die brotlos gebliebenen Lehrer der städtischen Talmud-Thora-Schulen, die seit Ausbruch des Krieges von ihren Leitungen kein Gehalt erhielten. Diese sowohl lvie die notleidenden- Familien der Thoragelehrten erhalten monatliche Unterstützungen, die für die in Betracht kommenden Kreise von lebensrettender Bedeutung sind. Eine besondere Fürsorge verlangte die Unterstützung solcher Familien, deren Ernährer zum Kriegsdienste einberufen wurden. Diese wenigen aus der Vielseitigkeit des großzügigeu Hilsslverkes herausgegriffenen Momente zeigen, wie große Summen erforderlich sind, um dem allgemeinen Notstand auch nur mit einigem Erfolg entgegenzutreten. So waren zum Beispiel, mit den Aermsten die Feier des Passahfestes zu ermöglichen, 50 000 Francs erforderlich. Die Deutsch-Holländische Palästinaverwaltung, diese älteste Wohlfahrtseinrichtung zum Besten unserer darbenden Brüder und Schwestern im Heiligen Lande, hat sich bei dieser Aktion in überaus anzuerkennender Weise bewährt, was sich aus jeder Seite ihres jüngsten Nechenschaftsbericht.es ergibt, der kostenlos durch die deutsche Zentrale der Deutsch-Holländischen Palästinaverwaltung in Frankfurt am Main, Schützenstraße 41, zu beziehen ist. Wir sind überzeugt, daß angesichts der täglich wachsenden Not auch die iuuermüdliche jüdische Hilfsbereitschaft nicht erkalten, sondern sich in ihrer ganzen achtunggebietenden Weise fort und fort bewähren wird. Ein aufmerksames Studium dieses Berichtes wird dazu sicher in der erwünschten Weise beitragen. Berlin, 6. September. Die „Deutsch-Sozialen Blätter", das Organ der antisemitischen Partei, veröffentlichen den „Brief einer tapferen deutschen -Frau", angeblich einer Frau M. F. aus Görlitz. Der Brief enthält folgende Stelle: „Ich hoffe zuversichtlich, daß mein kleiner Siegward, der allerdings erst X Jahr alt ist, durch meine Erziehung soweit gedeiht, daß er seinem, der deutschen Sache bis in den Tod getreuen Vater ein tüchtiger Nachkämpfer wird. Mein Mädel ist ja heute schon so. Nichts haßt sie mehr als die Juden und die Engländer! Neuerdings auch die Russen. Nun, von mir lerut's das kleine Ding halt nicht besser." Niemand loird Frau M. F. in ihre Erziehungsgrundsütze Hineinreden, selbst wenn man sie für noch so verkehrt hält. Das ist ihre Privatangelegenheit, solange sie sich damit auf den Kreis ihrer Familie beschränkt. Wenn aber, bentertt die „Welt am Montag" sehr richtig, ein Parteiblatt diese Grundsätze ge» wissermaßen als Richtschnur für seine Leser in die Oeffentlichkeit bringt, so werden sie damit auch der öffentlichen Kritik unterstellt. Und so möchten wir denn Frau M. F. fragen, ob sie es nicht, milde ausgedrückt, selbst als Taktlosigkeit empfinden muß, wenn sie ihre Kinder zu so wildem Haß gegen dieselben Juden erzieht, die mit ihrem Mann zusammen für dasselbe Vaterland gekämpft haben und gestorben sind. &&& Berlin, 6. September. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Bizewachtmeister d. R. Paul Dorn, Sohn des Justizrats Leopold Dorn; Kriegssreilrilliger Gefreiter Walter G r o ß - m a n n; Unteroffizier Erich S a n d b erg; Rabbiner Dr. Emil L e v y; Prokurist der Projektions-A.-G. Union Ardieu Netter, der als Krankenträger im Felde steht; Assistenzarzt Dr. Walter W e i s b a ch; Unteroffizier Ernst M i ch a e l i s; Vizefeldwebel Architekt Fritz K v n i g s b e r g e r; Offizierstellvertreter Georg Wolfs; Stabs- und Regimentsarzt Dr. Cohn- Hohenschönhausen:

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