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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-08 · Heft 37 (8.9.1915) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 37 (8.9.1915)
Date
1915-09-08
Page
Seite 444 (sequence 12)
Language
German
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444 yiiinjdj=ijiijdjoitu, Aiici der ernsten Neue, Den Erinnerungen frvmm geweiht; Gib dem Rechte Sieg, gib Sieg der Trcne; Dann erst steigt herauf die bessere Zeit. Deiner Schvfartöne mächtiges Klingen Trag' Versöhnnng in die Welt hinein. Endet dann der Völker dlnt'ges Ringen, Soll ihr Klang ein Friedensklang uns sein. Sende, Herr, den Frieden unserer Erde, Daß dies Jahr ein Gnadenjahr uns werde. Gelsenkirehen 1915. S. K a tz. Lelkkrüchte. In dem einst vielgelesenen Roman: „Ein Kampf um Rom" von Felix Dahn — mir liegt die 73. Anflage vor, die erste war 1866 erschienen —, der aber wohl jetzt nach dem Tode des Autors allmählich in Vergessenheit gerät, kommen unter den zahllosen wechselvollen, bunten Bildern auch gelegentlich Juden Var. Ein alter Jude' Jsaae lebt als Türhüter in Neapel. Leine, natürlich bildhübsche, Tochter Mirjam wird von dem Baumeister Jochem, der als Hersteller für alle Wasserleitungen in Italien angestellt ist, begehrt. Der Bewerber aber hat in seinen Bemühungen kein Glück. Tenn das schöne Judenmädchen ist in Totila verliebt, den jugendlichen strahlend schönen Feldherrn, den späteren König der Goten, der damals in untergeordneter Stellung in Neapel lebte. Freilich gilt seine Leidenschaft einem anderen Mädchen, Valeria, doch schenkt er der unglücklich Liebenden freundschaftliche Neigung. Der Jude Jsaac und seine Tochter lverden bei einein Angriff der Feinde durch Totila gerettet, Jochem geht ins feindliche Lager, ins byzantinische Heer, obgleich der ihm wohlgesinnte Jsaac ihn vor der Ausführung dieser Pläne warnt. Er hilft dem Anführer der Byzantiner, Belisar, bei der Belagerung und schließlich bei der Eroberung Neapels, erklärt sich zwar bereit, das geliebte Mädchen und ihren Vater zu retten, aber nur unter der Bedingung, daß Mirjam seinen Bewerbungen endlich Gehör schenkt. Da aber auch diese letzte Bemühung abgewiesen wird, so erliegen Jsaac und seine Tochter dem grausigen Schicksal. Als Totila König geworden und nach langen Kümpfen wieder Herr Neapels geworden ist, erinnert er sich der ihm ehemals gespendeten treuen Liebe und besucht heimlich das Grab der Frau, die ihm ihr Herz geschenkt hatte. Nach dieser Erzählung fährt der Autor fort (Bd. 3 S. 40): „Am anderen Tage erschien ein Erlaß Totilas, der die Frauen und Mädchen der Juden von Neapolis für immer von dem bisher entrichteten. Kopfgeld befreite und, während ihnen sonst untersagt war, öffentlich Schmuck zu zeigen, verstattete, als Ehrenzeichen auf dem , Brustgewand ein goldenes Herz zu tragen. In dem dicht verwach- > jenen Gärtchen aber, in welcher» verwilderter Efeu und Rosen das hohe Steinkreuz und einen tief eingesunkenen Grabstein völlig überwachsen hatten, erhob sich in Bälde ein Gedenkstein von dem edelsten schwarzen Marmor mit der einfachen Aufschrift „Mirjam, Valeria" und niemand lebte irr Neapolis, der das zu deuten wußte." Wie weit diese Episode historisch ist, vermag ich nicht sestzustellen. Dahn ist —ein Verhängnis für den Dichter — allzu viel Historiker und hat möglicherweise aus bestimmtem tatsächlichen Material diese Geschichte komponiert. Mag sie aber auch frei erfunden sein, -so ist sie sehr anmutig und der Auffrischung wert. Mirjam und ihr Vater sind m-it sichtlicher Liebe gekennzeichnet, Jochem dagegen, der Verräter, in höchst konventioneller Schilderung. Bedauerlich ist, daß Dahn, der sich in seinen historischen Romanen sonst von archaistischer Schreibweise ziemlich frei hält und daher nicht in den Fehler verfällt, die Goten, Deutschen, Italiener, Byzantiner etwa in einer gekünstelten antiken Art sprechen zu lassen, die Unart begeht, den Juden einen gewissen mauschelnden Ton Zu geben. Bei Jochem und Jsaac würde man das noch in den Kauf nehmen, daß aber auch die schöne Mirjam solche Töne braucht, entstellt ihr liebes und zärtliches Bild. L. G. * Jos. Grassis Bildnis der schönen und kunstsinnigen Baronin t Henriette v. Pereira-Arnstein, das die Juninummer von „Westermauns Monatsheften" enthält, versetzt uns irr die Tage des Wiener Kongresses, die rnit ihrern Festtrubel, ihrem europäischen Tiplornatengetriebe und ihrenr internationalen Gesellschaftsprurrk unserer bitterernsten Gegenwart so sernliegeu, unendlich viel ferner noch, als wir sie noch ohne Ahnung von derrr drohender! Weltkrieg im verflossenen Jahre ausleben ließen. Heute erinnern wir uns lieber an die elegante Salondame des Wiener Kongresses, an die eifrige Gönnerirl Theodor Körners, als die sich Frau v. Pereira-Arnstein schon einige Jahre zuvor bewiesen hatte. „Immer mehr", schrieb Körner Ende 1812 von ihr und ihrer Eonsine Marianne Saling, „lerne ich sie schätzen und hochachten als zwei große Ausnahmen innerer tüchtiger Bildung, niit allen Vorzügen der glatten Außenwelt geschmückt." ' Breslau. Regina N e i ß e r. Sprrchsgal. Herr Redakteur! Der Artikel „Familiennamen in der jüdischen Gemeinde zu Berlin" in N'r. 26 Ihres geschätzten Blattes behandelt ein Thema, welches mehr Raum erfordert, als eine wöchentliche Zeitung ihm widmen kann. Ich will mich nur auf die Berichtigung von drei Jrrtümern beschränken. Ter Autor des genannten Artikels sagt: „Diminutive und andere Namen mit dem „s" des Plurals scheinen zu sein: Abeles, Chajes nsw." In diesen wie in ähnlichen Fällen handelt es sich um Patronymica und Matronymica. Abeles ist der Sohn des Abraham, in der Koseform Abele, und Chajes ist der Sohn der Chajah, als Chaje gesprochen. Unter den Namen „fremdsprachlichen- Ursprunges" lverden ausgezählt: Monas, Monasch und Spiro. Spiro ist eine der vielen Schreibungen für Spira, Spire, der mittelalterliche Name für Speyer, welches in hebräischer Transkription allerlei Lesungen, so Schapiro, Schapira usw. gestatte. Monas und Monasch sind slawische Kosenamen für Menahern, abgekürzt als Alan. Menahem Nt an Bacharach lebte in Fulda 1616 (Resp. Maamar Mordechai, vou Mordechai Halberstadt, Rabbiner in Düsseldorf, p. 42a, Brünn, 1790). Er ist wohl identisch mit dem Rabbi Man aus Fulda, den Ascher Halevi aus Reichshosen als Rabbiner von Hanau im Jahre 1629 erwähnt. („Memoiren des Ascher Levy", ed. Ginsburger, Berlin, 1913). Aus Man wurde im süddeutschen Dialekt Mendel, auch Menlin, tm norddeutschen Dialekt Menke. Im Polnischen scheint die Endung „usch" (z. B. Janusz) einen Kosenamen zu bilden, so Berufch, Löbusch, Abusch, und so ist aus Mau Mauusch, ausgesprochen Monesch, und zivilisiert Monasch entstanden. Bei süddeutschen Juden ist mir derselbe Name als Mannes begegnet. Ter Name Neach dürfte wohl kaum aus dem Hebräischen als Wohlgeruch zu erklären sein, sondern dürfte eine der häufigen Wortbildungen aus Anfangsbuchstaben von Rabbi I. Eh., etwa Josef Chajirn, vorstellen. Aehnlich ist der Name Biach, der sich als Mittelname, z. B. auf dem Titel des Werkes „Bene Josef", homiletische Notizen zu den Sprüchen der Väter von Josef Feilbogen, Leipzig 1872, findet. (Josef Feilbogen in 1!ngarisch-Brod 1784 geboren, zuletzt Rabbiner in Holleschau, starb 1869 in Straßnitz, Mähren) schreibt den Mittelnamen Biach als eine Abbreviatur, wie wir deren viele kennen, z. B. Braun, Brahm, Brüll, der Name des pädagogischen Autors Joel Loewe (Monatsschrift 37, p. 243), der sich in hebräischen Werken Joel Bril — Joel den N. Jehuda Loew unterschreibt. Beweisen läßt sich derartiges nur, wenn wir historische Dokumente besitzen, da diese Abkürzungen, ein wichtiges Kapitel in der Namenskunde, oft weit hergeholt sind. Als interessante Beispiele von Namen, die leicht durch oberflächliche Erklärung mißdeutet lverden können, nenne ich: Katz — K. Z. — Koheu Zedek: Schatz Sch. Z. - Schellack) Zibbur; Schallt Sch. L. I. T., abgekürzte Wuuschfvrmel, die bedeutet: möge er lauge und glückliche Jahre erleben; Segel, Segal, auch Siegel — SG. L. — Haupt des Levitenstammes. Ms besonders amüsant in Irreführung möchte ich den Namen Nascher erwähnen, den ein ehemaliger Berliner Prediger führte: Simon Nascher, 1843 nt Ungarisch-Brod geboren und 1901 in Baja gestorben, wo sein Vater Moses Nascher, gestorben 1878, Rabbiner war. Nascher schrieb sich mit einem Akzent auf denr „e", um Mißdeutungen vorzubeugen. Der Name hat tatsächlich nichts mit naschen gemein, sondern ist, so unwahrscheinlich es klingt, von Nikolsburg abzuleiten, das in alten hebräischen Schriften: N. Sch. Nickel-Schpork geschrieben wird. So dürfte wohl der Name Haber eine Abkürzung ans Hamburger vorstellen, da Hanrburg in hebräischen Urkunden mitunter H. B. geschrieben wird. Ich will nur zu meinem Schutze gegen die etwaige Anklage der Hhpothesensncherei bemerken, daß ich mich aus meinen Knäbeujahren erinnere, den alten Moses Nascher in Nikolsburg gesehen zu haben, wo er die Gräber seiner Vorfahren besuchte. Gotthard Deutsch.

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