Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1915)
- Date
- 1915-09-08
- Page
- Seite 439 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu diesem einen Grunde kommt dann noch der andere, das; er als Halbfranzose die Anstrengungen der meist deutschen Anhänger Mendelssohns, die ihn in Paris durchaus einführen wollten, nicht billigte. Daß dies wirklich die Gründe des Auftretens sind, geht aus einem Briefe Mendelssohns an Ferdinand Lassalle vom 11. Februar 1846 hervor, in dem es heißt: „. . . . In Bezug Felix Mendelssohns füge ich inich gern Ihrem Wunsche, und es soll keine böse Silbe mehr gegen ihn gedruckt werden. — Ich habe Malice auf ihn wegen feines Ehristelns, ich kann diesem durch Vermögensumstände unabhängigen Menschen nicht verzeihen, den Pietisten mit seinem großen, ungeheuren Talente zu dienen. — Je mehr ich von der Bedeutung des letzteren durchdrungen, desto erboster werd ich ob des schnöden Mißbrauchs .. . Unter uns gesagt, der nächste Grund, warum ich manchmal Mendelssohn prickelte, betraf einige hiesige Stockenthousiasten desselben, die ich ärgern »vollte — z. B. Ihren Landsmann Frank, auch Heller — und die unedel genug waren, jenen Angriffen das Motiv unterzulegen, ich wollte dadurch Meyerbeer den Hof machen."- Ich glaube, die Aufzeigung aller dieser Tinge ist gerade für unsere Leser besonders interessant und sie werden den; Herausgeber des bisher ungedruckten Aufsatzes, Herrn Professor Fr. Hirth, aus dessen Nachweisungen meine Erklärungen geflossen sind, dankbar sein. IüMches Mütter- und Kinderheim des Lrauenoereins der berliner Logen <*L S. S. & Frauenverein der Berliner Logen (Vorsitzende Frau Minna Schwarz, Schlüterstraße 53), dessen Tätigkeit seit 15 Jahren ausschließlich die Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen umschließt, hat sein Arbeitsgebiet, die Hauspflege, Mütter- und Binderheim des Lrauenvereins der Berliner Logen U. L>. B. B. feit fünf Jahren erweitert, indem er ein Wöchnecinnenheim an das israelitische Krankenheim „Adaß Jisroel" angegliedert hat. Das Streben des Vereins ging auch darüber hinaus und ermöglichte ihm, mit Hilfe seiner großen Mitgliederzahl (zirka 3300) ein eigenes Haus, Brunnenstraße 41, zu erwerben, um dort ein Mütter- und Säuglingsheim für jüdische Mütter zu errichten. Hier finden arme werdende Mütter 6—8 Wochen vor der Entbindung freundliche Aufnahme. Für die Entbindung werden sie in das Wöchnerinnenheim überführt, um nachher mit ihren Säuglingen im Mütterheim wieder ausgenommen und erwerbskräftig gemacht zu werden. Um allen hygienischen Erfordernissen für Säuglingspflege gerecht zu werden, wurde im März 1914 in dem Gürtendes Hauses Brunnenstraße 41 ein Neubau aufgeführt, der ausschließlich den Zwecken des Mütter- und Kinderheims dienen soll. Die großen Anforderungen, die bei Ausbruch des Krieges gestellt wurden, zwangen den Frauenverein, sein neues Heim am 15.November vorigen Jahres zn eröffnen. Das Heim gewährt 25 Müttern mit ihren Kindern sowie 10 werdenden Müttern, auch ledigen, bereitwillig Aufnahme. Die große Zahl der Flüchtlinge Ostpreußens, Galiziens und Belgiens hat auch dem Heim unendlich viele Frauen zugeführt, die nicht allein in dieser Kriegszeit ihresErnährers beraubt, sondern denen auch Halt und Stütze für ihre schwerste Stunde fehlte. Sie kamen aller Mittel entblößt hier an und fanden liebevollste Aufnahme in dein schön ausgestatteten Mütterheime. Schon jetzt erweist sich das Heim, um allen an den Frauenverein gestellten Ansprüchen nachzukommen, zu klein, und hofft inan durch die große Zahl der Gönner, die dieser Institution das größte Interesse entgegenbriugen, sehr bald in die Lage versetzt zu werden, an einen weiteren Ausbau denken zu können. Die Besichtigung des Heims ist jedem gern gestattet. Die „Wohltaten" des tzsules Lomsnow. Von L e o S ch e i n h a u s. (Fortsetzung.) nach den Bluttaten in Kischinew ereigneten sich ähnliche mörderische Exzesse unter Assistenz des Militärs, welches eine »Selbstverteidigung der Juden verhinderte, in der Stadt Hömel (Gouvernement Mohilew). Dort, wie in anderen Städten mit starker jüdischer Bevölkerung, hatten sich infolge der traurigen Erfahrungen von Kischinew Organisationen einer tapferen jüdischen „Selbstwehr" gebildet. Sie wurden jedoch von den Behörden unter Strafen verboten, indem man sie