Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1915)
- Date
- 1915-09-08
- Page
- Seite 435 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ITT Fp’Dl "IBD ') ü'QVN Jö „Das Buch (die Bibel) und das Schwert", lautet ünsinniges Wort unserer alten Lehrer — „sind,miteinander verbunden, vom Himmel auf die Erde gekommen." Beiden fällt die siusgabe zu, die sittliche Weltordnung aufrechtzuerhalten, die Menschheit an die Existenz eines Gottes zu mahnen, der ein 7uell der Liebe, aber auch ein Schirm des Rechts und ein urter der Gerechtigkeit ist. Findet das Buch keine Beachtung, wird das Recht gebeugt, die Gerechtigkeit durch Gewalt verdrängt, so kommt das Schwert über die Welt.'") An diese 'ehre inahnt uns das Neujahrsfest, das nach jüdischer Aufastung nicht allein ein Tag ist, an dem Gott die Welt in Gecchtigkeit richtet, sondern auch ein Tag, der in uns die alte 'offnuug auf eine tPHrt Welterneuerung wachruft und ins bestärkt in der Zuversicht, daß die Zeit kommen wird md kommen muß, in der die Völker in Frieden und Einacht mit- und nebeneinander leben werden, das Recht und 'erechtigkeit kündende Buch triumphieren und das Schwert ertilgt sein wird von der Erde. Möge das uns entgegenilende neue Jahr diese Welterneuerung herbeiführen, zum legen und Heile aller Erdenvölker, daß sie allesamt mit Deutschlands großem Dichter sprechen: „Gottes ist der Orient! Gottes ist der Okzident! Nord und südliches Gelände Ruht im Frieden seiner Hände." Dir Woche. Berlin, den 5. September 1915. /?^en gewaltigen Siegesnachrichten der letzten Woche können heute ähnliche nicht an die Seite gestellt 'erden, um so weniger, als diese Nummer, der hohen Feierage wegen, ganz kurz nach dem Erscheinen der vorigen zua inmengestellt werden muß. Ich behalte mir daher vor, da h nun wieder nach kurzer Unterbrechung selbst das Wort rgreife, in der nächsten Nummer die wichtigeren Kriegsnachichten und die allgemeine Weltlage zusammenfassend zu erörtern. Den Lesern dieses Blattes entbiete ich herzlichen Glückounsch zu den nun beginnenden Festeswochen. Im vorigen »ihre durften wir hoffen, uns jetzt des ehrenvollsten Friedens >! erfreuen; unsere Hoffnung ist getäuscht worden. Großes, ingeheures ist geschehen; die tapferen Helden, unter denen insere Brüder und Genossen einen rühmlichen Platz einichmen, haben die schönsten Erfolge, die preisenswertesten aeldentaten verrichtet; aber noch immer ist kein Ende abzuehen. Wir müssen weiter hoffen, harren, vertrauen; wir aüfsen alle kämpfen mit dem Schwerte und der Feder. Viele on uns haben schwer gelitten, Tausende und aber Tausende hen mit Sorge einer ungewissen Zukunft entgegen. Die bangen Fragen, die an den hohen Festtagen ertönen: Wer wird leben, wer sterben, wer der Armut entgegengehen?" >nd andere erschüttern uns diesmal noch mehr als sonst in lefster Seele. Aber doch wollen wir erfüllt bleiben von Mut ") Sifrs Ekew 11, 2. '-) Aboth 5. 8. und Hoffnung und das Vertrauen nicht verlieren auf einen endgültigen Sieg der gerechten Sache, auf glückliche Heimkehr unserer Lieben, auf einen glorreichen Frieden! * Vielen unserer jüdischen Mitbürger ist ein Schreiben des „Evangelischen Erziehungsvereins" ins Haus geschickt worden, in welchem zu Gaben aufgefordert wird. Dagegen ist natürlich nichts zu sagen, denn auch mannigfache jüdische Vereine sammeln Geld, und cs kann leicht Vorkommen, daß Christen derartige Schreiben erhalten. Wenn es aber in dem vorliegenden Schreiben, in welchem auch jüdisches Geld verlangt wird, heißt: „Deutschlands Jugend vor der Verwahrlosung bewahren zu helfen, sie auf ch r i st l i ch e r Grundlage dem vaterländischen Sinne und Geist mitzuerziehen", so ist das ein starkes Stück, und wenn es gar ausgesprochen wird, „die Hand aufs Herz: was wäre aus uns geworden ohne christliche Erziehung? Lediglich dieser haben wir unsere Lebenserfvlge zu verdanken," so ist das eine unerhörte Beschimpfung aller jüdischen Mitbürger. Denn es wird geradezu darin ausgesprochen, daß n u r durch die christliche Erziehung die deutsche Jugend zu großartigen Erfolgen gelangt ist. Hat der „Evangelische Erziehungsverein" denn gar nicht daran gedacht, daß Hunderttausende jüdischer Kämpfer in den Reihen der Deutschen fechten, ihre Pflicht in hervorragendem Sinne tun, die keine christliche Erziehung genossen haben, sondern treue Juden waren und geblieben sind? Soll wirklich in der Zeit des Burgfriedens eine solche Provokation ungeahndet geduldet werden? Um seine Bitte aber wirksam zu unterstützen, hat der „Evangelische Erziehungsverein" die Stirn auszusprechen, daß er „allen von ihren Vätern durch den Krieg verlassenen Kindern ohneUnterschied des Bekenntnisses dienen" wolle. Er weiß ja selbst, daß er dies weder tun will noch kann, denn er würde durch solches Tun seinem eigenen Programme untreu werden, indem er Nichtchristen seine Mittel zuführte. Der ganze Satz ist also nur bestimmt, jüdisches Geld für christliche Zwecke zu erlangen. Wir wollen daher nicht verfehlen, obgleich wir in diesen Zeiten den Frieden zwischen den Konfessionen zu wahren uns bestreben, unsere jüdischen Mitbürger vor diesem Schreiben zu warnen. Sie geben gewiß sehr gern, ohne die Konfession des Bittenden zu beachten. Aber einem Vereine, der alles Nichtchristliche in so schmählicher Weise verdammt wie dieser, darf kein Groschen jüdischen Geldes zufließen. Nur weniges, hauptsächlich aus dem Osten, sei hier zusammengestellt. Der „Berl. Lok.-Anz." schreibt: D c >i tsche S ch u len i in e r o b c v t c n O st e n. Sz. . „ 20. August. Im Westen — in Belgien — ist der Schnlbctrieb sehr bald nach der Besetzung des Landes durch unser Heer wicderaufg-cnommcn worden. Im Osten wurde seit einigen Monaten eine ganze Anzahl von Schulen eröffnet. Die Heeresverwaltung fördert die Sache nach Möglichkeit. So weist schon eine Reihe non- Orten deutsche Schulen auf. Sogar eine Waldschule besteht an einer Stelle. Hier in Sz ... gibt es seit Mitte Juni dieses Jahres zwei Schulen: eine für die jüdischen, die andere für die polnischen Kinder. Ein Schulzwangbesteht nicht. Aber das Interesse der Bevölkerung ist so lebhaft, daß mehr als 500 Kinder die Schulen besuchen und sechs Lehrer zur unterrichtlichen Versorgung nötig sind. Zwar können sich die hiesigen beiden Schulen natürlich in bezug auf äußere Einrichtung und Ausstattung mit einer heimatlichen Schule nicht messen, aber einstweilen genügt, was vorhanden ist. Der Lehrplan umfaßt Sprach-, Lese-, Rechnen-, Anschauungs-, Gesang- und Turn- (beziehungsweise Spiel-) Unterricht. Der Sprachunterricht ist naturgemäß am schwersten, besonders in der polnischen Schule. Die dort unterrichtenden Lehrer müssen auch die polnische Sprache beherrschen. Religionsunterricht ist vom Lehrplan ausgeschaltet, die Schulen haben somit simultanen Charakter. Die Leitung liegt in den Händen eines Geistlichen (Feldgeistlichen) bei der