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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-03 · Heft 36 (3.9.1915) · p. Seite 432

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 36 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
Seite 432 (sequence 12)
Language
German
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totgeschwiegene Rede ins Gedächtnis zurückrufen. Und ich/ kann sie auch Josua ins Gedächtnis zurückrufen. Sie darf nicht untergegangen sein in all dem Kampf, in all dem Unrecht, das sich beide Parteien den Abend, geleistet haben „... Das Hauptwort hatte ja doch der Redner des Abends. Und er hat in Güte und Achtung vor den Andersdenkenden das schöne- Wort „Frieden" gesprochen. Gelt, mein Josua, das hast du auch gehört? ^.1914< Ich frage mich selbst oft, woher ich noch immer die Kraft zu neuem Hoffen nehme, da ich doch immer und immer wieder enttäuscht werde. Wie habe ich mir nur einbilden könnenf Josua werde, wenn er die Aufregungen des Abends verwunden und in stiller Stunde daheim Adolfs Rede überdenken würde, ihre Wahrheit empfinden, sich überzeugen lassen und mir über das Trennende hinweg, das er so grausam groß sieht, die Hand reichen. Wie auf Wolken schritt ich zum Denkmal, wie beschwingt von der inneren großen Freude. Ein paarmal erschrak ich unterwegs: sieht man mir meine hoffnungssrohe Seligkeit auch nicht an? Lache ich den fremden Leuten auch nicht etwa glückselig ins Gesicht in meiner frohen Verträumtheit? Als ich Josua mit Dr. Barth stehen sah, ging mir ein Stich durchs Herz. Nicht allein, da wir uns so viel zu sagen hatten? Und gerade der mußte dabei sein? Aber mein inneres Freuen war zu groß. Ich schüttelte den Mißmut resolut von mir, ging auf die beiden zu und reichte zuerst Dr. Barth — er ist ja doch Josuas Freund — herzlich die Hand. „Es hat mir sehr weh getan, Herr Doktor," sagte ich, „daß Ihre Partei den Abend so schwer und ungerecht beleidigt worden ist". Ich bin Diplomatin geworden in meiner langen Prüfungszeit, deshalb erwähnte ich zuerst das, worin ich auf seiten der Zionisten stand. Ich dachte: Ihr bekommt nachher euer Teil. — Ein überkluges Lächeln huschte über sein Gesicht: „Lassen Sie es gut sein," sagte er, „das sehen wir sogar sehr gern. Was meinen Sie, wieviel Mitglieder die Geschichte wieder gebracht hat!" Ich zog so entsetzt meine Hand aus der seinen, als habe ich etwas Unreines berührt. Wie? ihr macht aus eurer eigenen wahrhaftigen Erregung, aus eurer berechtigten Empörung ein Geschäft? Ich blickte angstvoll zu Josua auf. Würde er den unredlichen Eiferer von sich abschütteln, ihm empört den eigenen, oft verblendeten, doch immer ehrenvollen Standpunkt entgegenhalten? Nein, er sah aus, als gingen all die Worte an seinem Ohr vorbei; er lächelte müde. Und ich stand wieder wie so oft wie eine einzige lebendige Frage vor ihm, die vergeblich auf Antwort harrt. Wie ist es möglich, daß ihr nicht stolzer, nicht wählerischer in eurem Verkehr seid, daß euch jeder recht ist, wenn er nur „zur Partei gehört und für die Partei arbeitet". Ihr seid doch sonst so streng in eurem Urteil? Der Nachmittag schloß sich in seinem Verlauf dem Abend von neulich würdig an, wenn er auch weniger stürmisch verlies. Wieder sah ich, daß das, was von einem Nichtzionisten gesagt wird, nicht auf seine Wahrhaftigkeit hin geprüft, gar nicht gehört und erwogen wird. Und mit heißem Schreck sah ich, daß Leute, wie Adolf Kaufmann, die nicht die Ziele der Zionisten haben und doch ihre Freunde sein wollen, ihnen am unangenehmsten sind. Die Zionisten brauchen Leute, die mit ihnen mitrasen aus ihr Ziel zu, sei es mit dem Kopf durch die Wand, sei es, daß mancher und manches auf ihrem Wege zertreten wird, nur vorwärts, auch mal an der Vernunft vorbei, auch mal durch ein kleines Sümpflein durch, auch in Gesellschaft, die nicht vornehm ist, oder Leute, auf die sie ihren Zorn und ihre Spottreden ausgießen können, die sich dann so schön zu Propagandareden auswachsen. Sie kennen nur blinde Begeisterung oder eifervollen Haß. Was von beiden gleich weit ab ist: gütige, verständnisvolle, wohlwollende Achtung — die steht nicht in ihrem Programm. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilunge». — Von L.iszka nach Berlin. Reisebi-lder hon Rabbiner Dr. Horovitz f. JC. Beilage zum Bericht der Jsraelitischen-Religionsschule. Frankfurt a. M., I. Kauffmann, 1914. Preis 0,60 Mark. Die hier veröffentlichten Reisebilder waren zuerst 1870 im ersten Jahrgang der „Jüdischen Presse'" erschienen. Sie sind v'on dem Sohne des Verfassers, von Herrn Jakob. Horowitz unverändert abgedruckt worden. Sie geben über das ungarische Städtchen und' die Verhältnisse der dortigen und benachbarten Chassidim recht erwünschte Auskunft. Es sind schlichte Reisebriefe mit . anschaulichen Schilderungen,, die mit Humor und wehmütigen Erinnerungen und Betrachtungen vermischt sind. Der Titel ist im Grunde dem Inhalt nicht entsprechend, denn die Briefe reden säst ausschließlich von der ungarischen Heimat; nur in der Einleitung wird der Gegensatz zwischen Berlin und den kleinen, ganz anders gearteten Städtchen hervorgehoben. L. G. * — E l i e s e r B e n I e h u d a, Thesaurus totius Hebraitatis,23fc). IV, S. 1741—2207. *]*n*in — mm Schöneberg, Langenscheidt, 1914. Das wiederholt angezeigte Wörterbuch Ben Jehudas erreicht mit dem Ende des IV. Bandes den Schluß des Buchstabens •>, umfaßt also nunmehr fast die Hälfte des hebräischen Alphabets und beginnt damit selbst Skeptiker davon zu überzeugen, daß es zu Ende geführt werden soll. Die Benutzbarkeit wird, je weiter das Werk vorwärtsschreitet, immer größer. Man kann die Vielseitigkeit des Verfassers nur anstaunen, manche Artikel wachsen zu kleinen Büchern aus, so 6.1956—1968, S. 1973—1980 u. a. Vollständigkeit ist selbstredend nie zu erreichen. Die folgenden Bemerkungen sollen auch nicht Ausstellungen, sondern mehr Anregungen sein, vor allem auf Anführung der ersten erreichbaren Quellen Hinweisen. Ich habe den Eindruck, daß der Verfasser sich zu sehr an die Zitate I. Levys aus Talmud und Midrasch hält, wo er tannäische Texte haben könnte. Der Ausdruck S. 1839a findet sich z. B. auch in der Mischna ed. Lowe. S. 1753 wird ein Vers Abraham ibn Esras aus Bensew zitiert; warum nicht direkt? 1841 vermisse ich für oder die Bedeutung taufen; wir finden JTQ im Sinne von Baptisterium in den hebräischen Berichten über die Kreuzzugsverfotgungen, S. 13. Zu S. 2186, gpV in der Bedeutung Konsul findet sich schon Josippon Kap. 2, nicht erst 23. Nebenbei sei bemerkt, daß Abraham ibn Daud Konsul mit ■pj übersetzt, was 1385a hinzuzufügen ist. Die, wie in den früheren Bänden, am Schluß verzeichneten synonymen Wörter nehmen bei manchen Artikeln wie •jrn S. 1824, ‘■p S. 1968, O' S. 2056 einen imponierenden Umfang an. Sehr häufig, gibt es wieder längere Exkurse, darunter sehr nützliche archäologische, wie S. 1771 zu S. 1809 zu ptPil' S. 2021 f. zu Qm Besondere Beachtung verdient der wichtige Exkurs zum T e t r a g r a m m S. 1985, in dem der Verfasser den Wechsel in der Aussprache des Gottesnamens untersucht und den Nachweis führt, daß die von Theodoret bezeugte Aussprache der Samaritaner nichts für das ursprüngliche Wortbild beweist, da die Samaritaner noch heute manche Laute anders aussprechen wie die Juden. Darum erhebt Verf. gegen die Aussprache Jahwe W i d e r s p r u ch, aber auch gegen die üblichen Etymologien des Wortes, ohne freilich eine andere Lesung mit Sicherheit Vorschlägen zu können. Vermutungsweise wird angenommen, daß das i zum Stamme gehört, der dem arabischen wahwa entspricht und ein „gewaltiges Geräusch" bedeutet, so daß die richtige Punktation des Gottesnamens JTjpp Ieh oha analog wäre. Die Ansicht verdiente, von Fachmännern einer weiteren Prüfung unterzogen zu werden. Der neue Band bringt die freudig zu begrüßende Neuerung eines Verzeichnisses der verwendeten Zeichen und Abkürzungen. Einige Rätsel sind immer noch stehen geblieben, so S. 1749a in der Note Bö § 762 und Geor. 18,6, ferner S. 1753 p)pb (wahrscheinlich ph/ aber welcher Teil?) und NI!2N (— .Mose b. Schemtob?), wahrscheinlich noch manches andere, aus das ich in Zukunft ebenfalls zu achten bitte. Auch sollte angegeben werden, welcher Josippon zitiert wird. Solche Wünsche sollen hier nur ausgesprochen sein, um die Benutzbarkeit des Buches, dem wir eine stets wachsende Verbreitung wünschen, zu erhöhen. I. E,

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