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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-09-03 · Heft 36 (3.9.1915) · p. Seite 425

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 36 (3.9.1915)
Date
1915-09-03
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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425 lützene KG.;n den Aushaben Feinchstag ation. Wenn e d i e rtung erurrg Sie )l der Mann n ist? > der erantst das!e das lk und n uns damit Kräfte n gar e uns e An- >ger Berschen dgeistn Rene be- Gou- , veranntn des stellen Unser berat! schlag eutsch s. dedieser rischer il -mi: atschei diret tandec Ver teichs chun.^ zebni - äbltdi ttümci ij I)i' sre de stlistec Jud rhanp. eil mit Haus? der die ie aüci bot einem neuen Einbruch der Deutschen warnte, der nach seiner Meinung nahe bevorstand; tatsächlich hatten die Deutschen kurz nach Ankunft der Russen die Beschießung des Ortes erneuert, wobei das Haus des Juden Kibart in Brand geriet; auf Befehl des Chefs des russischen Truppenteils halfen die Soldaten dem Juden Kibart und dessen Angehörigen, sich aus dem brennenden Hause zu retten; die Juden des Dorfes Kushi flüchteten vor dem deutschen Artilleriefeuer zusammen mit dem russischen Truppenteil; sie wurden den ganzen Weg hindurch von befehlshabenden Offizieren in Schutz genommen und auch die Mannschaften leisteten ihnen jegliche Hilfe für die dem Truppenteil während seines Aufenthaltes im Dorfe erwiesenen Dienste." Die Untersuchung wurde von den Militäruntersuchungsbehörden unter Aufsicht des Militärstaatsanwalts durchgesührt. Der Ministorenrat, der auf privater (!) Sitzung vom offiziellen Ergebnis der Untersuchung Kenntnis nahm, faßte folgenden Beschluß: Um kein Mißtrauen zu den Behörden zu erwecken, die Angelegenheit auf sich beruhen lassen, auf privatem Wege jedoch (nicht vermittels eines Rundschreibens) Maßnahmen ergreifen, die Panichiden (Trauergottesdienste) einzustellen, die überall im Reiche für die Seele des „Obersten Wawilow" veranstaltet werden, des „Sklaven Gottes, der durch Verrat der Juden den Märtyrertod erlitten hat". Es erübrigt sich wohl, diesem Dokument auch nur ein Wort hinzuzufügen. * Unter der Überschrift „Polnische Juden" veröffentlicht die „Berliner National-Zeitung" folgenden lesenswerten Artikel oon Erhard B r e i t n e r : Während der traurigen Wintermonate, wo der russische Alp aus Galicien Lastete, wußten die Juden in Du.kLa genau, was in Lemberg oder Tarnow vorging.. Aber nicht allein was unter ihresgleichen vorging, wußten sie, sondern überhaupt alles, was geschehen war oder geschehen werde. Sie waren über''die vollzogenen Tatsachen ebenso genau unterrichtet wie über solche, die erst kommen sollten. Ihr säst hellseherischer Instinkt trog nie. Aus welche Weise sie Mes Wünschenswerte schnellstens erfuhren dies blieb mir Geheimnis, und sie verrieten es nicht. Genug, sie besaßen einen unfehlbaren Nachrichtendienst, dessen Genauigkeit beinahe unheimlich wirkte. Sie erfuhren und sie witterten. Sie hingen, zusammen wie eine einige große, weitverzweigte Familie, hielten fest aneinander, unterstützten und halfen sich wie Blutsbrüder. Waren sie doch alle, alle Kinder desselben kläglichsten erbärmlichsten Elends. Die Not war hre Kette. Wußte man denn, was die nächste Woche, was vielleicht der morgige Tag bringen werde? Man zitterte nur vor der Zukunft. Kommen die Russen oder nicht? Ja oder nein? Wenn sie kamen, o bedeutete das: Bettler werden, rechtlos werden, stündlich die Kefahr eines gemeinen Todes vor Augen haben. Auf jeden Fall mar die Möglichkeit vorhanden, daß sie kommen konnten; damit mußte man immer rechnen. So flog denn die Post von Dorf zu Dorf, von Ort zu Ort über Telder und Wälder; meilenhin flog die Post, die Nachricht brachte wn jedem Kampf. Hatte man sie noch zurück schlagen können oder intten sie gesiegt, rückten sie vor? Nächtlicherweile klopfte es auch leimlich an die Hoffenster, irgendeine nebelhafte Gestalt tauchte urf, preßte, sich .an die Mauer .und ein atemloser Mund flüsterte ästig i,m Kauderwelsch, was vor etlichen Stunden sich Zugetragen ,at.te: Flicht, rafft Zusammen, bergt Frauen, Mädchen und Kinder, 'ergrabt das Geld, flicht^ jetzt, augenblicklich, sogleich jetzt in der 'lacht! Sie kommen, sie kommen! Und dann hieß es, keine Zeit 'erlieren, an jeder Minute hing vielleicht ein Menschenleben. Schon ernahrn man das Gewitter der Kanonen, Pferde trabten; aus der sern-e ertönte dumpfer ungewisser Lärm. Ueberstürzter Abschied von daheim; "die Kinder schreien, das Vieh rüllt. Heraus der Wagen aus dem Schuppen! Aufgeladen, was lltatz hat, nur schnell, schnell. Sie kommen, sie kommen! Und dann ort in die Nacht, in ein wegeloses Dunkel, in das Ungewisse, in W öeimMosigkeit. So erging es vielen Tausenden. Nach Monaten kehrten sie zurück. Pünktlich am ersten Tage, -vo „ihr" Dorf wiederum befreit war, stellten sie sich ein. Auch das hotten sie ohne Verzug erfahren. Die „galizische Post" wickelte sich glatt, geräuschlos und blitzschnell ab, ohne Fernsprecher, ohne Telegraphendraht und selbst ohne Briefe. Sie kamen an und waren sogleich wieder „zu Hause". Mochte der Ort ein halber Trümmerhaufen sein, sie machten ihren Laden aus; es vergingen keine vierundzwanzig Stunden, so waren Waren vorhanden. Man hatte irgendeinen Raum gefunden, wo man wenigstens sein Haupt bergen konnte, ja es befand sich sogar Wechselgeld in der Kasse. Wie durch Zauberei geschah dies alles, und man tat so, als ob nichts geschehen wäre. - ' - Ach ja, als ob nichts geschehen wäre, so sah es aus und so schien es an der Oberfläche. Aber insgeheim stiegen heiße Gebete des Dankes zum Himmel und Flüche zugleich, Verwünschungen des Schmerzes, eines ohnmächtigen Grimmes über all das, was wirklich geschehen war. Soll ich von einem „Fall" erzählen, einem einzigen nur — man könnte ihm hunderte und hunderte an die Seite stellen: Ich sehe ihn noch vor mir, den winkligen, dunklen Krämerladen, sehr einfach und sehr ärmlich, so wie das Haus, in dem er sich befand, und wie das Dorf, zu dem das Haus gehörte. Ein junger Jude lehnte am Eingang, ein Mann, vielleicht dreißig Jahre alt, Haar und Bart kohlschwarz, und auch die Mandelaugen sind wie schwarzer Samt, diese rätselhaften Augen, mißtrauisch, schlau und dabei so traurig. Von einer ganz fremdartigen Schönheit war dieses Gesicht. Im Hintergründe ein Greis, verhutzelt, schmierig, mit einer riesigen Brille auf der Nase. Wir sprechen miteinander über dies und das, von den vergangenen Ereignissen, von der Zukunft. Die beiden Männer sind sehr zurückhaltend und wissen nicht recht, wie sie sich geben sollen. Ob sie Schaden durch die Russen gehabt hätten? O, Schaden genug! Und sie zählen auf, ergänzen ihre Mitteilungen wechselseitig. Aber, so meinte ich tröstend, es ließe sich verwinden, sie selbst hätten immerhin fliehen und sich retten können. „Fliehen? Nicht alle haben wir davonkommen können", meint der Jüngere in seinem Jargon, und der Alte fügt hinzu: „Meine Schwester, ihr Mann, die Kinder sind hiergeblieben. Bedenken Sie, Herr, hiergeblieben, wo acht Monate lang die Russen waren!"' „Die Russen, die Russen ..." sagte der Jüngere, und in seinem weichen Blick blitzt etwas auf. Der Greis humpelt herbei: „Sehen Sie da hinaus!" Er zeigt in den Hof. „Da, sehen Sie nur, sehen Sie nur!" Draußen stand ein Mädchen am Brunnen, wie ich später erfuhr, dre Enkelin des Alten und die Verlobte dos Jungen. Ich blickte hm und — wahrhaftig, dieses halbe Kind sah Mutterfreuden entgegen. Der Greis schrie mit überkippender, kreischender Stimme: „Das haben die Hunde getan, diese Teufel, diese Schurken! Sind wir denn keine Menschen, daß man uns das antut? Gibt es keinen Gott im Himmel mehr, daß solches geduldet wird? Sollen wir die Brut großziehen, diesen Balg, dieses H. . . . kind?" Er schwieg erschöpft, keuchend, und sein alter, gebrechlicher Körper bebte. Der andere aber am Türpfosten, der Verlobte, stand ruhig da. Um seine Lippen spielte ein verzerrtes Lächeln und sein Gesicht war wie in einen irren Haß getaucht. Nach einer Pause sagte er langsam: „Wenn wir reden wollten, wenn wir reden wollten ..." Meue Lrwrrbsmösljchkritm kür Milche Mädchen. Von F a n n y C o h n. 3n einem früheren Aufsatz wies ich denjenigen, welche sich den derzeitigen Verhältnissen anpassen können, neue Wege zum Erwerb. Mut und Lust besitzen umzulernen — darin besteht die ganze Kunst. Die gegenwärtig im Handelsberuf wie in anderen Berufen tätigen jüdischen Mädchen müssen die Zukunft ins Auge fassen. Es wird nicht so bleiben. Nach dem Kriege werden die Stellungen, welche jetzt der Not gehorchend oder aus anderen Gründen an Frauen vergeben sind, wieder in männliche Hände gelangen. Meist werden diese Plätze mit Invaliden besetzt werden; denn: die so viel im Kampfe für das Vaterland gelitten, müssen versorgt werden. Anscheinend hat der

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