Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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besteht seit Beginn des Krieges und findet allenthalbenbegeisterte Zustimmung. — Aus Anlaß -des Geburtstages unseres geliebten Monarchen wurden von Gemeinden und Privaten namhafte Summen für patriotische Zwecke gespendet; diese Spenden, die bereits eine stattliche Summe bilden, werden noch fortgesetzt und gelten als ein Beweis der innigsten Liebe und Treue aller Bevölikerungsklafsen zu unserem Monarchen und seinem glorreichen Hause. Möge es unserem greisen Landesvater vergönnt sein, noch eine Reihe ungezählter Jahre diesen Tag zu feiern zum Heile und Wohle aller Völker und Nationen, aller Religionen und Konfessionen, die unter seinenr erhabenen Zepter vereinigt sind. Gott erhalte unseren Kaiser Franz Josef I. und seinen erhabenen Verbündeten Kaiser Wilhelm II.! Amerika. z. New Kork, im August. Der Verband der rumänischen Juden in New Aork hielt kürzlich unter großer Beteiligung seine achte Jahresversammlung ab. Die meisten Redner beschäftigten sich mit der Lage der Juden in den verschiedenen kriegführenden Staaten Europas. Es wurde allgemein der Standpunkt vertreten, daß es Pflicht der Mitglieder des Verbandes fei, jetzt den europäischen Inden hilfreich beizustehen. Dies gebiete schon das Dankbarkeitsgefühl, da die europäischen Juden es niemals verabsäumt haben, auch den rumänischen Juden in der Zeit der Not beizustehen. Es wurde schließlich der einstimmige Beschluß angenommen, wonach für die Zeit des europäischen Krieges die Mitglieder des Verbandes eine freiwillige Selbstbesteuerung von 5 Cents wöchentlich auf sich nehmen und das Erträgnis dieser freiwilligen Steuer der Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen Juden in Europa widmen. Diese Besteuerung gewinnt an Bedeutung, wenn man bedenkt, daß der Verband der rumänischen Juden in New Jork allein 30 000 Mitglieder zählt. Es wurde auch beschlossen, Schritte zu unternehmen, damit die Vereine und Verbände der rumänischen Inden in den übrigen großen Städten Amerikas dem Beispiel des New Uorker Verbandes folgen. Von jpaij und jfern. — Sanitütsrat Dr. A b e l ist zum leitenden Arzt der gynäkologischen Abteilung des jüdischen Krankenhauses in Berlin ernannt worden. — Dr. Fritz Behrendt, Sohn des Herrn Gustav Behrendt, Berlin, Lietzenburger Straße, ist zum Leutnant der Reserve im 1. Garderegiment zu Fuß ernannt worden. — Herr Max Weinberg, der durch sein Werk „Ewige Weisheit", Spruchpoesie des „Talmuds" in weiteren Kreisen bekäuntgewordene Schriftsteller, beging seinen 70. Geburtstag. — Herr Rentner Simon S t e i n i tz, Alt-Moabit 81, beging mit seiner Frau geb. Gräupner am Sonntag, 22. August, das Fest der goldenen Hochzeit. — Aus Wreschen wird uns geschrieben: Herr Referendar Walter Sieburth, Sohn des Kaufmanns Herrn Willy Sieburth, früher in Posen, ist zum preußischen Offizier, Leutnant der Reserve im Infanterieregiment Nr. 14, befördert worden. — Am 11. August starb nach kurzer, schwerer Krankheit der praktische Arzt Sanitätsrat Tr. Rudolf Caro im 54. Lebensjahre in Landsberg an der Warthe. Die Beerdigung fand unter großer Anteilnahme der Gesamtbevölkerung statt. — Geheimer Regiernngsrat Professor Dr. Jakob Ros an es in Breslau beging ain 21. August sein 50jähriges Doktorjubiläum. Ter Jubilar ist ein Enkel von Rabbi Akiba Eger. — In Steinau a. O. verschied nach langem schweren Leiden am 5. August Herr Ferdinand Liegner, der mehr als 20 Jahre dem Gemeindevorstand angehört und die Interessen der Gemeinde mit Eifer wahrgenommen hat. — Ein dreister Einbruch wurde, wie uns geschrieben wird, in die Synagoge in Pollnow (Kreis Schlawe) verübt. Die Diebe zerschlugen die Fensterscheiben imb gelangten so in das Innere der Synagoge, um nach Aufbrechung der Schlösser in das Allerheiligste einzusteigen. Dort entwendeten sie einen aus dem 17. Jahrhundert stammenden Wandleuchter mit Wappen. Als Täter sind mehrere junge Leute festgestellt worden. — Auf eine Eingabe der Rabbinute München und Ansbach hat das bayerische Kriegs- , Ministerium genehmigt, daß diejenigen israelitischen Kriegsgefangenen, welche auf rituelle Beköstigung Wert legen, in zwei Lagern vereinigt und dort, im Nahmen der Gefangenenkost natürlich, rituell verpflegt werden. Die betreffenden Gefangenen haben auf Fleischnahrung verzichtet. Tie technische Durchführung dieser Angelegenheit hat das Rabbinat Ansbach übernommen. — Die Inhaber des Bankhauses Ephraim Meyer u. Sohn in Hannover haben zum 1. August dem „Roten Kreuz" und der „Kriegsfürsorge Hannover-Linden" 12 000 Mark gespendet. — Ferner wird aus Hannover berichtet: Eine selten schnelle Siegeslaufbahn legte der hiesige Oberregisseur Julius Arnfel-d zurück. Beim Ausbruch des Krieges meldete er sich, trotz seiner vierzig Jahre, freiwillig zu den Waffen. Bei Dpern führte er im Winter als einfacher Soldat seine Kompagnie zum Sturm und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Unteroffizier befördert. Einige Tage später wurde er schwer verwundet und kehrte nach sechs Wochen zum Dienst zurück. Er nahm dann an einem Offiziersaspirantenkursus teil, wurde vor einigen Wochen Vizefeldwebel und am 1. August Offizier. — Eine Seltenheit im 'Schulbetrieb hat der Krieg in Neustadtgödens zur Folge gehabt. Da dort der israelitische Bolksschullehrerzur Fahne einberufen und ein Vertreter nicht vorhanden ist, unterrichtet der katholische Pfarrer des Ortes die israelitischen Kinder. Unterweisung in der Religion erhalten sie durch einen jüdischen Lehrer aus der Nachbarschaft. — Die Synagogengemeinde Neuwied beklagt den Verlust des Herrn Simon Danzig. Er stand seit dem Jahre 1893 im Dienst der Synagogengemeinde und machte sich um ihre Entwickelung sehr verdient. — Aus Offenbach am Main wird geschrieben: Der Neubau unserer Synagoge ist trotz der durch den Krieg verursachten Schwierigkeiten nun so weit gediehen, daß er zu den hohen Feiertagen bezogen werden kann. Eine Einweihungsfeier findet vorerst nicht statt, sie soll mit der Friedensfeier verbunden werden. — Josef Erlanger aus Altenstädt (Schwaben), Sohn des verstorbenen Fabrikanten I. L. Erlanger dortselbst, seit längerer Zeit in Mannheim Prokurist der Eifengroßhandlung M. Marum G. m. b. H., stellvertretender Feldmagazininspektor beim Korpsfeldproviantamt des 3. bayerischen Armeekorps, wurde vom König von Bayern das Militärverdienstkreuz 2. Klasse mit der Krone und mit Schwertern am Bande für Kriegsverdienst verliehen. — Aus Wien wird geschrieben: Eine rührende, aber stolze Nachricht kommt aus Brody: Der greise Borbeter der großen Synagoge hat, als et vom russischen General den Befehl erhielt, beim Gottesdienst nicht, wie bisher, für Kaiser Franz Josef I., sondern nur für den Zaren ein Gebet vorzntragen, sich durch Selbstmord der Ausführung des Befehls entzogen. — Der Oberrabbiner aus Jaslo, Josef Rubin, wurde von den Russen als Geisel mitgeschleppt, weil er sich weigerte, beim Gottesdienst das Gebet für den Zaren anstatt wie bisher für Kaiser Franz Josef vor der Bundeslade zu verrichten. Als Geisel wurde er zunächst nach Lemberg geschleppt, wo er vier Wochen im Gefängnis blieb. Von dort sollte er nach Kiew zu Fuß gebracht werden, allein angesehene Juden haben den Russen fünfzig Rllbel geschenkt dafür, daß man ihm gestatte, die Strecke per Bahn zurückzulegen. Von Kiew aus hat er bereits seinen Angehörigen die Ankunst bestätigt. — Nach den „Birschewyja Wjedomosti" wird, -einer Meldung aus Kopetchagen zufolge, ein Manifest des Zaren beit Juden b ie Freizügigkeit geben, ihnen also erlauben, sich an jedem Punkte Rußlands nach freier Wahl niederzulassen. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Kriegs mini st er veröffentlicht eine Bekanntmachung, in welcher er den jüdischen Gesellschaften in Deutschland, die für die Türkei mehr als 100 000 Mark sammelten und 47 Waggons Arzneien, ärztliche Instrumente und Feldküchen sandten, den Dank der Regierung ausspricht. — Mitten im Kriegsgetümmel ist die direkte Bahnverbindung Jerusalem—Damaskus eröffnet worden. Die Fahrzeit beträgt 18 Stunden, der Fahrpreis Zweiter Klaffe 30 Francs. Es ist zu erwarten, daß nach Friedensschluß ein lebhafter Verkehr auf dieser Strecke einsetzen wird. — Aus New Aork wird gemeldet: Das „American Jewish Neliev Comittee" in New Jork, welches sich zu dem Zweck gebildet hatte, um einen großen Hilfsfonds für die Juden in den kriegführenden Staaten sowie für die Juden in Palästina zu sammeln, hat bis zu Anfang Jimi bereits die stattliche Summe von 760 000 Dollar (nach einer früheren Meldung 800 000. D. Red.) aufgebracht. In hervorragender Weise haben sich die Chieagoer Juden an dieser Sammlung beteiligt, wo 30 Juden gemeinsam 45 000 Dollar gezeichnet haben und überdies unter gewissen Bedingungen sich verpflichteten, weitere 30 000 Dollar beizutragen. Die Zeichnungen nahmen auch in den letzten zwei Monaten einen sehr günstigen Verlauf. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max I u n g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verla gdou Rudols Mosse.