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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-27 · Heft 35 (27.8.1915) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 35 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 mit S ch wert e r n erhielt: Feldwebel Krakenbergcr beim 14. Bahr. Jnf.-Regt. Den M i l i t ä r v e r d i e nsto r de n 3. Kl a s s e m i t Sch w e r t e r n erhielt: Fritz I a s f e beim 1. Bahr. Chev.-Regt. Die preußische San>itäksverbtcnftmcbaille erhielt das Mitglied der Freiw. Sanitätskolonne Juli-us Wollner. Offenbach a. M., 20. August. Unser Rabbiner Herr Dr. Goldschmidt erhielt von einem Gemeindemitgliede folgenden Feldpostbrief: „. . . Daß ich inzwischen zum „Leutnant" befördert worden bin, werden Sie wohl schon von meiner lieben Frau gehört haben. Meine besondere Freude als glaubenstreuer Jude können Sie sich wohl denken. Dabei machte ich nie ein Hehl aus meiner Religion. Am Tage meiner Beförderung hatten sich alle Offiziere des Bataillons selbst zu einer gemeinsamen Taffe Kaffee uiw. bei mir eingeladen. Daß meine Gefühle der. Dankbarkeit sich nach oben richten, zu dem Allgütigen, der mir die Gnade erwiesen hat, mich durch alle Gefahren bis dahin zu erhalten, brauche ich Ihnen wohl nicht zu schreiben. Täglich rufe ich den Gott meiner Väter mit dem mir vertrauten „Schma Jisroel" an und bitte ihn. mich dem geliebten Vaterland bis zu dem ersehnten ehrenvollen Frieden zu erhalten und dann meiner heißgeliebten Familie und dem großen Kreise meiner Freunde wieder zuzuführcn." Frankfurt a. M., 23. August. Heute vormittag 10 Uhr fand auf 'dem Israeli tischen Friedhof die Beisetzung von Geheimrat Paul Ehrlich statt. Zahlreiche Vertreter der Wissenschaft, staatlicher und städtischer Behörden sonne Verehrer und Freunde des Dahingeschiedeuen waren anwesend. Rabbiner Dr. Lazarus hielt die Gedenkrede, Professor Dr. P a n z e r, der Prorektor der Universität voll Frankfurt a. M., sprach für diese, Professor Ellinger für die medizinische Fakultät der Universität Frankfurt, Professor Sachs, der stellvertretende Direktor des Königlichen Instituts der experimentellen Therapie, für dieses, zugleich auch für die Regierung. Oberbürgermeister Voigt legte für die Stadt Frankfurt einen Kranz M der Bahre des unsterblichen Forschers nieder. Wirkl. Geh. Rat Professor Behring aus Marburg wies auf die Zusammenarbeit mit Ehrlich hin. Geh. Med.-Rat Prof. Landau-Berlin sprach für die Berliner Medizinische Gesellschaft und Sanitätsrat Dr. König für die Zentralstelle des ärztlichen Fortbildungswefens in Berlin. Auch die amerikanischen Aerzte ließen an der Bahre durch Dr. M a r ck s einen Kranz niederlegen, auf dessen Inschrift sie die Bedeutung Ehrlichs für die moderne Medizin würdigten. Im ganzen wurden mehrere hundert Kränze am Grabe nieder gelegt. Unter Vorantritt der Universitätsfahnen gruppierte sich soldann der Zug nach dem Grabe. Der langjährige Mitarbeiter Ehrlichs, der aus dem Felde herbeigeeilte Oberstabsarzt Dr. B e n a r i o , und Dr. G o n d e r vom Speyer-Haus trugen die Ordenskiffen. Der Reichskanzler v. B e t h m a n n H o l l - lo eg und der Minister des Innern v. Lo ebel'l haben an die Witwe des Verstorbenen ein Beileidstelegramm gesandt. Worms, 20. August. Die Tätigkeit des hiesigen „Israelitischen Untersttttzungsvereins" hat im Jahre 1914, wie aus dem soeben erschienenen Jahresbericht ersichtlich ist, eine teilweise Veränderung erfahren. Ursprünglich in erster Reihe zur Unterstützung ortsfremder Armen und zur Beseitigung des Haus- und Wanderbettels begründet, hat der Verein seit Beginn des Krieges seine Tätigkeit zum größten Teile den ortsansässigen Hilfsbedürftigen zuwenden müssen und auch zugewendet. Die Umstände, die hierzu geführt haben, waren zwiefacher Art. Zunächst hatte in den ersten Monaten des Krieges der Wanderbettel, an dem ausländische und unter diesen in der Mehrzahl aus Rußland und Russisch-Polen stammende Arme den Hauptteil haben, so gut wie ganz aufgehört, um erst in den folgenden Monaten etwas zu steigen, ohne aber bisher seine gewohnte Höhe wieder zu erreichen. Sodann waren die Erwerbsverhältnisse hier wohnhafter, sowohl einheimischer als auch fremdbürtiger,' mittelloser Familien infolge des Krieges — teils durch Einberufung des Ernährers ins Heer, teils durch Störung des Geschäftsverkehrs — so schwierig geworden, daß eine energische und nachhaltige Unterstützung derselben eingreifen mußte, wenn ihnen über die schwere Zeit hinweggeholfen und sie für den Eintritt normaler Verhältnisse erwerbsfähig erhalten werden sollten. Ta die für diese Hilfsaktion aufzuwendenden Mittel recht beträchtlich sein und die Leistungsfähigkeit des Vereins übersteigen mußten, nahm auf Anregung des Vereinsvorsitzenden der Vorstand der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde die Angelegenheit zwecks eingehender Beratung und Erledigung in die Hand. In einer vom Vorstand einberufenen gemeinsamen Sitzung aller hiesigen israelitischen Wohltätigkeitsvereine wurde eine „Zentralstelle zur Unterstützung hiesiger israelitischer Hilfsbedürftiger während des Krieges" begründet, die sich aller durch den Krieg in Not geratenen Familien annehmen und sie für die Dauer ihrer Bedürftigkeit durch wöchentliche Gaben unterstützen sollte. Der Vorsitz in dem aus fünf Mitgliedern bestehenden Ausschuß wurde dem Vorsitzenden des Israelitischen Unterstützungsvereins übertragen. Zu den Ausgaben trug der Verein monatlich je 200 Mark bei. Ferner hat der Verein, den außergewöhnlichen Umständen und Bedürfnissen der Zeit Rechnung tragend, zum Besten der Familien der zum Heeresdienst einberufenen Wormser Krieger einen Beitrag von 300 Mark bewilligt und dem Herrn Oberbürgermeister Köhler überwiesen. Tie Mitgliederzahl betrug in diesem Jahre 133. Der Verein unterstützte 1913/14 1856 Personen mit 4527,13 Mark, 1914/15 1282 Personen mit 5672,83 Mark. Die Generalversammlung fand am 15. d. M. im Gemeindehause statt. — Heidelberg, 20. August. Dr. Arthur Kanffmann aus Frankfurt am Main, Sohn des Herrn Raphael Kaufsiuauu, diente vor mehreren Jahren als Einfährig - Freilvilliger in einem Infanterieregiment und wurde als Reservist — ohne Gefreitem knöpfe - nur als garnisondienstfähig entlassen. Mit Ausbruch des ^Krieges stellte er sich beim Bezirkskonunando Heidelberg uno verlangte, felddienstfähig geschrieben zu werden. Er kam zum Reserveinfauterieregiment Nr. 46 und meldete sich sofort freiwillig als Gefechtsordonnanz. Bei den Bogesenkämpfen im August vorigen Jahres verdiente er sich bereits das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe und wurde sofort zum Unteroffizier befördert. Er avancierte einige Wochen später zum Vizefeldwebel, Weihnachten zum. Offizierstellvertreter, um an Kaisers Geburtstag Leutnant zu werden. Einige Tage später wurde er verwundet. Seit Mitte Mai steht er, wieder geheilt, als Kompagnieführer im Westen. — Ulm, 20. August. Unsere Mitbürgerin Frau A m a l i e W a n - d e rshei m feierte dieser Tage ihren h u n d e r t st e lt Geburtstag. Die Ehrungen und Aufmerksamkeiten, die ihr dargebracht wurden, waren sehr reich. Das Kabinett der K ö n i g i n v o n W ü r t t e in b e r g ließ ihr nebst einem huldvollen Schreiben als Andenken eine reizende Taffe mit dem Bildnis der Landesmutter und mit entsprechender Widmung zllgehen; dieses wurde ihr durch das hiesige Stadtschultheißenamt überbracht, das seinerseits im Namen der Stadt die ehrloürdige Greisin durch einen Blumenkorb ehrte. Zuvor schon (am Geburtstage nach jüdischem Kalender) wurden ihr durch das Nabbinat die besten Wünsche der königlichen israelitischen Oberkirchenbehörde nebst einem Ehrengeschenk übermittelt, und in gleicher Weise bedachte auch das Israelitische Kirchenvorsteheramt im Namen der Gemeinde ihr ältestes Mitglied. Vereine und Private aus der israelitischen Gemeinde ließen es auch nicht an Aufmerksamkeiten fehlen, so daß die so Geehrte mit ihren Angehörigen diesen Tag wirklich als einen durch Gottes Gnade geschenkten und von der Menschen Liebe verschönten Tag begehen konnte. Grstrrrrich-Angsm. K. Wien, 20. August. Zum zweiten Male währen,d des Weltkrieges feierte unser erhabener Monarch K a i s e r F r a lt z I osef I. seinen Geburtstag. Doch wdlch gewaltiger Unterschied zwischen dem 18. Allgnst des Vorjahres und dem dieses Jahres! Vor Jahresfrist standen wir im Beginne des Krieges, in diesem Jahre sind wir dank der göttlichen Gnade in der Lage, auf die glänzendsten Siege zurückzublicken, wie sie ohne Beispiel in der Weltgeschichte dastehen. Dieses Bewußtsein erhöhte in diesem Jahre die Festesfrell.de des 18. Allgnst in der ganzen Monarchie. In jedem Gotteshause fanden an diesem Tage feierliche Gottesdienste mit Predigt statt und überall wurden inbrünstige Gebete für das Wohlergehen unseres geliebten Monarchen und seines treuen Freundes und Bundesgenossen, Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II., sowie für den endgültigen Sieg unserer gemeinsamen Waffen und eng verbündeten Armeen verrichtet. Sehr schön und ergreifend lo.ar es, daß in nieten Synagogen nach Absingnng der österreichischen Bolkshymne das „Heil dir im Siegerkranz" angestimmt wurde, was selbstredend von allen Andächtigen mit patriotischer Begeisterung n.itgesungen wurde. ' Es sei bei dieser Gelegenheit nllch erwähnt, daß in den meisten Synagogen der Monarchie allsabbatlich im Anschluß an das Kaisergebet zuglleich ein Gebet für den deutschen Kaiser' bei offener Bundeslade verrichtet wird. Diese Einrichtung

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