Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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gewesen ist. Leine nie versagende Arbeitsfrendigkeit, sein weiser Rat, sein lieöencnvnrdiges Wesen haben -ihn zu cirmit: -hervorragenden Förderer der Interessen und Bestrebungen der Bereinigung gemacht. Ueberaus gras; war die Beteiligung bei der Beerdigung; Inden und Nichtjuden erlvLesen dem Toten die letzte Ehre. .Herr > Gemeinderabbiner Professor Dr. B l o ch entrollte ein getreues Bild des Entschlafenen und rühmte ganz besonders seine Wohltätigkeit: und Anhänglichkeit mt seiner! Väterglauben. — Beim Au Drücken des Ersatzbataillons Nr. 133 von hier nach dein Kriegsschauplatz fand eine feierliche Verabschiedung statt. Tie Mannschaften gehörten fast dreiviertel Jahr der hiesigen Garnison an. Ans Ersuchen der Kommandantur begaben sich die evangelischen und katholischen Geistlichen tute auch Herr Oberrabbiner Dr. I rei in a nn nach dem Hauptbahnhof, woselbst die Verabschiedung von dcni Ncilitär erfolgte. — Im Jahre 1909 machten die Geschivister Landgerichtsrat a. D. Geheimer Jnstizrat Dr. Goldenr t. n g in Straßbnrg i. E.. Iran Fanny G u i t m a n n geb. Goldenriug in Berlin und Frau Medizinalrat Regina Stern geb. Goldenring in Breslaii der Stadt Posen eine Zuwendung von 12 000 Mark mit der Bestimmung, das; die Stiftung Berschvnerlmgszivecken der Stadt dienen solle. Tie städtische Kunstkommission entschlos; sieh, ans den Btitteln einen kleinen Brunnen zu beschaffen und auf dem Alten Markt, gegenüber dein Goldenringschen Hanse, nufziistelleit. Ter Brunnen. in Miischelkalk init einer Bronzefigur, eine Bambergerin darstellend, ivie sie Wasser trägt, dient zur Wasserhergabe für Mensch und Tier. Magistrat und Stadtverordnete hatten sich versammelt, um den ausgestellten Brunnen einzuioeihen. Herr Oberbürgermeister Gehei in rat Tr. Wilms hielt eine Ansprache und dankte allen, die Zil dem Gelingen des Monuments beigetragen. — Für die hochherzige Spende des Kaufmanns Otto Stern, Inhaber der Firma G o l d e n - r i n g, der anläßlich der Einweihung des genannten Brnnneiis die Summe von 30 0 0 Mark zum Besten bedürftiger K r i e g e r f r a u e n stiftete, sprach der Magistrat in einer Stadtverordneteiisitzung feinen herzlichsten Tank aus. — Unter Anwesenheit Ihrer Erzellenz der Frau v. Strantz. des Stadtrats Kronth al und zahlreicher Freunde fand hier die Einweihungsfeier eines Svldatenheiliis statt. Großzügig in Sprache trug dabei Fräulein L u b i n s k i, Tochter des Kaufmanns Mar Lnbinski, Gerhart Hauptmanns „O mein Vaterland", Hartnngs „Ter tapfere Junge" und ein Gedicht „Brotlied" vor und erntete allgemeinen Beifall. — Tie Firma Hartwig K a n t o r o w i c z A.-G. hat aus Atllaß des Jahrestages des Kriegsansbrnchs auch dem Roten Kreuz der Stadt Posen lAcobitmachuuasausschus;) 1 000 Mark überwiesen. Tie Spende wird für erblindete Krieger, die in der Stadt Posen ortsansässig sind, verwendet werden. X. Breslau, 23. August. Frau iU a r i e B r e s l a u e r geb. Trier hat zum Andenken an ihren jüngst verstorbenen Gatten, den Kaufmann Mar Breslauer, eine Stiftung im Betrage von 20 000 M. errichtet, deren Zinsen Kriegerwitweu und -Waisen, deren Ehemänner bztv. Bäter in Breslau ihren letztett Wohnsitz hatten oder die selbst aus Breslau stammen, zugute kommen sollen. Tie Zinsen sind zu gleichen Teilen unter Bedürftige ohne Unterschied des Bekenntnisses zu verteilen Ter Magistrat zu Breslau soll die Aufsicht über die Stiftung, die den Namen „Mar-nud-Marie-Breslauer-Stistnng" tragen soll, führen. — Am 21. dieses Monats durfte das weit über die Grenzen von Stadt 'und Provinz hinaus bekannte Leinenhaus Eduard B i e! s cb o w s k h sein 50jähriaes Geschäftsjnbilämn begehen. Obgleich die Firma, dem Ernste der Zeit entsprechend, von jeder festlichen Veranstaltung abgesehen hatte, waren zahlreiche Glncklvnnsche seitens des Stammpersonals wie hiesiger und auswärtiger Geschäftsfreunde in allen nur denkbaren Formen, insbesondere eine Fülle kostbarer Blmnenspenden. eingegangen. Die Inhaber der Firma begründeten an dein Tage eine Stiftung für ihre Angestellten, die auch ein nach der Tauer ihrer Geschäftszugehvrigkeit bemessenes Geldgeschenk erhielten, und überwiesen namhafte Beträge öffentlichen und Privaten Wvhlfahrtseinrichtungen. M. Hamburg, 20. August. Ein schönes Zeichen treuer Anhänglichkeit an seine Vaterstadt und seine Vatergemeinde hat in diesen Tagen ein alter Hamburger gegeben. Ter Vorstand der T e n t s ch - I s r a e l i t i s ch e n Gemeinde erhielt nämlich aus San Francisco ein Schreiben von Herrn S a m u e l P o l a ck, Sohn der hier verstorbenen Eheleute Seckel und Rieka Polack, in welchem er mitteilt, das; er durch die Gnade Gottes im Kreise seiner Kinder, Enkel und Urenkel in voller Geistesfrische sein 80. Lebensjahr vollendet und in treuer Erinnerung an seine Vaterstadt, und mn das Andenken seiner Eltern zu ehren, beschlossen habe, nach Maßgabe seines Vermögens seine Heimatgemeinde zu bedenken. Dem Briefe lag eine Anweisung über einen Geldbetrag bei, der nach den Bestimmungen des Spenders inzwischen verwendet worden ist. Besonders hervorzuheben ist dabei, daß ein Teil des Betrages für jüdische Witwen und Waisen in diesem Kriege gefallener Feldzugsteilnehmer bestimmt ist; ein Beweis, in welchen! Maße das Schicksal des Vaterlandes auch seinen fernen Söhnen am Herzen liegt. — In Übereinstimmung mit der Verwaltung des Allgenteinen Friedhofes in Ohlsdorf hat der Vorstand der Dentsch-Jsraelitischen Gemeinde für die in Hamburg zur Beerdigung kommenden verstorbenen Kriegsteilnehmer einen Ehrenplatz an bevorzugter Stelle auf dem Begräbnisplatz der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Ohlsdorf bereitgestellt. Sechs Angehörige des deutschen Heeres, deren Leichen von der Front in die Heimat übergeführt worden sind, sowie ein russischer Kriegsgefangener haben hier schon ihre letzte Ruhestätte gefunden. Wie wir hören, beabsichtigen die Gemeindebehörden, diese Kriegergräber zu Ehren der Verstorbenen selbst in dauernde Pflege zu übernehmen und den Ehrenfriedhof würdig zu gestalten und auch dafür Sorge zu tragen, das; nicht nur die Namen der hier bestatteten, sondern auch die Namen alter derjenigen Hamburger jüdischen Krieger, die für das Vaterland gestorben und in Feindesland ein schlichtes Soldatengrab gefunden haben, auf einem Gedenkstein verewigt und der Nachwelt znm dankbaren Gedächtnis überliefert werden. Chemnitz, 20. August. Eine interessante Bemerkung über „Kriegsziele" enthält die sozialdemokratische „Chemnitzer Volksstimme". Sie weist die törichte Liebknechtsche Anfrage an den Reichskanzler zurück und fährt dann fort: „Im übrigen, w.ie man zu Deutschlands Kompetenz, in Polen als Befreier aufzntreten, auch stehen mag, nachdem Polen einmal von Deutschland und Oesterreich besetzt worden ist, ist es u n nt öglich , b t c Pole n it n d insbesondere die polnischen I u d e n durch Zur ü ck - gäbe des Landes an den russischen Henker a u s zuliefern. Wie will Liebknecht die polnische Frage lösen, wenn er unter dem Schlagwort „gegen Annexionen" gegen jede Aendertutg des Besitzstandes sich wendet? Seine Haltung ist ebenso verworren wie parteischädigend." Dem können wir nur zustimmen. München, 20. August. Daß es vor hundert Jahren schon Offiziere jüdischer Religion in Bayern gab, zu einer Zeit, da die Juden unter schwerem Truck und unter demütigender Zurücksetzung schmachteten, ist wohl wenig bekannt. Ein Sohn des hochangesehenen Parneß der Judengemeinde zu Mt.-Uehlseld in Mittelfranken war um 1815 Ofsizier der Nationalgarde. Das betreffende Dekret verdient als Denkmal seiner Zeit der Vergessenheit entrissen zu werden. Es lautet; „Seine Majestät der König usw. geruhen hiermit, den Simon H i r s ch N o s e n f e l d als Oberleutnant bei Allerhöchst Ihrer Nationalgarde dritter Klasse des Landwehr-Bataillons Neustadt allergnädigst zu ernennen, in welcher Eigenschaft derselbe von Jedermann anzuerkennen und zu achten ist. Ansbach, den 29. Juli 1815. König!. Baier'sches General- Eommissariat des Nezatkreises. Daerburg." — Ein Bruder des also Ausgezeichneten war der erste wissenschaftlich vorgebildete Rabbiner in Bayern, Samson Wolf R o s e n f e l d , ein eifriger Vorkämpfer der Emanzipation. Fast hundert Jahre später wurde wieder ein jüdischer Krieger aus dem zur Kleingemeinde gewordenen Uehlseld Leutnant in einem bayerischen Infanterieregiment. J. A. Nürnberg, 20. August. Das Eiserne Kreuz erhielten aus Fürth: Leutnant R. Eisenmann vom 6. Bayr. Feldart.-Regt., Fabrikbesitzer und Bizewachtmeister Adolf F r ä n k e l von der 7. Landwehr-Mnnitionskolonne. Ferner .aus Nüruberg: Markus Rosenbaum, Unteroffizier im 14. Bayr. Jnf.- Regt., Sohn des Weinhändlers Max Rosenbaum (der Genannte ist leider unterdessen gefallen), Joseph R e g e n s b u r g e r, Bizewachtmeister in einem prenß. Art.-Regt., Sohn der Witwe Eäcilie Regensburger, Spezialarzt der Chirurgie Dr. Louis Lindenheim, für erfolgreiche Tätigkeit bei der 3. Bayr. Sanitätskompagnie, Hans H esse l b e r g e r, Leutnant d. R. im 6. Bahr. Feldart.-Regt. Den M i l i t ä r v e r d i e n st o r d e n 4. Klasse erfüelten: Stabsarzt Dr. David G r ü ne b-a u m, Stabsarzt Dr. Siegfried Bauer. Den M i l i t ä r ve r d i e n st or d e n 1. Klasse