Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229177-3229213--71578-3283926- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Minsk 1× ep/2781459
OCR text
79. Jahrgang Nr. 35 Berlin, 27. August 1915 wieder Fäde.i esichtsunter , allen Weiche» werter g UN ) mder! c ick, die n dein zesehiu sagen klarer, ch jeU ine zitn dir r, fei l h, nur dschait Indern > nick! d dar- Ztreck? igenen c>, da r aß dir erfolga ver itterin nzige^l des zu )a dir treuen >chmrn ihnen wnde . rsehei ir ein » nid) i de 3 au - sichte ihner Zosua wuß! Js araus st mi r dorr sh in , aldinge. hcr >orhediges afrige scheu llt.) Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Korrelpondm?en und Aschrichten. SmtlchlanL. 2XD Berlin, 24. August. Auf Antrag des preußischen Ministers : er geistlichen und der UnLerrichtsangelegenheiten hat der Reichstinzler den nichtstaatlichen jüdischen Lehrerseminaren in Hannover, Itünster, Kassel und Köln für die Dauer des Krieges ausnahmsweise die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen über die Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst verliehen, "er Erlaß hat folgenden Wortlaut: Berlin, den 7. August 1915. üerdurch will ich den nichtstaatlichen jüdischen Lehrerseminaren .i Hannover, Münster, Kassel und Köln für die Dauer des Krieges . nsnahmsweise die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen ber die Befähigung' für den einjährigt-freiwilligen Militärdienst! iit der Maßgabe verleihen, daß das Zeugnis denjenigen ihrer lbiturienten au-szustellen ist, die die Seminarentlassungsprüfung erste Lehrerprüfung) während des Krieges abgelegt haben und in en Heeresdienst eingetreten sind. Auch bezüglich dieser Berechtigung indet der Allerhöchste Erlaß vom 22. Juni 1915, betreffend die Genehmigung von Ausnahmen von den Vorschriften des § 90 der i>ehrordnung, aus die vorbezeichneten vier Seminare Anwendung. ,m Aufträge: gez. Lewald. An den Herrn Minister der geistlichen nd UnLerrichtsangelegenheiten. Berlin, 24. August. Der diesjährige Geschäftsbericht des > i l f s v e r e i n s der D e u t s ch e n I u d e n gibt eine Uebersicht über 'k schweren und großen Aufgaben, die der Hilfsverein in der jetzigen megszeit zu bewältigen hat. Getragen von dem Vertrauen unserer rutschen Glaubensgenossen und auch derjenigen des neutralen Auslands at der Hilfsverein es als seine jüdische und zugleich vaterländische Anfälle betrachtet, seine Arbeit sortzusetzen und entsprechend der Kriegslage auszugestalten. Das aber erfordert bei weitem höhere Mittel als;t gewöhnlichen Jahren. Der weltverheerende! Krieg hat unsere Glaubensgenossen in Osteuropa und dem Orient in tiefste Not gestürzt. Um chlimmen Katastrophen vorzubeugen, ist schnelle, umfassende Hilfe nötig.!iMe die Anerkennung der Behörden beweist, erfüllt der Hilfsverein er Deutschen Juden durch seine Tätigkeit neben der h u m a n inren auch eine hohe Patriotische Aufgabe. Es ist daher 'esonders in diesen Kriegsjahren für jeden, dem die Arbeit des Hilss- 'ereins am Herzen liegt, eine unabweisbare Pflicht, seine Bestrebungen weiter zu unterstützen, vor allen Dingen dadurch, daß r aus seinem Bekanntenkreise neue Mitglieder für den Hilfsverein wirbt ind seinen eigenen Beitrag, soweit es möglich ist, erhöht. 22 Berlin, 24. August. Der Verband der Deutschen ) u d e n versendet zum Roschhaschana-Fest wie zum Passahmd Schabuothfest ein Heft als „Gruß der Feldrabbiner an die üdischen Kameraden im deutschen Heer" ins Feld. Das Heft enthält Aufsätze fast aller Feldrabbiner und einige Gedichte. Die Schrift wird gewiß allenthalben von den jüdischen Soldaten draußen nit Freude begrüßt werden, wie das nach zahlreichen Briefen aus ent Felde bei den vorangegangenen Heften der Fall gewesen ist. Gemeinden und anderen Körperschaften sowie allen, die an Aneyörige im Heer Exemplare versenden wollen, stehen solche auf Wunsch im Bureau des Verbandes der Deutschen Juden, Berlin W 35, Steglitzer Straße 9, zur Verfügung. 22 Berlin,. 24. August. Der Kaufmännische Hilfs- Verein zu Berlin, E. V., C 19, Sehdelstraße 30, hat seine Igohltätigkeitseinrichtungen vermehrt und seit 1. April d. I. eine besondere Ab t e i l u n g zu r U n t e r b r in g u n g. v o n Kriegs^ e s ch ä d i g t e n eingerichtet. Diese Fürsorgetätigkeit erstreckt sich über das ganze Deutsche Reich und hat bis heute außerordentlich gute Resultate aufzuweisen. Die Vermittelung ist für Prinzipale und Kriegsbeschädigte unverbindlich und in jeder Beziehung kosten-- h'ti. Dieser Abteilung ist ein Lesezimmer angegliedert, das den Vaterland-sverteidigern, die in Berlin aus allen Gauen Deutschumds zusammenkommen, kostenlos Lesestoff und Schreibgelegenheit Mietet. $&-$> Berlin, 24. August. Ueber die Juden in Warschau schreibt ein Mitarbeiter der „Bayerischen Staatszeitung": Warschau ist heute eine Großstadt mit über 800 000 Einwohnern. Der Religion nach sind es 56 Prozent Römisch-Katholische, 4 Prozent Nussisch--Orthodoxe und 36 Prozent Israeliten. Andere kleinere Städte haben noch weit stärkeren Prozentsatz jüdischer Einwohnerschaft; Minsk und Schitomir sind über die Hälfte jüdisch bevölkert, Grodno, Kalisch zu zwei Dritteln, Bialhstok, bekannt durch. Judenverfolgungen in Vorjahren, zu drei Vierteln, Berditschew zu 80 Prozent; ja es gibt Orte zu 90 und 95 Prozent jüdisch bevölkert. Von den vorbenannten Orten brachte ich einmal in Kalisch, das auch mehrere römisch-katholische Kirchen und einen großen Park besitzt, mehrere Tage zu. Am Samstag waren in der inneren Stadt sozusagen alle Läden geschlossen, und des Abends Leuchteten aus Fenstern fast aller Häuser Sabbatkerzen. In Warschau sind große Stadtteile ausschließlich von Juden bevölkert. Vielleicht nur in Russische-Polen gibt es — außer reichen Juden natürlich — große jüdische Proletariermassen. Ich wunderte in Warschau durch Straßen armer und ärmster Judengegenden mit zahlreichsten, wahren Jammerbildern aus Arinut und Elend erzeugter Verkommenheit. Die polnischen Juden, besonders die ärmeren, tragen fast alle — zum Teil auch schon die Knaben — den langen Kaftan. Die bessere jüdische Gesellschaft Warschaus findet sich des Wends in den Anlagen des Sächsischen Gartens, wo es auch Konzerte, Restaurants und Sommertheater gibt, zahlreich ein. An allen Eingängen des Sächsischen Gartens stehen zwei Polizisten und sehen zu, daß niemand eintritt, der kein „hochzeitliches Gewand" trägt. Und so sind die armen Juden gezwungen, mit ihren Familien sich des Abends nördlicher, im Krasinski- Garten, zu erholen. Interessant ist noch zm sehen das Hasten und Treiben, besonders gegen Mittag, in und um die Börse, dem Kaufhaus und den öffentlichen Markthallen. Die polnischen Juden unterhalten sich meist im „Jargon". In. Warschau können sie fast alle Deutsch, was dem dort weilenden Deutschen, der schlecht oder gar nicht Polnisch und Russisch versteht, sehr von Diensten sein kann. Die Juden leben in Rußland unter harten Bedingungen, fast völlig entrechtet oder mit schweren Verpflichtungen. Oft mußten sie bluten unter der russischen Knute. Nicht vergessen werde ich jenen wahnsinnigen Juden, der in einer jüdischen Armenstraße Warschaus mit rollenden Augen wie besessen hin und her sprang, laut schrie und lachte. Ursache des Wahnsinns: bei einem Pogrom hatte man ihm Weib und Kind gemordet! Den Juden ist in Rußland keine Bewegungsfreiheit gestattet. Im Herzen Rußlands, in Moskau und Petersburg, sind nur ganz wenige, sehr reiche Juden zugelassen. An fünf Millionen armer Juden dürfen zwangsweise aus Polen und den anliegenden, ebenfalls römisch-katholischen Distrikten nicht heraus. -§2 Potsdam, 20. August. Der Vereinslazarettzug M 3, der Lazarettzug der deutschen B n e - B r i t h - L o g e n, fand am 17. d. M. durch die Prinzessin Friedrich Leopold seine Besichtigung. Die hohe Frau, die von dem leitenden Arzt Dr. St au b- Breslau geführt wurde, äußerte ihre volle Befriedigung über die Einrichtungen dos Zuges. Am gleichen Tage empfing der Zug auch den Besuch einiger schwedischer Herrschaften, u. a. des Bürgermeisters von Stockholm. Auch hier fand die Art, wie Deutschland für seine verwundeten Söhne sorgt, durchaus Beifall. W. Posen, 20. August. Nach schweren, mit großer Geduld ertragenen Leiden ist hier der Großkaufmann Herr Julius Alport in seinem 73. Lebensjahre verschieden. Durch sein von strengster Pflichterfüllung getragenes Wirken war er seinen Angestellten bis in seine letzten Lebensstunden ein leuchtendes Vorbild. Seine Herzensgüte und Fürsorge werden von allen Seiten auf das dankbarste empfunden. Seit über dreißig Jahre, solange überhaupt das ehrenamtliche Armenpflegesystem hier besteht, hat der Verblichene seine Kraft dem Dienst der städtischen Armenfürsorge gewidmet. Reich an Lebenserfahrung hat er mit klugem Sinn und unermüdlichem Pflichteifer seines Amtes gewaltet, den Armen ein gütiger Helfer und Freund, ein treuer Kollege der Armenkommission, der er nie versagte, wenn jemand seines Rates bedurfte. Der Provinzialverein Posener Destillateure beklagt ebenfalls den Heimgang dieses so verdienten Mannes, der seit Gründung des Vereins ein treuer Mitarbeiter