Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-20 · Heft 34 (20.8.1915) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 34 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229177-3229212--71563-3283910
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

h mialitf}en Hoheit Großherzogin Luise überbrachte der gesamte Vori! nb des „Jüdische n F r a u e n v e r e i n s " das Bild Ihrer L niglichen Hoheit mit einem Glückwunschschreiben. Im Namen der \i sigen jüdischen Gemeinde sprach deren Vorstand vor. Die Damen \> : Frauenvereins überreichten ein prachtvolles Blumengewinde mit r sprechender Ansprache. Das Zimmer der Greisin glich einem k umengarten. Mögen der Jubilarin noch viele sonnige Tage be- 'V jeden sein. Holland. 2£> Der Haag, 13. August. Das Hauptbureau des Jüdischen J livnalfonds teilt mit: Die Spendeneingünge des Nationalfonds im i li d. I. erreichten die Höhe von 41 070 Mark. Diese Summe; teilt sich auf verschiedene Länder wie folgt: Südafrika 11 923 Mark,;i, rdamerika 10111 Mark, Oesterreich 10 062 Mark, Deutschland i in Ntark, Rumänien 1709 Mark, Bulgarien 749 Mark, Alt-Griechen- Lib 643 Mark, Holland 497 Mark, Rußland 481 Mark, Portugal 1 Mark, Dänemark 196 Mark, Frankreich inkl. Tunis 135 Mark. — k v Palästina eingetroffene Nachrichten geben erfreulicherweise davon k iminis, daß die Getreideernte in den Na t i o n a l s o n d s - k trieben, vor allem in den Genossenschaften M e r h a w j a h. und k Iganiah, sehr befriedigend war, und was die Hauptsache ist, . .1} rechtzeitig genug geborgen werden konnte, bevor die Heuschrecken- | i age Galiläa erreichte und Schaden anzurichten vermochte. Bekannt-!!) sind Pflanzungsbetriebe und Gemüsegärten von den Heuschrecken wer heimgesucht. Da die Nationalfondsfarmen und jüdischen Kolo- 'n auch in diesem Jahre wieder über genügend Getreidevorräte Verben, so darf man annehmen, daß in absehbarer Zeit kein Brotangel in Palästina herrschen wird. — Das Hauptbureau des tionalfonds hat seit Ausbruch des Krieges eine Jnformationsteilung errichtet, deren Tätigkeit schon viel Gutes bewirkt hat; ua 460 russisch-jüdische Studenten, die sich bei Kricgsbeginn in Lüttich anden und zum großen Teil interniert wurden, wurden durch die uuühungen dieser Informationsstelle mit ihren Angehörigen in Kommikation gebracht und erhielten Mittel für einen auskömmlichen bensunterhalt. Aehnlich wurde die Korrespondenz Zwischen zahlchen jüdischen Familien in Rußland und ihren Verwandten in utschland bzw. in dem besetzten Russisch-Polen, oder beispielsweise uschen in England ansässigen Juden und ihren Angehörigen am Konvent vermittelt. Als der größte Teil Galiziens von den russischen Uppen besetzt mar, hat das Hauptbureau die Verbindung zwischen :i Juden in dem okkupierten Galizien und ihren Verwandten in Tierreich hergestellt. So gingen im letzten Halbjahre allein beim mptbureau über 1500 Anfragen ein und etwa 2000 Informationen irden erteilt oder vermittelt. Oesterreich-Angara. X. Wie«, 13. August. Unter überaus seltenen Ehren wurde am vutag, den 9. d. M., Hofrat Professor Dr. Guido Gold s ch m i e d t ' dem hiesigen israelitischen Friedhof zu Grabe getragen, ein hochgabter, vielseitig gebildeter, durch strenge Pflichterfüllung ausgechneter Mann, ein den höchsten Idealen zustrebender Geist. Durch n Tod Goldschrniedts, so schreibt Professor Dr. I. Herzig in der '-euen Freien Presse", hat die Wiener Universität einen großen Verist erlitten. Als Lehrer und Forscher, als Mann von tadellosem, öer jedes Lob erhabenem Charakter, als Leiter und Führer der aka- "nschen Jugend wird er schwer zu ersetzen sein. Professor Gold- -nuiedt,. der in Gainfarn, wo er zur Kur weilte, im Alter von > Jahren starb, war Chemiker von Weltruf. Seine wissenschaftliche aufbahn begann er als Assistent am Ersten chemischen Universitätswvratorium in Wien; er wurde bald darauf Privatdozent und einige ahre später Ordinarius an der deutschen Universität in Prag. In 'rag bekleidete der Verstorbene wiederholt das Amt eines Dekans der lülofophischen Fakultät. Nach dem Tode Skraups wurde Goldluniedt, dessen Arbeiten durch Verleihen hoher Preise seitens der aiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien wiederholt ausge- Jchuet wurden, als Ordinarius an die Wiener Universität berufen,;'o er sich der Liebe seiner^zahlreichen Schüler, der Achtung und Wertahätzung seiner Kollegen und der Sympathien der weitesten Kreise nreute. Einen Tag vor seinem Ableben ernannte der Kaiser Professor "'vldschmiedt zum Hosrat, welche Ernennung im Amtsblatt am Tage "'Uer Beerdigung publiziert wurde. Ein tragisches Geschick! Die ''elfach im Ausland verbreitete Ansicht, daß sämtliche Flüchtlinge bereits nach Galizien zurückgekehrt sind oder zurückkehren, beruht auf einem Irrtum. Die Flüchtlinge dürfen bloß nach 23 in den Amtsblättern namhaft gemachten Bezirken zurückkehren; allen übrigen ist vorläufig die Rückkehr nach ihrer Heimat verboten. Prozentual berechnet, ist bloß einem Drittel der Flüchtlinge die Rückkehr in ihre Heimat gestattet, zwei Drittel müssen vorläufig in ihren gegenwärtigen Aufenthaltsorten verbleiben. Diese treffen bereits Anstalten, die hohen Feiertage fern von ihrer Heimat zu feiern und für die Abhaltung würdiger Gottesdienste zu sorgen. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, daß nach den hohen Feiertagen alle Flüchtlinge die Rückreise nach ihrer Heimat antreten werden, zumal fast ganz Galizien vom Feinde gesäubert ist. 0. W. Wien, 13. August. Wenn man in den letzten Monaten die Bibliothek unserer Kultusgemeinde besuchte oder sich an dem Sabbat- Nachmittagkorso unserer Flüchtlinge aus der Praterstraße lind in deren Umgebung beteiligte, mußte einem ein Greisenauge auffallen, das, in jugendlichem Feuer erstrahlend, eine Welt voller Geist und Gemüt widerspiegelte. Jeder hatte diese ausdrucksvollen belebten Züge schon irgendwo im Bilde gesehen. Die Porträts der ersten Vertreter des jüdisch-nationalen Gedankens, die Aufnahmen des ersten Ziouistenkcngresses, die Titelblätter einer Reihe von glühendem jüdischen Empfinden getragener Schriften, sie alle hatten uns diesen jüdischen Typus ins Gedächtnis geprägt. Es war Dr. Karl Lippe, der bekannte Arzt, Literat und Politiker. Einer der aufrichtigsten Verfechter des jüdischen Nationalismus schon vor Theodor Herzls Auftreten, verdiente er vollauf die Auszeichnung, auf dem ersten Baseler Kongreß mit dem Alterspräsidium betraut zu werden. Aber über diesem Auftreten in der breiten Oefsentlichkeit darf nicht die emsige Kleinarbeit übersehen werden, mit der er sich an stillen Winterabenden der geistia-nationalen Erziehung der jüdischen Umgebung in seiner Heimatstadt widmete und von der seine geistvollen Vorträge unvergängliches Zeugnis oblegen. Was er für die geistige Hebung und die Rechtssicherheit unserer Glaubensbrüder in Rumänien geleistet hat, bleibt ein Ehrendenkmal für ihn aere perennius. Schwere Sorgen belasteten seine treue jüdische Seele in den letzten Wochen; das Flüchtlingsschicksal, der Verlust seines Schwiegersohnes und andere Heimsuchungen trübten seine sonst so lebensfreudige Stimmung. Seine geistige Regsamkeit, die ihm bis zum letzten Atemzuge treu blieb, half ihm über diese ernsten Stunden hinweg. Sein hohes Alter forderte seinen Tribut. Sanft schlummerte er in ein besseres Jenseits hinüber. Am letzten Mittwoch wurde der seltene Mann von einer Schar treuer Freunde und Gesinnungsgenossen, darunter die Herren Abgeordneter Strand und Oberkommissär T a u s s i g, zur letzten Ruhe bestattet. Nach den üblichen Trauergesängen, von Herrn ersten Kantor Serebrenik und dem Synagogenchor ergreifend vorgetragen, widmete Herr Rabbiner Dr. G r u n w a l d dem Verblichenen Worte freundschaftlicher Trauer. Herr Abgeordneter Strand sprach alsdann an der Bahre im Namen der zionistischen Partei. Ehre dem Andenken dieses Wackeren! Sein Segen wirkt fort in die fernsten Zeiten! England. J. W. London, im August. Baron Stuart S a m u e l, Mitglied des Unterhauses und Präsident des jüdischen Heims für Unheilbare, präsidierte die Jahresversammlung in den Geschäftsräumen der Anstalt South Tottenham. Das vergangene Jahr, führte er aus, war das 25. seit Bestehen des Instituts und zeigte keine Verringerung in den gestellten Ansprüchen. Der hohe Preis der Lebensbedürfnisse ist für das Anwachsen der Jahresausgaben verantwortlich und brachte daher ein Desizit von 505 Pfund Sterling — gleich etwa 12 700 Frank. Sie waren nicht in der Lage, den neuen Flügel zu eröffnen, der kürzlich sertiggestellt wurde, weil sie nicht die Verantwortlichkeit übernehmen wollten, die dazu fehlenden 1600 Pfund Sterling irgend woher ausfindig zu machen. (Charakteristisch für das reiche England.) — In Abwesenheit des Chiefrabbi, des Präsidenten der Union der jüdischliterarischen Gesellschaften, übernahm einer der Vizepräsidenten, Dr. S. A. Hirsch, das Präsidium über die jährliche Konferenz, die in den Räumen des „Jewish College" abgehalten wurde. Das vergangene Jahr, so sagte er, war ein sehr erfolgreiches, und die Vereinigung wuchs an Stärke infolge einer großen Zahl neuer Gesellschaften, die angegliedert wurden. In einem verlesenen Brief des Chiefrabbi Dr. Herz, der gegenwärtig, die jüdischen Soldaten an der Front besucht, heißt es, daß nie vorher eine Zeit existierte, in der eine größere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.