Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1915)
- Date
- 1915-08-20
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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' . Jahrgang Nr. 34 Berlin, 20. August 1915 Der Gemeindevote. SSeflage zur „Allgemeinen Leitung des IudrntumK". r orrrhwnLrn?rn und Aschrichten. SeutschlanL. Berlin, 17. August. Im Jahve 1900 hatte das preußische »l uisterium dem Privatdozenten der Physik an der Universität Berlin ii. Leo A r o n s auf Grund seiner Zugehörigkeit zur sozialdemoz ischen Partei die Lehrbefugnis entzogen, obwohl sich die philoc: hische Fakultät der Universität als nächste Urteilsinstanz gegen diese ’t' [ der Vorgesetzten ministeriellen Stelle geforderte Enthebung erklärt :,i :c. Wie die C.-K.-Korrespondenz mitteilt, hat im Anschluß an die h rte, in bcrnnt der Kaiser beim Beginn des Krieges bic Einmütigkeil \ ganzen deutschen Volkes feierte, die philosophische Fakultät aus (>' lttd eines einstimmigen Beschlusses beim Ministerium den Antrag g ellt, daß sie Dr. Arons die Lehrbesugnis an der Universität aufs neue n ilen dürfe. Dieser Antrag hat auch beim Ministerium und an höchster lle prinzipielle Zustimnmng gefunden; doch hat sich Dr. Arons in betracht seines Lebensalters und seines Gesundheitszustandes nicht v entschließen vermocht, sich einer erneuten Bewerbung um die Gem'ung der Lehrbefugnis zu unterziehen, obwohl die bezüglichen malitäten in jeglicher Weise erleichtert werden konnten. L2' Berlin, 17. August. Jüdischen Lehrern, die ein über die Bel': fnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen auf dem e iet der Religionsnüssenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit g aten, vor einer vom Borstand der Berliner jüdischen G e - ir inde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den >' ün schien Nachweis zu erbringen. Die Prüfung, die jährlich tm!! rz und September stattfindet, erstreckt sich auf folgende Gebiete: lhodik, biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Neligionsi-. e, Religionsphilosophie und Einleitungswissenschaft. Gesuche um assung zur Prüfung sind zu richten: An den Schul- und Talmud- 7?ra-Borstand der jüdischen Gemeinde, Berlin N. 24, Oranien-! ocr Straße 29. Interessenten wird auf Ersuchen Abdruck des 1 iinlngsreglements verabfolgt. - Berlin, 17. August.' Am 12. dieses Monats verschied nach \m\ Leiden der bekannte Berliner Nervenarzt Professor I M. N o t h m a n n: Der Verstorbene, ein Schwager des unvergeß-» en Berliner Rabbiners Tr. P. Frankel, war am April 1868 als Sohn des Geheimen Sanitätsrats Dr. >! no Roth mann in Berlin geboren. Er besuchte hier das '! nische Gymnasium, studierte dann von 1886 bis 1890 Freiburg und Berlin, wo er 1889 auf Grund seiner Arbeiten! r die Weißfleckenkrankheit der Zunge promovierte und 1890 die ti tliche Approbation erlangte. Von 1891 bis 1894 war Rothmann '' lstent am Urbankrankenhause unter Albert Frankel. Dann begann l im physiologischen Institut der tierärztlichen Hochschule unter ' nimm Ai unk Experimente über die Physiologie des Zentralnervenems, die er später im Laboratorium der Nervenklinik der Charite ' :setzte. Im Jahre 1899 wurde Rothmann als Privatdozent für iTc Medizin zugelassen, 1911 wurde ihm der Titel Professor verum. Seine Veröffentlichungen über klinische und experimentelle .Pachtungen sind ungemein zahlreich; sie beziehen sich fast sämtlich ' Veränderungen am Gehirn, Rückenmark und den Nerven. Ein. Mer Teil der Arbeiten umfaßt Studien über Lühmungserscheinungen, ' ' Ursachen und die anatomischen und physiologischen Folgeerscheingen. Des weiteren war er erfolgreich um die Weiterbildung der Me von der Lokalisation der einzelnen Funktionen im Gehirn bellst, die neben Fritsch und Hitzig besonders auch Munk gefördert hat. : weiteren Kreisen wurde Rothniann bekannt durch seine Experimente Hunden, denen wichtige Teile des Gehirns entfernt wurden. Sein und ohne Gehirn", der noch zu einer unerwartet großen Zahl von mktionen befähigt war, hat in der Wissenschaft Berühmtheit erlangt, ine Beobachtungen und Experimente an Affen ließen bei ihm den ^an reifen, diese in möglichster Freiheit zu beobachten. Es gelang 'un, mit Hilfe der Selenka-und-Samson-Stiftung in Teneriffa eine Rhropoidenstation zu errichten. lieber die dort gemachten Beob- Htnngen hat Rothmann im vorigen Herbst zum Besten unserer in Kolonien kämpfenden deutschen Brüder in einem Vortrag berichtet. Seit Beginn des Krieges war Rothmann als fachärztlicher Beirat in dem Reservelazarett des Garde- und dritten Armeekorps unermüdlich tätig, das Los der schwer verletzten Gehirn- und Nervenkranken zu lindern. — Am Sonntag, den 15. d. M., wurde Professor Dr. Max Nothmann zur letzten Ruhe gebettet. In der Halle des städtischen Krematoriums hatte sich ein nach Hunderten zählendes Trauergefolge aus medizinischen und sonstigen wissenschaftlichen Kreisen Berlins eiugesnnden. Auf letztwilligen Wunsch des Verstorbenen war von jeder Gedächtnisrede Abstand genommen worden. Oberkantor Davids o h n leitete die Feier mit einem Sologesang ein. Hieraus widmete Professor Dr. Li ep mann dem Freunde kurze innige Abschiedsworte, in denen die große Bedeutung des Arztes und die treue ^Anhängerschaft zu seinem Glauben Ausdruck fanden. Rabbiner Dr. Warschauer sprach sodann das liturgische Gebet. Nach dem ergreifenden Schlußgesang „lieber allen Gipfeln ist Nuh" durch Oberkantor Davidsohn wurde die Urne in Gegenwart der Trauergäste der Erde i'l vergeben. K. Berlin, 17. August. Auf dem Ehrenfelde in Weißensee wurde am vergangenen Freitag der Oberleutnant und Bataillonsadjutaut Bankdirektor Karl Mo ß m a n n bestattet. Er war Inhaber des Eisernen Kreuzes und der ersten Klasse des bayerischen Militär- Verdienstordens. Bereits zweimal verwundet und wieder genesen wurde er, als er zum drittenmal hinauszog, bei einem Sturmangriff in den Vogesen so schwer getroffen, daß er nach einigen Wochen im Lazarett der Verwundung erlag. M. war Schwiegersohn des Oberstabsarztes Tr. Rosenthal in Charlottenburg, der beim Ostheer steht und vor kurzem den einzigen Sohn im Kriege verloren hat. Die Beisetzung fand unter militärischen Ehren statt. Prediger Dr. L ehm a n n hielt die Gedenkrede. Berlin, 17. August. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Kriegsfreiwilliger Sanitätsunteroffizier Ernst Ruhemann, Sohn des Sanitätsrats Dr. Konrad Ruhemann; Kriegsfreiwilliger Arthur Groß; Sanitätsuuterofsizier Kauf m a u n; Offizierstellvertreter Heinrich Wittenberg; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Primaner Walter Salz; Zahnarzt Kurt Hahn; Feldunterarzt Robert Lesser; Feldunterarzt Alfred Fritz 9t o t h m a n n; Vizewachtmeister Georg S ch ö n l a n k; Bataillonsarzt Tr. R a w i tz k i; Osfizierstellvertreter Rechtsanwalt Julius T as se; Unteroffizier Mar K r u s ch ke; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Georg Freude n b erg; Bataillonsarzt Dr. Adolf Hahn; Leutnant d. R. Dr. Adolf H e r z f e l d, Beamter der Dresdener Bank, Groß-Berlin .Die gleiche Auszeichnung erhielten: Kriegsfreiwilliger Hans G o tst l i e b s o h n - Neustadt (Westpr.); Vizefeldwebel Kaufmann Ernst Beer-St. Ingbert, Pfalz, Sohn des dort verstorbenen Herrn Stadtrat Michel Beer und Bruder des ebenfalls mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichneten und zum Leutnant beförderten Kaufmanns Otto Beer; Kriegsfreiwilliger Artur Z e m p e l b u r g-Elbing; Grenadier Robert Jackier- Kosten; Oberveterinär David, Rechtsanwalt Dr. Wa r s ch mior (zurzeit Kriegsgerichtsrat in Rastenburg), Unteroffizier Alfred S ch l e s i n g e r - Posen; Kriegsfreiwilliger Walter G e r s o u (WA Jahre alt), Sohn de-s Herrn D. Gerson-Thorn; Offizierstellvertveter Richard Heynemai?n, Sohn des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes Herrn Gustav Heynemann-Magdeburg; Leutnant Oberregisseur Julius A r n s e l d - Hannover; Gefreiter Leo W ü r z - b u r g - Hamburg; Vizefeldwebel Willy K a tz e n st e i n -Kassel: Unteroffizier Hugo F r a n k - Herne, Westfalen; Kriegsfreiwilliger Gefreiter Bruno Abraham, Sohn des Kaufmanns Herrn A. Abraham-Aruswalde; die Angestellten der Firma A. Katz u. Sohn zu Güttingen: Offizierstellvertreter Alfred Katz -Göttingen und Unteroffizier Ernst Ko op mann, Berne, Oldenburg; Osfizierstellvertreter Dr. Siegfried Auerbach, Sohn des Herrn Wolsgang Auerbach-Frankfurt a. M.. dessen zweiter Sohn, Herr Heinrich Auerbach, bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes, zum preußischen Leutnant befördert worden ist. A. Aritswalde, 18. August. Wie in vielen anderen Orten sind auch hier einige polnische Juden durch den Krieg zurückgehalten worden. Es sind solche, die in der näheren und ferneren Umgegend Handelsgeschäfte mit Wagenschmiere und dergleichen Waren treiben. Während