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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-20 · Heft 34 (20.8.1915) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 34 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 408 (sequence 12)
Language
German
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408 windbare Gründe gehabt haben, sonst— Um keinen Preis, selbst nicht um den meines Glückes will ich zur SNavin werden. Die „Königin Esther" beleidigt man nicht ungestraft. Den.1914. Ach, was ist alle Vornahme, alles Ausmalen! Es kommt ja doch alles anders, als man vorher denkt. Rede einer von beleidigter Würde, von eignen Schmerzen, wenn er sieht, der andere hat so viel größere dnrchgemacht. Ich war in einen Torbogen zurückgetreten, damit ich Josua vorher kommen sehen konnte. Meine Miene sollte ihm doch nicht so unbeherrscht, nicht so in der ersten Erregung vor Augen kommen. Stolz, gefaßt und kühl wollte ich ihm entgegentreten. Alles war vergessen, als ich sein bleiches Gesicht, seine gespannt ins Weite gerichteten Augen sah. „Hier bin ich," sagte ich tonlos und trat aus dem Hause, an dem er ahnungslos hatte vorbeihasten wollen. Ich hielt eine feuchte und doch eiskalte Hand in der meinen. Haben wir unsere Hände auch rechtzeitig wieder losgelassen? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur noch, daß wir angefaßt bei der Bank im Park ankamen, daß ich ihn dahingeführt hatte, beinahe wie eine Mutter ein Kind, das leise stöhnt und willenlos folgt. Ach nein, da war nichts mehr in mir von königlichen Gefühlen. Er lehnte leise den Kopf an meine Schulter. Wir sprachen lange Zeit nichts. Endlich preßte ich heraus: „Ich war vorgestern auf dem Wochenmarkt. Ich suchte Ihre Mutter, aber ich hörte, daß sie jetzt nicht mehr über die Grenze kommt." Als er hörte, daß ich seine Mutter ausgesucht habe, legte er die blassen Finger aus seine Augen. Als er sie wieder hob, glaubte ich, die Lider gerötet zu sehen. „Josua," sagte ich leise. Ich hatte nicht das Gefühl, als sage ich mehr, als ich sagen durfte. Ich habe es auch jetzt noch nicht. „Josua, warum quälen wir uns so? Wir haben uns doch lieb und wissen, daß wir uns lieb haben?" Er schüttelte leise den Kopf. Ganz verwüstet sah sein Gesicht aus. „Quälen Sie mich nicht noch mehr, Esther," sagte er leise stöhnend. „Es kann ja nicht sein. Zwei Welten! Ihre und meine!" Er sprach es, als wolle er den Abstand zwischen Himmel und Hölle auseinanderhalten, so weit ausholend, so trennend. „Sind Sie deshalb am Sonnabend nicht gekommen?" sagte ich leise. Kein Tön des Vorwurfs lag mehr in meiner Frage. Er nickte. „Ich wollte Sie nicht mehr Wiedersehen, ich kann es nicht, Esther." Er sprach bebend, sehr, sehr aufgeregt. „Um Gottes willen, machen Sie es mir nicht noch schwerer. Sie wissen so gut wie ich, daß ich Sie liebe, und daß es nicht sein kann, nicht sein darf." „Josua!" Ich versinke in der Flut. Ich verglühe in den Flammen der Seligkeit, die mich umlodern, über mir zusammenschlagen, mich umzüngeln und umleuchten im brennenden Kuß. Da ist es ja heraus, das heißersehnte, das gesegnete Wort. Er liebt mich. Ich tvußte es schon lange, aber — er hat es mir gesagt. Er hat es mir gesagt mit dem Trennungswort zugleich, und doch und doch — daß ich nicht aufgejauchzt habe, daß ich habe still bleiben und ihn, den Armen, den Grausamen, nur glückstrunken, selig habe anlächeln können. Was sind all seine Bedenken, seine klügelnden, übertriebenen, übergewissenhaften Erwägungen? Er liebt mich. Ich habe bas Zauberwort vernommen, ich trage den Wunderschlüssel in Händen, der mir die Pforten des Paradieses öffnet. Ist es noch weit bis dahin, mein Josua? Liegen viele Steine auf dem Weg? Es gibt nicht so große, daß meine junge Kraft sie nicht forttragen, nicht so viele, daß meine Geduld sie nicht auflesen könnte. Ich mache den Weg frei. Wir schreiten hinein in das Paradies. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Niemirower, Dr. I. F. Frei und Treu. „Jabnehistisch. Essays. Bukarest 1914. 205 S. Was der Verfasser anstrebt, ist die Schaffung eines Bereu iaungspunktes, in dem alle die verschiedenen religiösen, kulturelle!, sozialpolitischen Bestrebungen innerhalb des Judentums un! r höheren geistigen Gesichtspunkten betrachtet >und zum Nutzen du Gesamtheit fortentwickelt werden (S. 5—16), ein namentlich in d r durch den Krieg geschaffenen Lage vielleicht utopisches, aber seir ideales und beachtenswertes Ziel. Ob ihm freilich durch den n seiner deutschen Form sehr seltsam klingenden Titel Jabnehistist ie Akademie viele Anhänger gewonnen werden können, erscheint nur Zweifelhaft. Noch weniger werden die 22 anderen in dem Br ch vereinigten Aufsätze, die unter den Rubriken „Zur neuesten E schichte des Judentums und der Juden" (S. 5—112), „All-Jsre.'l und All-Judentum" (S. 113—170), „Jabnehistischer Zionismu " lS. 171 -200) vereinigt sind, dem Verfasser Anhänger werben; v sind Aufsätze, die seit der Jahrhundertwende in verschiedenen Ze> schriften erschienen sind, die, als sie aktuell waren, vielleicht einig $ Interesse beanspruchen konnten, deren Wiederabdruck aber alshöä't überflüssig bezeichnet werden darf. J. E. Mchtrrinlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Alte und neue Balladen und Lieder des Freiherrn Börri -e v. Münchhausen. Auswahl fürs Feld. 1. bis 5. Tausend. Ecpn Fleischet u. Co., Berlin. Im Kriegsjahr 1915. Emanuel Geibels ausgewählte Werke in zwei Bänden mit ein r Einleitung, herausgegeben von Dr. Max Mendheirn. 1. Band Erdichte. 2. Band epische Dichtungen, dramatische Dichtungen, Uebi setzungen. Leipzig, Philipp Reclam jun. Emanuel Geibels Werke. Vier Teile in einem Bande. Hercu - gegeben von Dr. R. Schacht. Mit drei Bildnissen, zwei Abbildung u und vier Handschriften. Hesse u. Becker, Verlag, Leipzig. Internationale Rundschau. 1. Jahrgang, 1. Heft. Juni 191 . Druck und Verlag Artistisches Institut Orell, Füßli, Zürich. Pre - 50 Pf. Der Don Juan der Bella Riva. Von Rudolf Presber. Deutsc h Verlagsanstalt, Stuttgart und Berlin 1915. Deutsch-französisches Gesprächswörterbuch. Vollständiger De metscher für den deutschen Soldaten im Verkehr mit Franzosen. Net t leicht lesbarer genauer Bezeichnung der Aussprache und einer ku; gefaßten Grammatik von Paul Blaschke, Lehrer romanischer Sprache . Stettin, Druck und Verlag von Herrcke u. Lebeling. Krieg dem deutschen Handel. Neue Folge. Die englischen Ma nahmen und Vorschläge zur Verdrängung von Deutschlands ru Oesterreichs Handel und Industrie. Aus dem Englischen übersetzt w Neinhold Anton. Herausgegeben und mit einer Einleitung versehvon Anton Kirchrath, Chefredakteur der „Magdeburgischen Zeitunc. 1 Mark. Leipzig 1915. Otto Gustav Zehrseld, Verlagsbuchhandlm Unsere Feinde, wie sie sich selber loben. Selbsterkenntnisse d.r Franzosen, Engländer, Russen, Japaner, Belgier, Serben usw. Hc ausgegeben von Dr. Werner Klette mit 103 Karikaturen. Erschiene im Kriegsjahr 1915 im Delphinverlag, München. Blätter der Erinnerung an den am 11. Mai 1915 dahingeschiedem i Herrn Abraham Lewandowsky seligen Andenkens. Trauerrede, geh alt .-i von Dr. D. Leimdörser, Rabbiner und Prediger zu Hamburg. Har - bürg 1915. Methods o! teaching. Jewish history senior grade. By E ward N. Calisch, Ph. D. Philadelphia (Pa). Correspondenee Scho 1 for religious school teachers. Conducted by thc jewish chautauqo.t society. Methods of teaching. Pedagogy applied to religious b * struction. By David E. Weglein, A. M. The jewish chautauqr t society. Philadelphia, 1915. Dr. M. Poppel a u e r s Berliner Volkskalender für Israeliten m r das Jahr 5676 (1916). Mit literarischen Notizen und einem Geben blatt versehen. 56. Jahrgang. Verlag M. Poppelaner, Buchhandluw Berlin C 2, Neue Friedrichstraße Nr. 59.

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