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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-20 · Heft 34 (20.8.1915) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 34 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 an andere, die ihre Blutsteuer entrichtet oder im grünen Rasen in sremder Erde gebettet ruhen, sind die Seelen ja besonders präpariert für den, Ernst und die Weihe eines würdevollen Gottesdienstes. JLwi Ihr in jeglicher Beziehung das Elirige — wir werden llnsrjqe tun! Laumn/o. Gompkrl^-Lkttkihkim. Z un h xjtfm 70. G e b u r t s t a g e, de m 1. I u n i 1915. / Bon Regi n a N e i ß e r1). itten des heißen Völkerringens unserer Tage blicken f jf wir in dankbarer Verehrung auf die edle Frau, die vor einem halben Jahrhundert zu den gefeiertesten und hervorragendsten Sängerinnen ihrer Zeit, zu jenen Auserwählten und Bevorzllgten in der Kunst zählte, die unvergeßlich in der Erinnerung aller derer fortleben, die je des Vorzuges teilhaftig geworden sind, ihren unvergleichlichen, künstlerisch vollendeten Darbietungen lauschen zu dürfen. Wer sie einst auch nur ein einziges Mal gehört hatte, bewunderte nicht nur das gottbegnadete Talent und die vorzügliche Schulung, sondern nahm auch sofort wahr, daß hingebungsvollstes Studium, gepaart mit hohem Ernst und rastlosem Fleiß, die großartige Künstlerschaft gezeitigt und gereift hat. Nicht minder erkannte man sofort die denkende Künstlerin, die, innig vertraut mit der Geschichte der Meister, in den Geist der Tonwerke, die sie zu Gehör brachte, eingedrungen war. Die Vielseitigkeit der Künstlerin, die sich, gleichermaßen den höchsten Ansprüchen genügend auf der Bühne wie als Lieder- und Oratoriensängerin im Konzertsaal, bekundete, setzte die Zeitgenossen in Erstaunen. Diese junge Jüdin sang alles mit ebenso wohltuender Wärme der Empfindung und selbständiger Auffassung als Geschmack. Edles Maß, Weiblichkeit, Grazie, Gemütstiefe des Ausdruckes bezeichneten ihre vornehme Bortragsweise; sie begeisterte, rührte, wirkte hinreißend. Die Wiege der trefflichen Sängerin stand in Pest. Dort erblickte sie am 1. Juni 1845 das Licht der Welt. Es war ein besonders glücklicher Umstand für die geistige und musikalische j Entwicklung der kleinen Karoline, bei der sich schon frühzeitig bedeutende musikalische und stimmliche Begabung bemerkbar machte, daß ihre Familie nach Wien übersiedelte. Dort bildete kein Geringerer als der jüngst verstorbene Komponist der „Königin von Saba", Karl Goldmark, das kunstbegeisterte junge Mädchen zur hervorragenden Pianistin heran, während ihre prachtvolle Altstimme, mit Liebe und Sorgfalt von dem Gesangsmeister Läufer gepflegt, ebenso umfangreich als ausgeglichen in der Höhe als in der Tiefe, zu seltener Schönheit und Größe sich entfaltete. Noch auf der Grenze zwischen Kind und Jungfrau errang Karoline ihre ersten künstlerischen Lorbeeren als Pianistin. Kaum fünfzehnjährig betrat sie die Bühne der k. k. Hofoper in Wien. Ihre wunderbare, trefflich geschulte K Unlieb verspätet. Die Redaktion. Stimme, ihr hervorragendes dramatisches Talent, vereint mii ihren hohen geistigen und seelischen Vorzügen wie'unermüdlichem Streben, Ließen sie einzig-eigenartige, ebenso stilvolle aU gediegene Leistungen darbieten, so daß sie in den Jahrei 1860—1867 der hochgefeierte Liebling der Wiener Oper wurde wo sie namentlich in hochdramatischen Partien als Azucena Fides, Selika u. a. m. stets die höchste Bewunderung erregte. Wiederholt wurde ihr die Ehre zuteil, von der geistvollen Erz Herzogin Sophie, der Mutter Kaiser Franz Josefs I., zu Hof konzerten befohlen zu werden, und der Kaiser zeichnete sie dunh Ernennung zur k. k. Kammersängerin in Anerkennung ihre, außerordentlichen künstlerischen Leistungen aus. Der temperamentvollen Vertreterin leidenschaftliche Frauentypen erwuchsen nicht nur in Wien und in der ganzen österreichisch-ungarischen Monarchie, sondern auch in Deutsch Land und England reiche künstlerische Erfolge als Liederun1 Oratorienfängerin. Ihre Konzert reisen nach Leipzig, wo sie im Ge wandhause als Sängerin und ar einem Kammermusikabend als Pio nistin erschien, nach Bremen, w sie mit Klara Schumann gemein sam in einem Konzert auftrat, Gast spiele in Breslau, Graz, Frankfm a. M. und zahlreichen anderen deut schen und österreichischen Musil städten, ihre Mitwirkung bei der Musikfesten in Aachen und Harn brrrg und nicht zuletzt drei Spiel zeiten an der großen italienische Oper in London gewannen ihr bat den Ruf und "Ruhm einer de größten Sängerinnen der Zeit. Im Zenith ihrer künstlerische! Wirksamkeit vollzog sich ein en scheidender Wendepunkt in Karl line Bettelheims Leben. Ihre Ver mählung mit dem in alle nationalökonomischen Fragen hoc! bedeutenden Reichsratsabgeorl neten und Präsidenten der Brunne Handelskammer und späterer Präsidenten der Brünner israeliti schen Kultusgemeinde, Julius Gon pertz, der infolge seiner großen Ver dienste um den Handelsstand zm Ritter ernannt wurde, setzte ihrer künstlerischen Laufbahn i der Oeffentlichkeit allzufrüh ein Ziel. In Brünn und in Wien wurde das Gompertzsche Haus de Vereinigungspunkt eines erlesenen Kreises bedeutende Persönlichkeiten. Die Kunstausübung der geist- und genno vollen Hausfrau galt fortan nur ihren zahlreichen Gästen un ' dem Dienste der barmherzigen Nächstenliebe. Ihre wertvoll? Mitwirkung verlieh eine lange Reihe von Jahren den große.'. Wohltätigkeitskonzerten in Brünn und Wien erhöhten Glan. Seitdem sie den Witwenschleier trägt, ist ihr einst so sangen freudiger Mund verstummt. Ihrem Gatten, der ihr längc. als vier Jahrzehnte zur Seite blieb, die aufopferndste, hin gebungsvollste Gefährtin, fürsorglich, treu und hilfsbere t ihrem großen Familien- und Freundeskreise, eine warmherzig Bekennerin ihres angestammten Glaubens, hat Frau v. Gom pertz, auf den Höhen des Lebens stehend, jederzeit unentweg ihre von vornehmer Güte durchleuchtete, echt Menschenfreund liche Gesinnung bekundet, indem sie bemüht war und ist, No! und Elend nach besten Kräften zu lindern. Möge sie noch langc Raroline Bettelheim. MW

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