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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-13 · Heft 33 (13.8.1915) · p. Seite 394

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 33 (13.8.1915)
Date
1915-08-13
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 während der höchste kaiserliche Vertreter, der Generalgouverneur, höhnisch jedes Eingreifen von Polizei und Militär zurückwies 'and die Greuelszenen geschehen ließ. Die zweite Serie der Pogrome begann am griechischen Osterfest 1882 in der südrussischen Stadt Balta, wo die Greueltaten noch schlimmer und blutiger als bisher waren. Graf Jgnatiew — der leitende Minister Alexanders HI. — verbot, öffentliche Versammlungen für die ansgeplünderten Juden zu veranstalten, und begann sogleich die systematische Entrechtung der Inden, die seines Namens Fluch in Ewigkeit bilden wird. Sein im August 1881 erlassenes Zirkular, das die Bildung von Lokalkommissivnen in allen Bezirken des Ansiedelungsrayons anordnete, um die wahre Veranlassung zu der an dem jüdischen Besitz verübten Plünderung zu ergründen, hatte nicht etwa den Zweck, den Juden Genugtuung zu gewähren, ihnen Mitgefühl zu zeigen, sondern sollte die Gewaltakte gewissermaßen rechtfertigen und den Glauben Hervorrufen, „das Benehmen der Juden habe den Protest der Bevölkerung hervvrgerufen und dieser Protest habe sich in Gewaltakten und Räubereien geäußert", „das Land sei gesetzwidrigen Handlungen preisgegeben, die die Agitation herbeigeführt haben". Derartige Redewendungen sind Anschuldigungen höchst ausstachelnder Art und waren ganz dazu angetan, zu weiteren Gewalttätigkeiten anzuregen. Das ministerielle Dokument gibt die Einsetzung von Kommissionen kund, um Ermittelungen anzustellen, nicht um Besserung zu schaffen. Alle in dem ministeriellen Zirkular den Kommissionen vorgelegten Fragen waren derart abgefaßt, daß diese nicht anders konnten, als die Juden mit all ihren Fehlern auszumalen, auf alle schädliche Seiten ihrer Tätigkeit aufmerksam zu machen. Das Zirkular wollte nur „Fehler", „schädliche Seiten", die „negativen Eigenschaften" der Juden kennen. Dennoch haben die Lokalkommissionen ihre Aufgaben anders gelöst. Trotz des ausdrücklichen Vermerks des Zirkulars, „daß man sich veranlaßt sehe, die Rechte der Juden einzuschränken", haben es einige Kommissionen versucht, die Erweiterung vvrzuschlagen; noch andere haben es gewagt, ans dieser speziellen Frage eine allgemeine zu machen und ihr eine sowohl politische wie humanitäre Lösung zu geben: den Juden volle Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Jedenfalls ganz und gar im Widerspruch mit den eigentlichen Wünschen der meisten dieser maßgebenden Kommissionen hat der Kaiser aus Antrag Jgnatiews die „berühmten" Maigesetze vom 3. Mai 1882 „temporär" erlassen. Diese traurigen Gesetze hatten für die Juden verhängnisvolle Folgen, denn sie verbieten ihnen den Aufenthalt aus dem flachen Lande, den Ankauf von ländlichem Bodensitz, auch dessen Pachtung und Verwaltung. Allein Jgnatiew war es nicht bestimmt, das von ihm angezettelte Werk nun auch auszuführen. Seine Frevel stürzten ihn noch in demselben Jahr. Sein Nachfolger Graf D. Tolstoi ließ sogar den schwer betroffenen Juden manche Milderung widerfahren. Doch ob milde oder streng angewandt, die berüchtigten „temporären" Maigesetze blieben im russischen Staatsgesetz auch nach dem Sturz ihres Urhebers „immerwährend" bestehen. Es bedurfte nur einer Wiederbelebung der antisemitischen Regungen in den Regierungskreisen, um die volle Ausführung zu veranlassen. Die Erbschaft Jgnatiews trat ein weit einflußreicherer Mann an, Pobjedonoszew, ehemaliger Professor der Jurisprudenz und Erzieher des Kaisers. In seiner Eigenschaft als völlig unabhängiger Oberprokurator des „Heiligen Synod" führte er eine Aera religiöser Intoleranz über Rußland. Was nicht streng orthodox war, auch Lutheraner und römische Katholiken, hatte Unterdrückung zu leiden, wenngleich nicht so sehr wie die schutzlosen Juden, die jedes günstigen Einflusses nnd jedes Rückhalts entbehrten. In einer Senatsentscheidung war die wichtige Begründung hinzugesügt, daß der Zweck jener Maigesetze „die vollständige, wenn auch allmähliche Entfernung der Juden vom platter Land" sei. Ein weiteres Unglück war die Härte, mit der biefi Gesetze von den Beamten gehandhabt werden. Kleine Städt chen und Flecken werden zu Hunderten als Dörfer amtlich er klärt, um den Aufenthalt der Juden zu verbieten. Mit den „temporären" Gesetzen von 1882, die Juden von flachen Lande zu verjagen und sie in die Städte einzuzwängen war es nicht genug. Es wäre unmöglich, hier im einzelne« alle die Ausnahmegesetze aufzuzählen, die namentlich in den Jahren 1891 und 1892 gegen die Juden aufgestellt und erneuert wurden. Die Regierung Kaiser Alexanders III. wollt? den Juden die wenigen Rechte entziehen, die ihnen eine wenig, wohlwollende Gesetzgebung noch gelassen. Es hat keine Woch ■ gegeben, wo nicht die russischen Zeitungen irgendein Gese: erwähnten, irgendein Dekret, eine Verordnung oder eü Zirkular, sei es vom Minister oder Gouverneur, die die Jude eines ihrer Rechte oder eines Broterwerbes beraubten. (Fortsetzung folgt.) Srr lange Nock. Roman von Anna Goldschmidt. <14. Fortsetzung.) ^^^ie sonderbar, daß alle, aber auch alle mit dem Redne darin gleicher Meinung waren, daß der Zionismu das Judentum selber sei, daß nur die Zionisten ihm seine? Bestand sichern, die Menschen wieder zu Juden machen können Hat keiner von ihnen so einen Mann wie Adolf Kaufmani gekannt? Glauben sie nicht, daß der auch seine Schüler zi guten, begeisterten Juden erziehen kann? Du hast mich zur Jüdin gemacht, Josua, und du bist ei Zionist. Dem Zionisten Moritz Hehmann wäre es nie ge lungen, und des Nichtzionisten Adolf Kaufmanns Lehren sin mir noch tiefer, noch wärmer ins Herz gedrungen als deine Doch weiter: wieso bäumte sich keines einzigen Bescheiden heit dagegen aus, wenn der Redner immer zwar „von bei Geld der klebrigen," aber von „dem Geist der Unseren" spraä dem „Geist", den jene „Geldmenschen" sich borgen mußten, s oft sie irgendeine wohltätige Einrichtung, Schulen usw. in Leben rufen wollten. Nun, ich meine doch, Leute, die ihr Glaubensgenossen glücklich machen wollen und Schulen unandere Bildungsstätten für den richtigen Weg dafür halten - sei es in Palästina, sei es sonstwo —, die müssen doch gut un gescheit sein, warum sprecht ihr so verächtlich, so höhnisch vv denen? Warum ist aller Geist bei euch und bei jenen nur da dumme, plumpe, seelenlose Geld?! Das mußt du mir alles er klären, Josua. Ich schrieb mir das Wort „Assimilation" ins Notizbuc Eine Dame neben mir meinte, ich wolle mich wohl nachher a der Diskussion beteiligen. Ach Himmel, traut die mir eine: Mut zu! Und das sei auch gleich gesagt: Ich finde es häßlich vo: euch, lieblos, beinah ein wenig hinterlistig — das kriegst t: zu hören, Josua —, daß ihr förmlich werbt um solche, die ei« Wort zur Sache sagen wollen. Ihr bittet dringend, ermunternd, nur von der guten Sache durchdrungen, jeden, de? etwas zu sagen, zu fragen habe, ganz gleich, wie es geschehe es kommt ja nicht auf die Form an, vorzutreten und z? sprechen. Und wagt sich dann wirklich einer, ungewand

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