Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1915)
- Date
- 1915-08-13
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
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389 linüber. Äon den zahlreichen Aufgaben, die Proskauer hier ufielen, sei an dieser Melle nur die hygienische Kontrolle der berliner Wasserwerke genannt, wie er überhaupt an den Arbeiten Kochs, welche die Trinkwasserversorgung auf eine ,ygieuisch-wissenschaftliche Grundlage stellten, in hervorragendem Maße beteiligt ist. Als Koch 1891 in das für ihn gerundete Institut für Infektionskrankheiten übersiedelte, über-!a h in Proskauer die Leitung des dortigen chemischen La-boatorinms und wurde 1903 dessen Abteilungsvorsteher. Im mhre 1907 verließ er den Staatsdienst, um die Direktorstelle es nach seinen Plänen errichteten Berliner Untersuchungsmtes für hygienische und gewerbliche Zwecke zu übernehmen. Das Arbeitsgebiet Proskauers war ein ungemein umsassencs. Will man einzelnes herausgreifen, was ihm besonders in Herzen lag und wo er autoritatives Ansehen genoß, so miß man die Gebiete der Wasserversorgung und Abwässercseitigung und die Desinfektionslehre nennen. Seine Unterucyungen über die Berliner Bodenverhältnisse, über stark eisen- .iltige Tiefbvuunenwasser, über as Wesen der Enteisenung und er natürlichen und künstlichen iltrativn von Trinkwasser sind neziell für die Berliner Wasserrjorgung von großer Bedeutung .'worden. In den letzten Jahren 'niidte er sein Interesse besonders ,'r Sterilisation von Trinkwasser urch Ozon zu, und sein Rat und ine Ansicht wurden bei der Erchtung der größten derartigen illagen eingeholt. Aus dem Gert der Desinfektion hat er gemein- »n mit Fischer über die Bedeu-!>ng von Chlor und Brom als esinfektionsmittel, mit Elsner und oiiradi über die Desinfektion von ierhaaren mittels Wafserdampfs rarbeitet. Auch die Formalin- -rinsektion war vielfach Gegenand seiner Studien, die ihn u. a. ur Konstruktion eines vielgerauchten Apparats für die Raumrsinfektion führten. Mit Beck errichte er die Lebensbedingungen der Tuberkelbazillen und ab einen Nährboden zur Züchtung derselben an. Die erste rbeit Wassermanns aus dem Kochschen Institut ist in dem aboratorium Proskauers entstanden und in Gemeinschaft mit iesem veröffentlicht worden. Sie handelte über die von den ifththeriebazillen erzeugten Toxalbumine, während er mit lfeiffer Studien über die spezifisch wirksamen Körper im Blutrvnm von choleraimmunen Tieren veröffentlichte. Aber nicht Hein als Forscher, sondern auch als Lehrer hat sich Proskauer etätigt und 24 Jahre lang hygienische Kurse an der Kaiser- Oilhelms-Akademie für militärisches Sanitätswesen abgealten. Dies nur einiges über die Tätigkeit Proskauers, die sich um großen Teil auch außerhalb des Laboratoriums abspielte, oie Begutachtung auswärtiger Wasserversorgungsanlagen nid besonders die Bekämpfung von Seuchen und Massenrkrankungen, die mit der Wasserversorgung zusammenhingen, erachten es mit sich, daß er häufig mit Koch oder anderen duner Mitarbeiter verreisen mußte. Diese gemeinsamen Reisen brachten nicht nur reichen wissenschaftlichen Gewinn, sondern 'siegten auch durch den unter den Schülern Kochs herrschenden, llark an Witz und Scherz gestimmten Ton für Proskauer von Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. B. proskauer. großem Reiz zu fein, und gern und mit gutem Humor pflegte er, der sich selbst mit besonderer Vorliebe als Schüler Kochs bezeichnete, von ihnen zu berichten. In dem Berliner llntersuchungsamt, dem Proskauer infolge seiner schweren Erkrankung, nur wenige Jahre vorstehen konnte, hat er eine mustergültige Organisation geschaffen. Er hat unter anderem die analytische Kontrolle der im Submissionswege beschafften Nahrungsmittel «und Bedarfsgegenstände für die Krankenhäuser und sonstigen Verwaltungsstellen der Stadt Berlin eingesührt, die Vorslutuntersuchung ausgebaut, die Wasser- und Rieselfeldkontrolle eingeführt und dergleichen mehr, Kurse für Desinfektoren eingerichtet und durch die Organisation der Diphtherieuntersuchung viel zur Bekämpfung dieser heimtückischen Kinderkrankheit beigetragen. Trotz seiner anstrengenden beruflichen und privatwissenschaftlichen- Arbeit fand Proskauer auch noch Zeit zur gemeinnützigen Tätigkeit. Viele Jahre war er Schriftführer des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege und der Freien -hygienischen Vereinigung. Seues Leben sus Lumen. A « § ostpreußifch e n Gemeinden. Von Rabbiner Dr. V o g e l st c i ». dieser Krieg bedeutet, 1/^/ weiß der nicht, der im Binnenlande lebt. Dank der hervorragenden Organisation unseres gesamten Lebens sind die schwersten Erschütterungen des Krieges auf den meisten Gebieten überwunden. Freilich die allgemeine Sorge bleibt wie -die Sorge um die Angehörigen im Felde oder die Trauer um die Gefallenen, und der Anblick der Verwundeten und die reiche Liebestätigkeit, die sich allenthalben regt, lassen auch den nicht unmittelbar Beteiligten die Schwere des Krieges empfinden. Ganz anders in Ostpreußen. Wer wissen will, was dieser Krieg für Ostpreußen bedeutet, der lese den Vortrag, den unser Oberpräsident v. Batocki am 10. März in Berlin gehalten hat. Wir wußten, welche Gefahren uns drohten, welches Schicksal unser harrte, wenn Deutschland in dem gigantischen Entscheidungskampf unterliegen würde. Hier gab es keine jubelnden Volkskundgebungen, als der Krieg ausbrach; aber zuversichtliche ernste Entschlossenheit und fester Wille erfüllte alle. Daß wir von den Schrecken des Krieges nicht verschont bleiben würden, wußte jeder. In der dritten Augustwoche kam die russische Invasion mit allen ihren Greueln; fast bis vor die Mauern Königsbergs drang der Feind, den Kanonendonner der Kämpfe an der Deime in den ersten Septembertagen haben wir in der Stadt gehört. Aber wie furchtbar haben weite Gebiete der Provinz durch den zweimaligen Einsall der Russen und die schweren Kämpfe gelitten! Auf das schwerste ist das jüdische Leben in Ostpreußen durch den Krieg geschädigt worden. Früher als irgendwo sonst ist der gediente Landsturm in Ostpreußen zu den Fahnen einberufen worden, vom ersten Tage an fehlten die Gemeindemitglieder und die Gemeindebeaniten in den meisten Gemeinden. Außer Königsberg zählt Ostpreußen nur ganz wenige