Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1915)
- Date
- 1915-08-06
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Versammlung u. a. den Direktor des Kaiser-und-Kaiserin-Friedrichnnderkrankenhauses, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Baginsky, >ie Professoren Dr. Lazarus, Dr. Czempin, Dr. r a r c w s k h , Dr. S o ü e r n h e i m. Das Gesundheitsamt der Stadt Berlin und alle Bereinigungen hatten dem Entschlafenen Prachtvolle lränze gewidmet. Auch die Stadt Charlottenburg ließ einen solchen >urch bcn Stadtrat Sanitntsrat Dr. G o t t st e i n und die Stadt 5chvneberg durch den Stadtrat Dr. Krieget niederlegen. Nach inem Chorgesange hielt Rabbiner Dr. Warschauer die Gedächtlisrede, iu der er da^ segensreiche Wirken, des Dahingeschi-edenen childerte. Nach abermaligem Chorgesang und dem üblichen Gebet Zvlgte die Beisetzung. 2£2 Berlin, 2. August. Aus Anlaß des 25 jährigen Dienstjubiuuns des Bureauvorstehers Herrn Nathan Cohn bei der Arrneunnmission der jüdischen Gemeinde zu Berlin fand gestern um 12 A M)v nachmittags in dem mit Blumen dekorierten Plenarsitzungssaal es 2. Verwaltungsgebäudes der jüdischen Gemeinde eine stimmungsa'üc Tscicr statt. Eingeleitet wurde dieselbe durch das von der Operntugeriu Frau Ellen Saar vorgetragene „Halleluja" von Ferd. nunmel. Hierauf sprach der Vorsitzende der Armenkommission, Herr Uistizrat Me her, im Aufträge des Vorstandes der jüdischen Geu'inbe dem Jubilar herzliche Glückwünsche und Worte der Anerennung aus und überreichte im Aufträge der Gemeindebehörden eine hrengäbe. Aus der Beamtenschaft hielten Ansprachen die Herren . Schwarz, M a n s b a ch e r , S i l b e r b e r g, K a h n. Der iibitar erwiderte jedem einzelnen der Redner. Die Feier schloß mit iler von Herrn Esra Bendit vorgetragenen Arie aus dem „Elias" au Mendelssohn. Die Harmoniumbegleitung hatte der Komponist nd Gesanglehrer Herr Max Widetzki freundlichst übernommen. Zur eier waren eingeladen nächst den Angehörigen des Jubilars sämtche Bearnte des 2. Verwaltungsgebäudes und eine Abordnung der samten des 1. Verwaltungsgebäudes. Eine Reihe von Ehrenl'amten der Gemeinde wohnte der Feier gleichfalls bei. Ter Jubilar mrde durch Angebinde seitens der Kollegen sowie der Herren Abalungsvorsiheuden der Armenkommission usw. erfreut. Zahlreiche elegramme und Glückwunschschreiben brachten die Anerkennung zum Ausdruck, die man dem Jubilar in weiten Kreisen der Gemeinde zollt. S£2 Berlin, 3. August. Auf Anregung des jüdischen Hilfsa m i t e e s f ü r den t ü r k i s ch e n „Rote it Halb m o n d" ist irzeit ein „Zentralhilfskomitee für Palästina" in Bildung begriffen, as Komitee ist für die neutralen jüdischen Kreise bestimmt, die die amnreltätigkeit der bereits bestehenden Parteikomitees nicht erfaßt, s soll sich zunächst auf die Zentralstaaten und die neutralen Länder uroPas erstrecken. Das Komitee bezweckt einerseits die sofortige Milderung der durch den Krieg herbeigesührten und durch die Heuäreckenplage noch gesteigerten Not unserer Glaubensgenossen in lllästina, andererseits die Schaffung eines Zentralhilfso u d s, der nach dem Friedensschluß die Unterbringung eines Teiles iiserer durch den Krieg entwurzelten östlichen Brüder im Orient ^möglichen soll. Das „Aentralhilfskomitee" gliedert sich in Landesomitees. Dem Deut s ch e n L a n d e s k o m i t e e, das sich zugleich ls vorbereitender Ausschuß des Zentralhilfskomitees beätigt, sind fast sämtliche Mitglieder des Hilfskomitees „Roter Halbmond", im ganzen bis jetzt rund 250 hervorragende Glaubensenossen aus allen größeren Gemeinden Deutschlands, bei getreten. 0if Grund der durch Dr. Alfred Nossig als Vertreter der Leitung des Deutschen Landeskomitees mit den maßgebenden jüdischen reisen Wiens durchgeführten Unterhandlungen hat sich ein O ester- ' e i ch i s ch e s Landest o m i t e e des Zentralhilfskomitees gebildet, ^eul nachstehende Persönlichkeiten angehören: Kaiserlicher Rat Will), ^nnillger, Dr. Gustav Kohn, Vizepräsident der israelitischen 8ultusgemeinde Wien, Heinr. M e n dl, P r ü s l d i u m. In Wien: -lick). Bettelheim, Prokurist des Bankhauses S. M. v. Noth- 'child, Universitätsprofessor Dr. Sal. Ehrmann, Oberrabbiner - r. G ü d e in a n n , Reichsratsabgeordneter Dr. Jul. O s n e r , lluiversitätsprofessor Dr. Jos. Pollak, Dr. Bruno Pollack E d l e r v. P a r n a u , Kaiserlicher Rat Leop. Sachs Edler v. S a ch s e n h a l l. Ferner sind folgende Gemeinden durch ihre Präsidenten und Rabbiner in dem Komitee vertreten: Aussig, Bielitz, Bri'mn, Graz, Krakau, Lemberg, Linz, Nikolsburg, Pilsen, Prag, rriest, Troppau. Ueberdies trat dem Oesterreichischen Landeskomitee die gleichzeitig gebildete „ H i l f s k o m m i s s i o u 1915" korporativ bei. Diese Kommission hat sich unter Führung von Kaiserlichem Rat A. S ch r a m e k, Dr. I. S. Bloch, Oberrabbiner Dr. B r o d h - Prag, Rabbiner Dr. M. Gr unwald, Akad.-Maler D. Kohn, Oberrabbiner W. Reich- Baden und vielen anderen bekannten Persönlichkeiten die Unterstützung der notleidenden österreichischen Juden in Palästina zur Aufgabe gemacht. Auf diese Weise ist dm' einheitliche Hilfsaktion in Oesterreich-Ungarn ermöglicht worden. Das B a n k h a u s S. M. v. Rot h s ch i l d in Wien erklärte si h bereit, die eintallsenden Sprudels entgegeuznnehmen. Als Geschäftsführer im Ehrenamt betätigt sich Herr Rabbiner Dr. Max G r u n - w a l d. Bisher zeichneten unter anderen: Louis Freiherr v. Rothschild 10 000 Kronen, Sigismund Freiherr v. Springer 5000 Kronen, Leop. Pollack v. Parnegg 2000 Kronen, die Bankdirektoren Dr. Hammerschlag, Alexander Weiner, Wilhelm Kux, Em. Raumann je 1000 Kronen, ein Unterbeamter in Aussig 5000 Kronen, H. und F. Mendl 700 Kronen usw. Die „Hilsskommission l9l5" war bereits in der Lage, insgesamt 30 000 Kronen für die Notleidenden in Palästina zu überweisen. Auch dem „Zentralhilfssouds", der zu einem späteren Zeitpunkt zur Verwendung gelangen soll, ist aus diesen Spenden bereits eine beträchtliche Summe zugeführt worden. In R u m ä n i e n ist ebenfalls ein L a u d e s k o m i t e c in Bildung begriffen. Als Ergebnis eines für den „Zentralhilfsfonds" in Bukar e st von der dortigen Loge „Lumina" veranstalteten Abends wurde an das Präsidium des vorbereitenden Ausschusses ein nicht unbedeutender Betrag abgeführt. Zahlstelle in Rumänien ist die Balten Moldova in Jassy und deren Filialen. Demnächst wird eine Zentrale des Komitees in einem neutralen Staate errichtet werden. ,1. Tilsit, 30. Juli. Bereits im vorigen Jahre beschloß die hiesige Gemeindeverwaltung zum Andenken an ihren Heimgegangenen Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Dr. Max Rosenkranz (gestorben am 20. September 1913), in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste Um die hiesige Kreissynaaogenaenieinde eine Mar Rosenkranzsche Stiftung zu gründen, deren Zinsen am Jahrzeitstage des Verschiedenen an Arme verteilt werden sollten. Am Sonntag, 30. Mai d. I., überreichte eine Abordnung des Vorstandes und des Kuratoriums der Max Rosenkranzschen Stiftung der Witwe Fra u R o s e n k r a n z die Urkunde dieses würdigen, echt jüdischen Andenkens, das dem leider in dem besten Mannesalter Heimgegangenen wie der löblichen Gemeindeverwaltung nur zur Ehre und zum Segen gereichen kann. W. Posen, 30. Juli. In der j ü d i s ch en Unterk i: n f t § h ü t t e, einer segensreichen Institution innerhalb der hiesigen Synagogengemeinde, welche am 18. Januar 1913 dem Verkehr übergeben und durch die bis Ende Dezember 1913 2092 Nachtlager an die verschiedenen Kategorien von Durchreisenden (Männer. Frauen und Kinder, Kaufleute ltnb Talmud-Gelehrte) verabfolgt waren, hat auch im zweiten Berichtsjahre (1914) die Frequenz trotz des Allsbruches des gewaltigen Krieges, der Sperrung der Grenzen seit dem 1. August und des dadurch bedingten Fernbleibens der russisch-polnischen Wanderer nicht nachgelassen. Dadurch ist aufs neue die Notwendigkeit der Unterknnftshütte nachgewiesen. Aufnahme durch Nachtquartier und Aufenthalt am Tage wurde 1318 Männern, 648 Frauen, 57 Kindern und 213 M i l i t ä r p e r s o n e n zuteil. Es wurden also insgesamt 2236 Nachtlager verabfolgt. Bei Ausbruch des Krieges waren vereinzelte russische Juden an der Heimreise gehindert. Ihnen wurde wochenlang Obdach ltnb Verpflegung auf Kosten der Unterknnftshütte gewährt. Durch die sanitären Einrichtungen (Brausebad, Desinfektion der Wäsche und Kleider) wurde jede Infektion bazillärer oder parasitärer Natur in der Anstalt ausgeschaltet: wesentlich gefördert wurde die Anstalt durch die Beihilfe des V o r st a n d e s der hiesigen Synagogen- Gemeinde, ohne welche die Verwaltung mit einer Unterbilauz hätte arbeiten müssen. Der jüdischen Gemeinde gebührt dafür allseitiger Dank. Mögen in Zukunft edle Menschenfreunde mit ihrer Unterstützung die Bestrebungen dieses humanitären Werkes fördern, zumal ja noch Beendigung dieses Krieges die Unterknnftshütte in weil größerem Maßstabe benutzt werden dürfte als bisher. -- Den Vw. stand bilden die Herren Max E h r e n w e r t h , G. G ö tz , L. G r ü n , ^r. L. K a n t o r o w i c z, A. M endelsoh n - Briefen (Westpreußen), L. Meyer, R. Peter sdorff, H. Rat ko wski, H. Spanier. N. Tuch und H. Wollheim II.