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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-08-06 · Heft 32 (6.8.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 32 (6.8.1915)
Date
1915-08-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 &&& Dortmund, 30. Juli. X-L'm soeben erschienenen (14.) Jahresbericht des Vereins I s r a e l i t i s ch e s Alt e r s h e i m i n W e st - falen (E. V.) für das Jahr 1914/15 entnehmen wir, daß die Kriegszeit den Frieden des Hauses nicht gestört hat. Das vorige Jahr wurde mit 41 Pfleglingen geschlossen. Bis zur Erstattung dieses Berichts traten hinzu zwei Frauen und zwei Männer. Es schieden freiwillig aus drei Frauen und ein Mann, während durch den Tod fünf Männer und zwei Frauen ausschieden. Der Bestand ist hiernach gegenwärtig 34 Pfleglinge, von denen 23 Frauen und 11 Männer sind. Der Verein verzeichnete im Berichtsjahre 16 040 Berpflegungstage, was entsprechend dem Rückgänge der Zahl der Pfleglinge gegen das Vorjahr 366 Verpflegungstage weniger sind. Die Jahreszeitstiftungen beliefen sich am 31. März 1915 auf insgesamt 37 400 Mark. Der Bestand an Wertpapieren in der Stahlkammer bei der Essener Kreditanstalt in Dortmund beträgt ohne Abzug des Kursunterschiedes 66 200 Mark. Die Einnahmen betrugen 34 769,52 Mark, die Ausgaben 32 558,05 Mark, der Überschuß 2211,47 Mark. Der Verinoaensbestand am 31. März 1915 betrug 212 281,66 Mark. Die Zahl der'Jahreszeitstiftungen gegen den Durchschnitt der Vorjahre hat erheblich abgenommen, was wohl auf die Kriegszeit zurückznfi'lhren ist. Zum Gedächtnis der fürs Vaterland gefallenen Krieger beabsichtigt der Verein, in der Synagoge eine besondere Ehrentafel anzubringen: eine schöne und würdige' Ehrung der Tapferen, die für die höchsten Güter des Vaterlandes ihr Leben Hingaben. — Nürnberg, 30. Juli. Bei Ausbruch des Krieges hat die V e r w a l t u n g der i s r a e l i t i s ch e n K u l t u s ge m e i n d e dein Magistrat gegenüber sich bereit erklärt, die Armenunterstützung für minderbemittelte Glaubensgenossen in ausreichender Weise zu übernehmen. Die Gesamtausgabe, welche innerhalb von elf Monaten an in bedrängten Verhältnissen lebende und erwerbsbeschränkte Arme die Kultusgemeinde aus ihrer Kasse leistete, hat den Betrag von 25 00O Mark bereits weit überschritten und ist ein beredtes Zeichen des oft' bewiesenen Wohltätigkeitssiunes der Leitung der israelitischen Kultusgemeinde, gleichzeitig aber ein bedeutender Grad von Hochherzigkeit gegen die Stadtgemeinde, der in so umfassender Weise ein Teil der ihr obliegenden Unterstützungspflicht für Erwerbs- und Arbeitslose abgenommen wurde. Wie 1870 das israelitische Hospital in der Theaterstraße zur Verwundetenpflege unter der Flagge des Roten Kreuzes stand, so ist auch diesmal in demselben ein Saal mit zwanzig Betten zur Aufnahme von verwundeten und erkrankten Kriegern der Militärbehörde zur Verfügung gestellt worden. Außerdem wurden zur Verwundetenfürsorge benötigte Räume wie die vollständig neue Einrichtung eines Operationssaales geschaffen; Aufwände, die ebenfalls mehrere tausend Mark erforderten. — Frankfurt a. M., 30. Juli. Aus Anlaß der Eröffnung des neuen K r a n kenhauses der I s r a e l i t i s ch e n Gemeinde an der Gngernstraße ist jetzt eine Festschrift erschienen, die Dr. W. Hanauer zu einer kurzgefaßten Geschichte der jüdischen Krankenpslege in Frankfurt, a. M. erweitert hat. Das hier zusammengetragene Material umfaßt das Mittelalter während der ersten Ansiedlung der Juden in Frankfurt, dann den Zeitraum von 1462 bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und endlich auch die neueste Zeit. Ten jüdischen Aerzten und den Krankenhäusern ist ein besonderes Kapitel gewidmet. Der zweite Teil der Schrift behandelt den Reubau am Röderberg, über dessen architektonische Gestaltung und innere Ausstattung schon berichtet wurde. Die mit Abbildungen geschmückte Festschrift ist im Verlag von I. Kauffmann erschienen. Von jflaij und Lern. Ans Anlaß des Jahrestages des Kriegsbeginnes fand am vorigen Sabbat in den meisten Synagogen Groß-Berlins in Verbindung mit dem Hauptgottesdienstein feierlicher Dankgottesdienst statt. Predigten mit besonderem Hinweis auf die weltgeschichtliche Bedeutung des 1. August hielten: in der Reuen Synagoge Rabbiner Tr. W a r s ch a n e r, in der Synagoge Fasanenstraße Rabbiner Dr. B e r g m a n n. Am Sonntag fand auch im Gotteshaus der I ü d i - s ch eit Refo r m gemeinde ein erhebender Dankgottesdienst statt. Die Predigt zur Feier des historischen Tages hielt Prediger Dr. Lehm a n n. Dem Gottesdienst in allen Synagogen wohnten viele verwundete jüdische Soldaten bei. — In feinsinniger Weise ehrte Frau Direktor D r. M i n d e n das Andenken des im vorigen Jahre verstorbenen Predigers Dr. M. Lev i n. Sie ließ durch den bekannten Porträtmaler Lesser Ury des Verewigten Bildnis Herstellen und stiftete es an seinem Geburtstage (3. August) dem Sitzungssaal der Jüdischen R e f o r m g e m e i n d e, der Stätte, an der der Verklärte nächst der Kanzel über dreißig Jahre zum Segen seiner Gemeinde gewirkt hat. — Professor Dr. I a m e s J s rae l, der den Sultan vor kurzem mit Erfolg an Blasensteinen operiert hat, ist von diesem der Osmanieo r den er st e r K lasse verliehen worden. — Die von dem. verstorbenen Konsul Herrn A. M. Simon in Hannover beim Deutsch-Israelitischen G e m e i n d e b u n d begründete Montefiore-Stiftung verteilt alle fünf Jahre die Zinsen des etwa 3000 Mark betragenden Fonds an jüdische Lehrer des Handwerks und des Gartenbaues. Von den fünf diesjährigen Bewerbern erschienen zwei, für die Verleihung einer Prämie geeignet. Es erhielten: Herr Lehrer Jacob Strauß in Offenbach 250 Mark und Herr Lehrer Rothschild in Achim 150 Mark. — Im Rechnungsjahr 1915/16 kommen als Einkommensteuer für den Bezirk der Syn a gegengemeinde Posen 45 Prozent des Staatseinkommensteuersatzes zur Hebung. Die Besteuerung erfolgt auf Grund der Einschätzung für die staatliche Einkommensteuer. Der geringste zur Hebung kommende Steuerbetrag ist auf 1 Mark jährlich festgesetzt. Die Gemeinde zählt 1800 Zensiten. Im Vergleich zu den anderen Gemeinden der Provinz sind die Steuern in der Gemeinde Posen sehr mäßig zu bezeichnen. — Aus Bütow in Mecklenburg wird berichtet: Bei einem schweren Gewitter setzte ein Blitz den Dachstuhl der hiesigen Synagoge in Brand. Der Brand konnte nach einer Stunde gelöscht werden. — Herr Prediger K ahn, Köslin, bittet um Zusendung von Siddurim, Chumoschim, hebräischer und Jargonliteratur, Tefillin, Arba Kanfoth und Tallesim für zirka 30 jüdische Russen (Gefangcne) in Thunow-Nnssow. — Der Hauptmann der Landwehr Justizrar Dr. E. Bloch in München wurde zum Major befördert. Reben Major z. D. Hollerbaum aus München ist er der zweite Offizier jüdischen Glaubens, der diesen Rang in der bayerischen Armee bekleidet. — Für den jüdischen Religionsunterricht an den Volksschulen leistete die Stadtgemeinde München bisher einen jährlichen Zu. schuß von 2000 Mark. Aus Ersuchen der Kultusgemeinde beschloß das Gemeindekolleginm einstimmig, aus Billigkeitsgründen diesen Zuschuß auf 3000 Mark zu erhöhen. — Anfang vorigen Monats tagte in Rotterdam die Jahresversammlung der niederländischen Abteilung der Alliance Israeltte. Rach der Eröffnungsrede des' Rechtsanwalts B. E. Ascher, Präsidenten der Abteilung, referierte Herr Israels über das Thema „Die Judenfrage und der Krieg". Rach einer eingehenden Debatte faßte die Jahresversammlung eine Resolution, die in Anbetracht der neutralen Stellung Hollands die Abteilungsleitung beauftragt, im Einvernehmen mit der Zentrale in Paris sich mi-t den jüdischen Organisationen aller Länder in Verbindung zu setzen zwecks Herbeiführung einer gemeinsamen Aktion für die jüdische Emanzipation. — Aus Pilsen wird geschrieben: Am letzten Sonntag hielt Herr Rabbiner Tr. Link auf Wunsch der ins Feld ziehenden jüdischen Soldaten einen Gottesdienst in der Synagoge ab und hielt an die Krieger eine entsprechende Kriegspredigt, worin er sie zur Treue für Kaiser und Reich anfeuerte und sie bat, das Judentum auch auf dem Schlachtfelde zu Ehren zu bringen. Bezeichnend für die Wirkung war, daß aus der Mitte der Soldaten ein Krieger evangelischen Glaubens an den Herrn Rabbiner herantrat und sich ebenfalls seinen Segen erbat. Im Namen der Soldaten dankte Here Moritz Gold aus Budapest Herrn Rabbiner Dr. Link für die er hebenden Worte. — Aus Wien wird berichtet: Se. Majestät der Kaiser hat dem k. k. Feldrabbiner Dr. K a r p e l i s, eingeteilt bei dee 46. Landwehrinfanteriedivision, für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Dr. K a r P e l i * ist der dritte Feldrabbiner unserer Armee, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. — Eine Andacht für die gefallenen jüdischen Krieger in Europa ist in Chicago in 15 Synagogen abgehalten worden. Mehr als 25 000 Juden waren dabei anwesend. Viele Tausende mußten wegen Raummangels umkehren. Die Stadtrabbiner, welche diese Veranstaltung getroffen haben, hielten warme Gedenkreden. Ein Appell, die unglücklichen Familien der gefallenen Opfer zu unter stützen, hat 10 000 Dollar eingebracht. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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